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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-27 · 17 (27.4.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
17 (27.4.1900)
Date
1900-04-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 3to Bloch's WochrnfttxrM Sette 317 gründeten Entschluß rückgängig zu machen. Frau Baronin Oppenheimer hat stets durch induvidualisirende Auffassung der Waisenpflege Hervorragendes geleistet. Jedes irregehende, jedes erkrankte Kind war ihrer verdoppelten Fürsorge sicher. Die Unterbringung der Zöglinge bei Lehrfrauen, die Unterstützung ausgetretener, Mädchen waren ihre wichtigen Aufgaben. Man darf wohl sagen: Je mehr eine Verwaiste der Hilfe, der Nachsicht bedurfte, desto mehr fand sie beides bei dieser gütigen Beschützerin. Daß sie den Zöglingen ihr Wohlwollen nie entziehen werde, versprach sie bei ihrem Austritte und hat sich dadurch nur umso mehr die dankbare Erinnerung der ehemaligen Colleginnen gesichert. Ein wichtiges Ereigniß im abgelaufenen Jahre war der am 19. Februar erfolgte Eintritt der Frau Hermine Strakosch, der vom Vorstande des Vereines zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen im Einverständnisse mit dem Schutzdamen-Comite ernannten Hausmutter. Durchdrungen von der Wichtigkeit ihrer Aufgabe, erfüllt von mütterlicher Empfindung für die Verwaisten, hat sie sich bereits in ihrem Wirkungskreis eingelebt, sich Anhänglichkeit und Vertrauen der Kinder und der Angestellten, sowie die volle Zufriedenheit der Schutzdamen erworben. Zu einer Tombola am Purim wurden die Zöglinge durch hübsche Gewinnst« erfreut. Der Seder wurde wie alljährlich in Anwesenheit des Herrn David Ritter v. Gutmann und einiger Schutzdamen festlich begangen. Dem Chanukah-Feste, dieser für die Zöglinge erfreulichsten Feier, wohnten viele werthe Gäste bei, darunter die Damen Cäcilie Adler, Annica Benvenisti, die Herren Dr. Alfred Stern, Dr. Hertzka, Ritter v. Bauer, Dr. Spitzer, Docent Dr. Klein, di: Directoren Hecht und Fischer. Die Schutzdame Frau Sofie v. Bauer hat neuerdings Gaben von angesehenen Firmen erhalten, wodurch sich die Betheilung der Zöglinge umso reichlicher gestaltete. Die Schutzdame Frau Stefanie Weiß v. Wellenstein hat die Anschaffung der vielen nützlichen und erfreuenden Gegenstände, mit denen die Kinder seitens der Schutzdamen beschenkt wurden, besorgt und geschmackvoll auf den Tischen geordnet. Die Kosten wurden durch Spenden der Schutzdamen und von den Zinsen des von Frau Sofie von Gutmann zu diesem Zwecke gewidmeten Capitals bestritten. Die anerkennenswerthen Gesangsaufführungen, die den 19jährigen uneigennützigen Bemühungen des Herrn Obercant.ors Singer zu verdanken sind, geben uns Veranlassung, Herrn Obercantor Singer sowohl für seine Mühewaltung, wie auch für seine trefflich pädagogische Anleitung unseren Dank auszusprechen. Unter den Spenden seien besonders hervorgehoben: Bon Frau Baronin Iella v. Oppenheimer anläßlich ihres Austrittes, für die Henriette Gomperzstiftung 4000 Kronen. Von Frau Rosa Paul Schiff anläßlich der Vermälung ihrer Fräulein Tochter 200 Kronen. Bon Herrn Baron Hermann Königswarter 600 Kronen. Von Frau Rudolfine Morpurgo. am Sterbetage ihres in Gott ruhenden Gemals 100 Kronen. Von Frau Theodora Ellisen (Paris) an ihrem 80. Geburtstage 100 Kronen. Wien. Freitag, den 13. d. M., am Rüsttag zum Passahfeste, schickten sich die zahlreichen Verwandten, Freunde und Verehrer des am 11. entschlafenen, ehrwürdigen Greises von 94 Jahren, Dr. Samuel K a d i s ch an, demselben die letzte Ehre zu erweisen und die entseelte Hülle zur ewigen Ruhe zu bringen. Die geräumigen Säle des Trauerhauses hatten Trauerschmuck angelegt, prangten im düslern Flor, den einfachen Sarg umflammlen leuchtende Kerzen und die Räume waren von theilneh menden Besuchern gefüllt. Nicht nur sämmtliche männliche und weibliche Glieder des weitverzweigten Verwandtenkreises waren erschienen, sondern auch viele andere distinguirte Persönlichkeiten. So bemerkte man unter den Anwesenden den Rector des jüdischtheologischen Seminars, Dr. Schwarz. Professor Büchler, Lector Friedmann, den Scriptor der k. k. Bibliothek, Dr. Frankfurter, Schriftsteller Em. Baumgarten, die Rabbiner D. Löwy und Dr. Kaminka. die Aerzte Doc. Dr. Hammerschlag, Dr. Pokorny, Dr. Herzka, Dr. Red ich, Vorsteher Abeles, Ortsschulrath S. Heit, B. Kanitz, Dr. Mor. Lichtenstein und noch viele andere. Ehe der Sarg gehoben wurde, trat schmerzbewegt der leidtragende Schwiegersohn Dr. Ungerleider, Rabbiner aus Berlin, an denselben und gab den Trauergefühlen beredten Ausdruck. Sinnig begann der Redner: „Wenn heute der Tag sich zum Ablaufe neigt, sammeln sich die jüdischen Familien zu einem freudigen Feste. Wir aber sind zu einer Trauerfeier hier vereint an dem Tage, an dem wir alljährlich hier zusammenkamen, den Geburtstag unseres theuren und geliebten Vaters in freudiger Stimmung zu begehen, der heute sein 94. Lebensjahr vollendet hätte. Doch sei es ferne von uns, an dieser Bahre Klagetöne anzustimmen. Nur den tiefempfundenen Dank wollen wir der Vorsehung zollen, die in ihrer unermeßlichen G te und Gnade uns mit diesem Vater beschenkt und ihn uns solange erhalten hat."' Er schilderte und pries sodann das tugendvolle und verdienstvolle Leben des Entschlafenen als Mensch, Arzt, Jude und Familienvater. Er reihete ihn sinnig zweien Lichtgestalten seines Stammes an, mit denen er den Namen Salomon gemeinsam hatte, den er wie diese ruhmvoll trug. Von diesen war der Eine eine biblische Größe, der Prophet Samuel, dem das Epitethon „der Erhabene", Hozo molki beigelegt wurde, weil sein ganzes Leben dem Dienste Gottes geweiht war. Der Zweite war eine talmudische Autorität, der sich bei allen geistigen und moralischen Vorzügen bescheiden „Samuel der Kleine" nannte, von dem die allgemeine Bolksstimme, das „Bath-kol" jedoch rühmte, das er würdig sei. daß ihn der Abglanz der himmlischen Majestät, die „Leiieebinak", ziere und schmücke. — Die dem Herzen entquellenden Worte drangen tief in alle Herzen ein. Die Rede war eine Meisterleistung, würdig des Sprechers würdig des Verklärten, dem sie geweiht war. Nachdem noch der Redner im Namen der ganzen Familie, der ältesten Tochter des Verklärten, Frau Geiringer, in warmen Worten für die überaus zärtliche Betreuung des Entschlafenen den Dank ausgesprochen und ebenso seinen ärztlichen Berathern und der treuen Pflegerin gedankt hatte, wurde der Sarg feierlich gehoben. Auch in der Ceremonienhalle sprach der Redner einige Abschiedsworte, die ebenso kurz, als packend und ergreifend waren und ihre Wirkung nicht verfehlten. So schied Dr. Kadisch ohne Kampf ehrenvoll von der Erde, auf der er lange ehrenvoll und ruhmreich gelebt. Sein Andenken wird zum Segen bleibend sich erhalten. Lemberg, 23. April. Eben vernehmen wir, das in Kürze der seit Jahren projectirte jüdisch - galizische Gemeindetag zusammentreten wird, um über die wichtigsten, einer Regelung oder Stellungnahme bedürftigen Angelegenheiten des galizischen Judenthums zu berathen. Die Einladung geht von dem hiesigen Cultusvorstande aus. Das Programm wird nächsten bekannt gemacht werden. Sollte die Cultusrepräsentanz aus diesem Anlasse Eintrittskarten für die jüdischen Berichterstatter ausgeben, so werden wir über den Verlaus dieses wichtigen Gemeinvetages berichten. Prag. (Karolinenthal.) Am 25. März feierte die hiesige Chevra-Kadischa ihr 40jähriges Gründungsfest. Den Tendenzen der Chewra-Kadischa entsprechend verlief die Feier in einfacher, aber würdiger und alle Teilnehmer erhebender Weise. Sie begann mit einem Festgottesdienste in der Synagoge, an welchen die Vorstände der ehrwürdigen Prager Chewra-Kadischa, der Nachbargemeinden Lieben, Weinberge und Smichov und die Mitglieder der hiesigen Chewra theilnahmen. Auch die Rabbiner von Prag und Vororte: Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Rabbiner M. Knöpfelmacher, Dr. Deutsch, Dr. Weiner waren erschienen. Den liturgischen Theil des Gottesdienstes führte der wohlgeschulte Männerchor des Tempelgesangsvereines aus. Die Festrede hielt unser Rabbiner Dr. Isidor Hirsch. An den Gottesdienst schloß die festliche Generalversammlung an. Eröffnet wurde dieselbe von dem Obmanne, Cultus- Vorsteher-Stellvertreter I. Schönberger, der die zahlreichen Festtheilnehmer willkommen hieß. Hieraus entwarf der Cultusvorsteher Jg. Kallberg, Präsident der Prager Productenbörse, ein Bild der Thätigkeit der Chewra in den abgelaufenen 40 Jahren, gedachte in warmen Worten der Gründer der Chewra, ihrer gegenwärtigen Leiter und deren edlen Leistungen auf dem Gebiete der Krankenpflege, namentlich der vieljährigen Thätigkeit des verdienstvollen jetzigen Vorstandes. In der Festsitzung wurde hierauf der Antrag des Vorstandes, am Gründungstage die Zinsen einer Jubiläumsstistung von 2000 Kronen an 2 verarmte Vereinsmitglieder zu vertheilen, einstimmig angenommen. Die hierauf vorgenommenen Wahlen ergaben nachstehendes Resultat: Obmann Jg. Schönberger, Stellvertreter B. Mosauer, Geschäftsleiter und Cafsier H. Porges, Mitglieder des Vorstandes, Ignaz Kallberg, M. Hirsch, I. Weiß und S. Langer. Ersatzmänner Em. Zemanek, M. Fischl. Revisoren Jg. Löwy und Gottlieb Lasch. Trostpau, 23. April. Am ersten Paffachtage ist in Bielitz ein Mann verschieden, der den Größen des Judenthums beigezählt zu werden verdient, obzwar er aus den engen Grenzen seines Wirkungkreises nie heraustrat. Es war dies Herr M. H. Zier er, Mühlbesitzer ans Milovka bei Bielitz, welcher nach län-

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