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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-27 · 17 (27.4.1900) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
17 (27.4.1900)
Date
1900-04-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 316 Nr. 17 Dr. Bloch's Wochrttschrrfl. Wie». (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Dieser in den Wiener Kreisen aus seiner regen Thätigkeit gekannte Verein hielt am Sonntag den 22. d. M. in Hernfeld's Saallocalitäten seine X. ordentliche General-Versammlung ab. Trotz der hohen Temperatur, die Versammlungen gewiß nicht günstig ist, war kein Plätzchen leer und Herren und Damen brachten ein so warmes Interesse allem was sie dort sahen und hörten, entgegen, so daß bis 11 Uhr Niemand den Saal verließ. Der Präsident, Herr S. B r o d hielt einen ausführlichen Bericht über die Vereinsthätigkeit, aus welchem unter ungeteiltem Beifalle zu entnehmen war, daß der israelitische Gewerbestand unter dem Rechtsschutze des Verbandes in jeder Richtung gedeihe, daß ferner im verflossenen Jahre Darlehen in der Höhe von 10.000 fl. — an Gewerbetreibende durch den Verein vermittelt, die in Beträgen von je 3—400 fl. an Handwerker zur Sicherung ihrer Existenz nach erfolgter gründlicher Recherchirung verabfolgt wurden. Auch gab er einem Gedanken Ausdruck, daß der gesammte österreichische Gewerbe st and nur in der Selbsthilfe das Mittel zur Hebung finden könne und erläuterte, wie solches praktisch angewendet werden müffe. Vorstandsmitglied Fabrikant Herr S. Steiner erstattete den Cassabericht, den Tischlermeister Herr Jacob Vogelhut der Genehmigung empfahl. Nun hielt Herr Professor Richard Singer einen derart anregenden und interessanten Vortrag über Geld- und Zahlmittel, daß zum Schluffe die Versammlung demselben eine Ovation anläßlich seiner in diesem Monate gefeierten 25jährigen Jubiläen bereitete, die ein Echo in aller Herzen fand. Sodann besichtigte man die wirklich herrlichen Ausstellungen der beiden Meister, des Photographen A. Weiner und des Sattlermeisters M. Grünwald, die allseitigen Beifall fanden. An der Debatte betheiligten sich die Industriellen Beck. Friedmann, Steiner, ferner die Herren Justh und Ritter rc. Unter anderen Anwesenden bemerkte man Herrn und Frau kaiserl. Rath Dr. Kohn, die Vertreterinnen vieler Frauen-Vereine, Herr Dr. Weißmann für die Baron Hirsch Stiftung, Commercial- Rath S t i a ß n y, Bezirksausschuß W a l d st e i n, Architekt Modern, Industriellen Hermann König rc. rc. Wien. (Israelitischer Waisenverein.) Der Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der Wiener israelitischen Cultusgemeinde veröffentlicht seinen 39. Jahresbericht, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Unser Verein nähert sich einem bedeutsamen Marksteine, dem 40. Jahre seines Bestandes. In Erwartung desselben wollen wir uns nicht zu sehr von der Betrachtung der momentan ungünstigen Lage beeinflussen lassen. Auch wäre es zu ermüdend, die Klagen sich wiederholen zu hören, die uns die Verhältnisse der letzten Jahre entrungen haben. Thatsache ist, daß der Verein am Schlüsse dieses Jahres vor einem Deficite von rund achtzehntausend Gulden sich befindet. Dieses Resultat ist in völlig natürlicher Weise auf das Mißverhältniß zwischen den steigenden Ansprüchen und den zurückbleibenden Leistungen an den Verein zurückzuführen. Das Factum ist gewiß sehr ernst zu nehmen, und es wird aller Wachsamkeit und besonnener Zurückhaltung bedürfen, um einerseits der zunehmenden Reducirung, der Fonderträgniffe zu steuern, anderseits doch der immer schwieriger sich gestaltenden Aufgabe der Waisenversorgung gerecht zu werden.Dennoch verzagen wir nicht; uns stärkt die Wahrnehmung, daß unser Wirken seines Zweckes nicht verfehlt. Eine große Anzahl unserer Schützlinge hat sich zu geachteten Stellungen emporgerungen und ihre Dankbarkeit gegen den Verein beginnt sich in wahrhaft wohlthuender Weise zu äußern. Aus ihrer Reihe hat uns in diesem Jahre ein Geschwisterbund mit der sehr ansehnlichen Widmung von 20.000 Kronen überrascht und durch diese Bethätigung ihrer Anhänglichkeit in hohem Maße erfreut. Auch andere gewesene Schützlinge tragen und werden ihr Schärflein nach Maßgabe ihrer Kraft beitragen, um Mitarbeiter an einem Werke zu sein, dessen Segnung sie einst selbst empfunden haben. Angesichts dieser Erscheinungen soll uns keine Entmuthigung befallen. Wenn solche Früchte reifen, so war gute Saat bestellt. Dieses Bewußtsein mag uns über die Sorge erheben und mit Vertrauen in die Zukunft erfüllen. Dankbar gedenken wir auch anderer großmüthiger Widmungen und Spenden, von denen an dieser Stelle hervorgehoben werden sollen: Frau Jda v. Gutmann machte zwei den Namen Adolf Porges tragende Bettstiftungen mit dem Betrage von 20.000 Kronen; Moriz und Therese Berger aus Triesch: eine Widmung von 1500 Kronen zur Erhaltung des Andenkens für ewige Zeiten; für Herrn Heinrich Berger sel. 600 Kronen in Effecten zur Feststellung des Jahresbeitrages für ewige Zeiten; Herr Rudolf Auspitz, Großindustrieller, spendete in gütiger Weise neuerdings den Betrag von 1000 Kronen; — Ueber die Versorgung der Vereinsschützlinge bemerkt der Bericht: Der Verein trägt für die Waisen Sorge: 1. Durch Aufnahme in das Waisenhaus; 2. durch Gewährung von regelmäßigen Erziehungsbeiträgen; 3. durch einmalige oder wiederholte Unterstützung. Die Aufnahme in das Waisenhaus ist naturgemäß eine beschränkte, indeß zählt dasselbe gegenwärtig 62 Zöglinge weiblichen Geschlechtes, welche Zahl mit der Zeit hoffentlich wird erhöht werden können. Bei den meisten unserer schulpflichtigen Schützlinge ist, wie die vierteljährig und besonders am Ende des Schuljahres eingeforderten Zeugnisse Nachweisen, ein befriedigender Erfolg in den Lehrgegenständen zu constatiren. Viele der Heranwachsenden Schützlinge machen ihren Weg und haben Stellungen erworben als Baumeister, Buchhalter, Eisenbahn- und Verwaltungsbeamte, im Handwerke; die Talente unter unter ihnen ringen sich auch zur gelehrten und künstlerischen Laufbahn durch. Jährlich entsenden wir eine große Anzahl von Schützlingen in Feriencolonien; insbesondere finden sie Aufnahme in der Colonie für jüdische Waisen, welche Herr Dr. Maximilian Steiner, dem wir hiemit verbindlichsten Dank aussprechen, in Verbindung mit Herrn Director Mautner, seit vielen Jahren führt. Wenn auf diese Weise auch schon manches für die Wohlfahrt unserer Schützlinge geschehen ist, so bleibt noch immer Raum genug für eine weitere und gedeihliche Entwicklung unserer Thätigkeit auf diesem Gebiete und wir hoffen, mit der Zeit und mit zunehmenden Mitteln noch manche ersprießliche Einrichtung activiren zu können. Die Versorgung der Gesammtheit der Schützlinge beanspruchte die Summe von fl. 52.124 43, wovon fl. 22.612'69 auf das Conto des Waisenhauses entfallen. Der Vorstand besteht aus den Herren David Ritter von G u t m a n n, Präsident und Cassaverwalter; Dr. Arthur K u r a n d a, Präsident-Stellvertreter; Theodor Cohn, Moritz Hirsch, Revisor; Dr. Alfred Stern, Sigmund Trebitsch. Als Secretäre fungiren die Herren Jacob Mautner, Inspektor und Emil Katz, Secretär. — Der 26. Rechenschaftsbericht des Schutzdamen-Comitö für. das israelitische Mädchenwaisenhaus weist darauf hin, daß in die letzte VerwaltungZperiode die fünfundzwanzigste Wiederkehr des Tages fiel an dem siebzehn verwaiste Mädchen in die ihnen liebevoll bereitete Heimstätte,, in das von den Herren Gebrüder Gutmann zweckmäßig und behaglich für sie eingerichtete Waisenhaus eingezogen. Zweimal fand seitdem ein Wechsel der Oertlichkeit statt, bis das neue Haus gefestigt und mustergiltig, in günstiger Lage, neuerdings Kunde gibt von dem Edelsinn seiner Gründer, des Herrn Wilhelm Ritter v. G u t m a n n (selig) und des Herrn David Ritter v. Gutmann. Beinahe, vervierfacht hat sich die Zahl der Zöglinge, verdoppelt die der Aufsichtspersonen. Die Erziehungserfolge sind vorwiegend günstige gewesen, die durch ftühere Vernachlässigung arg geschädigte Gesundheit der meisten Zöglinge hat sich gekräftigt. Durch reiche Gaben und Stiftungen vermochte man nicht nur den im Hause Weilenden, auch den Ausgetretenen im Falle unverschuldeter Nothlage zu Hilfe zu kommen und kein Kind des Hauses zog hinaus ohne Sparpfennig und, wenn es nicht strafweise entlassen, ohne Aussteuer. Auch an Anerkennung von berufener Seite hat es dem erziehlichen Wirken nie gefehlt; in allen von den Zöglingen besuchten Lehranstalten haben sie sich gerechte Anerkennung erworben. Nach diesem wohlberechtigten erfreulichen Rückblicke wäre eine Gedenkfeier vielleicht angemessen gewesen; das Schutzdamen-Comite hat sich die Veranstaltung einer solchen jedoch versagt, in der Pietätvollen schmerzlichen Erinnerung an alle Jene, die am 14. Juni 1875 in seinem Kreise und ihm zur Seite gestanden, an die Frauen, an die Männer die damals mitgeholfen haben und die der Tod seitdem ihrem Arbeitsfelde entrissen hat, die meisten von ihnen vorzeitig, mitten in der Möglichkeit des Schaffens, in der Vollkraft guten Willens. In ihrem Sinne weiter zu arbeiten, gottgefällig, und gerecht den Menschen, Barmherzigkeit übend, die nicht an Raum und Zeit gebunden ist, — damit tritt das Schutzdamen-Comits in die zweite Bierteljahrhundertsperiode seines Bestandes, und dafür erbittet es: sich die fernere Unterstützung hilfsbereiter Menschen, die ihm bis nun so reichlich zutheil geworden ist. Frau Baronin Hella v. Oppenheimer ist aus dem Schutzdamen-Comite, dem sie seit 1887 angehörte, ausgetreten, trotzdem mehrfache Versuche gemacht wurden, ihren durch anderweitige Verpflichtungen be-

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