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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-27 · 17 (27.4.1900) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
17 (27.4.1900)
Date
1900-04-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 315 Die Juden hatten solche Verfolgungen ein halbes Jahrtausend lang, und zwar in allen Landen Europas zu erdulden/ II, 238. „Man hängt ihn (den Juden) zur Lust an den Füßen auf, ihm zur Seite unbändige Rüden, die mit Todesgeheul den Zuspruch der Mönche begleiten/ II, 238. „Als „Sache" verpfändete Karl IV. die Juden 1349 dem Frankfurter Rathe und für den Fall, daß sie starben oder umgebracht wurden, wenigstens ihr E'genthum." II, 239. Kaiser Wenzel sprach am Nürnberger Reichstage 1390 alle Stände von ihren Judenschulden frei, sie mußten jedoch 15 Procent des Judenguthabens an ihn bezahlen. Eine ungarische Ritualmordgeschichte. Aus Budapest wird telegraphirt: In einer Sitzung des Abgeordnetenhauses beantwortete Justizminister Dr. P l o s z die auf den „Namesztoer Kindermord" bezügliche Interpellation des Abgeordneten Z m e s k a l. Der Ministerpräsident führt aus, daß die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei. Es sei noch nicht bewiesen, daß ein Mord vorliege. Durch die Untersuchung sei widerlegt worden, daß an der Stelle, wo das todte Kind gesunden wurde, kein Blut vorhanden gewesen wäre. Die Leiche lag in einer Blutlache. Ebensounwahr seien auch die übrigen vom Interpellanten behaupteten Thatsachen, die von dem Letzteren mit Commentaren versehen worden seien, auf die der Minister nicht reagiren wolle. Zur Verfügung besonderer Maßnahme liege kein Anlaß vor, da die Untersuchung vollständig normale Bahnen wandle. Die Untersuchung sei übrigens durch dieJnterpellation verzögert worden, weil der Minister sich die Acten vorlegen lassen mußte. (Heiterkeit und Beifall.) Abgeordneter Zmeskal verwahrt sich dagegen, daß er an den Ritualmord glaube. — Das Haus nimmt die Jnterpellationsbeantwortungen des Ministers zur Kenntniß. Jüdischer Optimismus. Ueber jüdischen Optimismus sagt K. Köhler in einem jüngst gehaltenen Vortrag: Der Jude ist der größte Optimist unter allen Volkstypen. Er ist voll froher Zuversicht, voll Glauben an die Zukunft, voll Hoffnung. Ihm beginnt der Tag mit dem Abend, um aus Nacht zum Licht, zum vollen Sonnenglanz sich hindurch zu arbeiten. In finsterer mittelalterliche Nacht, aus Druck und Verfolgung heraus, rief er sein: „Nächstes Jahr in Jerusalem!" Er war stets froh und guten Muthes, wie auch das Leben sich ihm gestaltete. Und diese frohe Stimmung, dieses heitere Temperament, das selbst in Thränen lächelt, ist auch dem modernen Juden geblieben. Auch Heine in der Matratzengruft ist so unglücklich nicht. Nur der russische Jude scheint das Lachen verlernt zu haben. Rosenfeld und Zangwill und Cahan schreiben mit Thränen — das ist der verzerrte Jude, die Nordauische Degeneration! Der geistig gesunde Jude lacht gerne, hat stets trotz der Zerstörung Jerusalems gelacht! Und kein Elend, kein Druck und Schmerz konnte ihn der Hoffnung berauben. Sein Messias ist nicht gekommen, er kommt. Er kommt mit jedem Umschwung der Zeit, mit jeder neuen Wahrheit, jeder neuen Freiheitsepoche näher. Was die Menschheit ersednt — das ist des Juden Hoffnung. Die Schopenhauers, die Hartmanns und Nietzsches all jene philosophischen Jammergeister, die nur den Weltschmerz fühlen und an keinen Gott, keinen guten Geist der Geschichte glauben, hassen Juden und Judenthum. Der Jude hofft, strebt, glaubt, weil er nicht blos die Menschen, sondern die Menschheit liebt und den schließlichen Sieg des Rechts und der Wahrheit mit Sicherheit erwartet. Correspondenzen. Wien. (Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein.) Am 22. d. M. fand im Festsaale des israelitischen Cultusvorstandes die IV. ordentliche Generalversammlung des Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsvereines statt. Zu derselben waren als Ehrengäste erschienen: In Vertretung des Cultusvorstandes Herr Dr. Alfred Berger, dann Frau Rosa Zifferer, Präsidentin und Frau Bettelheim, Vorstandsmitglied des „Frauenhort" im IX. Bezirke, Frau Dr. Frifchauer Präsidentin des „Kinderhort", die Herren Dr. I. Bloch, Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift", S. Brod, Präsident des „Vereines zur Hebung der Gewerbe", Julius Ehrlich, Obmann des humanitären Vereines „Zwanglos" und Dr. Weißmann. Secretär der Baronin Hirsch „Kaiser-Jubiläums- Stiftung". Nach Begrüßung der Erschienenen durch die Präsidentin Frau kais. Rath Dr. Berta Kohn, widmete dieselbe dem im verflossenen Jahre dahingeschiedenen Ehrenmitgliede des Vereines, Frau Baronin Hirsch de Gereuth einen tiefempfundenen Nachruf, hiebei der unvergänglichen Verdienste dieser hervorragenden Philantropin dankbar gedenkend. Hierauf erstattete die Schriftführerin, Frau Dr. Lina Weiß den Jahresbericht. Demselben entnehmen wir u. A., daß der Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein im abgelaufenen Vereinsjahre circa 16.000 K an Unterstützungen verabreicht hat. Eine wahrhaft segensreiche Thätigkeit entwickelte der Verein in der Ausgestaltung des von ihm gegründeten „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhortes". In demselben sind derzeit 20 arme, verwaiste Mädchen untergebracht und erhalten diese während der Dauer ihrer, vom Vereine besorgten gewerblichen Ausbildung, vollständig unentgeltliche Unterkunft, Verköstigung und Bekleidung, sowie die zur Erlernung ihres Gewerbes nothwendigen Utensilien. Auch auf die religiöse und pädagogische Ausbildung dieser Mädchen, sowie auf ihre körperliche Entwicklung wird die größte Sorgfalt verwendet. So wurde auch Heuer wieder der 1. S e d e rabend feierlich begangen, indem diesmal in Vertretung des Hort-Directors, Herr Redacteur S. Käs, der Gatte der um den Verein vielverdienten Vorstandsdame Frau Berta Käs denselben in wahrhaft erhebender Weise las und leitete. Die Bemühungen der Bereinsleitung waren vom besten Erfolge gekrönt, und haben einige Hortzöglinge nicht nur ihre gewerbliche Ausbildung in zufriedenstellendster Weise vollendet, sondern durch Vermittlung des Vereines bereits lohnende Beschäftigung gefunden. Außer den im Horte selbst untergebrachten 20 Zöglingen werden eine ebenso große Zahl externer Zöglinge auf Kosten des Vereines in verschiedenen Gewerben ausgebildet, und erhalten auch diese Schützlinge unengeltlich die zur Erlernung ihres Gewerbes erforderliche Unterstützung an Geld, Materialien und Maschinen. Nach Erstattung des mit lebhaftem Beifalle und warmer Anerkennung aufgenommenen Jahresberichtes erklärte der Delegirte des Cultusvorstandes Herr Dr. Alfred Berger, daß der Cultusvorstand mit auftichtigem Interesse die Bestrebungen des Vereines und die erfolgreiche, zielbewußte Thätigkeit der Bereinsleitung verfolgen und daß der Cultusvorstand jederzeit dem Vereine sein ungeschmälertes Wohlwollen entgegenbringen werde, zumal der Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein, beziehentlich dessen bewährter Beirath Herr kais. Rath Dr. Kohn fich die größten Verdienste um die seitens des Cultusvorstandes angestrebte Centralisation der Wöchnerinnenpflege erworben hat. Nach dieser von lautem Beifalle begleiteten Erklärung wurde der von Herrn Alfred Kisch vorgetragene Caffabericht gemäß dem Anträge der Revisorinnen Frau Louise Bäck und Frau Marie Redlich genehmigt und der Vereinsleitung für ihre unermüdliche Thätigkeit der Dank und Anerkennung der Generalversammlung ausgesprochen. Die Präsidentin, Frau kaiserl. Rath Dr. Berta Kohn, dankte für diese Vertrauenskundgebung und versicherte, daß die Bereinsleitung wie bisher, auch in Zukunft mit ungeschmälerter Hingebung die humanen Aufgaben des Vereines wahrnehmen und denselben jederzeit nach besten Kräften gerecht werden wird. Bei den zum Schluffe vorgenommenen Neuwahlen wurden über Antrag des Herrn Dr. Bloch die Herren Dr. Arnold Ascher, Alfred Kisch, kaiserl. Rath Dr. S. Kohn. Professor Richard Singer, Dr. Leopold Weiß und Dr. Josef Winternitz zu Beiräthen, die Herren Wilhelm Frankl und Josef May zu Revisoren und Herr Moritz Fried zum Revisor-Stellvertreter gewählt. Der Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeits-Verein hat während seines verhältnißmäßig kurzen Bestandes geradezu Außerordentliches auf dem Gebiete der Armenpflege geleistet, der Kaiserin Elisabeth Lehrmädchenhort ist eine eminent segensreiche Institution und wäre es nur sehnlichst zu wünschen, daß jedermann die Bestrebungen dieses Wohlthätigkeits-Bereines nach besten Kräften fördern, zum Wohke unserer nothleidenden jüdischen Bevölkerung.

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