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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-27 · 17 (27.4.1900) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
17 (27.4.1900)
Date
1900-04-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Blvch's Wochenschrift^ Seit- 311 ner, Professor der Archäologie an der Londoner Universität und F. Häverfield. Für uns hat natürlich nur das auf das alte Testament Bezügliche,' aber auch Einiges aus späterer Zeit Interesse. Das Werk zu kritisiren kann nur Aufgabe des Fachmannes sein. Wir werden uns jedoch erlauben, hie und da unsere Bedenken zu äußern. Driver geht chronologisch nach der Bibel vor, beginnt also mit der Erschaffung der Welt, deren Darstellung, in der Bibel, wie er sagt: „durch die Erhabenheit des Inhalts sowohl als der Form ein Unicum in der Weltliteratur ist." . Diese biblische Darstellung hat nun wohl allerlei Aehnlichkeiten mit der auf assyrischen Thontaseln ausgezeichneten, von George Smith „chaldäische Grenesis" genannten, assyrisch-babylonischen Weltschöpfungslegende, weicht aber in vielem von ihr ab, so daß es uns sehr gewagt erscheint, diese als Quelle der biblischen zu betrachten. Manches ist der Tiianomachie der griechischen Mythologie ähnlicher als der Bibel. Aber viel größer noch als in. den Einzelheiten ist der Unterschied in dem Geiste und in der Gesammtauffassung. In Bezug hierauf sagt Driver : „Im Babylonischen, üppiger grotesker .Polytheismus, in der Bibel strenger und ehrwürdiger Monotheismus; dort besteht das Chaos vor der Gottheit, die Götter werden erschaffen oder erzeugt, wir wissen nicht wie und woraus und nur nach und nach erheben sie sich mit großer Schwierigkeit aus ihrem dunkeln und wüsten Zustande, hier ist die Oberherrschaft des Schöpfers absolut,^ sein Wort allein genügt das Werk der Schöpfung zu vollbringen." Selbst dem Ungläubigen muß die biblische Erzählung als erhabenere Poesie, als das Product fortgeschrittenerer Civilisation erscheinen. Und wenn unser Autor behauptet, daß die Bibel die Schöpfungssage von Babylon entlehnt, sie aber alles babylonisch-polytheistischen entkleidet und ihr den reinsten und erhabensten Monotheismus eingeflößt habe, wenn er ferner sagt, die biblische Darstellung sei das Resultat einer lange fortgesetzten Reinigungsarbeit, wodurch die heidnischen Elemente ausgeschieden und die reinern Ideen und Lehren der Religion Israels eingeflößt wurden, so gibt er zu, daß diese Religion etwas von der heidnischen Mythologie Grundverschiedenes, den Juden allein Eigenthümliches ist. Größere Aehnlichkeit hat mit der biblischen Erzählung von der. Sintfluth eine Episode eines großen babylonischen Epos, in welcher der unsterblich gewordene Parnapischtim die große Ueberschwemmung schildert, aus der er allein mit allen seinen Angehörigen, Reichthümern und Thieren gerettet wurde, da er, der Weisung eines Gottes folgend, sich ein großes Schiff erbaute. Aber auch hier ist alles mit ungeheuerlichem mythologischen Beiwerk überladen. Nebenbei mag bemerkt werden, daß der Held dieses babylonischen Epos jetzt Gilgamesch genannt wird, während frühere Assyrologen den Namen Jzdubar lasen. Das mag wohl zu Zweifeln auch an anderen Lesungen berechtigen. Auch ist es auffallend, daß in allen babylonischen Mylhen und Sagen weder der Name noch die Thaten Nimrods erwähnt werden. Was endlich das hohe Alter der babylonischen Civilisation betrifft, so begegnet auch dieses berechtigtem Zweifel; Naram- Sin, der Sohn Sargons, des ersten babylonischen Königs, soll 3700 bis 3800 Jahre vor der christlichen Aera gelebt haben. Woher weiß man das? König Nabonidus, der um 550 lebte, gibt in einer Inschrift an, Naram-Sin habe 3200 Jahre vor ihm gelebt. Woher wußte aber Nabonidus die Jahreszahlen so genau anzugeben? Und ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß er mit dem hohen Alter seiner Dynastie prahlen wollte? In der That stemmen auch die Angaben verschiedener Inschriften, sowie die Auslegungen moderner Assyrologen mit einander nicht überein. Einer von diesen liest an der erwähnten Stelle 2200 statt 3200., „Tausend Jahre, sind in ihren Augen wie ein Tag." . Und vielleicht ließen sich noch ein paar Jahrhunderte abhandeln. Uebrigens ist zu bedenken, daß wir es in diesen babylonischen Epen und mythologischen Erzählungen, ja selbst in den Königslisten nicht' mit verläßlichen zeitgenössischen Denkmälern, sondern mit der Literatur zu thun haben. Wenn sie „in Keilschrift ans Ziegelstein" geschrieben sind, anstatt auf Papyrus oder Pergament, so verdienen sie doch deshalb nicht mehr Glauben als die Bibel, selbst wenn diese nur als historisches Werk bettachtet wird. Die Erzählung von Joseph und dem Aufenthalt der Kinder Israels in Aegypten wird von den Denkmälern des Landes weder bestätigt noch bestritten, aber sie zeigen, wie treu und genau egyptische Sitten und Institutionen in der B.bel dargestellt sind : Auf einer Abbildung in dem Grabe König Ramses Hl. in Theben, aus der Zeit bald nach dem Auszug der Israeliten, sehen wir, gleichsam als Illustration zu Genesis XL, 16, einen Mann der einen Korb mit Brot auf seinem Kopfe trägt, und eine Inschrift nennt den „Obersten der Bäcker", ägyptische Texte erwähnen auch des Ausprefsens der Trauben unmittelbar vor dem Trinken (ebenda Vers 11) und der besonderen Festlichkeiten am Geburtstag des Königs (ebenda Vers 20). Geheimdeuter und Weise (XU, 8) werden als „Wisser der Dinge" und Berather des Pharao in einer Inschrift genannt. Dem altegyptischen Gebrauch entspricht es, daß Josef sich den Bart scheeren läßt, bevor er vor dem König erscheint, daß er mit einer goldenen Ehrenkette beschenkt wird und daß er als Fremder, bei Erlangung eines hohen Amtes seinen Namen egypttsirt (XU, 14, 42, 45). Eine Inschrift in einem Grabe zu El Kab, ungefähr aus der Zeit in der Josef gelebt haben soll, spricht von einer mehrere Jahre dauernden Hungersnoth und der Vertheilung von Getreide an das Volk. Eine hochtrabende Inschrift des Königs Merenptah spricht mit viel Eigenlob von dessen Siegen über verschiedene Völker, unter denen auch „Jsiraal" genannt wird. Da man annimmt, daß zur Zeit dieses Königs der Auszug der Juden erfolgte, so weiß man nicht recht wer damit gemeint ist. Einige vermuthen, daß damit in Kanaan zurückgebliebene, gar nicht nach Egypten gekommene Israeliten gemeint sind, andere Gelehrte nehmen an, daß der Auszug viel früher erfolgte und die Kinder Israels zur Zeit dieses Königs beretts das gelobte Land besetzt hatten. Es könnte aber auch sein, daß die Worte „Jsiraal ist ruinirt, es existirt nicht mehr" nur das Entweichen derselben aus Egypten bezeichnen sollten. Daß Niederlagen in officiellen Bulletins für Siege ausgegeben werden, kommt ja auch noch jetzt vor. Vor ungefähr einem Dutzend Jahre sind in Tell-el- Amarna, ungefähr vierzig Merlen südlich von Kairo, mehrere hundert in Keilschrift beschriebene Thontäfelchen ausgegraben worden, welche die Correspondenz egyptischer Gouverneure Kanaans mit den Königen Amenophis 10. und Amenophis IV. enthalten sollen. Es dürfte dies der Zeit entsprechen, während der die Israeliten in Egypten lebten, würde also der Bibel nicht direct widersprechen. Aber es ist noch Manches darin so unklar, daß der Laie in diesem Fache sich jeder Bemerkung oder Zweifeläußerung enthalten muß. Ueber die ganze Zeit nach dem Auszug, die Zeit der Richter und der Könige Saul, David und Salomon, finden wir in nichtjüdischen Denkmälern und Schriften nicht die geringste Aufklärung. Erst König Schischak von Egypten, der sich in einer Inschrift rühmt 156 Städte erobert zu haben, nennt unter diesen auch mehrere Orte des heiligen Landes und bestätigt damit das in der Bibel aus der Zeit König Rechabeams (I. Königs XIV, 25) Erzählte. Daß Jerusalem unter den eroberten Städten nicht genannt ist, wird damit erklärt, daß die Inschrift zum Theil zerstört ist. Im Jahre 1868 wurde von einem Deutschen, Dr. Klein in Dibon östlich vom Todten Meere, eine Basaltplatte mit einer Inschrift des Königs Mescha von Moab aufgefunden, deren Inhalt auch außerhalb der Fachkreise berechtigtes Jntereffe erregte und viel besprochen wurde. Die Inschrift betrifft den im dritten Capitel des zweiten Bnches der Könige erzählten Abfall des Königs von Moab und deffen Krieg mit dem König von Israel. Im Widerspruch mit der Bibel schildert Mescha sich als der Sieger; aber wenn wir den Schlußvers des erwähnten Capitels genau betrachten, so merken wir. daß er eigentlich nur das verschämte Eingeständniß einer Niederlage oder wenigstens eines Rückzuges ist. Und wenn Mescha dankbar der Hilfe seines Gottes Kemosch gedenkt, so wird auch in der Bibel der „große Zorn über Israel" als Folge des geopferten Erstgeborenen des Königs dargestellt. Die Sprache der Inschrift ist dem Hebräischen des Alten Testamentes sehr ähnlich, fast ein Dialect desselben. Auch die Ausdrucksweise und der Gedankengang sind denen der Bibel ähnlich. Auffallend ist es, daß Mescha die Bundesgenoffen des Königs von Israel nicht erwähnt und diesen Omri nennt, während nach der Bibel damals schon deffen Enkel Jehoram regierte. Merkwürdigerweise nennt wieder König Salmanaffer von Assyrien, in seiner Inschrift auf einem von Layard gefundenen schwarzen Obelisk, „Jehu Sohn Omris" als Tribut zahlenden

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