Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-20 · 16 (20.4.1900) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
16 (20.4.1900)
Date
1900-04-20
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021331-3021348--09826-3034274
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift» Sette 307 Michael. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) „Hunderttausendmal verfl . . . ." schrie Lorenz Hornek, als er sich jetzt ganz allein mit dem am Boden liegenden blutüberströmten Mann befand, „einen solchen Ausgang Hab' ich am Wenigsten erwartet! Hölle und Teufel, was fängt man da am gescheitesten an?.Wohl den dummen Bengel da liegen lassen und nach der Stadt reiten! . . . . Was ist das? Den Hufschlägen nach zu urtheilen, nähern sich die Reiter .... Herr und Gott! da sind sie ja schon in meiner Sehweite. meiner Seel', weiße Cavalleriemäntel, das können nur Officiere, Kameraden sein, die von Posewitz kommen. Wer sie sein mögen? Muß sie gerade jetzt der Teufel hieherführen! Was soll ich thun? Mich aus dem Staube machen, fortreiten? Das wäre für den Moment freilich das Gescheidteste; — aber in der Folge könnte mir das verfl.... Schwierigkeiten bereiten. Wenn sie nach W. reiten und den Todten am Boden liegen sehen, so werden sie mich ja fragen, ob ich ihn nicht bemerkt habe .... Verdammte Situation!" Mittlerweile hatte sich das Wetter geändert, am Himmel waren Schneewolken aufgezogen und hatten die Mondesscheibe verhüllt, es lag jetzt über die ganze Gegend ein unsicheres Halbdunkel ausgebreitet, nur jene Gegenstände, die sich scharf von ihrem Hintergründe abhoben; z. B. die heransprengenden Cavallerieosficiere in ihren weißen Mänteln, waren deutlich erkennbar; so konnte es geschehen, daß Rittmeister Graf Altheim und Lieutenand Prinz Kalten-Moggendorf schon in einiger Entfernung wohl den Baron, aber nicht den neben ihm am Boden dunkeln Körper bemerkten. „Bon soir!" rief Hornek ihnen einige Schritte entgegenreitend. „Irre ich mich nicht? Sind Sie's wirklich, Prinz, und Sie Graf Altheim? Das Vergnügen, Sie heute nochmals zu sehen, hatte ich auf Ehrenwort nicht erwartet!" Die beiden Officiere hielten ihre Pferde an. „Weshalb sind Sie allein, ohne Reitknecht?" frug der Graf. „Auch waren Sie in einem Einspänner herausgefahren, wo haben Sie den gelassen?" Hornek beantwortete nur die zweite Frage. „Als ich Posewitz verließ, war es mondhell, und es erschien mir besser den Weg zu Pferd zurückzulegen, als in dem elenden Einspänner, dessen ich mich, kaute äe mieux, zum Hinausfahren bediente .... Aber was konnte Sie, meine Herren, bestimmen, das Fest, das Ihnen zu Ehren gegeben wurde, so zeitig zu verlassen?" „Sie sehen uns auf dem Wege zur galizischen Grenze, und wir haben große Eile. Wir sind zu unserem neuen Regiments einberufen worden. Wie wir erfahren, wird der Krieg jetzt bald beginnen." „Ah!" stieß Lorenz Hornek aus tiefster Brust hervor, aber was den Officieren als angenehme Ueberraschung erschien, war nur der Ausdruck plötzlich eingetretener Beruhigung. „Da müssen Sie zunächst die Richtung nach Olmütz einschlagen, nicht wahr?" sprach Horneck eifrig, und als die Officiere dies durch ein Kopfnicken bejahten, fuhr er rasch fort, „da bin ich in der Lage Ihnen einen weit kürzeren und befferen Weg als über W. anzugeben. Ich bitte Sie, hier etwa hundert Schritte zurückzureiten, und das Schneefeld dort quer zu durchschneiden, dann gelangen Sie auf die Hauptstraße, die sie Ihrem Ziele rascher näher bringen wird, als die von Ihnen beabsichtigte." Der Graf und der Prinz hatten keinen Grund anzunehmen, das Hornek bezwecken könne, sie irre zu führen, sie aus ihrer Richtung abzulenken; sie ritten von ihm begleitet zu der von ihm angegebenen Stelle zurück, wo sich in der That ein Seitenweg befand. „Schönen Dank, Baron", sprach der Rittmeister, als sie sich trennen sollten. „Auf baldiges Wiedersehen vor dem Feind!" fügte der Prinz hinzu und reichte Hornek die Hand, dieser zog seine Rechte widerwillig und zögernd unter dem Dragonermantel, in dem er eingehüllt war, hervor, er wollte sie nun auch dem Grafen reichen; aber dieser schien sie nicht zu bemerken und sprengte nun ohne weiteres Abschiedswort davon. „Sie, Graf", meinte der Prinz, nachdem die Beiden einige Minuten schweigend nebeneinander geritten, „warum haben Sie denn nicht des Barons Hand angenommen, als er fie Ihnen reichte. Das schien mir nicht absichtslos .... Sie waren auch — sokurz die Zeit war. Hab' ichs doch bemerkt — plötzlich wie umgewandelt gegen ihn ... . was hat das zu bedeuten?" „Das hat zu bedeuten, daß ich in dem Momente erkannte, daß unser ehemaliger Kamerad Hornek — ein Schurke ist. Als er uns die Hand zu reichen seinen Mantel lüftete, sah ich, daß er unter demselben nicht die Uniform, sondern die Kleidung eines Försters trägt. Der Officier unseres Regimentes, der in Pest ein Mädchen verführte und sein Wort gebrochen, hatte sich, wie Sie, Durchlaucht, sich noch erinnern werden, unter falschem Namen und der falschen Angabe, er sei ein Förster, in die Familie eingeschlichen. Ich kenne jetzt den schändlichen Verführer! Hornek wandelt offenbar auch jetzt nicht auf rechten Pfaden. In Posewitz trug er die Uniform, er hat in der kurzen Zeit unterwegs seine Kleidung gewechselt .... das hat etwas, und zwar nichts Gutes zu bedeuten .... Es ist ein Glück für Hornek, das ich übersetzt wurde, mit dem. . . ." Altheim schluckte eine derbe Bezeichnung hinunter, „hätte ich nicht eine Minute länger zusammengedient." „Lieber Graf, sollen Sie nicht unsere braven ehemaligen Kameraden von den Dragonern davon verständigen? „Durchlaucht, ein Altheim ist kein Delator — ganz bestimmt auch ein Kalten-Moggendorf nicht — nicht wahr?" „Graf Altheim!" rief der Prinz enthusiastisch, „mein Großpapa hatte recht, als er mir Sie zum Muster empfahl. Sie find ein echter Edelmann, wie er im Buche steht .... ich bin halt doch nur ein turbulenter Bursche ohne Erfahrung, der stets seiner ersten Eingebung folgt .... Jede Wette möcht' ich halten, der Großpapa hat es deßhalb durchgesetzt, daß ich zu den Uhlanen transferirt wurde, damit ich nicht von Ihnen getrennt werde." * * * Wieder athmete Hornek tief'auf, als er allein auf dem Schauplatze seines mißglückten Verbrechens geblieben war. „Der Angstschweiß ist mir ausgebrochen," murmelte er, „als die Beiden heransprengten. Wenn sie den Klotz da auf der Erde bemerkt hätten, hätte dies zu verfluchten Auseinandersetzungen geführt, ich mich trotz meiner Schlauheit verreden können. „Hm, was war das, Altheim, sonst die personificirte Höflichkeit, das zuckersüßeste Wohlwollen, wies meine Hand zurück? „Herr Gott, sapperment! Jetzt fällt's mir ein! Trotzdem ich den Dragonermantel möglichst wenig lüftete, muß er doch meinen Försteranzug erblickt haben. Altheim hat Augen wie ein Fuchs! Das mußte ihm doppelt auffallen, einmal die Verkleidung überhaupt, und dann gerade der Försteranzug! ... Aber ich hatte keinen anderen Eivilanzug, der vermaledeite Schneider Tuschet hatte mir den von mir bestellten noch nicht gebracht.. . fatale Situation!" er zerrte an seinem langen Schnurrbart, daß er sich ganze Haarbüschel ausriß ... „Herr Gott! ... Freilich vom lieben Herrgott darf ich bei solchen Dingen auf keine Unterstützung rechnen ... so soll mir diesmal der Teufel glücklich aus der Patsche helfen, sonst könnte bei Gott, die Geschichte ein miserables Ende nehmen! Wenn die schöne Sara vor Schrecken den Tod davon trägt, so würde der starke Bär das höchst ungnädig aufnehmen, er hat mir's ja heilig versprochen, und ich kenne ihn ja ... der wüthende, gewaltige Mensch würde sich nichts daraus machen, mir mit einem Knüttel, wie einem tollen Hunde den Schädel zu zerschmettern... „Wenn er es aber vorzieht, beim Regimentscommandanten eine Anzeige gegen mich zu erstatten, so kann es mir auch da verzweifelt schlecht ergehen! Wenn man die volle runde Wahrheit erfährt, kann ich infam cassirt und auf zehn Jahre auf die Festung kommen. Der Nikolauer kann auch plaudern und auf die richtige Spur führen. „Herr Gott, das war dumm und leichtsinnig von mir, daß ich dem hundsföttischen Trunkenbold zu viel Einblick in die vermaledeite Geschichte gewährte; — aber der Dummkopf ist nur dann zu fürchten, wenn Michael Klein gegen mich austrilt; dem muß ich so rasch als möglich zuvorkommen, der muß unschädlich gemacht werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.