Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 16 (20.4.1900)
- Date
- 1900-04-20
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Welle 308 Dr» Bloches Wochenschrift. Nr. 16 Zum größten Glücke ist mein Vater Bürgermeister und Justizchef in SB. Bor Allem muß ich, damit kein Verdacht geweckt wird, rechtzeitig zur Bisitirronde eintreffen, — dann weck' ich meinen Alten aus dem Schlaf. Seine Zärtlichkeit gegen mich hat allerdings sehr stark abgenommen, und ich bin nicht ganz schuldlos daran; aber er wird seinen Einzigen doch nicht in einer so jämmerlichen Patsche stecken lassen, uud meiner Rettung zu Liebe eine kleine Unregelmäßigkeit nicht scheuen; — es ist nicht die erste seines Lebens und wird, wenn ihm Gottes langes Leben schenkt, auch nicht die letzte bleiben!" Der herzlose Mensch wandte sein Pferd der Stadt zu und sprengte, — ohne sich um den erkauften Genossen seiner Schandthat zu kümmern, im schärfsten Galopp davon. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Die katholische Kirche und deren Nutzen für die Menschhert. Bon Julius M. Berger in Wien. Inhalt: Was hat die Kirche für Schule und Wissenschaft geleistet? — Die Herrschaft in der Religion der Liebe. — In welcher Weise förderte die römische Kirche die Sitten und die Moral bei ihren Gläubigen? — Das Verhalten der Kirche gegenüber dem weiblichem Geschlechts und der Sklaverei. — Der Reichthum dekatholischen Kirche und ihre Armenpflege. — Schlußbetrachtung. — Preis Mark 1.50. — Verlag der Handelsdruckerei in Bamberg. Der Verfasser vorstehender Schrift verfügt über eine reiche Belesenheit und seine immense Kenntniß der Culturgeschichte stellt er in den Dienst der Aufilärung. Kein Leser wird das Buch ohne Nutzen aus der Hand legen. Wir können diese Schrift auf das Wärmste empfehlen. Dr. M. H. Fried Länder, Rabbiner in Pisek. Der stznagogale Gottesdienst nach der Bibel, dem Talmud und den Aussprüchen der Weisen in Israel. Auch die neueste Arbeit des fleißigen Verfassers zeigt jene Vorzüge, welche alle Schriften desselben auszeichnen: reiche Belesenheit, faßliche und fesselnde Darstellung. Die Schrift ist im Selbstverläge erschienen und dürfte selbst Theologen von Nutzen sein. Ginge sendet. „Wir erlauben uns nochmals auf die Brochure: „Der Religionsunterricht an Bürgerschulen" von Jos. Plohn, ll. vermehrte und verbesserte Auflage, alle Eltern und die löbl. Vorstände der israelitischen Eultusgemeinden aufmerksam zu machen. Das Büchlein sollte ein Vademecum für alle die Schule verlassenden Kinder sein und eignet sich dasselbe vorzüglich zu Geschenken für Eonfirmanden und Konfirmandinnen" Briefkasten. W. SB. Ein berühmter christlicher Schriftsteller Anatole Leroy- Beaulieu citirt den Ausspruch eines jüdischen Arztes, welcher n u r den Glauben an die Wissenschaft hatte: „Lasset euere Söhne beschneiden, sie werden es euch danken, und wollet ihr Tuberculose und Schmarotzerkrankheiten vermeiden, so esset nur koscheres Fleisch." L. R. Das Gesetz befreit Sie vom Erscheinen beim Termin nicht und Sie dürsten eine Verurtheilung erfahren. Dr. L. in Hohenan. Der Bericht kam zu spät. i. Delitzs ch's „Rohling's Talmudjude" ist auch ins Russische übersetzt unter dem Titel: „Slovo pravdy o Talmudje.“ M. F—g. Das ist die alte Methode der Judenhasser. Als Hebbel 1851 in einem flammenden Gedicht für die Juden eintrat, nannte der baierische „Landbote" die Genovefa „Das Schandstück des getauften Juden Hebbel." Wilhelm D—g. S t a h l, der das große Orakel der deutschen Eonservativen ist, sagt in seiner Staatslehre: „Es ist die echte .Staats - Weisheit, daß die Regierung keine Scheu habe, in den einzelnen Maßregeln und Zwecken der öffentlichen Meinung entgegenzu trete n, ja vorübergehend gänzlich mit ihr zu zerfallen, aber nicht im Ganzen und für die Dauer sich von ihr löse, nicht aufhöre, einen Grund und Boden an ihr zu haben, daß sie fest und unerschrocken sei, wo sie Bestehendes gegen ihren falschen Andrang schützt, dagegen behutsam, ja.sich bescheidend, wo sie Neues einführen, oder Verschwundenes zurückbringen will." I. 51. Die Porzer, Löw, Schwarz rc., welche zu den angeseheilstcu und führenden Größen der clerical-antisemitischen Partei gehören, werden sich bei dem „Deutsdien Volksblatt" bedanken, daß dieses in den „Jndenstämmlingen" eine Art Prädisposition zum Mord entdeckt haben will. Arthur H. Sie fragen uns, in welchen Nummern das „Vaterland" die Insulten S ch n e i d e r's gegen eine Reihe der hervorragendsten Päpste zurückwies. Ja, da müssen Sie sich schon an das „fromme" „Vaterland" wenden, welches mit keinem Sterbenswörtlein für die Ehre der Päpste sich einsetzte. Offenbar gilt dermalen Schneider in der Kirche sehr viel .,. H. W. Die Auffassung, daß Israel A r a t e n eigentlich der Typus des anmaßenden, aufdringlichen Juden ist, der wegen einer Bagatelle Gott und die Welt behelligt, dürfte bald in weiteren antisemitischen und auch eonservativen Kreisen getheilt werden. Der Mann wird schließlich von Glück sagen können, wenn er nicht auch eingesperrt wird N. W. Es ist kein Zufall, daß die antisemitischen Blätter von Kaiser Friedrich III. so wenig enthusiastisch sprechen. War er es doch, der bei seinem Regierungsantritte an den Reichskanzler die Worte richtete: „Ich will, daß der seit Jahrhunderten in meinem Hause heilig gehaltene Grundsatz religiöser Duldung auch ferner alle meine Ünterthanen, welcher Religionsgemeinschaft und.welchem Bekenntnisse sie auch angehören, zum Schutze gereiche. Ein Jeglicher unter ihnen steht meinem Herzen gleich nahe, haben doch alle gleichmäßig in den Tagen der Gefahr ihre volle Hingebung bewährt." Nemo. Das sind durchaus erlogene antisemitische Behauptungen. Halten Sie den Leuten entgegen, was der Erzbischof von Canterbury im englischen Oberhause aussprach: „Der Juden Sittengesetz ist aus der reinsten Quelle, aus dem Gesetze Mosis und der Propheten geschöpft, aus der Quelle der Heiligkeit selbst. Ungeachtet menschlicher Einwirkungen hat es seinen ursprünglichen Hang nicht eingebüßt und es ruht bis auf einen gewissen Grad auf dereselben Grundlage mit den Vorschriften des Evangeliums. Was also die Sittlichkeit betrifft, steht es gut mit den Juden." Vercel in W« Die Mittheiluug ist uns bereits von anderer Seite zugekommen. Gottvertrauen. Leider ist uns eine derartige Persönlichkeit nicht bekannt. G. W. Sie haben zweifellos recht, allein es wäre der Sache dienlicher, wenn Sie sich selber an den Vorstand wenden. K. in V. Es ist doch wahrlich kein Zufall, daß der größte russische Bildhauer unserer Zeit — Antokolsky, — daß einer der größten amerikanischen Bildhauer — Ezekiel — und einer der angesehensten deurschen — Max Klein — Juden sind, von den vielen schönen Talenten, die aus unserem Stamme hervorgegangen, gar nicht erst zu sprechen. M. Prag. Der 15. Juni 1844 war am Freitag den 27. Sivan 5604. I. L. in K. Jahrzeit ist an dem Tage darauf, weil die Nacht zum kommenden Tage gezählt wird. I. G. Dieser blödsinnige Haß gegen Talmud wirkt schon geradezu possirlich: Das „Deutsche Volksblatt" will z. B. gegen den Talmnd aufreizen, indem es — es bleibe dahingestellt ob blos aus Ignoranz, oder aus Böswilligkeit — das biblische Verbot der Ehe zwischen einem „Kohen" und einer geschiedenen Frau, als ein — talmudisches denuncirt. I. W -hn. I. Der Statthalter Graf Kielmannse gg wurde früher von Lueger und den Seinen in der unqualificirbarsten Weise beschimpft und auch dessen Privatleben in die öffentliche Discussion gezogen. II. Freiherr v. Gudenus wurde mit Rücksicht auf seine Rücksichten gegen die Antisemiten in einem Wiener Blatte schon vor längerer Zeit als deren — Lakai bezeichnet. Jos. Piohn’s d. Religionsunterricht f. Bürgerschulen. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Preis 40 kr. bei Jos. Schlesinger, Wien, I., Seitenstetteng. 5. Chormeisterstelle. Beim Tempel-Gesangvereine ,,Schir Zion" in Iglau (Mähren), ist die Stelle eines Chorineisters zu besetzen. Diese Stelle ist mit einem Jahresgehalte von 1440 Kronen verbunden. Die Bewerber müssen ein gründbch musikalisches Wissen besitzen, ihre Eignung zur Leitung eines gemischten Chores und ihre bisherige Wirksamkeit durch Belege nachweisen. Stimmbegabte Sänger werden bevorzugt. Gesuche sind bis 10. Mai d. J. an den Unterzeichneten Verein zu richten. Iglau, am 17. April 1900. Der TempelsGesangverein »Schir Zion* Der Obmann : 519 Gustav Hellmann. Herausgeber uud verantwortlicher Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien. vm.