Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 16 (20.4.1900)
- Date
- 1900-04-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 16 Seite 305 Dr. Livch's WochrnschrifL Wien. Am 8. April wurde hier Frau Katharina Brüll zu Grabe getragen, eine Frau, die es redlich verdient, daß an dieser Stelle ihrer Erwähnung gethan werde. Als Tochter des berühmten Rabbiners Horowitz von Wien, 1829 geboren, heiratete sie 1846 nach Preßburg den später rühmlichst bekannten Chaim Brüll, an dessen Seite sie viele Jahre lang Wohlthäti^keit im wahren und vollsten Sinne des Wortes übte. Letzterer war der Gründer und langjährige Vorsteher der größten Preßburger Wohlthätigkeits-Jnstitutionen und Vereine, die noch heute Ersprießliches wirken und der Preßburger Gemeinde zum Segen gereichen. Im größten Style wurde auch im Hause selbst Gastfreundschaft und Wohlthätigkeit geübt und hier war es namentlich die Verstorbene, die ihrem Gatten und später ihrem Sohne bei diesem edlen Werke der Nächstenliebe mit vollster Hingebung assistirte. Sie war ferner ausgezeichnet durch ihre reichen edlen Eigenschaften des Geistes und des Herzens, durch wahre aufrichtige Frömmigkeit, tadellosen Charakter und eine Selbstlosigkeit sondergleichen. Jeder der sie gekannt, wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren. E. B. Wien. (To.desfal l.) Eine Reihe angesehener Familien ist in tiefe Trauer versetzt durch das am 14. d. M. hier erfolgte Hinscheiden des Herrn Samuel Reif, Seniorchef der in Gefchäflskreisen renommirten Firma Sam. & Jac. Rers. Der Verewigte, der ein Alter von 69 Jahren erreichte, entstammte einer Patrizierfamilie aus Ung. Ostra und besaß den wohlerworbenen Ruf eines biederen Charakters und Wohlthäters der Armen und Bedürftigen. An seiner Bahre trauern eine gramgebeugte Witwe, welcher er ein zärtlicher Gatte war und vier Söhne und vier Töchter, denen er ein liebevoller und aufopfernder Vater gewesen. Die Erde sei ihm leicht, er ruhe in Frieden. E. B. Wien. (Todesfall.) Vorige Woche wurde hier eine wackere, biedere Frau, Rest S u b a k, Gattin des Herrn Hermann S u b a k, zu Grabe getragen, die bei Allen, welche bte Verewigte bei Lebzeiten kannten, ein gutes Andenken zurückläßt. Wien, den 10. April. Die Leichenfeierlichkeit der im jugendlichen Alter von 23 Jahren dahingerafften Baronesse Gisela S ch e y, Tochter des verewigten Barons Stefan Schey und der Frau Baronin Julie Schey geb. Brandeis-Weikersheim, gestaltete üch zu einer geradezu imposanten Trauerkundgebung sowohl der edlen, durch so herrliche Mädchentugenden ausgezeichneten Verblichenen, als auch zu einer Beilerdsäußerung der schwergeprüften Mutter und dem Anverwandtenkreise gegenüber. Das Trauerhaus lll., Richardgasse 1, konnte die vielen Hunderte von Theilnehmenden aus allen Kreisen der Residenz kaum fassen und dieselben mußten sich mit der Aufstellung im Treppenhause begnügen. Punkt 11 Uhr leitete Obercantor Singer die religiöse Ceremonie ein und ein allgemeines Schluchzen bemächtigte sich Aller, als der düstere Zug sich in Bewegung setzte, um, unter Blumen überreich gebettet und von drei, mächtig mit Blumen beladenen Wagen begleitet, auf den Central-Friedhof überführt zn werden. Dortselbst wurde nach den üblichen Trauergesängen, die Obercanter Singer in tiefergreifender Weife zum Vortrage brachte, durch Oberrabbiner Dr. Güdemann der jugendlich Verblichenen ein weihevoller Nachruf gewidmet, worauf der Sarg, geleitet von der Trauerversammlung in der Familiengruft beigesetzt wurde. Allgemeine Rührung bemächtigte sich Aller, als die beiden jungen Brüder ihrer geliebten frühvollendeten Schwester das Kaddischgebet nachsagten. Die anwesenden Trauergäste der Gepflogenheit gemäß, persönlich anzuführen, ist mit Rücksicht auf die übergroße Betheiligung und im Rahmen dieses Berichtes diesmal leider unmöglich. Wien. (Blinden-Sparkörbchen). Das Curatorium des Blinden-Jnstitutes „Hohe Warte" spricht die höfliche Bitte aus, daß diejenigen Kölbchenbesitzer, deren Spenden wegen Mangels richtiger Adressen nicht eincaffirt werden konnten, ihre Körbchen gefl. bis längstens 25. April täglich von 10—12 Uhr Vormittags bei Frau Curatorin Fanny Bücher, I. Rathhausstr. Nr. 19, abgeben wollen. Wien. Der israelitische Bethaus Verein „Am Volkert" gibt bekannt, daß in Folge reger Nachfrage wegen Vergebung der Tempel-Sitze, dieselben von Ostern ab in Vormerkung genommen werden. Wien. Der Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien hält Sonntag, den 22. d. M., 8 Uhr Abends die X. or'dentliche Generalversammlung in Hernfeld's Saal-Localitäten, I, Marc- Aurelstraße Nr. 6 ab. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Cassa-Bericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Bortrag unseres Mitgliedes, des Herrn Professor Richard Singer, Bureau-Chef der k. k. priv. österr. Creditanstalt für Handel und Gewerbe in Wien, über: „Geld und Zahlmittel". 5. Ausstellung und Demonstration unseres Mitgliedes, des Herrn Adolf Weiner, „Photographische Bilder". 6. Ausstellung und Demonstration unseres Mitgliedes, des Herrn Michael G r ü n w a l d, Riemer und Sattler, „Pferdegeschirre und Riemer-Artikel". 7. Gemeinschaftliche Reise unserer Mitglieder zu der Pariser Weltausstellung. 8. Anträge und Interpellationen. Damen und Gäste willkommen. Hochachtungsvoll Alfred Kisch, Schriftführer; S. Brod, Präfident; (Laut § 16 unseres Statutes sind Anträge 8 Tage vor der Generalversammlung schriftlich an die Vereinsleitung zu richten. Lemberg. Am 8. April verschied hier nach kurzem Leiden Frau Toni E i s in ihrem 62. Lebensjahre. Die Verblichene war Witwe nach dem bekannt gewesenen Arzte Herrn Moritz Eis, der seinerzeit verschiedene wohlthätige Legate testirt hatte. Sie lebte während ihrer 27jährigen Witwenschaft zurückgezogen, im Kreise ihrer Geschwister — in der Verblichenen waren, wie selten, Seelenadel mit Herzensgüte vereint. Sie gehörte vielen Wohlthätigkeits-Bereinen an — man verlor in ihr eine treue liebvolle Schwester, eine gute Verwandte, eine uneigennützige Menschenfreundin. Danzig, 10. April. Herr Landrabbiner Dr. Freudenthal in Dessau nt als Nachfolger des nach Berlin berufenen Herrn Dr. Blumenthal zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Feuilleton. Alte Neweres. Skizze von weiland Dr. Ehrentheil. I. „Vater! Was sind denn das „alte Neweres?" frug das fünfzehnjährlge, muntere Gust ch e n, die einzige Tochter Rebd Feiwel Bichler's, des reichen Holzhändlers, der in einem slovakischen Dorfe an der Waag in Ungarn wohnte. „Der Großvater fertigt mich mit diesen zwei Worten so oft ab, wenn ich ihn an seinem altmodischen Schreibkasten in alten Schriften, unter alten, mir werthlos scheinenden, von ihm jedoch sorgfältig bewahrten Dingern und Dingerchen herumkcamen sehe, und über Dies oder Jenes Aufschluß haben möchte. — „Alt e Neweres", sagt er dann geringschätzend, den grauen Kopf schüttelnd — und ich bin dann so klug, wie zuvor. — Nun war ich zwar ein paar Jährchen in der so trefflichen jüdischen Hauptschule zu Waag- Neustadtl eben nicht die schlechteste Schülerin — Du hast, mein liebes Tatinko, es an Extrahonorar für meine Lehrer nicht fehlen lassen, und ich war während meiner Lehrzeit gewiß Dein theueres Töchterchen, ich habe auch auf Dein Verlangen etwas von Handelswissenschaft gelernt, manche Capitel mit der Ueberschrift „Waarenkunde" in meinen armen Kinderkopf hineingezwängt, obwohl ich nach meinem Geschmacke wenigstens bei all den Dingen keinen einzigen Witz fand, es wäre denn der beim „alten Slibowitz" aus dem pflaumengesegneten Syrmierlande; ich weiß nun so manches, weiß sogar, daß Vieles von dem, was ich damals als wichtigen Gegenstand betrachtete, z. B. biblische Geschichte, hebräische Gebete übersetzen, heute, seitdem ich die Schule verlassen, wie meine älteren Freundinnen sagen, „ins alte Eisen" gehören solle, obwohl i ch diese Meinung nicht theile; aber was „alte Neweres" sind, weiß ich ungeachtet meiner Vorzugsclaffen in allen meinen Zeugnissen doch noch immer nicht." „Du Narrele! Du kindischer Querkopf!" sagte Rebb Feiwel und krauete lächelnd den rabenschwarzen Krauskopf seines munteren Gustchens, „wohl ist uns lieb, wenn Du, mein Kind, weder von neuen noch von „alten Neweres" etwas weißt, doch will ich als ein einfacher, schlichter, ungelehrter Mann, der unter Pfosten und Brettern aufgewachsen, wie diese, selbst ungehobelt geblieben, Dich gerne belehren; vor Allem ist das Wort „Neweres" ein im Volksmunde verunstaltetes hebräis ches Wort, soll eigentlich „Aw e r o s" heißen und bedeutet Uebertretungen oder Sünden — da man nun in guter alter Zeit im streng religiösen jüdischen