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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-20 · 16 (20.4.1900) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
16 (20.4.1900)
Date
1900-04-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 304 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 16 Amt des Friedens, und eine Thätigkeit, die den Frieden und die Eintracht in der Gemeinde fördern, erwarte man daher auch von dem Neugewählten. Herr Dr. Eschelbacher erwiderte in herzlicher Weise. Auch er sei vom ganzen Herzen bestrebt, den Frieden zu wahren und zu fördern, und wenn einmal ein Kampf nöthig sei, so werde er ihn führen auf Grund seiner aus der Religion geschöpften Ueberzeugung und sein Streben dahin richten, daß aus dem Kampf wieder Friede erstehe. Es solle sein heißes Bemühen sein, sich das Vertrauen der Gemeinde zu erwerben, insbesondere erachte er es als seine Pflicht, auch dem Einzelnen näher zu treten, um Theil zu nehmen an seinen Freuden wie an seinen Leiden. Unter Chorgesang nahm sodann Herr Dr. Eschelbacher seinen Rabbinatssitz ein. Die Antrirtspredigt am folgenden Tage verstärkte den günstigen Eindruck, den der neue Rabbiner auf seine Gemeinde ausgeübt. Herr Dr. Eschelbacher spricht schlicht und ungekünstelt, ohne übertriebene Gesten und stark aufgetragenes Pathos, die Predigt enthielt sein Programm im Rahmen einer geistvollen Auseinandersetzung über das Wesen und den Segen der Religio». In den Kreisen der Gemeinde wird Herrn Dr. Eschelbacher, dem der Ruf eines sttengreligiösen, überzeugungstreuen unerschütterlichen Charakters vorangeht, ein uneingeschränktes Vertrauen entgegen gebracht. Den Hoffnungen und Erwartungen, die man von dem Wirken des Herrn Dr. Eschelbacher in Bezug auf das religiöse Leben unserer Gemeinde erwartet, schließen auch wir uns an. Möge ihm in seiner neuen Wirkungsstätte Liebe und Vertrauen, Erfolg und Segen im reichsten Maße zutheil werden! London, 12. April. (Ein Oesterreicher Retter der Goldminen.) Die „Times" meldet aus Lourengo- Marques: Herr E p l er, der österreichische Financier, welcher als Hauptmann der Randmineu-Polizei fungirt, hat muthig eingegriffen, um die angedrohte Zerstörung der Minen zu verhindern. Sowie er erfuhr, daß Arbeiterpartien zur Bohrung von Sprenglöchern in den Hauptschächten und Minirung der Galerien mit Dynamit ausgesendet werden sollten, verschärfte er die U e b e r w a ch u n g der Minen und als eine Arbeitertruppe erschien, ließ er einen der Anführer derselben sofort verh aften.. Der Sta a ts minen - In g enieur M u n n i ck remonstrirte hiegegen unter Berufung auf die den Arbeitern ertheilten Ordres; darauf verlangte E p l e r die Vorweisung einer schriftlichen Ordre und fügte hinzu, er werde dann schon wissen, was er zu thun habe. Thatsächlich wurden schriftliche Ordres vorgewiesen, und E p l e r mußte die Arbeiter auf der La nglaagte-E state-Mine mit ihrer Arbeit beginnen lasten. Er machte jedoch unverzüglich Vorstellungen in Pretoria, welche das Ergebniß hatten, daß Munnick's Ordres widerrufen wurden. Jetzt hat E p l e r durch seine Miuenpolizei die unter seiner Aufsicht stehenden Minen absperren lasten. 4- * * Der in dieser Depesche genannte Herr E P l e r ist ein Oesterreicher, ein Sohn des Stattons-Chefs der Nordbahn in Brünn, kaiserlichen Rathes Hermann E P l e r, der auch Vicepräsident der israelitischen Cultusgemeinde in der mährischen HaupPadt ist. Herr Adolf E P l e r wurde im Jahre 1857 in Mährisch-Ostrau geboren, studirte in Olmütz, kam dann zur Firma Machanek u. Cie. in Wien, später zur Alpinen Montan- Gesellschast. Im April 1889 begab er sich nach dem Transvaal, wo er sich an Minenunternehmen betheiligte und bald zu Ansehen gelangte. Mehrmals wurde er in Johannesburg mit dem Vorsitze des dortigen Oesterreichisch - Ungarischen Hilfsvereines bettaut. Wien. (Kundmachung.) Freitag, den 20. April d. I Vormittags und Abends wird Herr F. König im Leopoldstädter Tempel Probe-Vorttäge halten. Beginn desGottesd i e n st e s: Freitag um 8 Uhr Früh und 7 Uhr Abends. Wien. Der Vicepräsident der Cultusgemeinde, Herr Dr. Gustav K o h n feierte am 30. März im engsten Familienkreise, wobei ein intimes Banquett abgehalten wurde, seinen 60. Geburtstag. Anläßlich desselben sind dem hochverdienten Jubilar von verschiedenen Seiten die herzlichsten Glückwünsche zugegangen, welchen wir uns vom ganzen Herzen anschließen. Wien. (Auszeichnung.) Dem Lector für Methodik der Gabelsberger Stenographie an d:r Universität, Herrn Joses Schiff, der seit mehr als drei Jahrzehnten an zahlreichen und privaten Anstalten den Stenographie-Unterricht ertheilt, wurde vom Kaiser der Professor-Titel verliehen. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 29. April, 12 Uhr Mittags, findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Max Simon, Sohn des verewigten Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Gustav S i m o n, niit Fräulein S t eff a n i e S o b o t k a, Tochter des Herrn Gustav S o b o t k a statt. Wien. Am 4. d. M. wurde in der Creditanstalt zu Ehren des Präsidenten derselben. Herrn Max Ritter v. Gomperz eine intime Feier abgehalten. Seit dem Jahre 1860 gehört der Jubilar dem Verwaltungskörper dieser Anstalt an. Die College» des Herrn von Gomperz benutzten diese Gelegenheit, um den Gefühlen der Verehrung warmen Ausdruck zu geben. Eine Deputation der Beamten der Creditanstalt war ebenfalls erschienen, um ihren Präsidenten zu beglückwünschen. Anläßlich dieser seltenen Feier faßte der Verwaltungsrath den Beschluß, das Bild des Präsidenten für den Sitzungssaal anfertigen zu lassen. Wien. Der Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeits-Verein in Verbindung mit dem Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort beruft für Sonntag den 22. April 1900, um 4 Uhr Nachmittags, im Sitzungssaale der löbl. israel. Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, die vierte ordentliche General-Versammlung ein. Tages- Ordnung: 1. Erstattung des Jahresberichtes. 2. Castabericht und Bericht der Revisoren. 3. Wahl der Revisoren. 4. Wahl der Beiräthe. 5. Anträge und Interpellationen. Für die Vereinsleitung : Berta Kohn, Präsidentin; Lina Weiß, Schriftführerin. Wien-Simmering. Seit Jahren pflegt Herr Rabbiner Dr. L ö w y den zweiten Sederabend im Hause des Cultusvorstehers Herrn kais. Rath und Kammerrath Friedr. Vogel, Dampfmühlenbesitzer in Simmering zu verbringen und an der Feier theilzunehmen. Aus diesem Anlasse hielt Herr Dr. L ö w y Sonntag, am zweiten Festtage, in unserem prachtvollen neuen Tempel eine Predigt, welche bei den Zuhörern eine tiefe Wirkung erzielte. Angeregt von den Damen Fran Rath Netti Vogel und Frau Karoline Vogel empfahl der Redner die Bildung eines humanitären Vereines und er erzielte mit seinen Worten eine solche Wirkung, daß sich der Verein am anderen Tage constituirte. Im Tempelgebäude, Braunhubergasse 6, traten distinguirte Damen Simmerings zusammen und zeichneten ansehnliche Gründungsbeiträge. Frau Netti Vogel 200 K, Herr kais. Rath V o g e l 200 K, Frau Emma Wolf 100 K, Frau Alice Ornstein 50 K, Frau Karoline Vogel 50 K, Frau Bertha Marchfeld, Frau Bilma F i s ch e l, Frau Regina Tauber, Frau Alice W e n g r a f, Frau Emilie Weiß. Frau Frida Schleifer, Frau Sigmund Tichi je 20 K, Frau Lina Müller und Frau Karoline N e m s ch i tz je 10 K. Wien. Am 11. d. Morgens entschlief sanft ohne Kampf im hohen Greisenalter von 94 Jahren Herr Med. Dr. Samuel K a d i s ch. In Austerlitz in Mähren trat er ins Leben ein, schwand ihm das Morgenroth der Kindheit wie die heitere sorglose Zeit der Knabenjahre, bis er in das Gymnasium eintrat, wo der Ernst begann. Als Dr. der Medicin verließ er als Jüngling die Hochschule und erhielt sodann eine Anstellung als Leibarzt in Malatzka beim Fürsten Palffy. Die letzten Jahre verlebte er im Hause seiner Tochter, Frau Adelheid Geiringer, die den Vater mit seltener Hingebung betreute. Gleiche Anhänglichkeit erwies dem Patriarchen die zweite Tochter, Frau Therese Ungerleider, Gattin des Rabbiners Ehrwürden Dr. Ungerleider aus Berlin, der dieses vielverehrten Vaters wegen in Wien Wohnsitz nahm. Auch die dritte Tochter, die verwitwete Frau Henriette Hitschmann hing dem nun Verblichenen mit kindlicher Liebe und Treue an. Derselbe war aber auch aller Hochschätzung und Verehrung werth. Er war ein durchaus integrer Charakter, liebenswürdig im Verkehr, gutherzig und freundlich gegen jedermann. Jnsbesonders theuer waren ihm seine Kinder und mit Stolz nannte er Herrn Dr. Ungerleider seinen Schwiegersohn. In Gesprächen liebte er biblische und talmudische Aussprüche und Sätze in der Ursprache zu citiren. Die Bestattung fand Freitag, den 13. d., vom Trauerhause, I., Maximilianstraße 14 aus statt. Er ruhe sanft.

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