Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 16 (20.4.1900)
- Date
- 1900-04-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr« Bloch's WochrnschrW, Seite 305 Herrn Dr. Rabbiner R o s e n m a n n. Derselbe besprach die verschiedenen Benennungen des jüdischen Bethauses in dem er in geistreicher Weise die Bedeutung der Andachtstätte schilderte, welcher die Zuhörer mit großer Aufmerksamkeit und Beifall folgten. Herr Obercantor Schleifer executirte mit glockenheller Stimme einen Psalm, wodurch er die Versammlung zur Bewunderung hinriß. Nun sprach unser Bezirksrabbiner das Gebet für den allgeliebten Kaiser, für den hochverdienten Chewra-Kadischaverein, den Begründer des Tempels, den Architekten Fleischer, dem Herrn Bürgermeister von Hohenau Dr. Strakosch als den edlen Förderer des Heiligthums, die Cultusgemeinde Mistelbach, die Ortsbewohner ohne Unterschied der Religion und für das theuere Vaterland. Nach der Einweihung fand ein Banquett statt, zu dem sich fast die ganze jüdische Einwohnerschaft einfand. Beim klingenden Becher wurden zahlreiche Trinksprüche gehalten. Herr Sam. Schiller aus Gänserndorf trank auf das Wohl des Baucomites und dessen Mitglieder: Dr. Leimdörfer, I. Altbach, Ad. Sonnenmark. Darauf folgte ein begeisternder Trinkspruch auf den Herrn Dr. Bloch, den Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift", der den Tempelbau durch Sammlungen in seinem Organe in edler Weise gefördert hat. Der Vorsteher der Chewra und des Tempelbaucomitäs, Herr Dr. Leimdörfer dankte den zahlreich erschienenen Festgästen, den Delegirten der Cultusgemeinden Floridsdorf und Gänserndorf für ihre Theilnahme und trank unter zustimmendem Enthusiasmus auf das Wohl des Herrn Architekten Fleischer. An beide Herren wurden Glückwünsche und Danktelegramme abgesandt. Herr Fürst, der die Initiative zu den Tempelbau ergriff und eine Thorarolle spendete, feierte die Verdienste des Tempelbaucomites insbesondere des Obmannes desselben, Herrn Dr. L e i m d ö r f e r. Herr Dr. G e l b h a u s toastirte auf die jüdischen Bewohner Hohenaus und auf den hochverdienten Herrn Bürgermeister. Herr Studiosus Klein hielt eine zionistische Rede, in welcher er zur Liebe für das jüdische Volk aufforderte. Herr Dr. Fuchs erwiderte, indem er für die Liebe zur Religion eintrat. Herr Rabbiner Rosenmann trank auf das Wohl der jüdischen Jugend. Herr Schleifer trug einige Gesänge unter großem Beifall vor. Das Tischgebet bildete die Grenze des Banquetts. Abends fand ein Kränzchen statt. Die Feier bildete ein wahrhaftes Fest in Hohenau, welches im erquickenden unvergeßlichen Andenken bleiben wird. Holleschau. (Lazar Gr ätz er). Unsere Gemeinde hat durch das Hinscheiden eines der angesehensten Industriellen unseres Bezirkes, des Herrn Lazar Grätzer, einen unersetzlichen Verlust erlitten. Durch energischen Fleiß und zielbewußtes Streben hat sich der Verewigte aus kleinen Anfängen zu einer hervorragenden Stellung emporgeschwungen. Sein Etablissement bietet einer großen Anzahl von Arbeiterfamilien Erwerb und Nahrung. Wie selten einer erfreute sich der Heimgegangene einer allgemeinen Hochachtung und Werthschätzung. Aus seinem Hause ist noch niemals ein Armer leer ausgegangen, gleichviel welchem Glauben und welcher Nationalität er angehörte. Getragen von dem Vertrauen unserer Gemeinde hat er vor Jahren das Amt eines Cultusvorstehers hier bekleidet und seine schätzenswerthe Kraft in reichem Maße dem Gemeinwohle gewidmet. Auch an der Vollendung unseres neuen Tempels hat er den regsten Antheil genommen. — Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge begleitete den Leichenzüg, dem der Veteranenverein der Jsraeliten-Stadtgemeinde voranschritt. Der k. k. Bezirkshauptmann Dr. Hlosek, der Gemeinderath der Christenstadt Holleschau — Bürgermeister Pokorny, Baumeister Fischer und Polizeicommissär Holub — Landesgerichtsrath Dr. Groh, aus Neutitschein, Steuerinspector Hruby, Gerichtsadjunct Oöadlik und andere Beamte mehr, die Repräsentanz der Jsraelitenstadt und Cultusgemeinde in ihrer Gesammtheit. die Chefs der bekannten Weltfirma Wolf, Wien-Eisenstadt, ferner Trauergäste aus Olmütz, Kremsier, Prerau, Leipnik, Wien rc. gaben dem beliebten Verewigten das Ehrengeleite. Die vor einigen Monaten als wahnbethörte Menge unsere Straßen plündernd und johlend durchzogen schluchzten laut auf, als der Leichenwagen durch ihre dichten Reihen hindurch fuhr. Wenn auch gar Viele vergessen werden, das Andenken des Verewigten jedoch wird unvergänglich fortleben in unserem dankbarem Herzen! Stanislau. (Telegramm der „Oesterr. Wochenschrift.") Unser allverehrter Cultuspräses Herr Hersch Halpern, ein Mann von edelsten Eigenschaften des Herzens und Geistes, der irch allgemeine Liebe und Verehrung erworben, ist am 12. April d. I. in Meran gestorben. Die entseelte Hülle wird in Stanislau m der Familiengruft bestattet. Israelitischer Cultusvorstand. — Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Nummer dieses Blattes. Breslau, 8. April. (R e l i g i o n s s ch u l b e r i ch t). Herr Rabbiner Dr. I. Guttmann hat den 57. Jahresbericht der II. Gemeinde-Religions-Unterrichts-Anstalt erstattet. Die Anstalt, der große Sorgfalt zugewendet wird, hat im vorigen Jahr 506 Zöglinge gehabt, 318 Knaben und 188 Mädchen. Die Michaelis 1898 neubegründete, gleichfalls der Leitung des Herrn Dr. Guttmann unterstehende Religionsschule Ul zählt 30 Schüler und 20 Schülerinnen und ist mit einer dritten Claffe versehen worden. Die Hauptanstalt zählt 8 Knaben-, 6 Mädchenclaffen und 1 Claffe für Knaben und Mädchen. — Zu gleicher Zeit hat Herr Rabbiner Dr. Rosenthal den 50. Jahresbericht der Religions-Unterrichts-Anstalt I der Synagogengemeinde über das Schuljahr 1899/1900 erstattet. Auch in dieser Anstalt ist die Zahl der Zöglinge erfreulich (um 50) gewachsen. Am 15. März besuchten 231 Knaben und 145 Mädchen die Anstalt in C Knaben- und 5 Mädchenclaffen. In der obersten Knabenclasse unterrichtet der Ordinarius Dr. Doctor in Raschi, der Rabbiner Dr. Rosenthal in Mischna. Berlin. (S o s i n d s i e A l l e). Der antisemitische Berliner Stadtverordnete Rechtsanwalt Ulrich hatte in einer öffentlichen Versammlung einen Fall „aus der Praxis" erzählt, der die Geschäftspraxis der großen Waarenhäuser im allgemeinen und die des Warenhauses Werlheim im besonderen beleuchten sollte. Er berichtete, ein Kaufmann in Frankfurt a. O. sei in pekuniäre Bedrängniß gerathen und habe Wertheim sein Lager im Werth von 100.000 Mark für 50.000 angeboten. Wertheim habe erst 20.000 geboten, schließlich jedoch das Lager für 25.000 Mark erstanden. Herr Ulrich wurde wegen Beleidigung verklagt und zu 30 Mark verurtheilt. Die Strafe wurde nur deshalb so niedrig festgesetzt, weil das Gericht annahm, daß Ulrich die Geschichte selbst geglaubt haben möge, auch die politische Debatte wohl erregt gewesen sei. Irgend einen Wahrheitsbeweis vermochte Herr Ulrich nicht anzutreten. Rechtsanwalt Ulrich erhielt wegen des Ausganges dieses Proceffes ein Schreiben vom Vorstand der Anwaltskammer. Das Schreiben spricht ihm die „Mißbilligung" des Vorstandes aus. Besonders wird ihm zum Vorwurf gemacht, daß er „den beleidigenden Satz als Fall aus der Praxis in öffentlicher Versammlung aufgestellt und ihm damit das Gepräge unbedingter Zuverlässigkeit gegeben habe, obwohl ihm die genügende tatsächliche Unterlage gefehlt habe, weil ihm der Fall nicht aus der Praxis bekannt geworden sei. Indem er mit der Gewähr seiner Berufsstellung umkleidet habe, was doch nur unverbürgt war, habe er der gebotenen Rücksicht Ms die Pflichten des Berufes und dem Jntereffe der Anwaltschaft nicht voll Rechnung getragen". — So sehen sie Alle aus — Alle ohne Ausnahme. Berlin. 11. April. In der am 8. dieses Monats stattgehabten Generalversammlung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen sind an Stelle des verstorbenen Herrn Alb. Ph. Meyer Herr Rechtsanwalt Dr. Arthur Gerson und an Stelle des Herrn Justizrath Apolant, welcher sein Amt niedergelegt hatte, Handelsrichter Hugo Deutsch neugewählt worden. Der Vorstand setzt sich nunmehr zusammen aus den Herren Stadtverordneter Louis Sachs, Vorsitzender, Prof. Dr. M. Mendelsohn, Schriftführer, M. Metzenberg, Schatzmeister, Stadtverordneter H. Witkowski, stellv. Schatzmeister, Hugo Deutsch, Rechtsanwalt Dr. Gerson, Prof. Dr. Senator und den Damen Frau Commerzienrath Julie Gerson-Liebermannn, stellvertretende Vorsitzende, Frau Dr. Frankl, stellvertr. Schriftführerin, Frau Hermine Rathenau und Frau Mathilde Weigert. Meldungen von Schülerinnen werden von der Oberin Frl. Rose Blau im Schwesternheim, Auguststr. 17 I, entgegengenommen. Berlin. Der mugewählte Rabbiner der Gemeinde Herr Dr. Eschelbacher aus Bruchsal wurde am letzten Freitag in feierlicher Weise in sein Amt eingeführt. Die alte Synagoge war lange vor Beginn des Gottesdienstes bis auf den letzten Platz gefüllt. Vorstand und Repräsentanz waren ziemlich vollzählig erschienen. Nachdem die Töne des „Mah Tamon" verklungen, betrat Herr Dr. Eschelbacher inmitten seiner Amtscollegen den Raum vor dem Allmemmor, wo Vorstand und Repräsentanz bereits Aufstellung genommen. Der Vorsitzende des Aeltestencollegiums Herr Justizrath Meyer hielt sodann eine Ansprache. Er betonte die große Liebe, die Herr Dr. Eschelbacher in seinem bisherigen langjährigen Wirkungskreise geerntet und die großen Erwartungen, die die Vertretung der Gemeinde sowohl wie diese selbst an die Amtsübernahme des Herrn Dr. Eschelbacher geknüpft. Das übernommene Amt sei ein