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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-20 · 16 (20.4.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
16 (20.4.1900)
Date
1900-04-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 302 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 16 weiten Bevölkerungsschichten hält die Opferwilligkeit der Bemittelten leider nicht gleichen Schritt. Die Folge davon ist das unbefriedigende Ergebniß der Gebahrung des Berichtsjahres und die behufs Wiederherstellung des Gleichgewichts im Haushalte der Anstalt kaum zu vermeidende Nothwendigkeit, deren Thätigkeit sowohl extensiv, als intensiv noch weiter einzuschränken. Mögen angesichts dieser betrübenden Thatsache die leistungsfähigen Kreise unserer Gemeinde ihrer Pflicht eingedenk werden und durch erhöhte Beitragsleistungen, sowie sonstige Förderungen die Armen-Anstalt in den Stand setzen, ihrer Thätigkeit eine Ausdehnung zu geben, wie es die in weiten Kreisen herrschende Nothlage als dringend erforderlich erscheinen läßt. Es obliegt uns noch die schmerzliche Pflicht, des im abgelaufenen Jahre erfolgten Ablebens eines Mitgliedes unseres Vorstandes, des Herrn Felix E p st e i n zu gedenken. Wenn auch verhältnißmäßig kurze Zeit dem Borstande der Armen-Anstalt angehörig, hatte der Verblichene doch seine Thätigkeit ganz und voll in den Dienst der Anstalt gestellt und sich dadurch ein ehrenvolles Andenken gesichert. Der Vorstand der Armen-Anstalt der israelitischen Cultusgemeinde in Wien: David Ritter v. G u t m a n n, Or. Felix Katzau, Dr. Michael Freund, S. Ritter v. Hahn, Joses Jelinek, M. A. Pollak. Wien. (Erstes Wiener isr. Reco n vale scentenherm für arme Frauen und Kinder.) Dieser von dem isr. Fcau^n-Wohlthätigkeits-Verein des Vlll. Bezirkes der Stadt Wien gegründete humanitäre Verein hielt am 16. d. M. Abends 7 Uhr eine Plenar-Sitzung in Kuhner's Reftaurations-Saal ab. Die Vorsteherin Frau Amalie Beck eröffnete die Sitzung und wies auf die bedeutenden Fortschritte hin, welche die Entwickelung des Vereines seit seinem Bestände machte. Mehr als 400 Mitglieder aus allen Kreisen der Bevölkerung gehören demselben an, und betragen die jährlichen Einkünfte des Vereines aus den Mitgliederbeiträgen über 5000 Kronen. Ein ungenannt sein wollender Philantrop hat dem Vereinszwecke 10.000 Kronen, der Frauenwohlthätigkeitsverein des Vlll. Bez. 6000 Kronen zugeführt, so daß der Verein heute schon, nach kaum einjährigem Bestände, über die Summe von 22.000 Kronen verfügt. Der Obmann des Beirathes, Herr Leopold Guttmann dankte den edlen Spendern in beredten Worten, iasbesonders aber der rührigen Präsidentin und dem Vorstande des Frauenwohlthätigkeitsvereines für ihr segensreiches Wirken und wies darauf hin, daß es eine Nothwendigkeit sei, weitere Persönlichkeiten in den Vorstand zu cooptiren, sowie die Statuten, welche manche Lücke aufweisen, zu ändern. Weiters beantragte Herr Guttmann, der Vorstand möge zu diesem Zwecke eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, was schließlich von der Versammlung zum Beschlüsse erhoben wurde. Herr Beirath Architekt Modern referirte über eine vom Vereine auzukaufende Realität, und wurde der Beschluß gefaßt, diese nochmals eingehend zu prüfen, und das Project der nächsten Vorstandssitzung vorzulegen. An der weiteren Debatte betheiligten sich noch die Herren Dr. Bloch, Dr. Gelbhaus, Dr. Grimm und Herr Hermann Beck. Hierauf wurde die Sitzung in vorgerückter Nachtstunde geschlossen. Beiträge, sowie Mitgliederanmeldungen nimmt entgegen: Frau Amalie Beck, Vorsteherin, Vlll. Langegasse 1, Frau Wilhemine Steiner, Vorsteherin-Stellvertreterin VI. Dreihufeisengasse 3. Wien. Der Wohlthätigkeits- und Krankenunterstützungsverein „Mazmiach Jeschua" hielt Montag den 16. April, 3 Uhr Nachmittags, seine diesjährige Generalversammlung. Dem Rechenschaftsberichte des Vorstandes entnehmen wir nachstehende Mittheilnngen: Wir weisen im Jahre 1898 eine ordentliche Einnahme von fl. 2619 30 und eme ordentliche Ausgabe von fl. 2402*79 aus, so daß wir einen Ueberschuß von fl 216*51 erzielt haben; ferner als Erlös von gezogenen Losen und Rückzahlung von Vorschuß fl. 286'— Der Cassastand des Jahres 1898 betrug fl. 883*91, der des Jahres 1899 beträgt fl. 578'36, wir haben also fl. 305*55 der Cassa entnommen, um für den Gesammtbetrag von fl. 808 06 fl. 800*— Februar-Rente sammt laufenden Zinsen anzuschaffen, die wir dem Vereinsvermögen einverleibt haben. Das Vereinsvermögen betrug im Jahre 1898 fl. 13.526*33. Mit Hinzurechnung obiger fl. 800*— Februar-Rente und der Spenden, und zwar Kronen 100.— Oesterr.-Rente von Herrn Osias I u e r und eines 2percentigen Serbenloses von Herrn Louis Flamm und nach Abzug der infolge der Kursdifferenzen im Jahre 1899 gegen 1898 sich ergebenden Abschreibungen vom Courswerthe unseres Effectenbesitzes, haben wir doch noch einen Ueberschuß von fl. 16*18 erzielt und beträgt das Vereinsvermögen mit Ende December 1899 fl. 13.542*41. Leider hat der unerbittliche Tod eine starke Lücke in unserer Mitte gerissen. Wir hatten im Jahre 1899 den Verlust von vier ordentlichen Mitgliedern zu beklagen, die nach dem unerforschlichen Rathschluffe des Herrn in ein besseres Jenseits abberufen wurden; es sind dies die Herren Abraham Grün, Adolf Mieses, Leopold Schön und einer der Gründer unseres Vereines, Herr L. Sternbach. Wir erfüllen auch eine Pflicht der Pietät, wenn wir Ihnen die Mittheilung machen, daß unser hochverehrtes. langjähriges Mitglied, Herr Hermann H a b e r vor kurzem jäh aus unserer Mitte gerissen wurde. Der Verewigte, der unserem Vereine seit dem Jahre 1884 angehörte, hat stets für das Wohl desselben gewirkt und denselben werkthätig gefördert. Uud noch eines edlen Tobten müssen wir gedenken, der zwar nicht Mitglied unseres Vereines aber ein Förderer desselben war, des Herrn Dr. A. F l i e g e l m a n n. Er war bestrebt, das Andenken seines verstorbenen Vaters, unseres gewesenen ordentlichen Mitgliedes Herrn Moses Fliege!mann wachzuerhalten, indem er durch sechs Jahre die Jahresbeiträge leistete, und ebenso hat sich sein Sohn Herr Doctor Carl Fliegelmann bereit erklärt, diese Beiträge auch weiterhin zu leisten. Im Jahre 1899 bildeten den Ausschuß folgende Herren: Zolles Ignaz, Präses, Brecher Julius, K a u d e r s Sig., Präses-Stellvertreter, Brauner Bernh., Cassier, Reitzes I., Schriftführer, H a l p e r n P., Controlor, I u e r Os., O b st Jac., Silbermark Jos., Krankenväter, Feigenbaum Emil, F l a m m Louis, Flieg Hermann, Geiduschek S. und L a n d a u Alex. Wien. (Aufruf.) Mit dem 20. Februar ist der Schreckenstag für Boryslaw eingetroffen. Mit diesem Tage mußte nach den Vorschriften der Bergpolizei der ganze Betrieb in allen Schächten eingestellt werden. Tausende von jüdischen Arbeitern sind nunmehr dem bittersten Elend und der größten Noth ausgeliefert. Hunderten von jüdischen Familien mangelt es bereits am Allernothwendigsten, an Brod. Oesters schon ist der Nothschrei von Boryslaw hinausgedrungen, es wurde auch Hilfe geleistet, aber in einer Weise, die die gräßliche Lage nur um so greller beleuchtete. Auch gegenwärtig arbeitet ein bestehendes Unterstützungscomitö mit Eifer nach dem festen Plane, die arbeitslosen Familien allmälig nach Maßgabe der Mittel nach Amerika zu befördern. Was sollen aber jene Unglücklichen beginnen, auf die noch nicht das glückliche Los der Auswanderungsbegünstigung gefallen ist? Sie können nicht mehr warten, denn warten ist für sie gleichbedeutend mit Hungertod. Unmöglich kann die jüdische Barmherzigkeit ein solches Elend mit Gleichgiltigkeit betrachten. Und so wenden wir uns noch einmal an die jüdische Oeffentlichkeit mit dem dringenden Aufrufe, der jüdischen Arbeiter von Boryslaw, die nicht durch eigene Schuld, sondern durch unerbittliche Verhältnisse ins Elend geratben sind, nicht zu vergessen. Die Hilfe muß rasch sein, denn die Gefahr ist groß. Boryslaw, im April. Der Bürgermeister: Kornhaber. Hohenau. (T e m p e l e i n w e i h u n g.) Am 10. April fand die feierliche Einweihung des Tempels in Hohenau statt. Dieselbe gestaltete sich zu einem wahren Jubeltage füe die ganze jüdische Bevölkerung der Ortschaft. Der Tempel, nach den Plänen des rühmlichst bekannten Baukünstlers Architekten Max Fleischer erbaut, ist ein wirkliches Kunstwerk im Kleinen, ein im Renaissancestyle verfertigtes Schmuckkästchen. Aber auch die innere Ausstattung des Tempels ist auf das Schönste und Solideste ausgeführt, und ein wahrer Schmuck derselben, welcher allgemeine Aufmerksamkeit und allseitiges Wohlgefallen erregt, ist die prachtvolle, goldgestickte Tischdecke, gespendet von Herrn Jacob Altbach in Hohenau, wofür ihm der Verein sehr dankbar ist. Eine große, nach vielen Hunderten zählende Festesschaar erschien zur Einweihung der heiligen Stätte. Herr Doctor G e l b h a u s aus Wien, der auch Bezirksrabbiner der Mistelbacher Cultusgemeinde und des dahin gehörigen Bezirkes ist, wurde berufen, den Weiheact vorzunehmen. Demselben schloß sich Herr Dr. Rosenmann, Bezirksrabbiner der Nachbargemeinde Floridsdorf, assistirend an. Herr Obercantor Schleifer aus Floridsdorf mit einem Sextett übernahm die gesanglichen Functionen. Nachdem die Thorarollen von den fungirenden Würdenträgern unter feierlichem Chorgesang aus dem alten Bethause in die neue Synagoge getragen und nach einem Umzuge in die Bundeslade gesetzt wurden, recitirte Herr Schleifer das Ma tobu mit Chorbegleitung. Hierauf bestieg Herr Dr. Gelbhaus die Kanzel und feierte die Weihe und Heiligkeit eines Gotteshauses in erhebender Begeisterung erweckender Weise. Die Rede, durch tiefsinnigen Inhalt wie durch ungewöhnliche Formschönheit der Sprache und des Vortrages hervorragend, machte aus Juden wie auf Nichtjuden eine gewaltige Wirkung. Hierauf folgte die Einweihung und Anzünden der ewigen Lampe durch

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