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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-20 · 16 (20.4.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
16 (20.4.1900)
Date
1900-04-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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»Jtr. 16 Dr. Bloch's Woche nfchrifi. Seite 301 Correspondenzen. Aus der Plenar-Sitzung des Cultusvorstandes vom 16. April I960 unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn kaiserlichen Rath Klinger. Eingelaufene Spenden: Anonym von Ch. mit dem Bemerken: „Anläßlich des christlichen Osterfestes als Zeichen der Liebe im Geiste der Charfreitag-Gebete der Kirche eingedenk gemeinsamer Heiligthümer" für israelitische Arme K 20.— Von Frau Eugenie Gerbel für den israelitischen Waisenverein K 10.— Ueber Einschreiten des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat der niederösterreichische Landesschulrath mit Erlaß vom 26. März 1900, Zahl 2861, die Mittelschuldirectionen angewiesen, dafür Sorge zu tragen, daß Versäumnisse des Unterrichtes israelitischer Kinder wegen Einhaltung der siebentägigen Trauer (Schiwah) als entschuldigt anzusehen sind. Eine gleichartige Eingabe an den Bezirksschulrath harrt noch der Erledigung. Im Präsidialbericht macht der Präsident Mittheilung von der im Sinne des Beschlusses der außerordentlichen Plenarsitzung vom 4. April 1900 erfolgten Ueberreichung der Eingabe an den Ministerpräsidenten und den Justizminister in Angelegenheit der Vorgänge im niederösterreichischen Landtage und läßt die Eingaben verlesen, deren Inhalt allgemeine Zustimmung findet. (Zur Kenntniß.) Der Präsident ertheilt dem von einer Reise nach Palästina rückgekehrten Mitglied des Vorstandes Herrn Salo Cohn nach einer Begrüßung desselben das Wort zu einem Berichte über seine Wahrnehmungen, betreffend die unter der Oberaufsicht des Wiener Cultusvorstandes stehende Simon Edler von Lämmel'sche Schule. Herr Salo Cohn berichtet, daß er die Unterrichts anstatt eingehend besichtigt und von den Erfolgen den allerbesten Eindruck gewonnen habe. Ueber seinen Antrag wird beschlossen, dem Director der Schule Herrn Ephraim Cohn die Anerkennung für seine Erfolge auszusprechen und hievon auch den Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, der die Mitaufsicht über diese Schule führt, in Kenntniß zu setzen. Der Präsident theilt weiters mit, daß das seitens des mit der Vorberathung der Statutenänderungen betrauten Comitös fertiggestellte Elaborat nunmehr den Vorstand zu beschäftigen haben werde, vorerst jedoch halte er es für opportun, mit jenen Herren in Fühlung zu treten, welche anläßlich der im Spätherbste erfolgten Berathungen mit den Steuerträgern die Aenderungen in Vorschlag gebracht; demgemäß habe er für die nächsten Tage das Stattfinden von gemeinsamen Besprechungen dieser Herren mit den Mitgliedern des Statutencomites eingeleitet. (Zuttmmung.) Herr Vicepräsident Dr. Stern berichtet in Angelegenheit des Legates der verewigten Baronin Hirsch an die israelitische Cultusgemeinde, welches in Folge von Abzügen für die französische Erbsteuer und österreichische Staatsgebühren eine wesentliche Schmälerung des Bettages erfährt. Ueber die Verwendung des Legates für die Zwecke der Cultusgemeinde werden die Fachsectionen Anträge zn stellen haben. Hinsichtlich des Antrages auf Publikation der Geburten, Aufgebote, Trauungen und Sterbefälle in den jüdischen Blättern entwickelt sich eine längere Debatte. Die Beschlußfassung wird bis zu dem Zeitpunkte vertagt, in welchem über eine eventuelle Veröffentlichung der Austritte referirt werden soll. Desgleichen führt das Referat der 1. Section in Angelegenheit der Mohelim-Frage zu einer sehr lebhaften Debatte. Das Referat wird zur Ergänzung und Ausarbeitung der Durchführungsbestimmungen an die Fachsection zurückgeleitet. Die Widmung für jüdische Hochschüler, gesammelt durch Dr. Hermann Fi all a in der Höhe von fl. 2000.— wird mit einer von der Rechtssection vorgeschlagenen Modification des Widmungsbriefes angenommen. Die für die Beaufsichtigung der Mazzoth-Bäckerei durch Bezahlung der Maschgichim erwachsenen Mehrkosten werden entsprechend dem Anträge der 1. Section genehmigt. Nach Erledigung mehrerer Personalien wird die Sitzung geschloffen. Zur Affaire Araten. Der Erlaß des Landesgerichtes in Krakau an den Herrn Professor Dr. Rosenblatt hat im Original folgenden Wortlaut: Vr. YIII. 395/900 155 Dia P. Dr. Jozefa Kosenblatta achvokata krajowego w Krakowie. Nie rozstrzygajae na razie pytania, ezy Izrael Araten za strone interesowanq, prywatnq, uwazany byc moze, odmawia sie zadaniu podania z dnia 22. b. m. Yr. YIII. 395/900 i na przeglad akt sprawy mviedzenia 153 Michaliny Aratenownej nie zezwala sie z powodu, ze wazne okolieznosci stoj^ temü na przeszkodzie. Udzielenie pelnomoenictwa adwokatowi Dr. Jozefowi Kosenblattowi przyjmuje sie du wiadomosci i skladla sie takowe do akt. C. K. Sgd krajowy karny. Oddzial YIII. Krakow, dnia 24. niarea 1900. W awraüscli w. l*. Wien. (Armen-Anstalt der israelitischen Cultusgemeinde.) Die Verwaltung der Armen-Anstalt der israelitischen Cultusgemeinde veröffentlicht folgenden Bericht: „Während der Gebahrungsausweis für das Berichtsjahr in einzelnen Positionen der laufenden Einnahmen eine, wenn auch nicht erhebliche Steigerung gegenüber dem Vorjahre zeigt, konnte gleichwohl das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben nicht aufrechterhalten werden. Bei dem Umstande nämlich, als laut Ausweis von der Kohlenrechnung des Jahres 1899 am 31. December ein Rest von fl. 4531.84 noch unberichtigt aushaftete, ergibt sich bei Gegenüberhalt des Caffa-Ueberschuffes von fl. 647.21 de faoto ein Fehlbetrag von fl. 3884.63. Dieses wenig erfreuliche Ergebniß ist der sprechendste Beleg dafür, daß die Anstalt von immer weiteren Kreisen und immer intensiver in Anspruch genommen wird, so daß bei aller Bedachtnahme auf die verfügbaren Mittel ein stetes Ansteigen der Ausgaben in allen Zweigen der Anstaltsthätigkeit nicht zu vermeiden war. Die Zahl der Geldunterstützungen ist von 2082 auf 2351 gestiegen, was eine Mehrausgabe von fl. 1468 verursachte. In noch stärkerer Progression hat die Zahl fremder, zumeist durchreisender Armer zugenommen, denen von der Anstalt Unterstützungen gewährt wurden, um ihnen das Weiterkommen zu ermöglichen. Die Zahl solcher Unterstützter ist von 1101 im Vorjahre auf 1657 im Berichtsjahre gestiegen und erforderte einen Mehraufwand von fl. 1164. Ferner sind in dem abgelaufenen Jahre 5725*5 M.-Ct. Kohle, das ist um 415 M.-Ct. mehr als im Vorjahre, desgleichen 206*71 M.-Ct. Osterbcod, das ist um 36*36 M.-Ct. mehr als im Vorjahre, mit einem Mehraufwande von fl. 484.87 zur Vertheilung gelangt. Endlich weist der Rechnungsabschluß auch für die Speiseanstalt, in welcher 22.109 große und kleine Portionen an 133 Köstlinge verabreicht wurden, ein Mehrerfocderniß von fl. 286 58 gegenüber dem Vorjahre aus. Bei der unleugbaren Befferung der wirthschaftlichen Verhältnisse muß die Ursache der erhöhten Inanspruchnahme der Anstatt wohl vornehmlich in den herrschenden socialen Zuständen gesucht und gefunden werden, unter deren Druck naturgemäß in allererster Linie die kleineren wirthschaftlichen Existenzen zu leiden haben. Hiebei darf auch nicht der immer stärker werdende Zuzug aus den Provinzen übersehen werden, woselbst in Folge einer seit Jahresfrist mit ungeahnter Heftigkeit betriebenen Agitation die Erwerbsverhältniffe der unbemittelten Glaubensgenossen immer ungünstiger sich gestalten und die Betroffenen zu dem oft nur allzu rasch als trügerisch sich erweisenden Glauben verleitet werden, in der Großstadt günstigere Existenzbedingungen anzutreffen. Und wenn sich nun auch die Anstaltsverwaltung stets vor Augen hält, daß für ihre Intervention eine gewisse Dauer der Octsansäffigkeit die Voraussetzung zu bilden hat, so sieht sie sich doch leider nur allzu oft Fällen von crasser Nothlage gegenübergestellt, in denen wegen Mangels dieser Voraussetzung eine Hilfeleistung abzulehnen, allen Geboten der Menschlichkeit widerstreiten würde. Mit dieser Ueberhandnahme der Bedürftigkeit in

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