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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-13 · 15 (13.4.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
15 (13.4.1900)
Date
1900-04-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 15 Seite 287 Dr. Bl»ch*s Wochenschrift lichen Religiou steht auf dem Spiel. Wir behalten uns vor, auf das Werk des unerschrockenen Kämpfers eingehend zurückzukommen. welches Pofeffor Masaryk in Prag soeben ins Tschechische übersetzt.. Selbst ein Mann wie Stöcker urtheilt in seiner „Deutschen Evangelischen Kirchenzeitung" (März 1900, Nr. 3) über die Neuauflage des Buches: „Dies-vielgenannte und vielumstrittene Buch hat in der neuen Auflage eine völlige Umarbeitung erfahren. Entstanden ist es in jener Zeit, als von antisemitischer Se te vielfach von jüdischen Ritualmord und Blütritus die .Rede war. Es ist ein wirkliches Verdienst des Verfassers, daß diese durchaus falsche Ausdrncksweise allmählich aus dem, öffentlichen Leben ausscheidet. Niemals hat in der Synagoge ein Ritus bestanden/ der Menschenblut oder'Menschenmord erforderlich machte. ... . . . . Im Uebrigen enthält die neue Bearbeitung viel werthvolle Mittheilungen, die oft geeignet sind, Licht in diese ganze dunkle Sache zu bringen." Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts von Houston Stewart Chamberlain, München, F. Bruckmann A. G. 1899. Chamberlain ist ein deutschschreibender englischer Cultur- Historiker, also ein Forscher, welcher es sich nicht zur Aufgabe macht, historische. Thatsachen ans Tageslicht zu fördern oder die Thatsachen derart zu verknüpfen, daß sie lückenlos die Geschichte eines gewissen Zeitabschnittes vorstellen, sondern ein Forscher, welcher aus den historischen Facten das Culturbild eines Volkes entwerfen will. — Ja, wenn Chamberlain das wollte! Er beabsichtigt lediglich zu beweisen, daß die Germanen die welthistorische Mission einer neuen und neuartigen Civilisation besitzen. Und um zu diesem Schlüsse zu gelangen, deutet er die Thatsachen wunschentsprechend. Bekanntlich ist das Papier sehr geduldig und mit der.Feder läßt sich alles beweisen. Chamberlain unternimmt es, diejenigen Ursachen aufzuspüren, welche die Cultur des neunzehnten Jahrhunderts geformt haben und kommt zum nicht gerade neuen Schlüsse, daß das Hellenenthum, das römische Recht, die Erscheinung des Christenthnms, das Judenthum und das Germanenthum auf die Gestaltung unserer Cultur wesentlichen Einfluß genommen hätten. Obgleich zugestanden werden muß, daß das ganze Werk eine ausgedachte, sehr interessante wissenschaftliche Causerie ist, kann man sich auch nicht verhehlen: die Bedeutungslosigkeit einer derartigen Arbeit für die ernste Wissenschaft. Was soll man dazu sagen, wenn Chamberlain heute Untersuchungen darüber anstellt, ob der Stifter der christlichen Religen semitischer oder arischer Abstammung war? Chamberlain gibt zwar zu, daß ein stricter Beweis nach irgend einer Richtung hin unmöglich ist; dennoch findet er, Christus wäre wahrscheinlich Arier gewesen. Eines meint er, sei sicher, daß nämlich Christus Semite nicht gewesen sei. Der Kritiker aber meint: eines ist sicher; daß nämlich deutsche Gelehrte sonst gewissenhafter zu sein Pflegen und daß die Tendenz nicht auf den Markt der Wissenschaft gehört. Was speciell die Juden in diesem noch unvollendeten Werke betrifft, so wird ihnen einfach alles abgeleugnte. Den Juden wird bewiesen, sie seien gar keine Semiten, die jüdische Religion stamme nicht von ihnen und vor Allem, sie besäßen keine Religion, keine Sittenlehre, keinen Monotheismus. „In Wahrheit nämlich sind die Semiten wahrscheinlich die einzigen Menschen auf der ganzen Erde, die überhaupt jemals echte Götzenanbeter waren und sein konnten", schreibt Chamberlain und meint nicht die Semiten, welche nach ihm eine von den Juden abgesonderte Race bilden, sondern die Juden selbst, zettert aber gegen Diejenigen, welche die Juden als Semiten bezeichnen. Und dieselben Juden, welche eigentlich als solch untergeordnetes Volk keinerlei ethischen Einfluß auf die Geschicke dieser Welt nehmen konnten, haben dennoch nach dem Autor verderblich gewirkt: „Der Getdbesitz", seuft Chamberlain, „an und für sich ist das Wenigste; unsere Regierungen, unsere Justizpflege, unsere Wissenschaft, unser Handel, unsere Literatur, unsere Kunst -- so ziemlich alle Lebenszweige sind mehr oder weniger freiwillige Sclaven der Juden geworden und schleppen die Frohnkette, wenn auch noch mcht beiden Füßen, so doch an einem." Ja, wenn das wahr wäre, dann könnten wir Juden uns wirklich freuen, aber leider haben wir keine Sclaven gemacht, sondern sind selbst die Leibeigenen der anderen Völker gewesen und stets in Gefahr, es wieder zu werden, uud wenn die Tyrannei überall einer verfeinerten Civilisation weicht, uns gegenüber wird stets mit den Äetten gerasselt. Armes Judenthum! Seit einem Jahrtausend sagt und wünscht man dich todt. Kein Gift, das nicht heimlich und offen an dir versucht worden wäre! Aber geimpft mit den Grundsätzen einer, himmlischen Ethik, bist du immer gegen irdische Mikroorganismen und gegen unterirdische, infernale Gifte! Und da sollte dich ein Curpsuscher mit 648 Seiten Druckpapier zu Tode curiren können? kl. Briefkasten. M. P in I. Die „Oesterreichische Wochenschrift" enthielt diese Anzeige nichr. M. Taussig, New-Aork. Herzlichen Dank und Gruß. Josef E., Zistersdorf. Ganzjährigen Abonnementsbetrag dankend erhalten. M. Kohorn, Gger. Wir haben Ihr Schreiben der geeigneten Stelle vorgelegt. Lector. Das ist nicht richtig. Da halten wir es schon mit dem berühmten französischen Philosophen Cousin: „Die erleuchtete Vernunft hat der Sache Gottes nicht geschadet, sondern sie fdre röeg„f. Arthur B. Das war ein Jrrthum. Wie aus einer Gerichtsverhandlung hervorging, hat Vergani den Bericht in seinem Blatte, der ihn als „zaubergewaltige Erscheinung" pries, vor dem Erscheinen desselben gekannt. M. H. in C. Willkommen! W. Br. Höchst charakteristische Worte sprach in dieser Angelegenheit der einstig ausgezeichnete Führer der Katholiken in Deutschland Wind Horst im preußischen Abgeordnetenhause in der Sitzung vom 20. November 188«): Er sagte unter Anderem: „Einer der Hauptpunkte, worüber die Inden sich beklagen können, ist nach meinem Dafürhalten der, daß rnan, wenn ein einzeluer Jude oder von einer Mehrzahl von Juden ein Theil derselben etwas gethan hat, was mit Recht gerügt werden muß, daß man dies verallgemeinert und generell hinstellt, als ob es die ganze Judenheit träfe Das ist grundverkehrt und grundverletzend. Wenn man Klagen über Einzelne oder über einen Theil hat, so soll man die Einzelnen oder diesen Theil concret fassen, aber niemals jdie Sache generell beistellen und die ganze Judenschaft verletzen, unter deres die allerehrenwerthesten Menschen gibt" M. W. Das gehört zu der beliebten Kampfmethode Lueger's. Er kümmerte sich nicht darum, als der Kaiser in der klarsten uud unzweideutigsten Weise ein brandmarkendes Urtheil über die antisemitischen Ausschreitungen sprach, aber er erdreiftet sich die „Eindrücke", die er gewonnen haben will, in perfider Weise zu fructificiren. Notiz. Wien. (Giselaverein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen.) Am 5. April fand die 19. Generalversammlung dieses Vereines statt, welcher ausschließlich die Versicherung von Aussteuercapitalien für Mädchen cultivirt. Aus dem beifälligst aufgenommenen Geschäftsberichte geht hervor, daß der Verein auch im letzten Jahre besonders günstige Resultate erzielte, an Geschäftsnmfang und Reservecapitalien wesentlich zugenommen hat. Die Neuproduction umfaßte 17.000 Polizzen mit 19 72 Millionen Kronen Versicheruugscapital. Hiedurch hat sich der Versicherungsstock bis zum Jahresschlüsse auf 96.700 Polizzen mit 1213/10 Millionen Kronen Bersicherungscapital gehoben. Die Einnahmen betrugen für Prämien 5 8 Millionen Kronen, d. i. um 317.000 Kronen mehr als im Vorjahre, für Zinsen und Gebühren 1,194.000 Kronen. Für fällige Versicherungen wurden 1,075.000 Kronen, für Dividenden an versicherte Mitglieder 191.000 Kronen ausgezahlt und die Prämienreserve mit 4'6 Millionen Kronen dotirt, so daß dieselben eine Höhe von 30'8 Millionen Kronen erreicht hat. Die Prämienreserve ist hauptsächlich in pupillarsicheren Effecten und Hausbesitz angelegt. Die Bilanz schließt mit einem Reingewinne von 125.000 Kronen. Der Gisela-Verein hat einen eigenen Fond gebildet, aus welchem solche bedürftige Bräute mit Aussteuerstipenden betheilt werden, für welche einmal an den Verein Prämien bezahlt wurden und deren Väter verarmten. Im Berichtsjahre wurden solcher Art 62 Bräute ausgestattet und besitzt dieser Fond ein Vermögen von 221.000 Kronen. Unter den zahlreichen Filialen, welche in den Provinzhauptstädten für den Giselaverein thätig sind, nimmt diejenige in Lemberg einen ansehnlichen Platz ein, indem sie seit langer Zeit alljährlich dem Vereine 2^2 bis 2 Millionen Kronen neue Versicherungen zuführt, ein Beweis, daß der Giselaverein auch in Galizien besonderes Vertrauen genießt, welches er durch seine Coulance und durch die vorher erwähnten Resultate auch vollauf verdient.

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