Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 15 (13.4.1900)
- Date
- 1900-04-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Settd 286 Dr. Bloät's WochrnschrifL Nr. 15 Jetzt standen sie an der Biegung der Straße, welche sich da nach Neuhof und Posewitz abzweigte, Sara's Herz schlug zuüt Zerspringen .... der Straße entlang zog ein Reiter, in einen weißen Dragonermantel gehüllt, aber er ließ ihn jetzt zurückfallen und . erschien in der Försterkleiduug, in welcher er sie vor Kurzem in W. angesprochen hatte. Zur Seite des Pferdes schritten zwei vermummte, kräftige, vierschrötige Gestalten, wie sie Nikolauer als Begleiter des Barons geschildert, eine dritte ähnliche Gestalt, lenkte einen Wagen, der hinter dem Reiter fuhr und welchen sie sofort als das von seinem Besitzer verlasiencn Gefährte Nikolauer's erkannten. . „Die Würfel sind gefallen/ sprach Michael leise zu Sara, sich mttvillkührlich eines ihm aus seiner Studienzeit geläufigen Ausdruckes bedienend. „Jetzt müssen wir vorwärts, wir dürfen nicht ahnen laffen, daß wir seine bösen Absichten errathen haben, noch weniger Furcht zeigen. Wenn wir uns feige zur Flucht wenden würden, hätten wir nichts erreicht und hätten nur zwecklos unsere Position verschlimmert. Zittere nicht, liebes Herz, ich schwöre es Dir, Dir soll im jirze haschem kein Haar gekrümmt werden/ „Aber Du mein Einziger, mein Vielgeliebter!" lispelte Sara, die in ihrer Verwirrung und Seelenangst nicht Herrin ihres Ausdruckes, Worte sprach, die sie in jungfräulicher Schamhaftigkeit bisher noch nicht über ihre Lippen gebracht. Michael hatte nicht mehr Zeit zu antworten. Lorenz Hornek-Golzinger hatte seinen Operationsplan schlau ersonnen. An dieser Stelle verengte sich der Weg; er ritt rasch heran und gab seinem Pferde eine Schwenkung, so daß es die ganze Breite des Weges versperrte. „Darf ich bitten, den Weg freizugeben?" sprach Michael, aber der Ton seiner donnernden Stimme ließ diese Bitte als einen Befehl erscheinen, und dabei ergriff er mit der Linken den Zügel des Pferdes, während seine Rechte den wuchtigen Stock fester faßte. „Wohin des Weges/ gegenredete der Lieutenant in höflichem Tone. „Das hat Sie gar nicht zu intereffiren, Herr Baron.... ich bitte nochmals den Weg frei zu geben, sonst...." Michael brach ab, er wollte, obwohl von deffen Fruchtlosigkeit überzeugt, doch es versuchen, sich mit Lorenz auf friedlichem Wege auseinanderzusetzen. „Mich intereffirt das sehr lebhaft," entgegnete Lorenz, „ich sehe da ein schönes Mädchen zu Fuß gehen und bin in der angenehmen Lage ihr eine Fahrgelegenheit anzubieten, die sie rascher und angenehmer an ihr Reiseziel bringen kann. Ist es gefällig, dieses einfache Gefährte zu benützen, in den Wagen einzusteigen?" wandte er sich an Sara. „Ich verbiete Ihnen jeden unzeitigen Scherz, zu dem Ort und Zeit möglichst schlecht gewählt sind.... und jetzt sage ich es zum dritten und letzten Male, g ben Sie Raum, sonst nimmt die Sache für Sie kein gutes Ende," und mit einem gewaltigen Rucke seiner kräftigen Hand hatte er das Pferd gewendet, so daß der Weg frei war. Lorenz knirschte mit den Zähnen, als sollten sie zerbrechen imd rief seinen Begleitern erbittert, höhnisch zu: „Ihr seid aber höchst ungalante, hölzerne Kumpane, warum seid Ihr denn nicht der Dame beim Einsteigen in den Wagen behilflich?" Auf diese Aufforderung näherten sich die beiden Männer Sara, und einer machte Miene ihren Arm zu ergreifen. Michael ließ den Zügel des Pferdes los, schwang seinen Stock und rief mit einer Stimme, daß die Strolche vor Schreck zurückwichen: „Wer das Mädchen berührt, ist des Todes.ich halte Wort!" Die beiden Männer betrachteten unschlüssig bald Michael's Hünengestalt, bald den Baron, der eine Zeit lang vor Wuty und Aufregung kein Wort hervorzubringen vermochte. Endlich schrie er: „Feige Memmen, Ihr wollt Euren reichen Lohn gar zu leicht verdienen!" DarauMn trat wieder einer der Männer an Sara heran, umschlang ihren Leib und wollte sie gewaltsam fortschleppen. „Ich warne Dich zum letzten Male, .... Hand weg!" schrie Michael im höchsten Zorne, und als seine Worte wirkungslos blieben, sauste sein Knotenstock mit solcher Wucht auf das Haupt des Mannes, daß er blutüberströmt zu Boden san Es trat ein Moment tiefer Stille ein, dann sprach Michael: „Ich habe noch mehrere solcher Hiebe, wem darnach gelüstet, kann sie zu fühlen bekommen.... komm' mein liebes Herz, komm' Sara!" Der Baron und seine Begleiter waren erschrocken bis zu dem Wagen zurückgewichen. „Herr Baron," sprach der Mann zu Fuß, „Sie haben uns die Sache anders dargestellt, als sie in Wirklichkeit ist.... Sie behaupteten, es wäre keine Gefahr damit verbunden; aber wie ich jetzt sehe, kann man dabei eben so gut todtgeschlagen als an den Galgen oder auf den Spielberg kommen.... ich gehe. Die zehn Dukaten Angeld behalte ich dafür, daß ich, so weit es eben möglich sein wird, über diese verfl.... mißlungene Affaire Schweigen bewahren werde!" Der Mann ließ seinen Worten die That folgen, er schlug durch das die Straße einsäumende Gebüsch einen Seitenweg ein. „Franz!" rief der Baron dem am Bocke sitzenden Manne zu, „schieß den Menschen da nieder!" „Dazu Hab' ich mich nicht verpflichtet," gegenredete der Angerufene. „Tausend Millionen Höllenteufel!" schrie der Baron, zog eine Pistole aus der Tasche und zielte auf Michael. In dem entscheidenden Momente wurden in der Stille der Nacht plötzlich Hufschläge raschtrabender Pferde in weiterer Entfernung hörbar und der Mann am Bocke rief: „Um Gotteswillen, schießen sie nicht; es sind Reiter in der Nähe, der Knall würde sie herführen; übrigens nähert sich der Ton der Hufschläge. Es ist nichts in der Sache zu machen, sie ist mißlungen, ich folge meinem Kameraden," und mit diesen Worten sprang er vom Bock und eilte in entgegengesetzter Richtung fort. Jetzt erst gewahrte Michael, daß seine Verlobte ohnmächtig an seiner Seite niedergesunken war. In einem Augenblicke hatte sich die Richtung aller seiner Gedanken geändert. Er dachte nur daran, wie er dem Wesen, das ihm das Theuerste auf Erden war, Hilfe bringen konnte. Ohne sich weiter um den bestürzten Baron zu kümmern, hob er das leblose Mädchen in den Wagen, setzte sich auf den Bock und rief Hornek zu: „Wenn meine Verlobte stirbt, werde ich ihr Blut aus Deinen Händen fordern," dann hieb er auf die Pferde ein und flog wie von wilden Thieren verfolgt, zurück, der Stadt zu. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit, mit besonderer Berücksichtigung der „Volksmedicin" Md des „jüdischen Blutritus." Von Hermann L. Strack, ao. Professor der Theologie an der Universität in Berlin. Fünfte bis siebente Auflage. 12—17. Taus. München 1900. Verlag der Be ck'schen Verlagsbuchhandlung. 208 Seiten. Preis 2 Mark 50 Psg. Dieses hervorragende und bedeutsame Buch ist in einer neuen, völlig veränderten und umgearbeiteten Auflage erschienen. Es wäre nicht die rechte Art, das Buch zu loben. Die herrliche Schrift muß gekauft, gelesen und verbreitet werden. In den Zeiten von Polna muß ein solches Buch zum Besitzstände eines jeden gebildeten Israeliten und einer jeden israelitischen Bibliothek gehören. Heutzutage verzichten selbst vorurtheilsfreie Christen darauf, die jüdische Lehre zu vertheidigen, aus Furcht, man könnte sie als „Judenknechte" hinstellen, Strack tritt furchtlos aus der Gelehrtenstube auf den Plan, der evangelische Theologe wird zum Bertheidiger unserer schmählich angefeindeten Religion, er ist einer jener Frommen anderer Bekenntnisse, die nach einem Worte unserer Weisen Antheil haben am ewigen Leben. Er selbst schreibt in der Einleitung: „Das offene Eintreten für meine Ueberzeugung, insonderheit das Zurückweisen von Verleumdungen der jüdischen Religion hat mir nicht nur Beschimpfungen in der Tagespresse, sondern auch schweren äußeren Nachtheil gebracht. Dadurch bin ich jedoch nicht einen Augenblick irre geworden in der Gewißheit, daß ich auch ferner so handeln müsse wie bisher." Er ist durch Schmutz, durch Blut und durch Thränen gewatet, aber er schritt weiter um der Wahrheit und um der Ehre willen, denn die Ehre nicht nur der jüdischen, sondern auch der christ-