Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 15 (13.4.1900)
- Date
- 1900-04-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. ti Sette 285 Vr. Bloch's WortrrnfchriN dieses Fest. Ungar, der vor einigen Jahren nach Wien übersiedelte, war durch etliche zwanzig Jahre ein überaus thätiges und verdienstvolles Mitglied der hiesigen Cultusgemeinde-Repräsentanz, Obmann des „Afike-Jehuda" Vereins, u. s. w. Er hat sich auch durch sein Wirken auf jüdischem und humanitärem Gebiete hier zahlreiche Freunde und Sympathien weiter Kreise erworben. Prag. Unterstützungsverein für mittellose isr. Universitätshörer in Prag). Der jüngst veröffentlichte Bericht wird dahin richtiggestellt, daß nicht 1400, sondern 1616 Spender acquirirt und nicht 3000 fl., sondern 3 3 51 fl. Spenden gesammelt wurden, so daß das Verdienst des Herrn Friedrich S. Freund sich als noch größer herausstellt als damals angegeben. Ferner erscheinen die 4 Söhne des H. Davio Bloch Zuckerfabrikanten in Prag (und nicht in Wien) als Stifter für ihren sel. Herrn Vater mit 10 0 fl. (nicht 50 fl.) Reichenberg, 1. März. Bei der nach dem verstorbenen Cultusvorsteher Herrn Heinrich Längstem stattgefundenen Neuwahl gingen einstimmig gewählt hervor: Der bisherige Borsteher- Stellvertreter Herr JUDr. Wilhelm Schnurmacher als Cultusvorsteher, Herr Ernst Weiseles als Cultusvorsteher- Stellvertreter, Herr G. Polacek als provisorischer Vorsitzender. Mit großer Genugthuung haben wir einen Schritt nach vorwärts bei unserem rührigen Verein tz„Chewra-Kadischa", diesmal als Kranken-Unterstützungsverein zu verzeichnen, indem nämlich genannter Verein eine geschulte, in der Krankenpflege vorzüglich geübte Wärterin fest angestellt hat, welch die Armen unentgeltlich pflegt, währenddem für die Bemittelten eine vom Vorstande zu bestimmende mäßige Taxe eingehoben wird. Auch der Chorverein erwacht zu neuem Leben, ein Verdienst des unermüdlichen Herrn Carl Wilner und erinnert die gegenwärtige, schöne Besetzung an längst vergangene Tage. Die Purimunterhaltung gab uns ein beredtes Zeugniß von der Tüchtigkeit der Vortragenden, und war das Programm Folgendes: 1. Rossini: Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla". Frl. Clara Deutsch, Frl. Else Kraus. — 2. Schumann: „Ich wand're nicht." Bauer: „Czikospost". Frl. Camilla Beck. — 3. Ruckauf: „Schlag' die Tschadra zurück." Hoffmann: „Wenn du kein Spielmann wärst." Herr JUDr. Alfred Soudek. — 4. Meyer- Helmund: „Der Schwur." Gumbert: „Walzerrondo I." Frl. Else Kraus. — 5. Löwe: „Die Uhr." Schumann: „Wanderlied." Herr Oscar Soyka. — 6. Jenseu: „Leh'n deine Wang." „Klinge, klinge mein Pandero." Frau Auguste Willner. — 7. Legov: „Bei der Heiratsvermittlerin." Heiteres Duett. Frau Schulze: Frl. Helene Deutsch. Aurora Schiefelbein, eine ältliche Jungfrau, Frl. Lazansky. — 8. Schubert: Variationen in L-äur. Frl. Clara Deutsch. — 9. Schäfer: „Frau Direktorin, Frau Jnspectoritt." Heiteres Duett. Frl. Camilla Soudek, Frl. Camilla Kraus. Nebstdem noch zwei Einlagen. — Wir beglückwünschen den Verein zu diesem wunderbaren Erfolge, möge dies ein Ansporn sein, auch weiterhin fest zusammenzuhalten. Die Bethätigung von Seite unserer Gemeinde war eine sehr rege. Der bekannte Antisemit Camillo Horn gab kürzlich hier ein Concert. Dadurch daß sich die hiesige Judenschaft vom Besuche ferngehalten hat, benützte das hiesige antisemitische Hetzblatt „Deutsche Bolkszeitung" in gemeiner und gehässiger Weise auf die Juden im Allgemeinen und auf die hiesigen Juden insbesondere loszuhauen. Jamnitz, 6. April. (25 Jahre B ezirss chulrath.) Bei der vor einigen Tagen stattgefundenen Wahl eines Vertreters -der Cultusgemeinden in den k. k. Bezirksschulrath Mährisch-Budwitz wurde abermals der hiesige Spiritusfabrikant und Cultusvorsteher Herr Samuel K o h n einstimmig gewählt. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß Herr Kohn bereits 25 Jahre diese Ehrenstelle bekleidet und daß er diesen Platz voll und ganz ausfüllt zum Wohle der Unterrichtsanstalten und zur Ehre des Judenthums Wir entbieten demselben aus diesem Anlasse eiu herzhaftes «aä multos annos!“ A. B. Gewitsch. Am 6. April d. I., zum Abendgottesdienste beging unsere Gemeinde und Herr Rabbiner David Keßler, der am 18. März von der berufenen Vertrauens-Versammlung mit Acclamation zum Gemeinde-Rabbiner erwählt worden war, die Feier seiner Amtsübernahme. In schlichter aber gleichwohl erhebender Weise vollzog sich diese Feier und Herr Rabbiner Keßler hielt eine tief empfundene Antritts-Rede, die man ein Bekenntniß einer frommen, von der Heilskraft unseres Glaubens erfüllten Seele nennen darf. Frei von aller rethorischen Zier, von allem sprachlichen Ueberschwange, wußte der Herr Rabbiner durch eine außerordentlich klare Diction, durch logischen Aufbau des Gedankenganges die Hörer nicht blos zu fesseln. nicht blos zeitweilig zu rühren, sondern auch im ganzen Verlaufe des Vortrages zu überzeugen und wir wünschen vom ganzen Herzen, daß ihm der Erfolg nicht blos auf der Kanzel, sondern auch auf dem Felde praktischer Bethätigung allezeit treu bleibe. Lemberg. Der Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenoffen wird wohl selten in gleichem Maße auf die Probe gestellt, als vor dem Pesachfestc. — In unserer Gemeinde, wo die Armuth leider von Tag zu Tag im Wachsen begriffen ist, wurden auch Heuer tausende bedürftiger Familien mit Mazzoth, Kartoffeln oder Geldbeträgen betheilt. Mehrere Comitßs befaßten sich mit den Sammlungen milder Gaben. Auch werden während der acht Festtage die jüdischen Soldaten (500—600) in einem Locale der israelitischen Hauptschule bespeist werden. Die Seele der ganzen Action ist der um das Armenwesen verdiente Cultusrath David Maschler. Veritas. Breslau. Herr Dr. Emil Schlesinger vom Breslauer Seminar wurde einstimmig zum Stadt- und Canton- Rabbiner von St. Gallen gewählt. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. Kohn, Verfaffer von Gabriel. (Fortsetzung.) Michael konnte nach den eben erhaltenen Mittheilungen und dem Zusammenfassen aller Umstände nicht daran zweifeln, daß der übermüthige, niederträchtige Hornek etwas llebles gegen Sara im Schilde führe; aber in dem Bewußtsein seiner Körperkraft, mehr noch im Vertrauen auf Gott, wollte er unentwegt seinen Weg fortsetzen. Er wollte, um Sara nicht schon frühzeitig zu erschrecken, seine Befürchtung, oder richtiger gesagt, unangenehmen Erwartungen nicht aussprechen. Er löste nur das Päckchen, das an der Spitze seines Knotenstockes hing, los, gab es Sara zu tragen und faßte den Stock in seiner Rechten, um für den Fall eines plötzlichen Angriffes kampfbereit zu sein. Allein auch die kluge Sara hatte die Situation richtig erfaßt; bei dem hellen Mondeslichte konnte Michael erkennen, daß sie leichenblaß geworden, und daß sich ihr Ausen in tiefen Athemzügen hob und senkte. „Ich dächte," sprach sie und ihre Stimme zitterte vor Aufregung, „es wäre am Besten, wenn wir den Rückweg anträten. Wir könnten sonst leicht dem Baron Hornek begegnen, er kommt von einem Festgelage; wenn schon Nikolauer, der nur in dem Bedientenzimmer mit dem Abhube der fürstlichen Tafel tractirti wurde, trunken war, um wie viel mehr ist dies vom Baron zu erwarten. Er ist Dir ein alter Feind. Du hast es ja selbst erzählt, als er Deiner beim Einzuge des Regimentes ansichtig wurde, verzerrte sich sein Gesicht vor Wuth zu einer Fratze. Er wird vielleicht Zank nnd Streit mir Dir beginnen, in keinem Falle kann hierbei etwas Erfreuliches herauskommen ... kehren wir zurück!" „Ich verstehe Deine Befürchtungen vollkommen," erwiederte Michael, während sich seine männlichen Züge purpurn färbten, „aber ich glaube doch, es ist am Besten, wenn wir rasch vorwärtsschreiteu, wir sind schon in der Nähe von Nenhof; wenn wir dieses erreichen, sind wir vollkommen sicher. Lorenz ist ein bodenlos frecher Mensch, der nicht leicht von einem Unterfangen abläßt; aber jedes Ding auf dieser Welt hat seine Grenzen; — auch seine Frechheit. In ein verschlossenes Haus einzudringen, um ein Mädchen zu rauben, wird selbst der tolle Schurke, der in seinem beispiellosen Leichtsinne, einen Trunkenen zum Mitwisser seines gefährlichen Vorhabens macht, nicht wagen. Schon der Versuch — gelingen würde er nicht — würde ihn gefährden, und müßte ihm eine furchtbare Strafe zuziehen. Von jeder Wegesbiegung aus sieht man in einiger Entfernung Neuhof, und das Branntweinhaus, das unser Freund Rüben Weiß bewohnt; haben wir dieses glücklich erreicht, so haben wir dann nichts zu befürchten." So sprechend waren Michael und Sara zu der Straßenbiegung geschritten. Schon auf diesem kurzen Wege hörten sie das Aufschlagen eines Roffeshufes und das Rollen eines Wagens. Sara zuckte an dem Arme ihres Verlobten zusammen. „Habe keine Furcht theures Herz," sprach er, „wir stehen unter des allmächtigen Gottes Schutz und er hat mir gnadenreich die Kraft verliehen, mein Höchstes auf dieser Welt zu schützen l"