Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 15 (13.4.1900)
- Date
- 1900-04-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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§etie 284 Dr. Bloch's Wochrnfchrifr. Nr. 15 Die größte und glänzendste Thai, welche Rabbi Wise zu Staude gebracht, ist ohne Zweifel die Gründung des Hebrew Union College in Cincinnati, eine Stätte der Bildung und Erziehung zukünftiger jüdischer Priester. Plan, Größe und Entwickelung des Instituts sind hauptsächlich Schöpfungen des Doctor Wise, und wenn er auch in der Leitung des Seminars die eminente Hilfe genialer und thätiger Mitarbeiter hatte, so war er doch die wirkliche Seele und der Geist des ganzen edlen und lobenswerthen Unternehmens. Obgleich überzeugungstreuer Demokrat, trat er den secessionistischen Gelüsten des Südens in den trüben 60er Jahren mit der ganzen Kühnheit seiner Rede entgegen. Freiheitliche Bestrebungen hatten in Wise stets einen starken Hort. Wise gehörte seit einem Menschenalter dem Universitätsrath an, war lange Jahre Mitglied des städtischen Schulraths und stand anderen Erziehungs-Körperschaften vor. Baltimore (Ein junger Gelehrter mit großer Zukunft). Vor etwa zwölf Jahren erregte der hiesige Student Jacob H. Holländer zuerst unsere Aufmerksamkeit durch verschiedene lichtvolle Abhandlungen über volkswirthschaftliche Fragen. AllmÄig gab er seinen Bestrebungen eine bestimmte Richtung und in den gediegenen „Colins Hopkins Liuäies" erschienen im Laufe der Zeit mehrere gediegene Schriften über Eisenbahn- und Municipal-Verwaltung, Besteuerungswesen u. s. w. Sein letztes Buch „Ltuäies in State Taxation“ haben wir in verschiedenen Blättern günstig erwähnt gesehen. Unterdessen hat er sich den Dvctor-Titel erworben und ist schon seit geraumer Zeit Httfs- Pcofessor der National-Oekonomie an der „Johns Hopkins- Universität. Sein ernstes Streben und sein gründliches Wissen sind nicht unbeachtet geblieben. Im Jahre 1897 ernannte ihn Präsident Mc. Kinley zum Secretär der „Bimetallistischen Commission, welche er nach Europa begleitete. Sein Werk über die „Finanzgeschichte der Stadt Baltimore" ist noch nicht bekannt genug, um gehörig gewürdigt zu werden. Er bekleidet seit geraumer Zeit das Amt eines Vorsitzenden der municipalen Beleuchtungs-Commission, deren erst^ Bericht sich soeben in der Presse befindet. Soeben hat Kriegs-Minister Root einen neuen ehrenhaften Auftrag für ihn. Der junge Gelehrte ist nämlich ersucht worden, als Special-Commiffär der Regierung nach Porto Rico zu reisen, um eine Revision der Steuer-Gesetze auf der Insel anzubahnen. Dr. Holländer wird mehrere Monate in Porto Rico verwetten, die Universität hat ihn für diesen Zweck auf unbestimmte Zeü beurlaubt. Vermischtes. Wien. Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Herr kajs. Rath Heinrich K l i n g e r ist von seinem Urlaub zurückgekehrt und hat die Leitung der Präsidialgeschäfte sofort übernommen. Wien. (Trauung). Sonntag den 22. April, 1 Uhr Nachmittag findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trcuung von Fräulein Milla Schefftel, Tochter des kaiserlichen Rathes Herrn N. Schefftel mit Herrn Ober-Ingenieur Edmund Klauber aus Troppau statt. Wien. (Verlobung). Fräulein Gisela Klein, Tochter des Beamten der Staatseisenbahn-Gesellschaft Herrn Sigmund Klein, hat sich mit Herrn Adolf Popper, Steueramts-Osficial der isr. Cultusgemeinde, verlobt. Wien. (Spende). Für die Abgebrannten in Kolbuszow sind uns unter B. F. in Mistek 20 Kronen zugekommen. Wien. (Probevortrag.) Freitag den 7. und Samstag den 8. d. M. hat über Einladung des hiesigen Cultusvorstandes in der Reihe der Probevorträge der Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde Graz, Herr Paul Horn, im großen Tempel der Leopoldstadt vorgebetet und erntete mit seinen gesanglichen Leistungen vielen Beifall. Wie». (Jüdisches Museum.) Die Ausstellungsräume des Museums bleiben der Feiertage halber in dieser Woche Samstag, Sonntag und Montag für den Besuch des Publikums von 11 bis 1 Uhr Mittags geöffnet. Neu zur Anfstellung gelangten: Hagadah, Handschrift mit Miniaturen vom berühmten Kalligraphen Aron Wolf Herlingen, Wien Anno 1746, Geschenk des Herrn Ober-Rabbiners Dr. Immanuel Loew in Sz-ged'n; Sammlung von Reliquien des am 13. März gefallenen Technikers Spitzer, Geschenk des Herrn med. Dr. Adolf Hoffmanns; Genrebilder des Malers Lazar Krestin. Auch bleiben die Aquarelle von Professor Schauer: Das hohe Lied, noch durch einige Zeit ausgestellt. Wien. (Ferienheim-Matinße.) Im Theater an der Wien fand Sonntag den 8. April */,3 Uhr Nachmittags eine Aufführung des unverwüstlichen Nestroy'schen Schwankes „Lumpacivagabundus" statt, deren Reinerträgniß dem Vereine Ferienheim zu Gute kam. Das zahlreich erschienene Publicum, unter denen wir Se. Excellenz den Statthalter Graf K i e l m a n n s e g g, den Polizeipräsidenten Haberda, Reichsrathsabgeordneten A u s p i tz und Familie, die Barone Albert und Alfons Rothschild, Baron Herman Königswarter, Frau Sofie v. Gutmann, Frau Max v. Gutmann, zahlreiche Vertreter der Künstler- und Grlehrtenwelt rc. rc. bemerkten, folgte der Aufführung mit lebhaftestem Interesse und zeichnete besonders die Damen Frau v. Türk-Leuthold, Frau Therese Biedermann und Frau H a n s i I a rn o - Ni e se, die das liederliche Kleeblatt mit wahrhaft köstlichem Humor darstellten, durch rauschenden Beifall aus. In der Concerteinlage des zweiten Actes gefiel die künstlerisch vornehme Art und Weise, mit der Frau Bricht- Pyllemann drei reizende Lieder vortrug, ganz besonders. Frau Gräfin Jlka Kinsky-Palmay entzückte durch graziöse Chansons, die sie mit bewundernswerther Verve sang und spielte, während für die Freunde ernsterer Musik das Violinconcert des Herrn Prof. Pri ll und die Lieder des Hofopernsängers Herrn Wilhelm Hesch einen wahren Genuß bildeten. Die Vorstandsdamen, besonders die Präsidentin Frau Sofie Grünfeld und die Schriftführerin Frau Am6lie Strauß können einen Theil des so reichlich gespendeten Beifalls mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen. Wien. (Ehrung). Am 28. März wurde dem Herrn Jacob W e i ß (in Firma Kohn & Weiß) als Begründer und derzeitiger Obmann des jüngst gegründeten Bethausvereines „Montefiore", II., Taborstraße 38, eine prachtvolle Dankadresse von den drei Vereinen: Krankenunterstützungs-, Witwen- und Waisen-, und Bethausverein „Montcfiore" feierlichst überreicht. Es erschienen, da der Herr Josef Pollak, Präses des Krankenvereines, verhindert war, unter Führung des Herrn Edmund Hoffmann, Obmann des Witwen- und Waisenvereines, die Herren Vorstandsmitglieder Emanuel Taub und Elias Weiß als Vertreter des Krankenvereines, Herr I. A. Wasservogel als Vertreter des Witwenvereines, Herr Dr. Leopold Brady und Adolf Fleischmann in Vertretung des Bethausvereines, und Herr Nathan Königsberger und Herr Wilhelm Kohn in Vertretung der Bethausverwaltung. Herr Dr. Brady hob die großen Verdienste hervor, die Herr Jacob Weiß auf dem Gebiete der Humanität, insbesonders bei der Gründung und Errichtung des Bethauses, erworben hatte, und gab der angenehmen Erwartung Ausdruck, daß er dieses junge Unternehmen auch künftighin unterstützen werde. Herr Edmund Hoffmann dankte im Namen der Witwen und Waisen, die durch die reichliche Unterstützung des Gefei rten sehr oft bedacht werden können. — Herr I. Weiß dankte für die ihm erwiesenen Ehren, die ihn besonders freuen, da seine bescheidenen Leistungen nie soche verdienen. Er wird aber, vereint mit allen Vorstandsmitgliedern, immer gerne bereit sein, seine schwache» Kräfte und Mittel dem Wohle der drei Vereine zu widmen. Auch seine Familie sei höchlichst erfreut über die seltene Auszeichnung von Seiten des Vereines. Wien. Der jüdische Bolksverein veranstaltet für mittellose junge Leute und Studirende einen Gratis-Sederabend. Diejenigen Herren, die Theil nehmen wollen, mögen sich im Secretariat des jüdischen Volksvereines ll., Haasgasse Nr. 8 (Untere Augartenstraße 19) rechtzeitig anmelden. Wien. (Todesfälle). Sonntag, den 8. d. M. ist hier Herr Emanuel Groag, seit 26 Jahren Director der Volks¬ und Religionsschule der türkischen Gemeinde, ein bedeutender Pädagoge, nach kurzem Leiden gestorben. Herr Groag hat ein Alter von 68 Jahren erreicht und erfreute sich großer Beliebtheit in allen Schichten seiner Gemeinde. — Freitag am 6. April starb hier im hohen Alter der Fabriks- und Realitätenbesitzer Herr Marcus F a n t o. Der Heimgegangene erfreute sich hoher Achtung in den weitesten Kreisen wegen seines humanen Wirkens und seiner anerkannten Biederkeit. Prag. (Siebzig st er Geburtstag). Dieser Tage beging hier im engsten Familienkreise Herr Moritz Ungar