Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 15 (13.4.1900)
- Date
- 1900-04-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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. Mette 282 Dr. Bloch's stundenlang auf eine Ordination, die wenige Minuten dauert, warten. Für viele Punkte -er sich weit ausdehnenden Großstadt gibt es überhaupt keine nahe gelegenen Anstalten und die Armen bezahlen die Ordination mit dem Verluste von Zeit, also auch des Arbeitslohnes. Den ärztlichen Rath für das eine Kind, * das die Mutwr zur. Ordination bringt, entgelten die übrigen .Kinder und der Vater oft mit dem Verlöte der Mittags kost, die die Mutter hätte bereiten sollen! In vielen Fällen nruß die Mutter kleine Geschwister des -Patientenlohne Aufsicht stundenlang zu Hause eingesperrt lasien — Klagen, die man täglich unzähligemale in den Warteräumen der Spitäler und Ambnkatorien hören kann. Unter den Hilfsbedürftigen befindet sich aber jnudj eine große Zahl infectiouskranker Kinder, mit denen die Mutier auf Tramway und Omnibus, eingepfercht zwischen anderen Passagieren, oft die halbe Stadt durchkreuzen müssen. Schon deshalb sollten wenigstens die Ordinations-Anstalten derart vermehrt werden, daß sie überall zu Fuß erreichbar sind. Die Mivatwohlthätigkeit kann also nicht reich genug alle jene Bestrebungen unterstützen, welche diese Uebelstände zu mildern suchen. Wenn je eine Wohlthat, so trägt diese ihren Lohn in sich, und Väter und Mütter werden des Wohles ihrer eigenen Kinder eingedenk, unsere ^Bemühungen zum Wöhle des armen kranken Kindes freudig unterstützen. Spenden und Beitrittserklärungen — der Mitgliedsbeitrag beträgt 3 fl. — wollen an den Vereinsschriflführer Herrn Dr. Moriz Singer, L, Kohlmarkt 18, oder an die anderen Herren Vorstandsmitglieder eingesendet werden. Wien, am 5. April 1900. Cesar Danon, Architekt Max Fleischer, Baurath Th. Ritter v. Goldschmidt, Docent Dr. Josef Grünfeld, Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Gustav Kohn, Leopold Lourie, Ober-Ingenieur Arthur Edler v. Mises, Commercialrath W. Pollaczek, Max Quittner, M. Silberstern, Hof- und Gerichtsadvocat Tr. Moriz Singer, Heinrich Teltscher, Julius Wolf. Czas lau. Es österlt wieder. Die abscheuliche Witterung, die den Schnee verschwinden ließ, um mit Schlamm und Koth Weg und Stege zu bedecken, hat auch jene Kothpilze wieder hervorgerufen zu ihrer unfläthigen Arbeit, welche alljährlich zu Ostern ihren Ge—ruch verbreiten und ihr rüchloses Wurzelfassen wahrnehmen lassen. Wieder sind die antisemitischen Buben an der Osterarbeit, und immer neue Zweige bringen diese Sumpfpflanzen hervor. Jetzt versenden sie hier an die Dienstmädchen in jüdischen Häusern (welche ke inrn S old a t e n h abr n!!) Warnungen und Aufforderungen, ihren Dienst zu verlassen. Ueber Ton und Inhalt dieser Briefe Worte zu verlieren,. wäre Zeitverschwendung. Aber die Thatsache muß constatirt werden, daß am Beginn des 20. Jahrhnnderts im hochmodernen Oesterreich, und zwar in Böhmen, ganze Menschenclaffen straflos der Mordlust, der Blutgier beschuldigt werden dürfen. In unseren Krähwinkeln könnte man bei bischen gutem Willen die anonymen Schmierer doch sehr bald erwischen. Hohenau. (T e m P e l e i n w e i h u n g.) Dienstag, am 10. April, fand unter großer Theilnahme der jüdischen und christlichen Bevölkerung, der politischen und Gemeindebehörden die feierliche Einweihung des neuerhauten jüdischen Tempels statt. Ueber den Verlauf der Feierlichkeit, welche allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben dürfte, wird in nächster Nummer ausführlich berichtet werden. Bei dem hierauf stattgefundenen Astbankette wurde unter großem Enthusiasmus beschlossen, nachstehende Telegramme abzusenden: Dr. B l o ch 's O e st e r r. Wochenschrift, W i e n. Dem muthigen Vertheidiger des Judenthums, dem edlen Förderer unseres Tempelbaues huldigenden Dank. Dr. Leimdörfer, für den Verein. Architekt Max Fleischer, Wien. Dem erleuchteten Meister, dem genialen Künstler entbietet huldigenden Dank. a Dr. Leimdörfer, für den Verein. Lemberg. Auf Anregung des berühmten greisen Lemberger Rabbiners Isaak Schmelkes wurde nachstehende E:mnciation der hervorragendsten Rabbiner Galiziens und der Bukowina dem Ministerpräsidenten, dem Cultusminister und dem Wochenschrift. . Nr. 15 Justizminister überreicht: „In tiefster Empörung über die .in dem bekannten Polnaer. Processe dem Judenthume und /seiner heiligen - Religion angethane Schmach,- indem in mehr' oder -minder herhüllter Weise auf das ebenso lächerliche als boshafte Märchen - der Blutbeschuldigung angespielt wnrde, erheben wir nachdrücklich Protest gegen diese fluchwürdige Insinuation-und erklären feierlichst unter heiligem Eide, -aß weder im Talmud, uoch in dem. gesammten Schriftenthume der Juden irgeyd eine Vorschrift oder auch nur Andeutung über ein derartiges grauenhaftes Gebot oder Gebrauch vorhanden ist, vielmehr wird überall ben Juden der Genuß von Blut, woher solches auch stammen mag, als Gräuel strenge untersagt. Auf Gruyd unserer Stellung und rabbinischen Thätigkeit mit dem Judenthume -und allen seinen Gebräuchen innig verwachsen, betheuern wir bei bem einzigen Gotte und. im Angesichte der Oessentlichkeit, daß es keine Partei und keine Secte im Judenthume gibt, welche zu irgend einem rituellen Zwecke Menschenblut gebraucht, da dieses mit-sämmtlichen religiösen Normen und Vorschriften im Widerspruche steht. Wir sind bereit, diese unsere aus gründlicher Kenntniß des Judenthums und aller seiner Schattirungen geschöpfte unumstößliche Ueberzeugung überall zu vertreten und vor jedem Gerichte eidlich zu-erhärten, so wahr uns Gott helfen .möge.' — Rabb. Simon B a b i ch, Tarnopol; Rabb. P. B ur s-z tyn Sereth (Bukowina); Rabb. Ruchim Bursztyn, Nadwvrna; Rabb. Nathan D y m, Saiwk-Rabb. D. I. Fried m ann Czortkow Rnbb. Isaak Schmelkes, Lemberg; Rabh. I. Fr i edm.aun, Husiatyn; Rabb. F ri ed m an n, Sadagöra; - Rabb: I. M e ie r, Kopiczynce; Rabb. I. B. R o k a ch, Belzez; Rabb. Isaak H or o Witz, Stanislau; Rabb. Halb er sta m m, Neu-Sandez; Rabb. A. L. H.orowitz, Krakau;. Rabb. I. Cchaje's-; Rabb. Nathan Lewin,- Rohalyn : Rabb. R o t lg ch, 'Sokal; Rabb. A. S chnu r, Tarnow; Rabb. S. Sch w ad r o n/.'Brzezany; Rabb. Benjamin W e i ß, Czernowitz (Bukowina). - - Bielich. (Eingesendet.) Resolution. Die am 1- April 1900 im Zunfthaussaale zu Bielitz tagende jüdische Ber- , sammlung spricht ihre tiefste Entrüstung aus, über den schreienden Willkürsact der Felicianerinnen, uüd über die Roheit der berufenen staatlichen Behörden, in der Habhaftwerdung der dem Arme ihres Vaters entrissenen minderjährigen Michalina Araten, und fordert sämmtliche israelitische Cultusgemeinden Zur schleunigsten Stellungnahme gegen die Verletzung der staatlichen und moralischen Gesetze auf, um die minderjährige Tochter ihrem Vater zurückzuführen. Vorstehende Resolution wurde an alle größeren Gemeinden Oesterreichs mit nachstehendem Schreiben versendet: Löblicher Cultusvorstaud! . Die „Affaire" Araten hat die civilifirtr Welt in Aufregung gebracht, und das Rechtsgefühl im Allgemeinen aufs tiefste verletzt. Es ist nicht nur die Stimme eines unglücklicher: frommen Paters, dem die Kirche ein Kind geraubt, es ist der Aufschrei des mit Füßen getretenen Rechtes, das uns-als Bürger wohl .gewährleistet worden ist, als Juden uns gegenüber jedoch ga.r keine Geltung hat!-/-, . Unsere Geschichte predigt uns aus jedem Blatte, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit zu pflegen, und bei jedem Anlasse der Verdrehung und Krümmung des.Rechtes eines von uns als Juden, wie ein Mann gegen die Unbill entschiedenst zu protestiren. Wir wollen damit nicht nur trachten unsere uns verbrieften Rechte zu erlangen, sondern der Oeffentlichkeit.zu bekunden, daß wir nicht gewillt sind, als Bürger eines Staates, dessen Lasten-wir tragen, als Recht- und Schutzlose behandelt zu werden. Dieser Momente eingedenk, hat eine in unserem Vereine stattgefundene Versammlung anläßlich eines Vortrages Herrn Dr. Steckl: „Der Fall Araten vom juridischem und menschlichen Standpunkte beleuchtet", und der sich daran geknüpften Debatte, auf Antrag des Herrn Dr. Vetter, mitfolgende Resolution einstimmig gefaßt, und unseren Vereinsvorstand beauftragt, dieselbe an alle größeren israelitischen Cultusgemienden Oesterreichs zu versenden Hoffend, daß vielleicht diese Massendemonstration vieler bedentender Cultusgemeinden in maßgebenden Kreisen nicht unbeachtet bleiben wird, ersuchen wir einen löblichen Cultusvorstaud, sich ebenfalls den Reihen derjenigen anzuschließen,, die für ihr gu-t-es Recht a u ch a l s I u den e i n t r e t e n wollen, was aber schleunigst geschehen müßte, nachdem das entführte Mädchen Araten bereits "im Mai d. I l4 Jahre alt wird — in welchem Älter ein Jeder dem Gesetze nach die Frage des Religionswechels schon selbst lösen darf — dem Einflüsse ihrer jüdischen Familie entrückt, derselben für immer auf diese Weise verloren gehen würde. > Ihren diesbezüglichen Entschluß bleiben wir erwartend.; Für den Vorstand: . . Paul Oraff, Dr. I. Günzig, dz. Präsident.