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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-13 · 15 (13.4.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
15 (13.4.1900)
Date
1900-04-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Bloch's Woche nschrifk. Seite 381 von dem jüdischen Gericht zu Florianow, Montag den 19. November 1613 (5 Khislew 54-74) zu Protokoll genommen wurde. Der Zeuge trägt auf Deutsch vor: »Wir sind 11 jüdische Männer im Heer gewesen. Da ist ein Jude herausgesprungen, Brakha (td^ü), Sohn des Märtyrers Ahron aus Tischwitz, der aus 3 Pferden gedient hat. Er ist zwei- oder dreimal auf das Heer der Moskowiter losgesprengt, wie das im Kampfe üblich ist. Die Moskowiter aber haben die Oberhand erlangt. So ist der Jude zurückgesprengt, da hat man ihm aus dem Wald nackgeschossen. Ich habe die ladunka (Ladung) ihm im Rücken stecken gesehen. Darauf ist er auf den Sattel niedergefälleu, er wollte sich auf den Haaren des Pferdes am Halse festhalten, wackelte aber hin und her, und so hat ihn das Pferd auf den Weg hinweggetragen; ich habe ihn nicht mehr gesehen, er ist mit dem Heer entlaufen. Auch habe ich gesehen, als er auf das Pferd niederfiel, daß ihm der Rauch zum Munde herausgekommen ist, ich bin ganz nahe bei ihm gewesen. Alsdann sind wir dem Heer nachgelaufen, da habe ich sein Pferd laufen gesehen, er war aber nicht darauf, zumal der Sattel krumm gelegen hat; das Pferd habe ich wohl gekannt. Hernach hat der Oberst des Heeres pauken lassen, so daß das Heer, das ganz zerstreut war, zu Häuf gekommen ist. Das Volk hat von den Vorgängen des Kampfes erzählt, da haben mehrere Kosaken zu wiederholten Malen gesagt: Gott sei es geklagt, daß der rycer (Ritter), der Jude Brakha, so scheußlich ist umgekommen, man hat ihn mit den daräysr (Streitäxten) zerhackt und zerstochen u. s. w. Den Tag herum haben die Kosaken die Mos'owiter geschlagen, und sie brachten die Rüstung, das Pferd des besagten Brakha, seinen Hut, den ich wohl gekannt habe, und sein Schwert, das ich nicht so genau gekannt habe. Nun wollte der Officier (wörtl. der Vorgesetzte über hundert) die Sachen des besagten Brakha haben, aber der Unterofficier (wörtlich der Vorgesetzte über zehn) wollte sie auch haben, und sie haben miteinander vor dem kole (Kreis- Soldatengericht) processirt. Ich bin es, der dazu gethan, daß man unsere Gefallenen verbrannt hat, also habe ich den besagten Brakha mit meiner Hand ausgezogen und ihn verbrannt. Er hat dafür als Zeugen mehrere Kosaken beigebracht, daß er ihn in ein Haus hineingeschleppt hat, um ihn zu verbrennen, und ihn verbrannt hat. Darauf hat man die Rüstung des Brakha dem Unterofficier zugesprochen. Hernach habe ich von einem Kosaken gehört — derselbe heißt Chweder und ist hernach Geistlicher zu Kiew geworden — wie er ganz absichtslos erzählt hat, daß er dabei gewesen war, als der Kosak, der besagte Unterofficier, den Juden verbrannt hat, der da geheißen hat Brakha. Auch weiß ich wohl, daß kein anderer Jude in unserem Heer Brakha geheißen hat, nur der besagte Jude u. s. w. Später mehrere Wochen herum, es war im Heer des Nelowajk, da sind andere Kosaken gewesen, die haben ganz absichtslos von der Tapferkeit des besagten Brakha und von allen eher angegebenen Umständen seines Todes erzählt/ — Soweit das auszüglich gegebene Zeugniß, in deffen Wortlaut der Zeuge sich weitläufig über diese Dinge ausgelaffen hat°). In dem denkwürdigen Krieg zwischen Polen und Ruffen um Moskau und Smolensk nach der Ermordung des falschen Demetrius haben also Juden, wenn auch in geringer Zahl mitgefochten. Bei der Truppenabtheilung, von der hier erzählt worden, befanden sich 11 Juden, darunter einer, der zu Pferde und mit zwei Knappen diente. Daß dieser Fall nicht vereinzelt gewesen, dürfte wohl ein Bericht des päpstlichen Legaten Commendoni aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vermuthen lassen. Derselbe erzählt mit Erstaunen, daß die Juden in Reußen „Waffen führen, mit Gewehren einhergehen und in völlig gleichem Recht mit den andern zu leben scheinen/ Correspondenzen. Aus der Plenar-Sitzung des Cultusvorstandes vom 8. April 1900 unter dem Vorsitze des ersten Biee- Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr Vormittags. Der von einem mehrwöchentlichen Urlaube zurückgekehrte Präsident, Herr kais. Rath Kling er, welcher im Laufe der Sitzung erscheint, wird von der Versammlung aufs Wärmste begrüßt. 6) Tescbuboth bageonim batbrai No. 2, Im Einlaufe befindet sich: Ein Dankschreiben des Präsidenten der Prager Cultusgemeinde, Herrn Dr. Arnold Rosenbacher, für die ihm seitens der Wiener Cultusgemeinde anläßlich seines 60. Geburtstages gewordene Beglückwünschung. Zustimmungskundgebungen zu den Maßnahmen des Cultusvorstandes gegenüber den judenfeindlichen Vorgängen im n. ö. Landtage. Ein Condolenzschreiben des Bürgerschuldirectors Herrn H ü b e r namens des Lehrkörpers der Bürgerschule II. Wittelsbachstraße anläßlich des Ablebens des Religionslehrers, Herrn Aron Schnürmacher. Die Versammlung ehrt das Andenken dieses vortrefflichen Lehrers durch Erheben von den Sitzen. Herr Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger übermittelt in einer Zuschrift namens der Hinterbliebenen nach seinem verewigten Vater, Herrn Heinrich Berger s. A., die von den bekannten Prager Censor und Translator Carolus Fischer verfaßte „Gutmeinung über den Talmud der Hebräer" im Originale nebst anderen auf den Talmud bezughabenden Attesten in das Eigenthum der Cultusgemeinde. Diese werthvollen Schriften werden vom Vorstände unter lebhaftem Beifalle mit bestem Danke entgegengenommen. An Spenden sind eingelaufen: Von Frau Diana Fichtenholz für einen arme" Studenten: K. 20. Von einer Dame für einen Kranken anläßlich der Osterfeiertage K. 10. Bon Frau Sophie Deutsch und Herrn Simon Deutsch anläßlich des Ablebens des Gatten respective Bruders Herrn Heinrich Deutsch K. 600 zur Verleihung der jährlichen Zinsenerträgniffe am Sterbetage des Dahingeschiedenen an 10 männliche Insassen des Altersversorgungshauses. Den Spendern wird der Dank votirt. Herr Docent Dr. Josef Grünfeld erstattet namens der III. Section das Referat betreffend die Besetzung der Stelle des Abtheilungsvorstandes der neu zu eröffnenden chirurgischen Abtheilung im israelischen Spitale. Um diese Stelle sind infolge Concursausschreibung 7 Bewerber eingeschritten. .Die M. Section stellt Ms Grund eingehendster Berathung conform dem motivirten auf Atteste hervorragender medicinischer Autoritäten sich stützenden Gutachten des Primararztes Regierungsrath Proseffor Dr. Os er den Antrag, als Vorstand der neuen chirurgischen Abtheilung des Israel. Spitales den Herrn Docenten Dr. Otto Zuckerkand! im Sinne der Concursbedingungen zu berufen. Der Sections-Anttag wird einhellig angenommen. Ueber das von Herrn Dr. Maximilian St einer namens der III. Section erstattete Referat wird die der israel. Armenanstalt zur Betheilung von Armen mit Mazzoth alljährlich zugewiesene Subventton für das laufende Jahr mit K. 6000 bestimmt. Herr Vice-Präsident Dr. Kohn referirt namens des Vertreter-Collegiums über die Annahme der Ludwig Lang'schen Kadisch gebet Widmung und der Gerson Abeles'schen Grabausschmückungswidmung. Die diesbezüglichen Referentenanträge werden angenommen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 1 Uhr Nachmittags geschloffen. Wien. (Aufruf.) Der Verein zur Errichtung und Erhaltung von Krankenanstalten für Kinder ohne Unterschied der Confeffion, welcher sich im Vorjahre zu dem Zwecke constituirt hat, um für arme kranke Kinder ohne Unterschied der Confeffion in erster Linie Ambulatorien, späterhin, wenn die Mittel des Vereines dies ermöglichen sollten, Kinderspitäler in Wien zu errichten und zu erhalten, hat seine Vorarbeiten beendet und beabsichtigt nunmehr, das Unternehmen zu acttviren. Was im Vorjahre den Anstoß zur Gründung des Vereines gegeben, die Ueberzeugung von der unzulänglichen Zahl der Kinderheilanstalten Wiens, hat in den Ereignissen der letzten Tage seine volle Bestätigung gefunden. Gewiß ist der Ruf nach Abhilfe aus öffentlichen Mitteln berechtigt; allein es wird noch eine geraume Zeit verstreichen, bis auf diese Weise genügende Abhilfe geschaffen sein wird. Hier muß also zunächst die Privatwohlthätigkeit, welche alle derzeit in Wien bestehenden und mit Erfolg wirkenden Kinderheilanstalten gegründet hat und erhält, inzwischen, wenn auch mit kleinen Anstalten, helfend voraneilen. Bei der geringen Zahl der derzeit für diese Zwecke bestehenden Institute muß die Mutter des kranken Kindes oft

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