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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-13 · 15 (13.4.1900) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
15 (13.4.1900)
Date
1900-04-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 280 Vr. Bloch's Wochrafchrrfk. is die Welt mit Banden von Eisen verknüpfend, Land zu Land vernietend mit stählernen Nägeln, Botschaften von Natron nach Nationen mit dem Blitz nach Gottes eigenem Vorbilde sendend. Dieses Jahrhundert, welches den Triumph der Freiheit sieht, hat die Lebewelt so eng untereinander verbunden, daß Niemanden eine Segnung treffen kann, welche nicht zugleich auch Men zum Besten dienen muß. Die Gewalten der Erde sind gemeistert und die Schätze des Innern derselben gewonnen. Kein Land, kein Mensch ist weit von dem andern entfernt; sie sind alle Nachbaren. Und können wir nicht im Lichte der Vergangenheit die Lehre für die Zukunft lesen? Und können die Segnungen, welche durch das Schwert gewonnen sind, nicht in Frieden denen übermittelt werden, welche die Vorsehung in ihrer Weisheit unserer Obhut anvertraut hat? „Können nicht die Errungenschaften des Krieges und des Friedens eine einige, brüderliche Allgemeinheit herbeiführen? Laßt uns das Unserige dazu thun, daß sich das Verhältniß zwischen allen Menschen nach göttlicher Moral vollzieht, welche erkennt: „Der Gerechte in Israel schläft und schlummert nicht." Nach der Sitzung fand ein Empfang statt, welcher sehr gut besucht war und einen glänzenden Verlauf nahm. Am zwellen Tage des Convents des Verbandes der jüdischen Frauen hielt Frl. Sadie American von Chicago, wohl die hervorragendste und die revolutionäre Propagandistin, einen längeren Borttag über ihre Eindrücke und Erfahrungen auf dem Congreß der jüdischen Frauen. Sie empfahl die Gründung von Jünglings- und Jungfrauen-Sectionen und die Herausgabe von Magazinen in englischer, deutscher und französischer Sprache. Frl. Miriam Landsberg von Rochester verlas eine Abhandlung über Religion, worin sie der Beibehaltung der Feier des Sabbath nach altem Ritus am Samstage das Wort redete, und damtt großen Beifall erntete. Sie erklärte, es sei für die Juden nothwendig, an ihren religiösen Gebräuchen festzuhalten, da sie sonst ihren specifischen Charakter verlören. Der Borttag der jungen Dame, die eine Tochter des Rabbiner in Rochester ist, war eine elastische Leistung. Frau Sadie Wald aus Louisiana, Mo., schilderte in „Einfachen Erzählungen aus einem kleinen Städtchen" das jüdische Leben auf dem Lande. Sie appellirte an den National-Berband, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß die in kleinen Städten lebenden Juden' nicht in Jndifferenttsmus versumpfen. Frau Pauline Rosenberg von Allegheny, Pa., erstattete den Bericht über die erfolgreichen philanttopischen Bestrebungen des Verbandes. Präsident Charles F. Thwing von der Western Reserve Universität hielt dann eine Ansprache. Von großem Interesse war auch der Borttag der Frau Elisabeth Strause von Baltimore über das Thema „Pflichten der Eltern der Sabbath-Schule gegenüber^, in welcher auf die Bedeutung der Mitwirkung am religiösen Werke in den Schulen hingewiesen wurde. Kürzlich fand iu den Räumen des Excelsior-Club ein Bankett statt, an dem alle Delegaten und viele Besucher theiln ahmen. In der Schlußsitzung wurde u. A. die Frage, ob die Bicepräsidenttnnen in der Executivbehörde stimmberechtigt sein sollen, in verneinendem Sinne entschieden. Auch wurde die Einsetzung eines neuen stehenden ComitSs beschlossen, nämlich eines solchen für die Organisirung von „Junior-Sectionen" des Verbandes. Mehrere Aenderungen des Wortlauts der Verfaffung wurden beschloffen. Nach Annahme der üblichen Dankesresolutionen für die Beamten wurden folgende Nominationen von Nattonalbeamten aufgestellt. Hannah G. Solomon, Chicago, Präsidentin; Sophie Baer, New York, 1., und Babette Maudel. Chicago, 2. Bice-Präsidentin: Bertha A. Selz, Chicago, Schatzmeisterin; Gertrud Berg, protokollirende und Sadie American, Chicago, wrrespondirende Secretärin. Als Directorinnen wurden erwählt für 3 Jahre: die Frauen Raushoff, Landsberg, Rosenberg, Sadie Wall) und Frau Pisco, Denver und als Directorinnen für sechs Jahre: Mary Cohen, Netty Goldberg, Laura Mordecai, I. Frank und I. B. Judah. Der Convent nahm Dankesresoluttonen für die Tagespreffe, die Rabbiner und die Sectivn Cleveland an und vertagte sich dann, der Executiv-Behörde die Wahl des Ortes für den nächsten Convent überlaffend. # Jüdische Kombattanten im polnischen Heere. Von Ph. Bloch*). Aus vereinzelten Berichten von polnischer und jüdischer Seite erfahren wir, daß die Juden bis etwa gegen die Mitte des 17. Jahrh. bei kriegerischen Unternehmungen der polnischen Truppen sich noch in anderer Weise, als nur mit einer Kriegssteuer betheiligten. Am 17. Juni 1543 hatten die Juden Posens, wie die Stadtschreiberchronik erzählt, zu dem Posener Contingent bei dem Executionszug gegen Rhchwal 6 Mann zu Fuß gestellt.**) Am 17. August 1544 sollten sie zum Executionszug nach Kalisch gegen Rychwalski wiederum 8 Mann stellen, sie weigerten sich jedoch dessen, weil sie mit der Stadt in Streit lagen, die ihnen verbieten wollte, weitere Häuser, als sie bereits inne hatten, zu kaufen oder zu miethen; wenn der Rath sich mit ihnen vergleichen würde, wollten sie zu jeder nöthigen Gelegenheit ihre Mannschaft schicken?) Am 20. October 1545 sollten die Juden während des in Posen außer der Ordnung abgehaltenen Landtages an der Aufrechthaltung der Ordnung durch eine Bürgerwehr mit 6 Mann sich betheiligen, thaten es aber nicht?) Ebenso blieben sie am 27. October 1546 aus, als es sich um einen Executionszug gegen Sierpowski nach Bojanowo handelte, obwohl sie durch königliches Deeret dazu verpflichtet waren und ihr Aufgebot auch zugesagt hatten?) Dabei ist jedoch nicht zu ersehen, ob die Juden von Posen persönliche Heeresfolge leisteten oder sich durch geworbene Söldlinge vertteten ließen?) Aus jüdischen Quellen, die jedoch auch nur spärlich fließen, entnehmen wir, daß einzelne Juden allerdings im Gefolge polnischer Heereszüge sich finden. So wird in den Rechtsgutachten des Moses Jsserles um die Mitte des 16. Jahrh. betteffs der Todeserklärung eines im Kriege gefallenen Juden folgende Zeugenaussage wiedergegeben ^): „Der Jude von Waslowitz (Woyslawice) ist mit den Draben (Fußvolk) von Lublin am Bersöhnungstag aus der Synagoge in den Krieg gegangen. Die Draben sind wieder aus dem Krieg gekommen und kamen auch in mein Haus. Da habe ich sie nach Neuigkeiten aus dem Krieg gefragt, und sie haben von selbst zu sagen begonnen. Der Jude, der von hinnen in den Krieg gegangen, der ist bei uns umgekommen. Aus Polnisch haben sie gesprochen: zgignal przed nam zastrzelago malego zyda, karlowaty (er ist bei uns umgekommen, man hat den kleinen Juden erschossen, den Zwerg). In der ganzen Gemeinde ist nicht bekannt, daß ein anderer Jude mit in den Krieg ausgezogen, als nur der, welcher von Waslowitz ist? Hieraus ist wiederum nicht zu erkennen, ob der kleine Jude als Marketender oder als Kombattant mit hinaus „gegen die Moskowiter" gezogen ist. Die Juden sind wahrscheinlich häufig im Heeresttoß mitgegangen, um aus der Besorgung der Kämpfer mit Speise und Trank Gewinn zu ziehen. Die Quellen sprechen sich selten ganz deutlich darüber aus. Es sind dies zumeist Rechtsbescheide über die Zulässigkeit der Wiederverheiratung von Frauen, deren Gatten im Felde gefallen sind, und die Gutachten pflegen sich bei der Wiedergabe der Zeugenaussagen auf die wesentlichsten Punkte, die für ihr Urtheil maßgebend waren, zu beschränken. Ein Fall jedoch, wo Einer der um Bescheid angegangenen Rabbiner die Angaben eines Zeugen ausführlich darlegt, stellt es außer Zweifel, daß die Juden zuweilen auch persönlichen Waffendienst geleistet haben. Joel Sirkes, genannt Bach (n»2), schickt seiner Erörterung die folgende Zeugenaussage voraus, welche *) Aus den historischen Monatsblättern, für die Provinz Posen vom 1. Februar 1900. **) Warschauer, die Chronik der Stadtschreiber von Posen, S. 5, Nr. 61. ') Das. S. 40, Nr. 66. а) Das. S. 52, Nr. 73. f? 8) Das. Nr. 74. *) Dagegen scheinen die Posener Juden später die.Militärpflicht mit 100 Gulden abgelöst zu haben, denn in den Posener Rechnungsbüchern heißt es für das Jahr 1586/87: ,,Dominica ante festum s. Annae: — A Judeis ad militis stipendarios, quos civitas sumptu proprio hoc tempore electionis novi regis sustinet, in colutionem stypendii eorum accepimus 100 fl.“ Im Rechnungsjahr 1587/88 heißt es: „Dominica nativitatis domini: — Ad müitis pedestres. quos civitas proprio sumptu fovet, a Judeis Poznaniensibus in ubsidium percepimus 100 fl.“ б) Teschuboth ft’ma No. 101. Wir haben das mittelalterliche Judendeutsch, in welchem die Zeugen reden, hochdeutsch zugestutzt und uns dabei möglichst an den ursprünglichen Wortlaut gehalten.

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