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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-13 · 15 (13.4.1900) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
15 (13.4.1900)
Date
1900-04-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 279 Nr. 15 Dr. Bloch's Wochenschrift. dann diesen Plan in den den Chowewe Zion unterstehenden Schufen durchführen soll, bildete den-Schlußstein dieser Debatte. Die gewählten Persönlichkeiten bieten eine Gewähr dafür, daß die Beschlüsse der Conferenz auch, in diesem Punkte zur Ausführung kommen werden. ~ Die Bedeutung der.Conferenz ist aber außer ihren Erfolgen in diesen concreten Dingen auch »noch nach zwei anderen Seitens hin uicht zu verkennen. '.Ans derselben fanden wir die Vertreter der. Chalukah, der ehrwürdigen Institution, die als die erste, auf dem Boden Palästinas die' Ansiedlung von Juden dort erst ermöglicht hat, zusammen mit dem Vertreter derMismee israMe, welche jetzt-.ort bemüht ist, die Erwerbsfähigkeit unserer Glaubensgenossen LU stärken durch Bildung im allgemeinen und durch 'Unterricht im Handwerk und Ackerbau. Sie beide und mit ihnen bi«C Vertreter der zahlreichen anderen Vereine konnten Zusammengehen, denn die ihnen allen gemeinsame Aufgabe besteht darin, den Juden im heiligen:Lande die Existenz nach Kräften zu erleichtern. So verschieden die Methode ist, das Ziel ist doch immer dasselbe. We diese Vereine werden durch die, Vereinigung nur an.Kraft gewinnen. . Liegt-hier die Bedeutung der Conferenz in der Betheiligung der betreffenden Vereine, so liegt sie andererseits nicht minder darin, daß der offieielle Zionismus fehlte,, das Actionscomite in Wien nicht vertreten war. Es fehlte,- weil es nicht eingeladen war und dies'. Emladung ist unterblieben, weil die Einberufer der Conferenz und wie spätere Debatten derselben ergaben, die ungeheuere Mehrzahl der Theilnehmer überzeugt sind, daß die Vertretung des Zionismus nicht zu den Körperschaften gehört, die in Palästina arbeiten. Mit Recht ist darauf hingewiesen worden, daß der Zionismus noch nicht das geringste in Palästina gethan hat, ja vielmehr, daß seine Führer und seine Organe bis in di^ letzte Zeit die Fortsetzung der gegenwärtigen Colonisation officiell und officiös bekämpft haben. Zur Conferenz find eben nur die Vereine eingeladen worden, die schon eine Leistung in Palästina aufzuweisen haben, die damit den Willen und die Kraft gezeigt haben, die Colonisation zu fördern. Die officiellen Zionisten aber haben nach dieser Richtung nie etwas geleistet, sie schmücken sich wohl gern mit fremden Federn, sie rühmen sich der Erfolge der Colonien, sie präsentiren wohl auch dem deutschen Kaiser Album dieser Colonien, aber wenn, es gilt mitzuhelfen, dann haben sie -nichts damit zu schaffen. Darum konnte man sie zur Conferenz nicht einladen. Herr Usischken, der einer der Choewe-Zion und zugleich Mitglied des Actionscomitps ist, hat einmal unter Berufung auf die Verhältnisse in Rußland den Versuch gemacht, die Conferenz zu veranlassen mit der Colonisationscommission, welche vom Baseler Congreß gewählt ist, in Verbindung zu treten. Er hat aber den Antrag selbst zurückgezogen, als man ihm entgegenhielt, daß diese-Commission, obwohl seit drei Jahren gewählt, noch gar nichts gethan, sich nicht einmal constituirt hat. Er wußte hierauf nichts zu erwidern, und mußte daher den Antrag zurückziehen, für den sich nicht ein Bertheidiger unter den vierzig Anwesenden fand. Wie sticht gegenüber solcher Unthätigkeit der Eifer der in Frankfurt gewählten Commissionen ab, die schon ihre Thätigkeit begönnen haben. Für die russischen Chowewe Zion mag diese Erfahrung vielleicht recht lehrreich sein, sie werden sich doch fragen, ob man ganz mit Unrecht so einstimmig im Westen den Parteizionismus verurtheilt und sie werden vielleicht Gelegenheit nehmen, nun auch das Actionscomitö zu zwingen von seinem Wolkenkukuksheim in die nüchterne Wirklichkeit zurückzukehren. Wenn so auch diese Instanz , gezwungen wird, an..praktischen Fragen zu arbeiten, so wäre gerade dies ein nicht zu unterschätzender Erfolg der Conferenz... : Es ist natürlich, daß vieles bei der Beurtheilung solcher Zusammenkünfte davon abhängt, in wie weit die Beschlüsse derselben ausgeführt werden können und es.-auch wirklich werden. In diesem.Fülle-über burfen wir Höffen, daß die geplanten Pro» jecte bald verwirklicht sein werden, und deßhalb ist es wahrscheinlich/ daß diese Conferenz in Frankfurt, am Main eine neue Epoche in der Colonifatiön Palästinas durch Juden' bezeichnen wird, eine Epoche, die der Judenheit, wie dem heiligen Lande zum Segen gereichen,wird. Das walte Gott! W. Bambus. Der jüdische Fraueneongretz in Cleveland. Am 3. März begann hier die Jahresversammlung des „Council of Jewish Women" in der Willson Avenue-Synagoge. Gegen 100 Delegatinnen waren anwesend, und Iran Hannah G. Solomon, die Präsidentin der Bereinigung, führte den Borfitz. ' Bor der Eröffnung der Sitzung fand eine Sitzung des „General- Boad" statt, in welcher für den Verband wichtige Fragen hinter geschlossenen Thüreu discutirt wurden. In der Abendsitzung verlas Frau Präfidentin Solomon folgenden Jahresbericht: . „Als ich zuerst die Ehre hatte, Ihre Vertreterin in Washington im Jahre 1895 zu sein, hatten wir soeben unseren ersten Geburtstag ' hinter uns. Wir zählten damals 13 Sectionen und 1200 Mitglieder. Heute sind wir 5 Jahre älter, und unser Verband umfaßt 45 Städte und nahezu 5000 Mitglieder. Wir sind dazu berechtigt, diese Jahre als erfolgreiche mit guten Resultaten anzusehen, epochemachend im religiösen Leben der Juden dieses Landes und das Beste sür die Zukunft versprechend. Daß wir noch nicht die Grenze unserer Möglichkeit erreicht haben, das kann Niemand bezweifeln. Fünftausend jüdische Frauen vereint, was könnten die nicht erreichen, wenn jede Einzelne nach ihren Kräften viel oder wenig zur Herbeiführung des erstrebten Erfolges beitragen würde. „Das Council bezweckt die Aufbauung einer Soldarität auf der legitimen Basis unseres Glaubens, um uns selbst eine bessere und allgemeine Kenntniß unserer Geschichte und Literatur zu verschaffen, um unserer selbst und der nächsten Generation willen, denn die Unkenutniß jener beraubt das Judenthum seiner stärksten Waffe. Jedes I Blatt dieser Geschichte spricht von gutem Bürgerthum, zeigt, daß auf ihren religiösen Ideen die Ethik und die Moral des heutigen Staates aufgebaut sind und daß, was es immer an Idealen gibt, diese jüdischem Modell nachgebildet sein müssen. „Wir haben alle Veranlaffung, auf unsere Resultate stolz zu . sein. Auf dem Gebiet der Religion ist ein Anstoß gegeben, welcher dazu bestimmt ist, sich in dem religiösen Leben unserer Tage fühlbar zu machen. Unsere Missionsschulen, welche von nahezu 2000 Kindern besucht werden, nehmen an Einfluß zu und versprechen uns reiche Ernte in der Zukunft. „Unsere philantropischen Bestrebungen befolgen die neuesten Methoden. Auch nicht eine Almosen gebende Gesellschaft besteht, obwohl unser Verband 83 philantropische Anstalten betreibt. Diejenigen, welche dauernd an dem philantropischen Werke arbeiten, finden bald aus, wie viel Noth durch den Mangel geeigneter Gesetzgebung entsteht. Moses war der beste Gesetzgeber für die Armen. Er bat nicht um Contributionen; er sagte: „Du mußt zahlen, zahlen, zahlen." Unsere Staaten müssen mehr und niehr die Verantwortlichkeit für die abhängigen und nothleidenden Elasten übernehmen und viele Fragen, welche jetzt der Laune und dem Gewissen von Einzelnen überlassen sind, würden dann durch die Steuerzahler gelöst werden. „Die moderne Philanthrophie hat die neue Wissenschaft, die Sociologie, welche, wie alle Wissenschaft, segnet, was immer sie erleucht t, zu Hilfe gerufen Wie jedes einzelne menschliche Wesen ein Factor ist und an der Entwicklung oder dem Stillstand der Welt sein Theil hat, so modificirt jede neue wissenschaftliche Wahrheit den Charakter des Universums. Astronomie und Geologie haben die Theologie modificirt und Sociologie ändert den Charakter der modernen Religion. „Du sollst deines Bruders Hüter sein!" das ist die Botschaft, welche jene verkündet, das das Band, welches Philantropie und Religion verknüpft Es fordert die Kenntniß der Geschichte, denn die Thaten der Vergangenheit bieten das Fundament zum Weiteraufbau dar. So stellt sich das Werk, an welchem wir arbeiten, als die Verbindung von Geschichte, Philantropie und Religion hin. .Wir haben aber auch nicht im weiteren Sinne unsere Pflichten als Mitglieder des Verbandes vernachlässigt. Wissenschaftliche Circel sind in London errichtet. Unser Werk ist in Paris und Amsterdam vertreten. „Das zu Ende gehende Jahrhundert ist ein erreignißreiches geweseu. Wir müssen den Krieg beklagen, er wird aber einen Bestandtheil unserer Civilrsation bilden, solange die Masse des Volkes dahin- : träumt, zufrieden damit, daß die Dinge, wie sie sind, recht sind, oder, wenn sie es nicht sind, sich selbst zum Recht verhelfen werden. „Die französische Revolution hat die Toleranz geboren. Sie hat die Welt zu dem Zugeständniß gezwungen, daß des „Weißen Mannes Bürde" in der gerechten Behandlung Jedes liegt, dessen Haut weiß ist. Unser Bürgerkrieg hat die schwarze und der jüngste Krieg die braune Hautfarbe hinzugefügt Und der letzte Krieg wird, ich möcht- Ihre Aufmerksamkeit nun auf diesen meinen, ich weiß, heute unpopulären Standpunkt lenken, — wahre Freiheit einem Continent an Stelle einer Pseudo-Republik bringen Noch stets hat die Freiheit, und ivenn sie nach der Musik der Trompeten und Trommeln, der Kanonen und Gewehre einhergeschritten ist, gesiegt. Ihr Weg ist mit edlen Märtyrern besäei^und mit Strömen von Blut dnrchtränkt. Schritt für Schritt, mit diesen unseren Opfern in glerchem Tempo, sind diese unbesiegbaren Heroen des Friedens vorgeschritten, <-'N 4 < *t t

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