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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-06 · 14 (6.4.1900) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
14 (6.4.1900)
Date
1900-04-06
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 268 Dr. Bloch's Wochenschrift. vir. 14 Handlungen erklärten Dion und Castellane, daß mit Rücksicht "vf das Alter des Baron Rothschild das Duell nicht stattfinden könne, und sie schlugen ein Schiedsgericht vor, welches die Zeugen Rothschilds ablehnten. An die Zeugen, welche ihm dies mittheilten, richtet nun Robert Rothschild einen Brief, in welchem cs heißt: „Ich bitte Sie um Entschuldigung, daß ich Sie mit c irrem solchen Frechling in Beziehung gebracht habe." An den Grafen Lubersac richtete Rothschild ein sehr heftiges Schreiben, welches schließt: „Wenn man einen Menschen für alt genug hält, um ihn zu beleidigen, kann man ihn nicht zu jung finden ür die Genugthung." Lubersac wurde im Februar in den Pariser Jockey-Club ausgenommen, Robert Rothschild ist Hörer un der Hochschule für Bergbau. Graf Lubersac richtete hierauf folgendes Schreiben an den Baron Eduard Rothschild, einen Sohn des Baron Alphons Rothschild: „Mein Herr! Baron Robert Rothschild hat in einem Briefe mich in schwerster Weise insultirt. Ich kann mich nicht an ihn halten, ehe er das 21. Jahr erreicht hat. An diesem Tage wird er meine Zeugen empfangen. Ich will aber nicht unter der Beleidigung eines Rothschild bleiben, und ich betrachte Sie, den Sohn des Chefs der Familie, für verantwortlich. Ich sende Ihnen nun den Ausdruck meiner Verachtung und verständige Sie, daß, wo immer ich Ihnen begegnen sollte, ich Ihnen meinen Handschuh ins Gesicht werfen werde. Graf. Lubersac. Ein zweites Duell wurde Herrn Michael E P h r u s s i aufgenöthigt, dem Bruder des Schwiegersohnes des Baron Alphons Rothschild, da Graf Lubersac des Herrn Michael Ephrussi m seinem Briefe an Baron Robert Rothschild mit Mißachtung qedachte. „Ich verpflichte Sie, 100.000 Francs der Liga „Patrie Franqaise“ zu zahlen, wenn sie sich unwürdig halten sollten, sich mit mir auf dem Kampfplatze zu messen. Sie werden den Beifall Ihres Glaubensgenoffen Ephrussi gewiß finden." So schrieb Lubersac in seinem Briefe. Gestern sendete nun Ephrussi seine Zeugen an Lubersac, um Rechenschaft zu fordern. Es sind dies Herr Blest Gana und Adolf Tavernier; für Luberlac treten als Zeugen Prinz Louis M u r a t und Marquis B i b r a y e ein, welche einen Schiedsspruch verlangt haben über die Frage, ob sich der junge Lubersac mit Ephrussi schlagen müsse. Die Partei Ephrussi stimmte dieser Forderung zu, aber die Zeugen verlangten eine rasche Erledigung. Herr de Billeneuve wurde von beiden Seiten als Schiedsrichter gewählt. Aber er glaubte, allein die Entscheidung nicht treffen zu können. In Folge dessen bestanden die Zeugen E p h r u s s i 's auf der sofortigen Austragung dieser Angelegenheit mit den Waffen. Dieser Standpunkt wurde von den Zeugen des Grafen Lubersac bekämpft, und in Folge dessen erklären die Zeugen Ephrussi's, daß Graf Lubersac, nachdem er beleidigt hat, die Genug thuung verweigert. Michael Ephrussi richtet folgenden Brief an seine Cartellträger: „Ob es sich nun um einen jungen Mann von zwanzig Jahren oder um einen Mann von 55 Jahren handelt — Graf Lubersac beleidigt und entzieht sich der Genugthuung. Die Vorwände wechseln, aber das Resultat bleibt dasselbe. Michael E P h r u s s i." Als Robert Rothschild auf dem Rennplatz erschien, wurden ihm von Seite zahlreicher Personen, welche sonst nicht seine Gesinnungsgenoffen sind, demonstrative Beweise der Sympathie gegeben. Gestern besuchten die Barone Al p.h o n s e und Gustav Rothschild den Jockey-Club, welchem sie als Mitglieder angehören. Sie konnten sich hier überzeugen, das das knabenhafte Vorgehen des jüngsten Mitgliedes des Jockey- Clubs, des Grafen Lubersac, von den ernsten Kreisen dieser vornehmen Bereinigung nicht gebilligt wird. Paris. (Vermächtnisse der Baronin von Hrrsch für Paris.) Der Seincpräfect hat die verschiedenen in dem Testamente der im vorigen Jahre verstorbenen Baronin von Hirsch bedachten Personen und Stiftungen des Seinedepartements von den sie betreffenden Abmachungen des Testamentes in Kenntniß gesetzt. Jnsgesammt sind von der Verstorbenen für Paris und Umgebung 75 Millionen ausgeworfen worden, die sich folgendermaßen vertheilen: 45 Millionen für die israel. Elementar-Lehrerschule für den Orient in Paris, 4 Millionen für Erweiterung derselben Schule, 3 Millionen für die Schulen der Alliance israelite, 5 Millionen für das israelitische Wohlthätigkeitscomits in Paris, 1 Million für die philanthropische Gesellschaft, 200,000 Francs für die fortschrittlichen israelitischen Genossenschaften in Paris, 100,000 Francs für die «Stiftung Bischofsheim, 500.000 Francs für die 20 Pariser Unterflützungsbureaux, 1 Million für die „Jewish Colonisation association“, 1 Million für die noch zu gründende Schule Lncien Hirsch, 100,000 Francs für das Spital Saennec u. s. w. Haifa, 6. November 1899. An der Eisenbahn Haifa- Damascus wurde den Sommer hindurch fleißig gearbeitet. Meistens waren täglich 600 Mann und mehr in Thätigkert. Die Erdarbeiten und Brücken sind bis auf 5 Durchlässe 48'5 km weit fertig, und man ist mit ihnen jetzt am 56 km d. i. an der Grenze des Dschiftlik, an der kaiserlichen Domäne von Baisan, angekommen. Sobald der erforderliche Jrade des Sultan eintrifft, sollen die Arbeiten an dem etwas schwierigen Abstieg ins Jordanthal begonnen werden. In der Ouellengegend von Tarbana in der Jesreelebene und ebenso beim Tell el-kausis haben die Arbeiter sehr durch Malariafieber gelitten, bis heute sind ihm 11 Italiener erlegen. Die Ernte ist in Haifa und in der Umgebung gut ausgefallen. Ebenso lieferten die Weinstöcke einen fast überreichen Ertrag, namentlich gilt dies auch von den Weinbergen auf dem Karmel. Es wurden in unserer Colonie etwa 500 Hectoliter Wein gekeltert. Der erste Regen im Herbst fiel am 3. October, doch gab es nur 2 mm; an fünf weiteren Tagen des October regnete es etwas mehr, aber doch nicht durchdringend, indem Alles zusammen nur 23*7 mm ausmachte. Die größte Hitze im Sommer hatten wir am 20. Juni mit 37 Grad Celsius. Die mittlere Wärme der Maximaltemperatur war Juni 30°5 Grad, Juli 31*5, August 32 5, September 32'5, October 29*1 Grad. Seit Mitte October haben wir mit wenig Unterbrechung Vormittags Ost-, Nachmittags Nordwind. Die Stadt Haifa vergrößert sich von Jahr zu Jahr, doch war 1899 die Bauthätigkeit besonders groß, vielleicht in Folge des wieder anfgenommenen Eifenbahnbaues. Auch die deutschen Colonisten gründen unweit des Dorfes Et-tire eine Zweigniederlassung. Im Laufe des Sommers wurden dort drei neue Häuser gebaut, ein Haus wurde schon vor zwei Jahren hergestellt. Die Colonisten besitzen dort etwa 300 Hektar Land, auf dem sie Getreide, Hülsenfrüchte und Wassermelonen bauen. Bei Haifa ist ein provisorischer Ausschiffungspfeiler angelegt worden, aber die Behörde verhindert jetzt seine Vollendung. Weshalb erfährt man nicht. Künftig sollen die Dampfer der Deutschen Levantelinie monatlich einmal nach Haifa anlausen. A. Dück & C e. hat di; Agentur für die Linie übernommen. New-Iork. Die New-Iorker „World", das bedeutendste und größte Blatt Amerikas, veröffentlichte kürzlich folgenden Bericht: Eine antisemitische Vereinigung in Rumänien wandte sich kürzlich an die Behörden von Madrid mit dem Ersuchen, ihr einige von den alten Verordnungen zur Verfügung zu stellen, durch welche Spanien in den Zeiten der Inquisition in die Lage versetzt wurde, sich der Juden zu erwehren. Die Antwort dürfte kaum zufriedenstellend ausgefallen fein. „Wir haben keine Zeit die todte Vergangenheit auszugraben", lautete die Antwort eines hohen Funktionärs, „allein wenn es Ihnen ohne große Mühe möglich ist, uns irgend ein wirksames Mittel anzugeben, durch welches wir die Juden nach Spanien zurücklocken können, so würden wir Ihnen sehr verbunden sein. Die Verhältnisse in Spanien haben sich nicht sehr seit der Ausweisung der Juden gebessert. Vermischtes. Wien. Dem Ehrenpräsidenten des Wiener Creditorenvereines Herrn kais. Rath Max Schiff wurde für seine hervorragenden Dienste um die Kaufmannswelt die große goldene Medaille des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft verliehen. Anläßlich eines vom Borstande des Creditorenvereines veranstalteten Festbankettes wurde dem Gefeierten dieses Ehrenzeichen vom Kammerrathe, Herrn Leopold Pollak überreicht. Mit einigen herzlichen Dankesworten erwiderte der Jubilar für diese Ehrung.

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