Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 14 (6.4.1900)
- Date
- 1900-04-06
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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' Nr. 14 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 267 soll in schönem und volksthümlichem Deutsch wiedergegeben werden. Gedichtform ist bei Lecho dodi erwünscht. bei den Psalmen zulässig. Der besten den Anforderungen entsprechenden Arbeit werden wir einen Preis von 200 Mark, der zweitbesten einen solchen von 100 Mark zuerkennen. Außerdcm bestimmen wir einen Gesammtbetrag vnn 200 Mark zur Prämiirung von besonders gelungenen Uebertragungen einzelner Stücke der genannten Liturgie, sei es, daß dieselben für sich allein eingesandt werden, oder in den nicht mit den Hauptpreisen bedachten größeren Arbeiten sich finden. Die prämiirten Arbeiten werden Eigenthum der diesseitigen Behörde, welche dieselben nach Ermeffen veröffentlichen oder in sonstiger Weise verwerthen wird. Auch die nicht prämiirten Manuskripte werden nicht zurückgesandt. Sämmtlichen Verfassern bleibt unbenommen, Abschriften zurückzubehalten und dieselben in beliebiger Weise zu verwenden. Wir ersuchen, die Arbeiten — jeweils nur auf die erste und dritte Seite der mit breitem Rande zu versehenden Bogen geschrieben — unter der Adresse: „An den Großherzoglichen Oberrath der Israeliten in Karlsruhe" uns bis 1 October d. I. zugehen zu lassen. Dieselben sind an der Sp-'tze mit einem Motto zu versehen und in besonders verschloffenem Umschläge ist eine Karte beizusügen, die mit dem Motto den Namen des Einsenders angibt. Hamburg. Die Gesellschaft für jüdische Volkskunde versendet das fünfte Heft der „Mitheilungen" an ihre Mitglieder, womit der dritte Jahrgang dieser Veröffentlichungen beginnt. Nachdem in Heft I die Anregung zu Sammlungen nach dem von der Gesellschaft versandten Plane gegeben war. hatte das zweite Heft eine zusammenhängende Arbeit über die „M ärchen und Sagen verdeutsche n Juden" geboten. Es zeigten sich in diesen Schöpfungen der jüdischen Volksseele genau dieselben Motive wie sie das deutsche Volksthum kennt. Die Nibelungen-, die Gudrun-, die Tannhäuser- und vor Allem die Faustsage und manches Märchen der Grimmischen Sammlung berühren sich mit diesem Gedankenkreise. Heft IU hatte außer vielen anderen Beiträgen die besonders die Kinderspiele behandeln, während Heft IV zwei Arbeiten kunst-, beziehungsweise culturgeschichtlichen Inhaltes bietet, die eine aus der Feder des Wiener Architekten M. Fleischer, die andere ein posthumes Geisteskind des der Wissenschaft so früh entrissenen Professors D. Kaufmann. „Aus Hausapotheke und Hexenküche" betitelt sich der Beitrag zur jüdischen oder eigentlich zur deutschen Culturgeschichte, welcher den wissenschaftlichen Theil des fünften Heftes der Mittheilungen ausfüllt. Denn ein getreues Bild des deutschen Volksglaubens, in der Z it zwischen dem sechszehnten und achtzehnten Jahrhundert spiegeln die fünf Handschriften der Hamburger Stadtbibliothek wieder, welche hier zum ersten Mal übersetzt und wissenschaftlich bearbeitet sind. Wenn auch frei von der Blutschuld der Hexenproeesse, so zeigen sich doch die deutschen Juden dieses Zeitraums in ihrem Aberglauben ebenso kerndeutsch, wie in ihren Märchen und Sagen. Sitten und Bräuchen, ihrem Denken und Reden. Der Beitrag des Judenthums zu dem Volksglauben dieser Juden beschränkt sich auf Das, was die „Kabbala", die allein unter allen Bethätigungen des jüdischen Geistes ihrer vermeintlichen Verwandtschaft mit der christlichen Dogmatik wegen, von der geistlichen Censur unberührt blieb, dazu beigetragen hatte. Besonders üppig wuchert die Bolksmedicin mit ihren kranken Auswüchsen. Eine systematische Heilmittellehre, welche sich nicht auf die Heilung leiblicher Schäden beschränkt, wird uns hier in einem bunten Gemisch von deutsch, hebräisch, aramäisch, griechisch, latein, italienisch und polnisch geboten. Daneben lernt man das Horoskopstellen, Traumdeuten, Verbrechen entdecken (nach dem altdeutschen Bahrrecht). Wie man Einen aus der Ferne herbeizaubert, wie man ihn von Frechheit curirt, wie man ungefährdet glühendes Eisen berührt, Diebe beschwört, Tische und Häuser rückt, wie man sich gegen die Macht des Zaubers, gegen die Gewalt der Elemente, der Thiere und Dämonen zu schützen hat rc. Alle diese Geheimniffe werden uns verrathen. Es ist jenes Chaos, aus dem sich die größte Schöpfung des deutschen Genius zu fester Gestaltung gerungen hat. Es sind die Elemente des Goethe'schen „Faust". Der Weinzauber in Auerbach's Keller, der Besenritt und Mantelflug, die schöne Lilith, Adam's erste Frau und Helena als die Königin von Saba, der Salamander, die Beschwörung des Feuers, der Schlüssel, der zu den Müttern führt, Ariel, hier in seiner Rolle als Leiter des Engelschores von Samuel vertreten, ja fast alle Züge Faust's und Mephisto's, deren Urbilder die jüdische Sage in Salomo und den Häuptling der Dämonen, Aschmodai, kennt, sind auf Gestalten des jüdischen Volksglaubens übertragen und von diesen entlehnt worden. An diese Arbeit, welche bis in Einzelheiten die jüdische Ueberlieferung mit der des deutschen Volkes identificirt, schließen sich ein Verzeichniß der sogenanten Namen, ferner als Anhang I eine Skizze des jüdischen Amulettenwesens, als Anhang II Auszüge aus dem für die Geschichte des Volksglaubens noch immer nicht erschöpfend ausgebeuteten Münchener Codex 235 und als Anhang IU eine Probe aus einem jüdisch-deutschen Kalender des XVII. Jahrhunderts. Dem Verzeichniß der Eingänge entnehmen wir, daß die Sammlungen der Gesellschaft in erfreulichem Zuwachs begriffen sind. Insbesondere sind als Unica zu erwähnen eine Sammlung von Flugschriften über die Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Hamburg seitdem Jahre 1812 und das Archiv einer westfälischen Gemeinde aus der Mitte des XVIII. Jahrhunderts. Am Schluffe des Heftes wird unter Beifügung eines ausführlichen Planes der Sammlungen der Gesellschaft darauf hingewiesen, daß ein Theil derselben vom 1. Mai d. I. an in der „S a m m l u n g ha mburgischer Alterthümer" zu besichtigen ist. Paris. (Die Judennoth der Barone Rothschild.) So abenteuerlich einem Leser die Ueberschrift lauten mag. sie enthält dennoch eine bittere Wahrheit. Auch die Familie Rothschild hat nunmehr erfahren, daß die Judennoth vor ihren Palästen nicht Halt macht, daß sie die Leiden des Anttsemitismus ebenso über sich ergehen lasten müssen, wie der ärmste jüdische Hausirer. Diese Judennoth der Familie Rothschild entspringt allerdings nicht einer ökonomischen Schädigung, sie leiden nicht unter dem wirtschaftlichem Boycott, welcher über die Juden allüberall verhängt wird. Im Gegeutheil, wenn die Staaten eine Anleihe brauchen, da erscheinen die Minister bettelnd im Rothschild-Palais und die Regierung Rumäniens, deffen Machthaber an Grausamkeit gegen die Juden den alten Pharao in Aegypten zu überbieten suchen, hat erst unlängst beim Bankhaus Rothschild um ein Anlehen angesucht und die Familie Rothschild ist so großmüthig, den Feinden zu verzeihen. Allein die schrillen Rufe der judenhetzerischen Meute aller Länder begleitet nunmehr die Mitglieder der Familie Rothschild auf Schritt und Tritt und in jener Gesellschaft, in welcher sie sich am liebsten bewegen, tönt ihnen der Hepp-Hepp-Ruf mit derselben Brutalität entgegen, wie dem Dorfgeher in Niederösterreich, welcher sich freilich mit seiner traurigen Situation längst abgefunden hat. Das adlige Lumpengesindel in Frankreich hat gegen die Mitglieder der Familie Rothschild eine Hetze ein geleitet, so ehrlos und brutal, so gemein und widerwärtig, wie der Antisemitismus sich in allen Ländern präsentirt. Die Journale bringen aus Paris nachstehende Meldungen: Als Symptom der Stimmung und Gesittung im Hochadel Frankreichs mag folgende Geschichte dienen: Vor einigen Tagen erhielt Baron Robert Rothschild, der Sohn des Baron Gustav Rothschild, folgenden Brief vom Grafen Lubersac: „Paris. 60 Rue Barennes, 25. März: Mein Herr! Sie erinnern sich, daß ich Ihnen vor einigen Jahren manche Wahrheiten sagte, welche Ihnen mißfallen mußten. Sie verlangten damals eine Entschuldigung; ich verweigerte sie und wiederholte meine Ansichten. Zu jener Zeit waren wir nicht großjährig, aber ich frage Sie: „Haben Sie heute nicht.das Alter erreicht, in welchem man persönlich für seine Handlungen verantwortlich ist?" Um mich über diesen Puntt aufzuklären, suche ich vergeblich Ihren Taufschein in allen Pfarren von Paris. Sie kennen den Ekel, welchen Sie und die Ihrigen mir einflößen, trotzdem erweise ich Ihnen die Ehre, mich zu Ihrer Verfügung zu stellen. Wenn Sie sich für allzu unwürdig halten sollten, sich mit mir auf dem Kampfplatze zu messen, verpflichte ich Sie 100.000 Francs zu Gunsten der „Liga des französischen Vaterlandes" zu erlegen. Sie werden dafür sicher den Beifall Ihres Glaubensgenossen Ephrussi finden. Ich versichere Sie der Achtung, die Sie verdienen. Graf Lubersac." Nun schickte der jetzt 20jährige Robert Rothschild an den 23 Jahre alten Grafen Lubersac seine Zeugen, die Herren Saint-Alary und Neuflize. Lubersac ernannte zu seinen Vertretern den Grafen Dion und den Deputirten Grafen Boni-Castellane. Nach viertägigen Ber-