Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 14 (6.4.1900)
- Date
- 1900-04-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 266 Dr. Blocht MochenfchrM» Nr. 14 Colonie „kisekou'^e-Äou" wird bei Gewinnung und Behandlung des Weines die modernste Methode beobachtet und die Erfahrung verwerthet, die man im Süden Frankreichs und in Spanien gemacht. Dabei werden in der Colonie selbst all' jene Gegenstände erzeugt, die zur Kelterung, Aufbewahrung und Versendung der Weine erforderlich, für deren Aufnahme 240 Rufen zu je 10.000 Liter, somit mit einem Faffungsraum von nahe dritthalb Millionen Liter, vorhanden. Zu bedauern ist es, daß die Temperaturverhältniffe in den Kellerräumen der längeren Aufbewahrung des Weines ungünstig sind. Diese Colonie steht gegenwärtig unter der Verwaltung des Herrn Maiersohn. Bon den Unterrichtsanstalten ist lobend die Lemmel'sche Schule zu erwähnen, die seinerzeit von Dr. Ludwig Aug. Frankl im Aufträge der Wttwe Lemmel gegründet wurde und in der die Kinder hebräisch sprechen. Ebenso die bei den bei Jaffa von der Alliance Jsr.-Univ. in Paris errichteten Schulen für Ackerbau und Handwerk. Aus der Erstern (Mikwe Israel)) treten die Zöglinge, die alle französisch sprechen und uniformirt sind, sehr bald in die praktische Arbeit auf den der Anstalt gehörigen Grundflächen, während die pcofeffionellen Leistungen der Handwerkschule, besonders in Metallarbeiten, für welche Dampfbetrieb eingeführt ist, ganz eminent sein sollen. Die von edlen Menschen und humanitären Vereinen gestreute Saat ist somit nicht auf sterilen Boden gefallen und im fernen Osten blühen die Keime auf, die aus Paris, Berlin und Wien hingeweht wurden. Der Ruf des Rothschildspitals ist längst begründet und behauptet sich mit Recht. Dasselbe ist für dreißig Kranke eingerichtet, skr welche Baron Rothschild dem Chefarzt ein Jahrespauschale von dreißig Tausend Francs — tausend per Bett — leistet. Da diese Krankenanstalt lange nicht mehr genügt, so haben vornehme Juden in Frankfurt a. M. durch eigene reiche Spenden und ausgedehnte Sammlungen ein zweites Krankenhaus in großem Style errichtet, mit allen modernen Einrichtungen ausgestattet und nothleidenden kranken Brüdern gewidmet. Ueberhaupt sind die Leistungen deutscher und französischer Juden auf humanitärem und culturellem Gebiete in Jerusalem, nach der mir gewordenen Darstellung, sehr bedeutend, während Wien stark im Rückstände ist. Mit stolzem Bewußtsein muß es jeden wahren Juden erfüllen und unsere Gegner giften, wenn man sieht, welch' ein unlösliches Band die Juden aller Länder umschließt, wie sie zusammenhalten und Zusammenwirken, wenn es seinen frommen Zweck gilt — wie die Roth der Einen, die Munificenz der Andern steigert und wie das Gefühl der Zusammengehörigkeit in ernsten Zeiten selbst Jene erfaßt, die sonst indifferent und fast ausgeschieden sind. Dies verstärkte Zusammenhalten in der letzten Zeit ist eigentlich der Offensive der Antisemiten zu dar,kn, die das Judenthum festigte, statt es zu erschüttern. Dieser sonst so jämmerliche Antisemitismus hat es bewirkt, daß Leute, die schon auf halbem Wege waren, umkehrten, daß das Gefühl der Gemeinsamkeit erstarkte und die Hoffnung in uns auflebte, daß unser Volk, welches so viele Völker überlebte, so viele Verfolgungen überdauerte, so vielen Bedrückungen widerstand, auch jene ephemere Widersacher versinken und vergessen sehen werde, die heute triumphiren, um morgen unterzugehen! LeoHerzberg-Fränkel. Lemberg. Dank der freundlichen Einladung von Seite des bewährten Waisenhausdirectors Herrn Teitelbaum und des an dieser Anstalt thätigen Religionslehrers Herrn Rein batte Ihr Berichterstatter Gelegenheit einer Freitagabendfeier im Waisenhause beizuwohnen. Mfl dem Gefühle der Wehmuth, sechzig Waise» in kindlich frommer Unschuld beim Gottesdienste versammelt zu sehen, sie das Gebet für ihre verewigten Eltern recitiren zu hören, wetteifert das erhebende Bewußtsein, diese armen Menschenblümlein von einer fürsorglichen opferwilligen Gemeindeverwaltung beschützt und betreut zu wiffen. Der obgenannte, auch als Borbeter fungirende Lehrer verrichtete zunächst das Miuchagebet, worauf die von ihm trefflich eingeschulten Waisenkinder die Sabbathgesänge herzerhebend zum Bortrage brachten. — Nach vollendetem Mariwgebete begaben sich Alle in den hellerleuchteten Speisesaal, allwo der srohgestimmten Kinderjchaar reichliches und schmackhaft zubereitetes Mahl verabreicht wttrtzk. ES ist nur zu bedauern, daß in weiteren Kreisen der Gemeinde so wenig Jntereffe für ähnliche humanitäre Institute Schanden ist. Verilas. Lemberg. (Kinderraub.) Wie die polnischen Blätter berichten, wurde hier der Krakauer Kaufmann Israel A r a t e n, dessen Tochter Michalina aus dem Kloster der Felicianerinnen in Krakau spurlos verschwunden ist, in Begleitung des Lemberger Rabbiners Schmelkes vom Statthalter Grafen P i n i n s k i in Audienz empfangen. Araten schilderte verzweiflungsvoll, wie er feit Monaten unablässig ans der Suche nach dem Versteck seiner Tochter sich befinde, und verwies auf die protokollarisch constatirte Aeußerungen der Nonne Marie Rosalie: „Wir werden uns bemühen, die Angelegenheit bis über den Monat Mai hinzuziehen, dann aber bleibt Michalina nach beendigtem vierzehnten Lebensjahr die Unsrige." Araten klagte, daß sowohl die privaten als auch die behördlichen Nachforschungen nach dem Verbleib des Mädchens bisher ganz erfolglos waren. Der Statthalter versicherte, daß er kein Unrecht und keine Gesetzwidrigkeit unterstützen werde, allein der Aufenthalt der Michalina Araten sei den Behörden nicht bekannt. Nachträglich verlautet, Fräulein Araten habe aus Mielec der Protectorin Gräfin Poto cka geschrieben, sie wolle unbedingt ihre Eltern Wiedersehen, und sie sei deswegen zur Gräfin heute hiehergefahren. Krakau. Kürzlich ist wiederum ein jüdisches zwölfjähriges Mädchen, die Tochter des Handelsgehilfen Goldfinger in Podgv'-ze, verschwunden. Sie ist vermuthlich in ein Kloster gegangen. Kolin. (Mißlungener Exceßversuch.) Ostern! Welch verheißungsvolle Zeit, auch für antisemitische Blutlügner und Plünderungslustige? Es überrascht uns keinesfalls mehr, daß diese Leute, wenn irgendwo, und auf irgend eine Weise Jemand vermißt wird, es sofort zum Anlaß nehmen, unrer Leitung der berüchtigten Wiener Ritualmordschnitzer, einen Ritualmord zu construiren; was aber Jedermann starr vor Erstaunen, ja mit Abscheu erfüllen muß, das war ein Vorgang, der sich in den lltzten Tagen in unserer Stadt zugetragen hat. Die bei der jüdischen Jndustrielehrerin S. bedienstete Magd V i s m a i r verließ an einem Abend in der vorigen Woche das Haus, ohne wiederzukehren. — Am nächsten Tag bildeten sich schon Gruppen in der Gosse, der Fall wurde besprochen. „Nicht anders," sagte Einer dem Andern, „die Juden ließen sie verschwinden." Ja, eine Nachbarin wollte sogar den ganzen gruseligen Vorgang im Traume gesehen haben. Der Stein kam in's Rollen. — Die Polizei, welche von dem Vorfälle verständigt wurde, ging mit rühmenswerthem E fer daran, die Spuren dieser mysteriösen Sache zu verfolgen, und das Resultat? Bei ihrem in Kolin wohnhaften Onkel Namens V. wurde die Vermißte in einer dunklen Kammer, obgleich der biedere Onkel sie der Polizei verleugnete, und ob der angedrohten Hausdurchsuchung ganz entrüst« t that, frisch und munter aufgestöbert. Dem Polizeicommiffär vorgeführt, gestand sie, einen sehr guten Dienst gehabt zu haben, doch wurden ihr von Personen Geldversprechungen gemacht, wenn sie sich einige Zeit versteckt halten, und sich dann nach einer anderen Stadt bringen lassen wird. — Teuflischer konnte der Plan nicht ausgeheckt werden. Es muß sich Jeder fragen! „Ja, warum wird denn seitens der Behörden nicht die Untersuchung eingeleitet? Warum werden denn die Anstifter nicht zur Verantwortung gezogen?" Nun. die Ortsbehörden scheinen kein Interesse daran zu haben, die Dunkelmänner an's Tageslicht zu fördern, wir stehen vor den Communalwahlen, und die Sippe gehört der besseren Gesellschaft an; hat doch schon — so unglaublich dies auch klingen mag. — der Eifer, mit welchem der Polizeicommiffär Licht in die Sache brachte, hauptsächlich aber seine Mittheilung, welche er all die hiesigen Zeitungen gelangen ließ, um die Thatsachen zu constatiren, und um die Bevölkerung zu beruhigen, im Stadthaus unangenehm berührt. Ob auch die stattgefundene Entlassung dieses pflichttreuen Beamten auf fein energisches Vorgehen zurückzusühren ist? Wer kann es sagen —. Heinrich P. Karlsruhe. (Preisausschreiben von Seiten des Großherzoglichen Oberraths der Israeliten). Verständniß und Würdigung der hebräischen Gebete können wesentlich gefördert werden durch Beigabe einer deutschen Uebertragung, die den reichen Gedankeninhalt des Originals in moderner Gestalt zum Ausdrucke bringt und bei möglichster Anlehnung an den Text durchaus dem Geist der deutschen Sprache gemäß, also von allen hebräischen Wendungen frei ist. Um möglichst viele geeignete Kräfte zu derartiger Bearbeitung hebräischer Gebete anzuregen, stellen wir folgende Preisaufgabe: Die Liturgie für Freitagabend (von Ps. 95 bis Olenu mit Einschluß von Kiddusch und Kaddisch)