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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-06 · 14 (6.4.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
14 (6.4.1900)
Date
1900-04-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Vloch's WochrnschriN Seite 265 94 Stipendien ä fl. 50 an arme Waisenmädchen vom Lande vertheilt, und ein hilfsbedürftiges Waisenkind mit einer besonderen Subvention von fl. 150 bedacht. Da die Vereinsleitung die Thesaurirung des Vereinsvermögens niemals als Selbstzweck ansieht und nur darauf bedacht ist, das ihr zu einem bestimmten Wohlfahrtszwecke anvertraute Vermögen bei Wahrung der uöthigen Reserven den jeweiligen Bedürfnissen soweit als möglich zuzuführen, werden wir auch weiter darauf bedacht sein, unterstützungsbedürftige Waisen aus disponiblen Mitteln in möglichst großer Zahl aus Vereinsmitteln zu bedenken. Wir zählen deshalb, zumal die ordentlichen Einnahmen für eine Erweiterung unserer Aufgabe nicht ausreichen, mit Zuversicht auf die Großherzigkeit und Förderung unserer Freunde und Gönner, die nach wie vor unserer armen Waiseumädchen und ihres Hortes gedenken mögen! Ein geringes Interesse an unseren Bestrebungen bekunden merkwürdigerweise die Landgemeinden, obschon gerade ihnen die VortheilederWaisenversorgungzu statten kommen. Wir können die P. T. Herren Cultusvorstände, Rabbiner und Lehrer nicht eindringlich genug ersuchen, da wo dies bisher etwa nicht der Fall gewesen wäre, die Thätigkeit uns^resVereines durch Aufklärung der Gemeindegenossen über Zweck und Erfolg unseres Vereines zu unterstützen und zur werkthätigen Förderung des Kr e uzei: v e re in es anzueifern. Die Cassagebahrung im laufenden Jahre weift an Gesammteinnahmen . . ..fl. 26.895*45 an Gesammtausgaben.„ 12.949'68 aus. Die Beiträge von Mitgliedern aus Prag betrugen im abgelaufenen Jahre.„ 2785*48 Beiträge der Mitglieder vom Lande (fl. 346*20 weniger als im Vorjahre).„ 3276*92 an Stipendien wurden.„ 4475*— für das Waisenhaus an Regie und sonstigen Kosten „ 5880*51 verausgabt. Wir können unseren Bericht nicht schließen, ohne den ehrw. Rabbinern der israelitischen Cultusgemeinde in Königl. Weinberge Herren Dr. David Stark und Dr. Gustav Weiner, den geehrten Herren Aerzten Prof. Dr. Epstein, Dr. Alois Pollak, Dr. Bunzl-Federn und Dr. Tänzer, der verehrlichen Cultusgemeine-Repräsentanz in Prag und Weinberge, der löblichen Direction der böhmischen Sparcasse, unseren Comitßdamen und Inspektoren für ihr erfolgreiches Wirken, der gesummten Presse sowie allen unseren Förderern für die dem guten Zwecke gewidmete gütige Mitwirkung unseren besten Dank zum Ausdrucke zu bringen. Ischl, 1. April. Seit Neujahr erscheint hier eine neue clerieale Zeitung, welche bestrebt ist, den blöden Antist milismus hier ausgiebig zu cultiviren. Im ganzen Salzkammergut wohnen sehr wenige Juden, aber der Clericalismus braucht die Judenhetze, um die Massen zu verdummen und sie für seine Reactionszwecke zu präpariren. Früher war der Antisemitismus hier im Verborgenen, jetzt wuchert er im Großen und bemüht sich auf die Straße zu dringen. Für das Salzkammergut, welches auf den Fremdenverkehr und Fremdenbesuch angewiesen ist, wäre der Antisemitismus geradezu eine Katastrophe. Das kümmert aber die clericalen Hetzer nicht. Das erwähnte Organ in der Nummer von 1. April enthält fünf antisemitische Artikel und es zeigt sich, daß man bestrebt ist, mit Gewaltschritten dem erhabenen Ziele zuzueilen, den Sommerparteien den Besuch von Ischl durch Preßexcesse unmöglich zu machen. Diese Zeitung wird vom Linzer Preßverein gedruckt und von demBenefz. Perr, bekannt durch die traurige Sieveking-Affaire, redigirt. Für uns in Ischl eine nette Bescherung. Meran. Der in Meran erscheinende „Burggräfler", ein clericales Blatt wüster Sorte, welches an der Blamage des Baughan-Schwindels mitbetheiligt war und zwar an demselben einen hervorragenden Antheil hatte, ist in neuester Zeit von einer besonderen Wuth gegen die Juden befallen und in dieser Wuth scheint es Verstand und Logik verloren zu haben. Nur so ist es erklärlich, daß er sich beruft auf: „Rabbi Bloch's Schriften, wo actenmäßig nachgewiesen wird, wie oft kirchliche Würdenträger zu Gunsten der Juden Schritte gethan haben, wenn sie verfolgt wurden. Und hätten die Juden nicht unter Christen Helfershelfer gefunden, so wären sie nie im Stande gewesen, einen großen Theil christlichen Vermögens an sich zu reißen — und wie viele Juden besuchen in Oesterreich rein geistliche Schulen (Volks- und Mittelschulen) und finden Aufnahme in Spit lern der christlichen Caritas. Anf den Universitäten, welche durchwegs katholische Stiftungen sind, macht sich das Judenthum sogar recht ungebührlich bemerkbar." Rabbi Bloch hat Zeugnisse von Päpsten, katholischen Kirchenfürsten und hervorragenden Gelehrten publicirt, welche betheuert haben, daß die Blutbeschuldigung gegen die Juden eine infame Lüge ist, erfunden von der Bosheit und geglaubt von der Dummheit, ein beliebter Vorwand eines raublustigen Pöbels. Das hat Rabbi Bloch actenmäßig und historisch dargestellt. Der geistliche Herr, welcher den „Burggräfler" redigirt. nennt deßwegen die römischen Päpste und die kirchlichen Würdenträger „Helfershelfer" der Juden bei der Arbeit „einen großen Theil christlichen Vermögens an sich zu reißen." Diese Stilblüthe ist nicht bloß ein Zeugniß von einer angefaulten Gehirnmasse, in welcher die Gesetze der Logik nicht mehr existiren, sie beweist, daß auch die kirchliche Gesinnung hier blos Schein und Borwand, Heuchelei ohne inneren Gehalt. Wo ist da die Pietät vor den großen Männern der Kirche, welche die Säulen des Christenthuws waren und die nun von geistlichen Herren als Helfershelfer der Juden geschmäht werden dürfen? In der Meraner Zeitung erschien von einem „Nichtjuden" nachstehendes Eingesendet: „Jüngst fuhr ich mit mehreren Passagieren in einem Coupe 3. Cl. von Bozen bieher. Unter diesen befand sich auch ein g e i stlicher Herr, welcher der deutschen Sprache nicht ganz mächtig schien. Ihm gegenüber saß ein Fiakerinhaber aus Untermais — M. wurde er mir genannt —, er hatte die Unart, einen Fuß auf die Sitzbank des Geistlichen zu geben und benahm sich dabei derart zudringlich dem Hochwürden gegenüber, daß ein Kaufmann hier — Jude, der in der Habsburgerstraße ein Geschäft hat und sich politisch, so viel ich weiß, von allen Parteien fern hält, aufstand und für den geistlichen Herrn einen anderen Platz suchte, um ihn vor den Anrempelungcn M.'s zu bewahren Letzterer gab jedoch noch keine Ruhe und belästigte den Geistlichen weiter, so daß der Kaufmann über dieses freche Vorgehen einem hochwürdigen Herrn gegenüber den Fiakerinhaber zurechtwies. Darauf erhielt er von M. die Zurufe „Sie Saujud, das geht sie nichts an„Sie sind ein Troddel!" und ähnliche Complimente. Ich will Niemand für ein so ordinäres Benehmen verantwortlich machen, aber dieser Vorgang, den ich mich — es sei nochmals betont — nur auf die gestrige Nummer des „Burggräfler" hinauf zu erzählen veranlaßt sehe, zeigt, daß die Juden genügend Takt haben, einen geistlichen Herrn vor der Rohheit seiner eigenen Gläubigen zu bewahren. Wenn der Stänkerer ein Jude gewesen wäre? Oder ob einer der „Burggräfler" Freunde einem Rabbiner gegenüber den Schützer gespielt hätte? Hochachtungsvoll R. W." Meran, 30. März. Ihr Mitbürger Herr Salo Cohn kehrt eben aus Palästina hieher zurück und ruht hier von den Strapazen seiner Orientreise aus, wenn sie auch lange nicht so intensiv waren, als jene unserer Voreltern, welche vierzig Jahre brauchten, um dies Reisezielzu erreichen.Eine solche Pilgerfahrt im Orientexpreßzuge und in erster Cajüte eines modernen Lloyddampfers, mit guten Empfehlungs- und Creditbriefen versehen, gereicht mehr zum eigenen Wohl als zur Ehre Gottes und hat den Bortheil daß man in kurzer Zeit reiche Erfahrungen sammelt, die sich, namentlich von Männern die in öffentlicher Thätigkeit und humanitärem Wirken stehen, zum allgemeinen Besten verwertheu lassen. Herr Salo Cohn hat sich in Jerusalem, in den von und für Juden geschaffenen Cultur- und Humanitätsanfialten sowie in den Niederlassungen der polnischen und rumänischen Juden, welche Rohheit und Noth aus ihrem Vaterlande vertrieben, umgesehen und was er mir mittheilt, bestätigt mich in der von mir wiederholt ausgesprochenen Ansicht, daß jüdische Colonien in Syrien sehr gut prosperiren würden, aber nur dann seitens der türkischen Regierung keinen Schwierigkeiten begegnen werden, wenn sie ohne viel Geräusch entstehen, wie dies beispielsweise bei der kleinen, aber vortrefflich organisirten galizischen Colonie „Machnaim“ der Fall war, welche eine Schöpfung des Tarnower Vereines unter der Leitung des Dr. Salz ist. In den von Hrn. Cohn besuchten Colonien. deren erstes Entstehen den Bemühungen und den Opfern des Herrn Barons Edmund von Rothschild zu danken ist, bewunderte er die musterhafte Ordnung, den Fleiß und die Sauberkeit der Einwohner, die es in ihrer ersten Heimat, in Rumänien oder in Galizien nicht gewesen sein dürften. Im Centrum der Weinproduction, in der Rothschilds K-'f-' 'M m

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