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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-04-06 · 14 (6.4.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
14 (6.4.1900)
Date
1900-04-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sir. 14 Dr. Bloür's Wochenschrift. Seite 263 Israels ihren großen Lehrer und die jüdische Wissenschaft eine ihrer besten und theuersten Stützen; in ihm erblickte ein jeder, der sich seines näheren Umganges zu erfreuen hatte, ein Ideal. H a l b e r st a m ist im Jahre 1832 zu Krakau geboren. In dem kleinen Kreise von Gebildeten, der sich in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts um den Führer der neuen, geistigen Bewegung und Begründer der modernen jüdischen Wissenschaft, Leopold Zunz, schaarte, nahm Salomon I. Halberst am, der Sprößling einer durch Edelsinn und Gelehrsamkeit seit Jahrhunderten ausgezeichneten Familie, unbestritten den ersten Platz ein. Ausgewachsen in einer allem weltlichen Wissen feindlichen Umgebung, und von Jugend auf ganz in der herkömmlichen einseitigen Weise unterrichtet und erzogen, gelang es dem mit seltenen Geistesgaben ausgerüsteten jungen Manne, sich ohne fremde Hilfe gründliche uud ausgebreitete Kenntnisse auf den verschiedensten Wissensgebieten zu erringen. Die ganze Fülle des Wissens aber, die er sich zu eigen gemacht hatte, stellte er einzig und allein in den Dienst des jüdischen Schriftthums und vollzog damit die glücklichste Verschmelzung des biblischen und des mittelalterlich-jüdischen mit dem griechischen Elemente zu einem harmonischen Ganzen. Das ungeheure Gebiet der jüdischen Literatur mit ihren geheimen Schachten, mit ihren chaotischen Massen, mit ihren glanzvollen Dämmerungen war seine geistige Heimat, in der er wie kein Zweiter sich zurecht zu finden und anderen den Weg zu weisen wußte. Am meisten reizten seinen Forschertrieb die Aufhellung der dunkeln Jahrhunderte, die vom Abschluß des Talmud bis zur Blüthezeit der jüdischen Literatur in den Ländern des Islam vergangen sind. Aus den zahlreichen einzelnen Abhandlungen, die sich ebenso sehr durch kritische Tiefe, Scharfsinn und glänzende Gelehrsamkeit wie durch den frommen, edlen Sinn, der sich in ihnen ausspricht, auszeichnen, heben wir nur die reiche Sammlung von Noten als Anmerkungen hervor, die er als Beiträge zu verschiedenen Werken und Editionen erscheinen ließ. Hier steckte er mit meisterhafter Hand die'Ziele für die einzelnen Sondergebiete der jüdischen Wissenschaft ab und lehrte an klassischen Beispielen, wie jedes einzelne derselben, wie Gelehrtengeschichte, wie Cultur- und Specialgeschichte, wie Chronologie, Bücher-, Jnschriften-Kunde zu behandeln und für die wissenschaftliche Eckenntniß des Judenthums nutzbar zu machen sei. Alle diese von Halberstam ins Dasein gerufenen unvergänglichen Denkmäler der Wissenschaft, die selbst ein lebendiges Zeugniß sind von der unverwüstlichen Lebenskraft und Lebensfähigkeit des Judenthums, haben der Eckenntniß zum Siege verholfen, daß ein ununterbrochener Strom geistigen Lebens, der in den verschiedenen Entwicklungsperioden, in einem ungeahnten Reichthum bedeutsamer, literarischer Werke zur Erscheinung kommt, das Judenthum von seinem Ursprung bis zur Gegenwart durchzieht. Bis in die letzten Tage seines Lebens war Halberstam literarisch thätig. An den Erzeugnissen seines Geistes bewundern wir ebenso sehr den fast unglaublichen Umfang seiner Gelehrsamkeit, wie die nahezu unfehlbare Sicherheit seines kritischen Urtheils, ebenso sehr die gewaltige Geisteskraft, mit der er die Unmassen des von ihm beherrschten Materials zu sichten und zu ordnen, wie die unvergleichliche Anmuth und Gewandtheit, mit der er sie klar und übersichtlich darzustellen verstanden hat. Erst als ihm sein theuerster Freund Prof. Dr. Kaufmann aus Budapest in die Ewigkeit vorausgegangen war, legte er als 68jähriger, obwohl er an geistiger Frische nichts eingebüßt hatte, die Feder aus der Hand. So lebte er hier, ein Gegenstand der Ehrfurcht für Alle, die am Ausbau der jüdischen Wissenschaft in seinem Geiste mitarbeiteten, bis er am 24. d. M. den ewigen Frieden fand. Am Montag, den 26. d. M. wurde die Leiche zur letzten Ruhestätte gebracht. Tiefer Schmerz erfüllte die Bewohner der beiden Schwesterstädte, viele fanden sich aus der Umgebung und aus der Ferne ein, um dem theuern Verblichenen noch die letzte Ehre zu erweisen. Unter dichtem Nebel — ein Symbol der allgemeinen Trauer — wurde der Sarg in den dichtgefüllten isr. Tempel getragen, wo Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Steiner die Trauerrede hielt. Mit beredten Worten schilderte er die Bedeutung des Verlustes dieses berühmten Mannes für seine Gemeinde, für die jüdische Wissenschaft und für die ganze Nation und zeichnete in kurzen Strichen in formvollendeter Weise ein Bild von dem Leben und Wirken des großen Heimgegangenen. Nach ihm sprach Professor Dr. Horowitz aus Breslau, ein langjähriger Freund des Verblichenen, und mit ergreifenden Worten rührte er alle Anwesenden zu Thränen. Bon dort bewegte sich der Zug nach dem isr. Friedhofe. In der Leichenhalle hielt Herr Dr. Glaser einen Nachruf. Am Grabe sprachen noch Herr Dr. I. Günzig im Aufträge der hebr. Literaturfreunde und zum Schluffe Herr Dr. Dobschütz, Rabbiner in Skotschau. So ruhe denn sanft, du treuer Hirte, bescheidener und anspruchsloser Gelehrter, du aufrichtiger Lehrer und unvergleichlicher Menschenfreund! Dein Andenken wird ewig in unserem Herzen fortdauern. Dr. I. Günzig. Brünn. (Mährisch-jüdischer Landesm a s s a f o n d.) Montag fand die diesjährige Versammlung der Delegirten zur Verwaltung dieses Fondes bei Anwesenheit von 46 Gemeindevertretern statt. In Verhinderung des Präsidiums wurde Herr Dr. Salomon Spitzer zum Vorsitzenden gewählt. Dem vom Curatroium erstatteten Rechenschaftsberichte für das Jahr 1899 entnehmen wir die folgenden Daten: Das Berichtsjahr ist als ein normales zu bezeichnen, Einnahmen und Ausgaben hielten sich das Gleichgewicht uud, wenn der Aufwand nicht ganz die Ansprüche der Gemeinde befriedigen konnte, so trägt daran die Beschränktheit der Mittel des Fondes Schuld, die ausschließlich in den Zinsen des Fondscapitals bestehen, welche überdies in stetigem Rückgänge begriffen sind. Für die Zwecke des Fondes wurden im ganzen verausgabt fl. 46.769'12. Es erhielten an Schulsubventionen 49 Gemeinden mit ihren Filialen fl. 14.040'—, an Unterstützungen 44 Gemeinden Gulden 11.870'—, an 241 Cultusfunctivnäre, sowie an Witwen und Waisen von solchen wurden fl. 9185'— verabfolgt, an verschiedene Bildungs- und Humanitätsanstalten fl. 3890'— u. s. w. Der Kaiser-Jubiläums-Pensionsfond erreichte einen Stand von fl. 7277'— und fordert der Bericht Gemeinden und Private zu einem werkthätigen Interesse an dessen raschere Vermehrung in eindringlicher Wnse auf, um dessen baldige Leistungsfähigkeit und Activirung zu ermöglichen. Der Rechenschafts- und der von Herrn G. Fischer vorgetragene Revisionsbericht werden einstimmig genehmigt, und dem Curaturium das Absolutorium ertheilt. Hierauf wird der Voranschlag ftir das Jahr 1900 in Berathung gezogen, und sämmtliche Posten desselben in den Einnahmen und Ausgaben mit K 98.350'28 genehmigt. Bei der Post Bildungs- und Humanitätsanstalten wird der Betrag zum israelitischen Handwerksbeförderungsverein auf fl. 400 erhöht uud hiebei unter Anerkennung der ersprießlichen Wirksamkeit dieses Vereines dessen Unterstützung den Gemeinden ans Herz gelegt. In der weiteren Debatte über den Voranschlag wird beschlossen^ die den einzelnen Gemeinden bewilligten Subventionsbeträge, die bisher nur summarisch im Rechnungsabschlüsse angeführt wurden, nunmehr namentlich zu veröffentlichen. Den mit der Jnspection des Religionsunterriches betrauten Rabbinern wird für ihre uneigennützige und hingebungsvolle Mühewaltung der Dank der Versammlung votirt. Bon mehreren Delegierten wird auf die schwere Schädigung hingewiesen, welche die Glaubensgenossen in zahlreichen Gemeinden nicht so sehr durch die sattsam bekannten Excesse vom October vorigen Jahres als durch die fortgesetzte Boycottirung der Geschäftsleute erlitten, sowie auf den dadurch herbeigeführten wirthschaftlichen Rückgang der Gemeinden, deren traurige Lage deshalb eine besondere Berücksichtigung bei Bewilligung der Subventionen erheische. Der Bericht des Präsidiums über die im Hinblick auf den Gesetzentwurf über die allg,meine Altersversorgung der Privatangestellten beschlossene Vertagung der im vorigen Jahre angeregten Ausarbeitung eines Statutes für den Jubiläums-Pensionsfond wird zur genehmigenden Kenntniß genommen. Hierauf wird die Neuwahl des Curatoriums für die elfte Wahlperiode 1900—1902 vorgenommen und hiebei gewählt: aus den sechs Wahlgruppen die Herren: Adolf Lieblich (Jglau), Phillip K o h n (Nikolsburg), Josef O r n st e i n (Wessely), Josef Singer (Proßnitz), Dr. Alois Hilf (Mähr. - Ostrau) nnd Dr. Siegmund Weiß (Boskowitz); aus dem Plenum die Herren: Julius Ritter von G o m p e r z, kais. Rath Mandl, Dr. S. Spitzer, Max K o h n, sämmtliche m Brünn und Eduard Hamburger (Olmütz). Zu Ersatzmännern wurden gewählt die Herren: Emanuel Oppenheimer, Gustav Tandler, S. Rosenfeld, Josef Hauser; zu Revisoren die Herren: G. Fischer, G. Tandler und Heinrich B i t t n e r.

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