Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 14 (6.4.1900)
- Date
- 1900-04-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 262 Dr. Vlvch's Wochr.tschrlfi. >Jtr. 14 Herrn Max Theodor Schiff spendeten für den Lehrer-Pensionsfonds Frau Friederike Schiff 50 fl., Fräulein Marie Schiff 20 fL, Frau Rosa Schiff 25 fl., Herr Paul Schiff 50 fl., Frau Emma Schiff widmete aus demselben Anlaffe für Zöglings-Extraausgaben 50 fl. Frau Hermine Schiff spendete behufs Sicherstellung des Jahresbeitrages für den seligen Herrn John Schiff 200 fl. Zur Sicherstellung des Jahresbeitrages für ewige Zeiten widmeten ferner die Erben des felrgen Herrn Heinrich Berger 200 fl. Rente und der selige Herr kaiserl. Rath Director JoelDeutsch einen Betrag von 100 fl. Es legirten endlich der Anstalt Herr Eduard Brüll 450 fl. und Frau Marie Schey 500 fl. Die in den Familienwohnungen aufgestellten Sammelbüchsen lieferten einen Betrag von 487 fl. 76 kr., nnd sprechen wir allen Spendern den wärmsten und verbindlichsten Dank aus. Wir drücken ferner den Herren Dr. Lackenbacher und Dr. L. Ornstein für die den Zöglingen der Anstalt gewährte ärztliche Hilfe sowie Herrn Dr. A. M i t t l e r für den denselben unentgeltlich geleisteten zahnärztlichen Beistand den wärmsten Dank aus. Die Chronik der Anstalt betreffend haben wir Folgendes zu berichten. Das Institut hat im verfloffenen Jahre wieder einen schweren Verlust erlitten. Der Mitbegründer und erster Director der Anstalt, das Mitglied des Vorstandes, Herr kaiserl. Rath Joel Deutsch ist am 1. Mai 1899 aus dem Leben geschieden. Es kann selbstverständlich an dieser Stelle nicht ausgeführt werden, welche Verdienste der Verblichene sich um das Taubstummenbildungswesen in Oesterreich überhaupt erworben hat. Hervorgehoben aber muß werden, daß der Verblichene unsere Ailstalt zu einer hohen, allseits anerkannten Blüthe gebracht hat, daß ihr Ruhm durch ihn weit über die Grenzen unseres Reiches hinausgetragen wurde. Uud dies erreichte der Verewigte durch seine starke Willenskraft, seine tiefe Einsicht und seine hingebungsvolle Liebe und Treue für das Institut, an dessen Wiege er einst gestanden war, und das er durch 44 Jahre geleitet hatte. Wie sein Name seinen Schülern, die mit kindlicher Liebe an ihm hingen, unvergeßlich bleiben wird, so ist er auch unlöslich mit der Geschichte der Anstalt verknüpft. Auch wir werden dem Dahingeschiedenen, an dessen Todestage alljährlich im Jnstitutsbethause eine Gedächtnißfeier abgehalten werden wird, eine bleibende Erinnerung der Verehrung bewahren. Wien. (Professor Joseph Grube r.) Nach kurzer Krankheit ist der Ohrenarzt Professor Doctor Joseph G r u b e r im 73. Lebensjahre in seiner Wohnung, Freiung Nr. 7, gestorben. Professor Joseph Gruber war am 4. August 1827 in Kosolup in Böhmen geboren, absolvirte die medicinischen Studien an der Wiener Universität und wurde daselbst 1855 zum Doctor promovirt. Im Jahre 1870 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor und 1873 zum Vorstand der damals neuerrichteten otiatrischen Klinik. Bereits im Jahre 1867, als er noch als Docent an der Wiener Universität wirkte, trat er mit seiner Schrift: „Anatomischphysiologische Studien über das Trommelfell und Knöchelchen" hervor, die in medicinischen Kreisen großes Aufsehen erregte. Im Jahie 1873 erfolgte die Eröffnung der Ohrenklinik unter Gruber's Leitung. Sein „Lehrbuch der Ohrenheilkunde" ist ein ausgezeichnetes Werk, für den Studierenden, den Theoretiker, wie für den Praktiker von gleich großem Werthe. Professor Gruber hat während seiner nahezu 40jährigen ärztlichen Thätigkeit auf fachschriftstellerischem Gebiete eine besonders fruchtbare Wirksamkeit entwickelt. Weit über hundert wiffenschaftliche Abhandlungen in verschiedenen Fachzeitschriften stammen aus seiner Feder. Sonntag, Vormittags um 10 Uhr erfolgte die Beerdigung unter großer Betheiligung, namentlich der medicinischen Kreise. Im Trauerhause, Freiung Nr. 7, hatten sich eingefunden: der keetvr magnificus fürsterzbischöflicher geistlicher Rath Professor Dr. Wilheün N e u m a n n, die Hofräthe und. Professoren Stellwag & Carion, Albert, Schnabel, Emil Zuckerkand!, Schrötter Ritter v. Kriftel li. Sigmund Exn er nnd Isidor N eum a n n. Regierungsrath Professor O s e r, Statthaltereirath Ernst v. Roretz, Pfarrer in Gumpendorf Adolf Kern, die Profefforen Schauta, Urbantschitsch, Chiari, Benedikt, Adam Politzer, Anton Weichselbaum, Franz Mracek nnd Lothar Frankl von H o ch w a r t, der Director der Uuiversüätssternwarte Professor Dr. Eduard Weiß, Leibarzt Dr. v. Biala, der Großindustrielle David Ritter v. G u t m a n n, die Doctoren Dr. H e r z f e l d und Dr. G r ü n f e l d, Primararzt Dr. U n t e rh o l z n e r, Th^aterarzt Dr. H o f m a n n, Docent Doctor Singer, Ministerialsecretär Dr. S i e g h a r t, der Vicepräsident der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Gustav K o h n, Bankdirector von C h a v a n n e, Baumeister Neumayer, Dr. Anton L o e w, Baurath S t i a ß u h. Maler H o r o w i tz, Alexander S t r a k o s ch u. s. w. Um 10 Uhr stimmte Obercantor Singer, vom Tempelchor begleitet, einen Trauerpsalm an, worauf der mit vielen Kränzen geschmückte Sarg gehoben und vor das Trauerhaus getragen wurde. Der Zug setzte sich nach der israelitischen Abteilung des Centralfrieohofes in Bewegung. In der Ceremonienhalle wurden die üblicher Trauerandachten verrichtet, worauf Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n dem Verblichenen einen Nachruf hielt. Am offenen Grabe sprach Professor Dr. Adam Politzer seinem verblichenen Fachgenossen im Namen der medicinischen Facultät einen ehrenden Nachruf, welchem wir folgende Stellen entnehmen: Nur wenige Wochen sind verflossen, seit Du in unserer otologischen Gesellschaft in voller Geistesfrtsche an unseren wissenschaftlichen Verhandlungen theilnahmst. Wer konnte es ahnen, daß es das letztemal war, daß wir aus dem reichen Schatze Deiner Erfahrung Belehrung erhalten sollten. Denn jäh und unerwartet trat der Tod an Dich heran, der uns das älteste und würdigste Mitglied unserer Gesellschaft entrissen hat. Denn Du warst es, der die Anregung gab zur Gründung der otologischen Gesellschaft, durch die seit ihrem Bestände der wissenschaftliche Fortschritt der Ökologie in Oesterreich so wesentlich gefördert wurde. Tief betrauern wir Deinen Heimgang, doch glücklich preisen wir das Schicksal Desjenigen, dessen Leben so ehrenvoll abschließt wie das Deinige. Denn reich an Arbeit und Erfolgen war dieses Leben bis zum letzten Tage Deines Daseins. Was Du als Mann der Wissenschaft, als Lehrer und als Arzt geleistet, es wird Deinen Namen in Ehren der Nachwelt erhalten. Und was Du errnngen, es war Dein ureigenstes Werk, errungen durch Talent, Fleiß und seltene Ausdauer, und mit jener Begeisterung und Hingebung zum Berufe, die allein zur Erreichung hoher Ziele befähigt. Dein größter Eifer in der wissenschaftlichen Erforschung der Krankheiten des Gehörorgans, Deine anerkannten Leistungen auf anatomischem und praktischem Gebiete, sie werden als bleibende Errungenschaften unserer Specialwissenschaft für immer erhalten bleiben. Und was Du durch Forschung und Erfahrung errungen, das hast Du in Deiner akademischen Laufbahn glänzend verwerthet. Denn weit über die Marken unseres Vaterlandes ist Dein Ruf als akademischer Lehrer gedrungen nnd tausende fremdländischer Aerzte schaarten sich um Dich, um Belehrung und Anweisung für ihre praktische Laufbahn zu erlangen. So sehen wir die Lehren der Wiener otriatischen Schule in den entferntesten Weltttheilen durch Deine Schüler vertreten, die sich stets als dankbare Anhänger sthres Meisters erwiesen und die gleich uns die Nachricht von Deinem Hinscheiden aufs schmerzlichste empfinden werden. Und wie als Forscher und Lehrer hast Du auch die ethische Bedeutung Deines Berufes als Arzt in seinem vollen Umfange erfaßt. War ich doch seit dem gleichzeitigen Beginne unserer Laufbahn, als Dein unmittelbarer klinischer Nachbar Zeuge Deines unermüdlichen humanitären Wirkens. Mit seltener Ausdauer, mit voller Hingebung und unverdrossen hast Du seit nahezu 40 Jahren den täglich in großer Anzahl im allgemeinen Krankenhause erscheinenden, armen Ohrenkranken sorgfältige Hilf geleistet.. Viele Tausende segnen die Hand, die sie von ihren schweren Gebrechen geheilt und ihnen den Wiedergebrauch de schwergeschädigten Gehörsinnes ermöglicht . . . Tiefbetrüb nehmen wir Abschied von Dir. Ruhe jaiift! * Professor Politzer schloß mit ergreifenden Abschieds Worten an den Dahingeschiedenen. Dann widmeten der Decar Hofrath Professor Dr. Zuckerkand!, und Docent Docts'. Bing dem Verblichenen warme Nachrufe. Bielitz, den 26. März. Unsere Gemeinde befindet sich in tiefer Trauer wegen des plötzlichen Heimganges unseres virlgefeierten Gelehrten S a l o m o n I. H a l b e r st a m. Der Schmerz über den unerwarteten Verlust dieses hochbegabten und hochgelehrten Mannes zittert in allen Gemülhern, denn in ihm beweint nicht nur eine Familie den zärtlichen Gatten und liebevollen Vater, sondern die ganze Gemeinde