Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 14 (6.4.1900)
- Date
- 1900-04-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 14 Seite 261 Dr. Bloch's Woche nfchrist» lassen. Und doch soll jener Verläumder vor dem, Titel „Rabbiner" ebenso große Ehrfurcht haben wie wir Juden denn auch Jesus wurde von seinen Jüngern wiederholt als „Rabbi" an geredet. Das ist ein sehr aller, angesehener und ehrwürdiger Titel. Der Antragsteller kennt aber offenbar das Neue Testament genau so gut wie den Talmud. (Heiterkeit.) Er verdient weder Beobachtung, noch Beachtung, nicht Achtung, sondern Verachtung. Ich hielte es unter meiner Würde, seinem Anträge ein Worr zu widmen. Weshalb wollen wir der Majorität des Landtages gegen den Heiterkeitsersolg, den diese Judendebatten in der ganzen gebildeten Welt erzielen, zu Hilfe kommen? Es ist aber zu bedenken, daß es sich um einen praktischen Zweck,-um die Aufreizung der christlichen Bevölkerung, handelt, und deshalb stimme ich meinen Vorrednern zu, daß sich der Vorstand mit einer Enunciation an den Ministerpräsidenten wende. Was die Rabbiner betrifft, so haben sie durch ihre ganze Vergangenheit und ihr Wirken bewiesen, daß sie nur das Gute lehren, durch ihr Beispiel die Moralität und Sittlichkeit befördern. Sie sind es nicht, die die Ritualmorde fabriciren und diese dumme Fabel wahr machen, das überlassen sie Leuten wie der Antragsteller. Wir erziehen unsere Juden zu Humanität, Vaterlandsliebe und Ehrfurcht vor dem Kaiser, es ist daher unser gutes Recht, geschützt zu werden gegen Anträge, die darauf berechnet sind, das Volk zu vergiften. Ich bedauere sehr, daß die Majorität durch ihren Heiterkeitsausbruch dem Anträge zugestimmt hat, sie hat sich dadurch als eine wahre niederösterreichische Landtagsmajorität bekundet." Baurath S t i a ß n y pflichtet dem Bedauern bei, daß der Vorstand wegen eines solchen Subjectes einberufen wurde. Aber der Fall sei nicht leicht zu nehmen. Die jetzigen Zustände erinnern an den Verfall des römischen Reiches mit seinen pecuniae repetundae. Der Antragsteller sei der geistige Führer einer Gruppe, welche die Propaganda der That vertrete. Man müsse der Negierung gegenüber die Verantwortlichkeit dieser Leute feststellen und sie aufmerksam wachen, daß 150.000 Wiener Juden und eine Million Juden in ganz Oesterreich schutzlos seien gegen Angriffe auf Leben und Eigenthum. Herr R e i t l i n g e r betont, man dürfe nicht petitioniren, sondern müsse sein gutes Recht f o r d e r n. Hierauf wird einstimmig folgende Resolution angenommen : „Ein Abgeordneter, unterstützt von gleichwerthigen Gesinnungsgenossen, hat am 8. d M. im Niederösterreichischen Landtage einen Antrag eingebracht, welcher wie alle seine Enunciationen jeder Logik und jedem Nechtsgefühle spottet und welchen wir — wie Alles was der Genannte thnt — mit V era ch t u n g und Gleichgiltigkeit betrachten würden Der Umstand jedoch, das; der Land m a r s ch a l l jenes Schriftstück zu verlesen gestattete, daß er einem Abgeordneten, der dagegen sich erklärte, zur Ordnung rief und der weitere Umstand, daß der B ü r g e r m e i st e r von Wien indirect seine Sympathie für den gestellten unfläthigen und nnsiiinigen Antrag anszndriicken sich nicht versagen konnte, veranlaßt uns hiemit, öffentlich auszusprechen, daß wir einen Vorgang wie den geschilderten für eines Rechtsst a a t e s unwürdig finden und daß wir den Ort, an welchen derselbe stattfand, die Stätte der Gesetzgebung, durch jenen Vorgang p r o f a n i r t und geschändet erachten." Ebenso wurden die Anträge des Cultusvorstehers Simon einstimmig angenommen und hierauf die Sitzung geschlossen. Aus der Plenar-Srtzung des Cultusvorstandes vom 1. April 1900 unter dem Vorsitze des ersten Biee- Präsidenten Dr. Alfred Stern. (Herr Präsident kais. Rath Klinger entschuldigt.) An Spenden sind eingelaufen: . Von Herrn Leopold Sachs zum Andenken au seine seligen Eltern Jacob und Anna Sachs, für den Siechenhausbau Kr. 2000. Von Herrn Bernhard Hirsch für israelitische Waisenkinder Lr. 30. Von Herrn Alois Hoffmann für eine israelitische Wohlthätigkeits an statt Kr. 60. Als Legat des Herrn Sigmund Kornfeld für eine Kaddischstiftung Kr. 2000; für eine Graberhaltungsstiftung Kr. 1000. Der Vorsitzende theilt mit, daß er an den Präsidenten der Prager israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Dr. Rosenbacher anläßlich seines 60. Geburtsfestes Namens des Vorstandes einen telegraphischen Glückwunsch richtete. (Zustimmung.) Herr Baurath Stiaßny referirt über die Verleihung von 3 StjWlätzen aus der Dr. Adolf Sacks'schen Technikerstiftung (1 Platz ä 600 Kr.) Eingelaufen sind 82 Gesuche. Die Stiftplätze werden im Sinne des Referates verliehen, außerdem werden an 6 besonders würdige und dürftige Bewerber Unterstützungen im Betrage von je Kr. 200 verliehen. Herr Bicepräsident Dr. Stern referirt in Angelegenheit der M. L. Biedermann'schen Waisenstiftung und beantragt, gegen den Erlaß der Statthalterei, welcher die vom Curatorium beschlossene und vom Vorstande genehmigte Art der Bertheilung der Stiftungszinsen für das Jahr 1900 nicht zur genehmigenden Kenntniß nahm, Vorstellung zu erheben, mit dem Vorschläge einer eventuellen Stiftbrief-Aenderung, welche jedoch nur auf eine vorübergehende Geltung zu beschränken wäre. Der Antrag des Referenten wird angenommen. Herr Bicepräsident Dr. Gustav K v h n referirt Namens der Hl. Section über an 243 Personen zu gewährende periodische Unterstützungen im Gesammtbetrage von 38.524 Kronen für das Jahr 1960. (Angenommen.) Nach Erledigung mehrerer Personalien in Friedhofsangelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. Wien. (Sechsundvierzig st erBericht des allgemeinen ö st e r r e i ch i s ch e n israelitischen Taubst u m m e n-J ii ft t1 li t c § in Wien.) Die Anstalt gewährte im Schuljahre 1898/9 80 Kindern, 52 Knaben und 28 Mädchen, Pflege und Unterricht. Am Ende dieses Schuljahres verließen 14 Zöglinge, 8 Knaben und 6 Mädchen, das Institut, wogegen 19 Zöglinge, 13 Knaben und 6 Mädchen, neu aufgenommen wurden und zu Beginn des laufenden Schuljahres in die Anstalt eintraten. Demgemäß zählt die Anstalt dermalen 85 Zöglinge, 57 Knaben und 28 Mädchen. Der Bericht führt nachstehende für das Institut bestimmten Widmungen an. Die Direction der E r st e n O e ft e r r e i ch i s ch e n S p a r c a s s e widmete 300 fl. und mit Rücksicht auf die eingeführten Hörübungen weitere 100 fl., Herr k. k. Bergrath Max Ritter v. G u t m a ii it 200 fl., Herr Philipp Thorsch pro 1898 und 1899 zur Verwendung für die Erholung der Kinder in der Ferienzeit 200 fl, Frau Elise N i r e n st e i n 100 fl., Frau Margarethe Rosen heim aus Berlin 100 Mark, Frau Henriette Gabriel! i - Schiff 200 fl. und ein U n g e n a n n t e r durch Frau Julie S ch lesin g e r 50 fl. Es widmeten ferner Herr Jgnace Ritter von E p h r u s s i anläßlich der Vermälung seines Sohnes 50 fl., Frau Rosa Schiff gelegentlich der Vermälung ihrer Tochter 100 fl. und aus ähnlichen Anlässen Herr WilhelmZiehrer 1000 fl., Herr k. k. Commercialrath Leopold Pollak 25 fl., Herr D. Bert 100 fl., Herr Arnold Rapoport von P o r a d a 100 fl., und Herr Director Moriz Bauer 40 fl. Herr Victor Ritter von Ephrussi spendete aus Anlaß des Hinscheidens seines Vaters, des seligen Herrn Jgnace Ritter von Ephrussi, 5000 fl. und Herr Rudolf P a u l-S ch i f f aus demselben Anlasse 25 fl. Gelegentlich der im Jnstituts-Bethause abgehaltenen Gedächtnißfeier für den seligen Herrn Hermann Freiherrn von Springer spendete Frau AmalieLöwenstei n-T o d e s c o 100 fl. und anläßlich des Requiems für den seligen Herrn Martin Nirenstein spendeten Frau Friederike Nirenst e i n 25 fl. und Herr Heinrich Nirenstein 50 fl., Herr Jgnace Ritter vonEphrussi spendete gelegentlich der Requien für die Angehörigen seiner Familie 100 fl., Herr k. k. Bergrath Max Ritter von Gutmann aus Anlaß der Gedächtnißfeier für den seligen Herrn Wilhelm Ritter von Gutmann 100 fl. Frau Leon Fould aus Paris gelegentlich des Requiems für die selige Frau Henriette Ephrussi 100 fl. und die Angehörigen des seligen Herrn Friedrich Ritter v. Boschan anläßlich der für denselben abgehaltenen Gedächtnißfeier den Betrag von 120 fl., Frau Josephine Paul- Schiff widmete gelegentlich der Gedächtnißfeier für die selige Frau Josephiue von Königswarter 25 fl. und anläßlich des Requiems für den seligen Herrn Moriz Freiherrn von Königswarter 50 fl. Die Angehörigen des seligen Herrn M. H. Weikersheim widmeten aus Anlaß der beiden für denselben im verflossenen Jahre abgehaltenen Requien den Betrag von 80 fl. Gelegentlich der Gedächtnißfeier für den seligen Herrn Paul Theodor Schiff widmeten für den Lehrer-Pensionsfonds Frau Rosa Schiff 50 fl., Herr Maximilian Pan l-S ch i f f 50 fl. und Herr Rudolf Pan l-S ch i f f 50 fl. Herr Paul Schiff widmete aus demselben Anlaffe für Zöglings-Extra ausgaben 50 fl. Gelegentlich des Requiems für den seligen