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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-30 · 13 (30.3.1900) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 250 Nr. 18 Dr. Vloch's WochenschrifL auch in W. unter Deinem starken Schutze, unter dem Auge meines Vaters nicht zu befürchten gehabt, daß." Sara stockte und fuhr erst nach kurzer Pause fort, „mich der Zudringliche noch einmal anspräche; — aber wie leicht hätte ein Sreit, ein Wortwechse' zwischen Dir und diesem Menschen entstehen können. Du bist zwar ein kluger, besonnener Mann, aber es gibt doch Dinge, die leicht Deinen Zorn entfachen. Das sollte nach Möglichkeit vermieden werden und darum hat mein Vater Recht, daß er mich zu seinem Geschäftsfreunde nach Boskowitz schickt. Hoffentlich wird unsere Trennung von keiner langen Dauer sein. Es heißt ja allgemein, daß der Krieg schon erklärt ist und die Feindseligkeiten sobald das russische Hilfscorps angelangt sein wird, beginnen werden. Vielleicht geschieht dies schon in wenigen Tagen, dann rückt das Dragonerregiment ab, und ich ^komme so's Gott beliebt, zu Euch, zum Vater und Dir zurück; und Michael — Du mit Deiner lebhaften Phantasie siehst die Dinge viel schwärzer, als sie in der That sind und Du bist doch ein frommer, gottvertrauender Mann — für die Zukunft laß' nur den allmächtigen, allbarmherzigen Gott sorgen, der kann, wenn er will, Alles zum Guten wenden." Sara wurde von Michael unterbrochen. In ziemlicher Entfernung, an einer Wegesbiegung war eine Gestalt sichtbar geworden, die ihnen entgegenkam. Der schwankende Schritt des einzelnen Wanderers verrieth, daß er mehr getrunken als für ein festes Auftreten und eine sichere Gangart förderlich. „Sonderbar", sprach Michael, „wenn mich die Entfernung nicht täuscht, ist der einzelne Mann dort Kutscher Nikolauer, warum ist er zu Fuß, wo ist sein Wagen?" Unwillkürlich gingen sie ihm jetzt noch etwas rascher entgegen; als sie in seine Nähe kamen, hörten sie, daß er, nach Art Trunkener, in einem Selbstgespräche begriffen war. „Guten Abend, Nikolauer," rief Michael, „wo kommt Ihr denn jetzt allein ohne Euren Wagen und Braunen her, wo habt Ihr diese gelaffen? „Ich komme aus Posewitz, eigentlich geradeaus aus dem einschichtigen Wirthshaus, das eine Viertelstunde von Posewitz liegt", antwortete der Trunkene lallend. „Ich sag' Euch, Herr Michael Klein, in dem Posewitz ist es ein Prachtleben \ . Braten und Wein kriegt m'r dort, das man's nit d'erfreffen und d'ersaufen kann, und der gnädige Herr Baron Horn .... Horn .... Hornochse hat er mich titulirt .... ja, der Wahrheit muß der Mensch die Ehre geben, Hornochse und verfl. Bestie hat er mich titulirt, weil ich mich nicht gleich von meinem Wagen und Braunen trennen wollte, aber thut nix, thut gar nix, ein generöser Ca ... Ca .... Cavalier ist der Baron Hornek .... richtig Hornek heißt er ... . freilich ein bist sackgrob ist, das muß ihm sein ärgster Feind lassen, mit einer Watschen, einem Stoß in der Brust ist er gleich bei der Hand, aber — nobel, spendabel ist er — einen Haufen goldener Ducaten hat er mir dafür gegeben, daß ich ihm meinen Wagen und meinen Braunen bis morgen borgte — für das Geld kann er sich Pferd und Wagen kaufen. Er ist ein sehr grober, ein niederträchtig grober, ein verfl... grober Kerl — aber der Wahrheit muß man die Ehre geben, ein höchst rcspectabler und spendabler Herr .... richtig, daß ich nit daran vergesst, für die Ohrfeige — es war eine ganz gehörige — hat er mir extra einen Ducaten gegeben .... Er hat mir befohlen, hier mit dem Packet", der Trunkene zeigte ein solches unter seinem Arme, „voraus nach W. zu marschiren und ihn dort beim Mauthhäuschen zu erwarten, er will dort seinen Försteranzug ausziehen und die Uniform anlegen, er muß um zwei Uhr in W. die Posten-Jnspection vornehmen." Kutscher Nikolauer hatte offenbar einen Weinrausch, aber dieser hatte den an starken Bier- und Branntweingenuß gewöhnten Mann nicht in den Zustand voller Bewußtlosigkeit zu versetzen vermocht. Es geschah ihm zwar, daß er nicht immer für das was er ausdrücken wollte, das richtige Wort fand, sein über Baron Hornek ausgesprochenes Urtheil war, wie der geschätzte einsichtsvolle Leser erkannt haben wird, sehr unklar und widersprechend, und wie seine ganze Haltung, schwankend, aber trotz alledem unterlag es keinem Zweifel, daß die Thatsachen, die er berichtete, auf Wahrheit beruhten. Michael wurde aufmerksam. „Zu was braucht denn Lorenz Hornek Euren Wagen? Und warum sollt nicht Ihr ihn fahren?" (Fortsetzung folgt.) Literatur. I. Willheimer: „Die Schmach des Jahrhunderts" nebst der Denkschrift, welche der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde dem gewesenen Ministerpräsidenten Grafen Taaffe überreichte. Wien 1900. Die Denkschrift des Wiener israelitischen Cultusvorstandes ist ein interessantes historisches Schriftstück, welches die Entstehungsgeschichte des österreichischen Antisemitismus aus der wohlwollenden Unterstützung der regierenden Kreise durch Acten und Thatsachen belegt und es wirklich verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. Die gutgeschriebene Einleitung des Verfassers ist zweifellos eine Bereicherung der Schrift, welcher wir die weiteste Verbreitung wünschen. Real-Encyclopädie des Judenthums. Von Dr. I. Hamburger, Oberlandesrabbiner zu Strelitz, Mecklenburg. Soeben erschienen Abtheilung III, Supplement V, von diesem großem Werke, als die erste Encyclopädie des Judenthums in deutscher Sprache, auch in den andern modernen Sprachen, und bis jetzt ist kein zweites Werk dieser Art erschienen. In dem vorliegenden Supplement 5 (146 Seiten Lexikonformat, gut ausgestattet) werden an 70 der bedeutendsten Schriftsteller, Dichter und Denker, Sprachforscher, Exegeten und Schriftgelehrte nebst ihren Werken aus den neun Jahrhunderten 900 bis 1800 (von A bis N, Fortsetzung und Schluß im nächsten Hefte), wenn auch nicht alle so doch die vorzüglichen in angemessener Kürze und Klarheit mit genauer Quellenangabe besprochen und streng wissenschaftlich behandelt. Dabei enthält es eine Anzahl wichtiger Artikel über historische Stoffe, wie z. B. über Allegorie und Allegoriker, Apologetik und Apologetiker, feindselige Apostaten, Chazares, Gesetzvollziehung, u. d. g.', die dunkle Partien der jüdischen Geschichte beleuchten. Es ist das beste uns bekannte Handbuch auf diesem Gebiete. Dr. A. Eckstein: „Nachträge zur Geschichte der Juden im ehem. Fürstenbisthum Bamberg". Bamberg, Druck und Verlag der Handelsdruckerei 1899. Der gelehrte Verfasser der Geschichte der Juden im Fürstbisthum Bamberg bietet in diesen Nachträgen den Besitzern des Werkes wie überhaupt allen jenen, welche sich mit der jüdischen Geschichte beschäftigen, eine willkommene Gabe. Manche Partien der jüdischen Geschichte finden hier eine interessante Beleuchtung. Salomon Buber: Jalkut Machiri. Sammlung halachischer und hagadischer Stellen aus Talmud und Midraschim von R. Machir b. Abba Mari. Berdyczew. I. Scheftel 1899. 2. Band. Salomon Buber ist einer der merkwürdigsten Gestalten unter den jüdischen Gelehrten der Neuzeit. Er ist ein unermüdlicher und unerschöpflicher Schatzgräber und immer wieder weiß er Neu s und Interessantes in unserer alten Literatur zn entdecken, um es in verjüngter Gestalt uns zu bieten. Seine Werke umfassen bereits eine große Bibliothek, enthalten die kostbarsten Perlen aus unserer Ltteratur. Der jüdische Gelehrte, der Alterthumsforscher nennt den Namen Salomon Buber mit hohem Danke und innigster Verehrung. Auch die vorliegende Ausgabe einer alten Compilation alles dessen, was in talmudischer und midraschischer Literatur über die Psalmen gesagt wurde, schließt sich den früheren Editionen dieses Gelehrten ebenbürtig und würdig an. Namentlich für Prediger dürfte das Werk eine reiche Fundgrube von Anregungen und Ideen bilden. Es ist zu wünschen daß das gut ausgestattete Werk reichen Absatz fände Aufruf! JüdischeMitbürger! Man pflegt an Euch zu appelliren, wenn die Noth bereits angepocht hat. Wir wollen Euer Herz für eine Sache erwärmen, die einer Noth vorzubeugen bestimmt ist. Die physische Degeneration unserer Race ist nicht von ihrer Eigenthümlichk it bewirkt, sondern eine Folge der jetzigen Structur der Gesellschaft und insbesondere unserer schiefen Stellung innerhalb der Völker. So erstanden, macht sie unleugbar Fortschritte, und ihr vorzubeugen, ist nicht nur Sache der klugen Voraussicht, sondern auch Gebot des Selbsterhaltungstriebes. Als eines der Mittel zur Bildung physischer Kraft wird das Turnen bei allen modernen Völkern betrieben und von Staat und Volk gefördert.

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