Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 13 (30.3.1900)
- Date
- 1900-03-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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'.irr. 13 Vr» Bloch's Wochenschrift. Seite 249 Abend vereint mit einer amatorische» Borstellung veranstaltet, dessen Ertrag unter die armen Eltern der die Stiftungsschnle besuchenden Schüler anläßlich des herannahenden Osterfestes zur Vertheilung gelangt. Der Saal mar bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, und fand das reichhaltige Programm stürmischen Applaus; ebenso entzückte das wundervolle Concert der Geschwister Reich alle Anwesenden und gilt vier dieser Festabend allgemein als ein gelungenes Kunstwerk. D r Erlös von circa 160 Kronen wird oberwähntem Zwecke zngeführt werden. Dem Herrn Protektor und den Herren Veranstaltern im Namen der armen Eltern der Schuljugend ein herzliches „Vergelt's Gott!" Patzau. Am 19. März wurde Herr Lepold Weil, tirigirender Schulleiter und Religionslehrer, der seit >845 in ein und derselben Gemeinde hervorragend thätig war, zu Grabe getragen. Ter Verstorbene, ein Neffe des seligen Koliner Rabbiner Daniel F r a n k und em Schwager des Prager Stistnngsrabbiners Herrn Josef W o d n a n s k y, war ein hochgebildeter und makelloser Charakter, dessen Hunderte von Schülern seinen Ruhm allerwärts verkünden. Seine Leichenfeier war imposant und ergreifend. Der Lehrkörper der der städtischen Volks-, Bürger- und Mädchenschulen mit allen Schulkindern, die landesfürstlichen und autonomen Behörden, der Bürgermeister mit dem Stadtrath, viele Deputationen und fast die ganze Stadteinwohnerschaft gab der Leiche, die von den Mitgliedern des Cultusvorstandes bis auf den Friedhof getragen wurde, das letzte Geleite. Vor dem Schulhause hielt der einstige Schüler und College des Verstorbenen, Rabbiner G o l d st e i n aus Nimburg, eine ergreifende Leichenrede. Cassel. Am 26. März fand im hiesigen israelitischen Schullehrerseminar die Entlassungsprüfung statt, der sich 6 Seminaristen unterzogen. Den Vorsitz führte in Vertretung des an der Theilnahme verhinderten Provincialschulraths Dr. Otto der Commissär der königlichen Regierung, geheimer Regierungs¬ und Schulrath Sternkopf. Sämmtliche Prüflinge bestanden und erhielten damit das Recht auf provisorische Anstellung im Schuldienste. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung. Prinz Lichtensteiu war der liebenswürdigste Wirth, den man sich denken konnte. Er hatte keine Kosten gespart, das rasch improvisirte Abschiedssest zu einem glänzenden zu machen. Es war ein prächtiges Feuerwerk abgebrannt worden, man hatte ein lueullisches Mal verzehrt, die Gesundheit des Obersten, der scheidenden Kriegskameraden und des Hausherrn waren in den edelsten, feurigsten, ungarischen und französischen Weinen ausgebracht worden; für jene, die an den hohen Hazordspielen ein aufregendes Vergnügen fanden, hatte der Hausherr ein Bänkchen gehalten und bei diesem erfreulichen Anlässe mit der größten Liebenswürdigkeit sechshundert Ducaten verloren, kurz, alle Welt hatte sich königlich amusirt, und Niemand dachte daran, vor dem nächsten Morgen aufzubrechen. Nur Baron Hornek war der Einzige, der nicht so animirt als die Andern zu sein schien. Er war zerstreute, blickte häufiger auf die Uhr als dies der gute Ton verstattet, hatte dem Kartenspiele, dem er sonst mit großem Eifer huldigte, fast keine Aufmerksamkeit zugewendet, und sich auch mehrmals durch die zahlreichen, fürstlichen Lakaien, die bei der Tafel hinter den Stühlen der Gäste bereit standen, deren Befehle auszuführen, erkundigen lassen, ob nicht sein Bursche mit seinem Reitpferde schon angelangt sei. Zuerst war dies seinem Tischnachbarn nicht ausgefallen, weil er als Officier äu jour früher nach der Stadt zucückkehren mußte, ^aber als er sich etwa um halb elf Uhr erhob, seinen Säbel umschnallte, und sich zum Fortgehen anschickte, sprach sein Spielnachbar: „Sie haben ja noch Zeit, die Visitenronde beginnt erst um zwei, die erste wird ein Unterofficier, der Wachtmeister Olbers, vornehmen . . . Sie sind ja heute zum Verzweifeln diensteifrig ... wollen Sie schon in Friedenszeiten den Maria- Theresien-Orden erobern?" Allein Hornek ließ sich nicht zurückhalten, und machte, wie er sich ausdrückte, um die Gesellschaft nicht zu „derangiren", ein „Compliment allemand“ und schlich unhörbar aus dem Zimmer. Etwa eine Viertelstunde, nachdem Lorenz unbemerkt aufgebrochen war, wurde die Gesellschaft plötzlich alarmirt. Ein reitender Bote, dessen erstes Ziel W. gewesen, überreichte dem Rittmeister Graf Altheim und dem Lieutenant Prinz Kaltern-Moggendorf, den Befehl, sofort zu ihrem neuen Regimente, das an der galizischen Grenze stand, zu stoßen. Ersterer habe sofort das Commando der Escadron statt seines zum Major avancirten Vorgängers zu übernehmen. Aus einigen Zeilen, welche der Oberst des Dragonerregiments in W., dem Boten für Altheim mitgegeben, erfuhr dieser auch, daß das Uhlanenregiment, dem er jetzt angehörte, die Bestimmung habe, dem russischen Armeecorps, das, 60.000 Mann stark, unter Suwarvw über Galizien in Mähren einrücke, bei seinen weiteren Märschen als Avantgarde und Quartiermacher zu dienen, und man nun erwarten dürfe, daß die Feindseligkeiten bald eröffnet werden würden. Die letzte Nachricht wurde mit großem Jubel und Enthusiasnius begrüßt, man trank in höchster Begeisterung auf das Wohl der Kaiser von Oesterreich und Rußland, auf das Wohl der verbündeten Armeen, auf die zukünftigen Siege, auf den baldigen Einzug der siegreichen Verbündeten in Paris. Aber all der Jubel durfte die Gerufenen nicht abhalten, sich sofort mit bestem Danke für das ihnen zu Ehren veranstaltete herrliche Fest zu verabschieden, während alle Anderen sich von dem liebenswürdigen Hausherrn gern noch dazu verleiten ließen, bis zum Tagesanbruch zu bleiben. * * * Michael und Sara hatten ihren Weg angetreten, und jener versprochen, sobald als möglich zurückzukehren. Michael war ein ungewöhnlich kräftiger Mann, er trug keine Kostbarkeiten bei sich, das Päckchen an der Spitze seines tüchtigen Knotenstockes, enthielt keine solche, und dieser konnte in den Händen eines so starken und gewandten Mannes eine furchtbare Waffe werden, und so trat er ohne Besorgniß mit seiner Pflegeschwester seine nächtliche Wanderung an. — Der Boden war hart gefroren, der Winterhimmel von einem wunderbar schönem Blau, die goldenen Sternen zitterten am weiten Himmelsbogen, und die volle Mondesscheibe verbreitete ein so intensives Licht, daß die Straße fast tageshell beleuchtet war. Sie hatten nur eine kurze Zeit, etwa eine Viertelstunde auf der Kaiserstraße zu gehen, dann zweigte sich der Weg ab und führte zunächst nach Neuhof, in seiner Verlängerung nach Posewitz. Auch die Hauptstraße war zu dieser Jahres- und Tageszeit wenig belebt; aber doch waren sie hie und da einem Wanderer begegnet, der ihnen den landesüblichen Gruß zurief, aber, auf der, auf Fürstlich Lichtstein'schen Territorium gelegenen ziemlich breiten für Fuhrwerke und Reiter geeigneten Straße ward es noch öder; so daß sie auf der ganzen weiten Schneelinie des Weges und auch rechts und links, soweit das Auge reichte, keine Spur eines lebenden Wesens erblickten. — Sie waren lange Zeit nur mit ihren unangenehmen Gedanken beschäftigt, ohne ein Wort zu sprechen, gegangen, endlich brach Michael das Schweigen und rief: „Vielleicht sind unsereres Vaters Besorgniffe doch unbegründet. Bei längerem Bedenken erscheint mir meine ursprüngliche Ansicht doch die richtige und diese Flucht vor dem Schurken eine überflüssige. Du bist ein sehr schönes Mädchen . . . ." Michael brach schamhaft ab, er wollte seinen Gedanken, „das das Begehren eines wüsten Gesellen herausfordern kann" nicht in Worte kleiden, und fuhr erst nach kurzer Pause fort, „aber diese Sorte Nichtswürdiger sind auch in ihren Neigungen wetterwendisch. Vielleicht denkt er nicht mehr an Dich, und verspottet uns noch wegen Deiner Flucht — anders kann man ja Deine plötzliche Abreise nicht bezeichnen. Und das Alles schweigend ertragen zu müssen, gehört mit zu den schwersten Bitternissen, die ich in dieser Welt erfahren .... Ich bin ja stark genug Dich zu schützen, und wenn Du, so's Gott beliebt, mein Weib sein wirst, dann.freilich wer weiß, wie lange es noch dauern wird, bis wir durch Gottes Gnade vereimgt werden .... in Momenten schwerer Geistesbedrückung fürchte ich, nie meines Lebens Z'el zu erreichen, fürchte ich, wir werden ans dieser Welt nie vereinigt werden, mein ganzes Leben, mein ganzes Dasein erscheint mir ziel- und zwecklos!" „Rege Dich nicht unnöthig auf, lieber Michael," erwiderte Sara, und schon der melodische Klang ihrer tiefen Altstimme wirkte beruhigend auf Michael. „Ich bin überzeugt, ich hätte