Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 13 (30.3.1900)
- Date
- 1900-03-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 248 Dr. Bloch's Wochenschrift. >Jl r. 13 stattfand. Zunächst berieth man über die finanzielle Situation der Gesellschaft, welcher man durch ein großes Festessen hatte aufhelsen wollen. Mit Rücksicht aus die Zeitverhältnisse beschloß man aber dieses Diner b's auf weiteres zu verschieben, nahm dagegen mit gerechter Befriedigung von der Mittheilung Notiz, daß es bereits gelungen sei, mehr als 400.000 Mark zu sammeln. Die Berichte aus den Schulen im Orient lauteten ziemlich günstig. In der Mädchenschule in Adrianopel sind zur Zeit 470 Schülerinnen, darunter 179 zahlende, in der Mädchenschule in Bagdad sind 132 Kinder, darunter 71 zahlende, in der Anstalt in den Dardanellen sind 1t 0 Knaben, darunter nur 36 Freischüler, in den beiden Schulen in Haifa sind 131 Knaben, davon 97 frei und 109 Mädchen, davon 82 frei. Nicht gut stehen die Dinge in den Schulen von Saloniki, die durch den Tod der Baronin Hirsch ihre beste Stütze verloren haben. In den verschiedenen Anstalten der Juden in dieser Stadt handelt es sich um 1650 Kinder. Die Alliance hat eine neue Subvention von 100.000 Franc und Baron Alfons Rothschild eine solche von 5000 Franc übernommen. Die Anglo-Jewish-Association bewilligt folgende Beträge: Mädchenschule in Adrianopel 400 Mark, Mädchenschule in Bagdad 400 Mark, Knabenschule in Haifa 700 Mark, Mädchenschule in Haifa 400 Mark, alle Schulen in Saloniki zusammen 3500 Mark, in Tanger 480 Mark, Mädchenschule in Tetuan 560 Mark. Endlich wurde auch für die Schule in den Dardanellen nach kurzer Debatte 400 Mark bewilligt. Lebhafte Discussion entspinnt sich über den Vorschlag des Executiv-Comites der Alliance israelite universelle, einen Beitrag von 2000 Mark zu bewilligen zu den Ausgaben, welche dieselbe durch die Verbreitung von Druckschriften gegen die Blutbeschuldigung speciell in Oesterreich gehabt hat. Dr. Gaster fordert -selbstständiges Vorgehen der Anglo-Jewish- Affociation und kräftigeres Auftreten gegen diese Verleumdungen, muß sich aber sagen lassin, daß die in einer früheren Sitzung eingesetzte Commission schon alle Vorschläge für eine solche Thätigkeit durchberathen hat, ohne einen practicabeln Weg zu finden, obwohl der allgemeine Wunsch dahin geht, daß man gern kräftig austreten möchte. Auch Dr. Gaster ist nicht im Stande, anzugeben, in welcher Weise seine Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen seien und die Summe von 2000 Mark wird schließlich nach lebhafter Discussion bewilligt. Zum Schluß der Sitzung macht Miß Olga d'Avigdor vertrauliche Mittheilungen über die Zustände, welche sie in der Evelina Rothschildschnle in Jerusalem vorgefunden hat, und an diese Mittheilungen schließt sich eine lebhafte Debatte an, die nicht zu Ende gebracht werden konnte, sondern auf die nächste Sitzung vertagt werden mußte. Vermischtes. Wien. (Kundmachung.) Freitag den 30. März d. I. Abends und Samstag den 31. März d. I. Früh wird Herr G. L i n h a r d t, Obercantor in Hauover im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. — Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 6 Uhr 30 Minuten; Samstag Früh um 8 Uhr 30 Minuten. Wien. (Verlobung.) Fräulein Rosa K l e b i n d e r, Tochter des Herausgebers und Chefredacteurs des „Wiener Tagblatt", Herrn Ferdinand K l e b i n d e r, hat sich mit Herrn Carl L e ch n e r, Beamten der Ersten österreichischen Actiengesellschaft für öffentliche Lagerhäuser, verlobt. Wien. (Todesfall.) Der Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde am Tempel zu Fünfhaus, Herr Friedrich S. I u r b e r g e r, hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Seine Mutter, Frau Anna Jurberger, geborene Landsinger, ist Montag hochbetagt in Speising bei Wien gestorben. Das Leichenbegängniß fand Mittwoch Vormittags auf dem Central- Friedhofe unter zahlreicher Betheiligung statt. Obercantor Singer trug, assistirt vom Chore des Fünfhauser Tempels, in höchst weihevoller Weise die Trouerpsalmen vor, worauf Prediger Dr. Jonathan Wolf in überaus warmen, ergreifenden Worten der Vorzüge der Dahingeschiedenen gedachte. Er schilderte sie als „fromme Sangesfreundin", deren höchster Stolz es war, daß sowohl ihr verstorbener Gatte, als auch ihr Sohn ihr Leben und Wirken dem Sange Gottes, dem Cantoren-Berufe, widmeten. Wien, 27. März 1900. (Eine merkwürdige Parte.) In den heutigen Ausgaben der Tagesblätter war eine Parte enthalten, die wohl geeignet erscheint, unsere Aufmerksamkeit, aber auch, und zwar in besonderem Maße, unseren Unmuth und die gerechte Verwunderung hervorzurufen. Die Stylistik dieser Todesanzeige ist derart, daß sie wohl nicht Änspruch auf Nachahmung machen dürfte. Die Parte enthält nämlich nur mit wenigen Worten den erfolgten Tod des Familienoberhauptes, ohne auch nur anzudeuten, wann und wo das Leichenbegängniß stattfindet. Die Freunde und Bekannten des Verblichenen können demnach demselben nicht die letzte Ehrenpflicht erweisen und bei der Bestattung anwesend sein. Es ist das ein Vorgang, der sich bei Juden nicht ereignet und scheint cs auch der Sohn des Verstorbenen zu sein, der sich, obwohl oder vielleicht deßhalb von der gewöhnlichen Form absentirt, weil ihn der nun dahingeschiedene Vater zu solch' angesehener, socialer Stellung erziehen ließ und er von der Religion seiner Ahnen nichts mehr wissen will. Wenn vor der Majestät des Todes die Pietät dermaßen verletzt wird, dann sind wir wohl bemüßigt, dem Sohne unser Mitgefühl und die Theilnahme zu persagen, die wir in solchen Fällen bekunden. E. J. Wien. Herr Adolf Schreiber, in weiteren Kreisen durch seine Wohlthätigkcit und als Vorsteher des Brigittenauer Tempels bekannt, wurde zum Armenrath der Stadt Wien ernannt und in dieser Eigenschaft am 22. März l. I. vom Bürgermeister beeidigt. Wien. Bei der am 13. d. M. stattgehabten Constituirung des Vorstandes des Bethausvereines „Mo ntefiore" wurden die Herren Jacob Weiß zum Obmanne, I. A. Wasservogel zum Obmann-Stellvertreter, Edmund H o f m a n n zum Caffier, Dr. Leopold B r a d y zum I. Schriftführer und Wilhelm Fleisch mann zum II. Schriftführer einstimmig gewählt. Wien. Aus Bielitz erhalten wir die Trauerkunde von dem Hinscheiden des gelehrten S. I. H a l b e r st a m m, welcher am 24. März, 8 Uhr Abends, nach langem Leiden sanft entschlafen ist. Der Heimgegangene, welcher kein Berufstheologe war, hat sein ganzes Leben der jüdischen Wissenschaft gewidmet und zählte zu den gelehrtesten Männern, zu den besten Bibliographen des heutigen Jndenthums. Nahezu sein gesammtes Vermögen hat er in seine Bibliothek hineingesteckt, er scheute keine Entbehrungen, um diese Bibliothek zu bereichern. Er stand allen Gelehrten hilfreich zur Seite, welche seinen Rath und Unterstützung beanspruchten. Sein ganzes Leben war erfüllt von Liebe zum Judenthum und zur Wissenschaft. Die „Oesterreichische Wochenschrift" verliert in dem Heimgegangenen einen aufrichtigen Freund und treuen Mitarbeiter, dem wir ein ehrendes Gedenken stets bewahren werden. Wien. (Maske n-Nedo ute d es H uman it ä r en Verein e s „R u d o l f s b u n d".) Der „Rudolfsbund", einer der größten Vereine zur Förderung humanitärer Zwecke (Bekleidung armer Schulkinder) steht un Renommee animirte Tanzfeste abznhalten. Samstag, den 17. März fand im „Hotel Bairischer Hof" eine Maskeu-Redoute dieses Vereines statt, die ~ cm Animirtheit nichts zu wünschen übrig ließ. Eine reiche Anzahl eleganter und origineller Masken hatte sich eingefunden und der große dichtgefüllte Saal bot ein farbenprächtiges Bild. Einen besonderen Reiz des Festes bildeten die Concurrenzpreise, zu welchem Zwecke drei werthvolle Gold- und Silberpreise für Damen, drei Flaschen Champagner für Herren gestiftet wurden. Den ersten Damenpreis erhielt Fräulein Emma Engel (Spanierin), den zweiten Fräulein Mizzi Bubesdinger (Zuavin), den dritten Fräulem Gisela Weiß (Griechin). Preiswürdige Masken waren unzählige in den prächtigsten Costümen und wollen wir nur einige hervorheben: Frl.Rosa Sensky (Griechin), Josefine Pollak (Phantasie), Frieda Warkany (Schneeballen), Gisela Friedmann (Harlekin), Sitta Liebreich (Dirndl), Caroline Neuron, Jenny Böck, Jda Sonnenfeld (Spanierinnen), Frau Sonnenschein (Frau Doctor) ferner Dominos in den buntesten Farben und viele andere. — Die Herrenpreise erwarben die Herren Richard Liebesny, artistischer Leiter des Vereines, der das Tanzarrangement besorgte, Glanz und Nissel. Die Musik der Tiroler Kaiser-Jäger spielte ihre flotten Weisen bis in die Morgenstunde, - es herrschte das fröhlichste Treiben, nur ungern schied man vom „Nndolfsbund". — Das Fest hat dem Vereine einen ansehnlichen Reingewinn für den Kinderbekleidungsfond Angeführt. Wr.Neustadt. Unser Religionslehrer, Herr Landau ist von einem tief erschütternden, herben Schlage betroffen worden. Sein hoffnungsvoller, von der hiesigen Gremial-Handelsschule zweimal mit der silbernen Medaille ausgezeichneter Sohn, Leo, Buchhalter im Hause Wilhelm Wolf & Sohn, ist am 17. d. M., in Lussinpiccolo, im 20. Lebensjahre verschieden. Das Leichenbegängniß, welches hier Donnerstag, den 22. d. M. stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der allgemeinen Beliebtheit, welcher der Verblichene sich hier erfreute. Herr Rabbiner Dr. I. Landau und Herr Obercantor Kläger eilten aus Wien herbei, um am Sarge des braven Sohnes den tiefgebeugten Eltern und Geschwistern Trost zu spenden. I. S. Dukla. Unter dem Protektorate des Obmannes des Localcomitä der Baron Hirsch-Stiftung, Herrn M. H. Reich hier, wurde am Sonntag den 18. d. M. ein vocalisch-musikalischer