Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 13 (30.3.1900)
- Date
- 1900-03-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 246 Nr. 13 Dr. Vloch's WochuuMrrifr. betheilung im jüdischen Gemeindehause beizuwohnen, denkt m>t Grauen an das dort Gesehene zurück. Die Pracht des neuerbauten Hauses, läßt die Widerlichkeit dieser Scenen noch mehr zu Tage treten. Das mittelalterliche Faustcecht mit allen seinen Schrecken scheint da neu aufzuleben. Der Stärkere sichert sich mit den Fäusten freie Bahn, steckt sein Almosen ein, um nächste Woche wiederzukommen. Auf diese Weise kann die Armuth nicht aus der Welt geschafft werden. Es ist hoch an der Zeit, diesen Uebelständen abzuhelfen. Die Einberufung einer Enquete, bestehend aus den auf dem Gebiete des Armenwesens erprobtesten Gemeindemitgliedern, die Anlegung eines Armenkatasters, eventuell auch die Berufung von Armenväteru, wären die vor allem zu ergreifenden Maßregeln. V.s. Lemberg. (Brände in Galizien.) JnCieszan o w kam, während die Feuerwehr in einem benachbarten Orte mit der Rettungsaction beschäftigt war, ein Brand zum Ausbruche, welcher bei starkem Winde zehn Häuser, darunter daß Postgebände und die Apotheke, zerstörte. Sowohl bei diesem Brande als bei dem in Kolbuszowa betheiligte sich das aus Lubaczow requirirte Militär mit großer Bravour an der Rettungsaction. — Ueber den Brand der Stadt Kolbuszowa wird berichtet, daß der Ort seit Mittwoch den 21. d. M., Abends, in Flammen stand. Alle Gebäude am Ringplatz und in den vielen Seitengassen, Schule, Pfarrhaus, Synagoge, mehrere öffeutliche Gebäude und 160 Privathäuser stnd niedergebrannt. 600 Familien sind obdachlos und campiren unter freiem Himmel. Lemberg. Am 23. d. M. wurde hier der allgemein geachtete und beliebte Kaufmann Moriz P a n e t h, Chef der Firma D. M. P a n e t h unter großer Betheiligung der Kaufmannschaft zu Grabe getragen. Der Verblichene entstammte einer alten frommen Bielitzer Familie, hat hier seit fast zwei Decennien gewirkt und durch seinen edlen Charakter, Menschenfreundlichkeit und besondere Liebenswürdigkeit sich die Gunst und Liebe aller dic ihn kannten, erworben, was auch die Maffenbetheiligung zum letzten Geleite bezeigte. Am Grabe sprach der hiesige Rabbiner Dr. K a r o, pries die Tugenden des Verblichenen, während sein langjähriger treuer Freund, der hiesige Kaufmann Heinrich Bauer sowohl im eigenen Namen, als namens des Buchhalter- und Commis-Vereines, deffen langjähriges thätiges Mitglied der Verewigte war. ihm in kurzen, ergreifenden Worten einen warmen Nachruf widmete und ein letztes Lebewohl zurief. Prag. (Vortrag.) Am 22. d. M. hielt hier Herr Dr. E. Schwarz aus Eger im jüdisch-wissenschaftlichen Verein ^,Afike Jehuda" einen Vortrag über: „Jehuda Halevi, ein nationaler Dichter." An eine kurze Einleitung reihte sich eine kulturhistorische Zeichnung des maurischen Spanien von seiner Blüthezeit bis zu seinem politischen Verfalle gegen Ende des XL Jahrhunderts, dem Geburtsdatum des Dichters. Dann folgte die Würdigung der weltlichen und religiösen Poesie des Dichters, letzteres unter Heranziehung seiner Religionsphilosophie. Als hervorragendster Zug im Charaktergemälde Jehuda Halevi's wurde sein nationales Dichten und Denken hervorgehoben und mit Hilfe einiger Proben aus seinem Diwan und Kusani erhärtet. Mt den Irrfahrten des jüdischen Odysseus, dem Palästina als das heilige Ziel seiner Wünsche vorschwebte und mit dem von der Legende erfundenen tragischen Ende des frommen Pilgers auf dem Boden Kanaans schloß der gehaltvolle Vortrag. Prag. (Un terstützun gsv erein für mittellose israelitische Universitätshörer.) In der am 28. Februar l. I. unter dem Vorsitze des Herrn MU. Dr. I. Tauffig abgehaltenen ordentlichen Plenarversammlung erstattete namens des Ausschusses der Obmann, Herr MU. Dr. Hugo Kohn, den Jahresbericht. Er legte vor allem die Schritte dar, welche der Ausschuß zur Bewilligung der im Vorjahre beschlossenen Statutenänderung und zur Erlangung der allerhöchsten Bewilligung zur Führung der Bezeichnung „Kaiserjubiläumsdarlehen" für die neu gegründete Kategorie von Darlehen unternommen hatte, und wies dann darauf hin, daß im abgelaufenen Bereinsjahr im Ganzen 65 Darlehen an 57 Mitglieder im Betrage von 3146 fl. verliehen wurden, und daß der Verein mit Rücksicht auf die Einnahmen, welche im Jahre 1899 die namhafte Höhe von fl. .8003*03 erreichten, diesen großen Ansprüchen — unbeschadet der Stärkung des Stammcapitals — nachzukommen voll in der Lage war. Er fuhr hierauf wörtlich fort: „In jeder Volksversammlung unseres Vereines wird der Namen unseres langjährigen Gönners und Ehrenmitgliedes, des Herrn Friedrich S. Freund in Wien, in Dankbarkeit und Verehrung genannt, und doch ist es kaum möglich, die Verdienste dieses edlen Mannes nach Gebühr voll zu würdigen. Jeder Dank muß gering erscheinen im Vergleich mit der ganz einzig dastehenden Aufopferung, mit der unser Gönner für unseren Verein wirkt. Seiner selbstverleugnenden und uneigennützigen Fürsorge ist es vor allem zu danken, daß der Verein in der Lage ist, seinen edlen Tendenze in so ausgiebigem Maße gerecht zu werden, wie dies jetzt der Fall ist. Gestatten Sie mir, Ihnen die Beträge zu nennen, die Herr Friedrich S. Freund in den letzten vier Jahren unserem Vereine zugeführt hat: 1896 . . . 1651 fl. von 622 Spendern 1897 . . . 2140 „ „ 1012 1898 . . . 2875 „ „ 1371 1899 . . . 3000 „ „ 1400 Unter den im letzten Jahre unserem Vereine durch ihn neugewonnenen Mitgliedern sind als „stiftende Mitglieder" zu nennen die 4 Söhne nach H. David Bloch, Zuckerfabrikanten in Wien (mit 50 fl.), Herr Baron Heinrich Königswarter in Wien (mit 50 fl.), Herr Rudolf Neustadtl, Ingenieur in Aussig (mit 50 fl.). Die Worte des Dankes und die herzlichen Glückwünsche für ein langes Leben in ungeschwächter körperlicher und geistiger Gesundheit, die der Obmann an diese Ausführungen über die Thätigkeit des Herrn Friedrich S. Freund knüpfte, fanden bei den Anwesenden lautesten Beifall und ungetheilte Zustimmung. Mit der Erstattung des Cassa-, Darlehens- und Revisionsberichtes und der Vornahme der Neuwahlen schloß die zahlreich besuchte Versammlung. Pilsen. Wie in anderen Gemeinden, wurde auch hier seitens des Cultusvorstandes der Beschluß gefaßt, eine Reihe von wissenschaftlichen Vorträgen zu veranstalten und wurden diese am 19. März mit einem solchen von dem gelehrten Stettiner Rabbiner Dr. Heinemann Vogelstein eröffnet. Der Redner, der vor 20 Jahren in unserer Gemeinde als Rabbiner segensreich gewirkt und dessen Andenken bei allen, die ihn kannten, ein stets ehrenvolles sein und bleiben wird, wurde bei seinem Erscheinen von brausendem Beifall begrüßt und hielt nach einigen Dankesworten den angekündigten Vortrag: „Mohamed und das Judenthum." Der gelehrte Redner brachte den ganzen Stoff in ungemein lichtvoller und vollkommen übersichtlicher Weise zur Darstellung und zog in der Beurtheilung der Verhältnisse und des Vorgehens seitens der Judenschaft unter Mohamed interessante Schlüsse auch auf die Gegenwart. Nicht endenwollender Beifall durchrauschte den großen Waldek-Saal, in dem mehr als tausend Glaubensgenossen den Worten des beliebten und illustren Redners gelauscht hatten. Nach Schluß des Vortrages verblieb der größte Theil der Anwesenden noch zu einem gemürhlichen Beisammensein und so manches treffliche Wort wurde noch gesprochen. Der Reigen der Toaste wurde von Seite des hochgeachteten Cultusvorstehers Herrn I. U. Dr. Josef Schanzer mit einer stürmisch aufgenommenen Rede, unter lebhaften Dankesworten auf das Wohl des Herrn Dr. Vogelstein gebracht, eröffnet. Herr Dr. Vogelstein, welcher in herzlicher Weise für die dargebrachte Ehrung dankte, wurde stürmisch acclamirt. Diesen schlossen sich an: die Herren Rabbiner Dr. A. Posnanski, Simon Hofmann, Emanuel Massarek u. m. A. Alles in allein ein Abend, wie ihn die hiesige Cnltusgemeinde noch selten feierte und von dem zu hoffen steht, daß ihm weitere gleich gelungene folgen werden. Berlin, 22. März. Die conservative Partei in unserer Gemeinde hat durch das am 20. d. M. erfolgte Ableben des Vorstandsmitgliedes WilhelmGoldschmidt einen herben Verlust erlitten, von dem sie sich schwerlich in absehbarer Zeit erholen wird. Wilhelm G o l d s ch m i d t war der Einzige in dieser Partei, der ein klares Ziel vor Augen hatte: das der Contrerevolution, wenn ich mich so ausdrücken darf. Er wollte die Gemeindeverwaltung — freilich nicht die Gemeinde, da dies unmöglich wäre — in die orthodoxen Bahnen zurückführen. Seine Arbeitskraft und sein Fleiß schien unerschöpflich. Drei Jahre hindurch war er stellvertretendes Mitglied des Vorstandes, aber auch in dieser Periode, glaube ich, hat er keine Sitzung verabsäumt. Seit dem 1. Jänner 1899 war er wirkliches Vorstandsmitglied. Ec imponirte seinen College» durch seine Ruhe und