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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-30 · 13 (30.3.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 241 geopfert und bemühten sich redlich zu dem Gelingen des Festes beizutragen. In den Sonntags-Nummern der „Ostdeutschen Rundschau", des „Deutschen Volksblattes", der „Deutschen Zeitung" rc. wird diesen Damen auch der gebührende Dank zutheil. Die Soldschreiber dieser antisemitischen Blätter beschimpfen die Jüdinnen, die dem Feste beiwohnten, verhöhnen die jüdischen Künstlerinnen, die ihre Kräfte in den Dienst der Wohlthätigkeit stellten und bezichtigen schließlich das Comite unter falscher Flagge gesegelt zu sein und reine Arier zu einem „verjudeten" Feste gelockt zu haben. Nun aber frage ich Sie, geehrter Herr Redacteur, wie war es möglich, daß auch nur eine Jüdin dumm genug war, sich zu „interconfessionellen Zwecken" würzen zu lassen, um dafür in den antisemitischen Blättern beschimpft zu werden? Geht es uns Juden so gut, ist unsere Situation in Wien derartig wieder günstig, daß wir uns zu Protectoren von Wohlthätigkeitsfesten machen lassen, deren Erträgniß doch nur christlichen Armen zugute kommt? Müssen wir unseren Neidern und Feinden immer von Neuem die Augen aufreißen, wissen wir noch immer nicht, daß jede anständig gekleidete jüdische Frau diesen Leuten ein Dorn im Auge ist, haben wir es nothwendig, uns zur Zielscheibe des Spottes von Gassenjungen herzugeben? Oder gibt es in unserer Mitte so wenig Arme, so wenig Bedürftige, daß wir unseren Wohlthätigkeitssinn absolut bei den Anderen, bei den Feinden bethätigen müssen? Wann werden wir es endlich lernen, uns auf uns selbst zu besinnen und für unser Geld uns nicht Hohn und Schimpf zu erkaufen? Es sollten jüdische Frauen lieber den guten Geschmack und den Tact besitzen, solchen Festen wie der Lucina-Jour es war ein für allemal fernzublciben! Eine treue Abonnentin. Rabbi Salomon Klein, Oberrabbinee in Zenta (Ungarn). Gewisse große Gemeinden haben Männer von geringerer wissenschaftlicher Bedeutung zu Seelsorgern, wogegen kleinere jüdische Gemeinden sich des Glückes gar oft erfreuen, Rabbiner zu besitzen, die nicht mit Unrecht als große Männer gelten. Eine solche kleinere Gemeinde ist die israelitische Cultusgemeinde in Zenta an der Theiß und als ein großer Mann galt mit Recht ihr Rabbiner, dessen Name in der jüdischen Gelehrtenwelt ein klangreicher war. Der Verewigte, Rabbi Salomon Klein s. A., der nicht nur der Stolz seiner Gemeinde und eine Zierde seines Standes, sondern auch eine Zierdedes Judenthums war, ist einem Herzschlage erlegen und hat seinem Geist nach einem thatenreichen Leben, das er hienieden zurückgelegt, am 17. dieses Monates im Kreise der Seinigen und in frommer Gottergebenheit ausgehaucht. Er erreichte ein Alter von 78 Jahren und hat mehr denn 50 Jahre in Zenta als Rabbiner segensreich gewirkt. Damit ist aber die Thätigkeit des Verewigten nicht erschöpft. Denn es kann schließlich Jemand, wenn ihm der liebe Gott ein hohes Alter beschieden sein läßt, in seiner Gemeinde auch mehr noch als fünfzig Jahre segensreich und wohlthuend wirken, ohne dabei auf das Epitheton „ein großer Mann" Anspruch erheben zu können. Der Verewigte aber war in der That ein großer Mann. Sein Ruf als Schriftgelehrter war allbekannt, sein Gedächtnißvermögen staunenerregend. Nur so läßt es sich erklären, daß er den ganzen Talmud, das nachtalmudische Schriftthum inclusive der Decisoren meisterhaft beherrschte. Der Verewigte, der ein Schwiegersohn des berühmten Pakser Rabbiners, Rabbi Joel Ungar war, gehörte der conservativen Richtung des ungarischen Judenthums an. Auch ist die Zentaer Gemeinde, in der er ein halbes Jahrhundert wirkte, eine orthodoxe. Bon seinen anderen Collegen und Amtsbrüdern orthodoxer Richtung unterschied sich der Verewigte vortheilhaft darin, daß seine agadischen Vorträge — er war bekanntlich darin Meister — auch den modernsten Zuhörer anzogen und erbauten. Das Glänzen durch bei den Haaren herbeigezogene Bibelnnd Talmudstellen, die zum Thema wohl nicht zu gehören pflegen, die aber von den Jüngern der Jeschivoth künstlich eingeflochten worden, war seiner Seele Gräuel. Wie im Leben, so liebte er auch in seinen Vorträgen die Einfachheit und Geradheit. Beim K'thav-Sofar, dessen Jünger er war, legte er den Grund zu seinem talmudischen Wissen, während er vom gottseligen Rappaport in Prag zum Forscher herangebildet wurde. Unter den Rabbinern in Ungarn orthodoxer Richtung ist ein hebräischer Stilist ein weißer Rabe. Zwar beschert uns der hebräische Büchermarkt in Ungarn jedesmal eine ungeheuere Anzahl hebräisch geschriebener Agadabücher, man darf aber nicht fragen, wie dieses „Hebräisch" aussehe. Nicht so der Verewigte, dessen hebräische Abhandlungen, welche seinerzeit im „Kochve-Jizchak" und im „Hajehudi" zu erscheinen pflegten, Muster des hebräischen Stils sind. Es wäre denn auch unwürdig eines Jüngers Rappaporr's, ein hebräisches Kauderwelsch zu schreiben, wie dies Gewohnheit der sogenannten Magidim in Ungarn ist. Als selbständige Schriften sind vom Verewigten bei dessen Lebzeiten herausgegeben worden: 1. „Jalkut Sch'lomoh", halachisch und agadisch; 2. „Eth Sephod". Letzteres ift ein Hilfs- und Nachschlagebuch für Prediger bei Casual-, beziehungsweise Trauerreden, das vom gelehrten Jglauer Rabbiner, Dr. I. I. Ungar in diesen Blättern besprochen worden ist. Als Mensch war der Verewigte das Ideal eines jüdischen Priesters. Er war sanft, gütig, milde, hochherzig, edelmüthig und von rührender Bescheidenheit. Für Arme hatte er eine offene Hand. Er war aber auch vom Glücke begünstigt. Wiewohl in Zenta eine „chassidische" Colonie lxistirt, denen der streng fromme orthodoxe Rabbi als Kktzer erschien, weil er in schönem und gewähltem Deutsch predigte, so kam es dennoch nie zwischen dem Verewigten und der chassidäischen Partei tu Zenta zu irgend welchen Reibungen. Ja, selten hat sich eine Gemeinde, wie die jüdische Gemeinde zu Zenta, eines solchen Friedens erfreut. Seine sechs Töchter hat er an achtbare Männer verheiratet und ist einer seiner Schwiegersöhne Rabbiner in T.-Becse (Ungarn), der voraussichtlich, da er ein ausgezeichneter deutscher und ungarischer Kanzelredner ist und überdies über einen hohen Grad talmudischen Wissens verfügt, sein Nachfolger im Rabbineramte zu Zenta werden dürfte. Dies wäre auch die glücklichste Wahl, welche die Zentaer israelitischen Cultusgenieinde treffen könnte. Bon seinen beiden Söhnen ist einer Kaufmann und einer Rabbiner, es ist dies Herr Dr. Josef Klein, Rabbiner in Gödöllö. Der handschriftliche Nachlaß des Verstorbenen dürfte nicht unbedeutend sein und würden sich seine Nachkommen ein Verdienst erwerben, was übrigens auch Sache der Pietät ist, wenn sie denselben veröffentlichten. \ •? Dr. E. H. Hausmann, Rabbiner in Virovitica. Gutachten über die Unerxlätzlichkeit der Lirrumriston für die Zugehörigkeit;u einer jüdischen Cultusgememde in Kroatien-Slavonien (erstattet auf Verlangen der königlichen Landesregierung im Juni 1899 von Oberrabbiner Dr. Armand Kaminka in Essegg.) Im Jahre 1898 hatte die königl. kroat.-slav.-dalm. Landesregierung anläßlich einer Revision der isr. Matrikelbücher in Essegg u. A. constatirt, daß bei mehreren Geburtsfällen während des verflossenen Decenniums die vorgeschriebenen Rubriken für Circumcision, infolge Weigerung der betreffenden Eltern, dieselbe vornehmen zu lassen, unausgefüllt geblieben waren. Die Regierung ersuchte mich hierauf, ein Gutachten darüber abzugeben, wie diese in den Bund des Judenthums nicht aufgenommenen Knaben vom religiösen Gesichtspunkte zu behandeln wären. Ich antwortete in einem kurzen Referat, in welchem ich, unter Anführung der biblischen und talmudischen Vorschriften und Hervorhebung der besonderen hier zu Lande bestehenden Verhältnisse*) für die Unerläßlichkeit der Circumcision für die Zuge- *) In Kroatien-Slavonien bestehen noch die consessionellen Gesetze und der obligatorische Charakter der Religion (die Confessionslosigkeit ist nicht zulässig), während andererseits der Pseudo-Liberalismus und die verbreitete Unkenntniß der Religion von jüdischer Seite zum Theil bereits die wichtigsten Bollwerke unseres Bekenntnisses praktisch verdrängt haben und es in dieser Beziehung schlimmer steht als selbst in freisinnigen Gemeinden West-Europas.

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