Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-30 · 13 (30.3.1900) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021331-3021345--09760-3034205
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Lette 240 Vr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 13 Wohlthätigkeitszwecke allein im letzten Jahre 87.477 Pf. St., also über eine Million fl. verwendet wurden. Diesen Wohlthätigkeitsinstituten müssen noch die verschiedenen Unter- Mtzungsvereine, dann die jüdischen Arbeiterassociationeu, die auf Wechselseitigkeit beruhenden Vereine, dann die „Orden und Logen" — deren Budgets nicht vorliegen — zugezählt werden. Wie für den Unterricht der jüdischen Kinder gesorgt ist. geht aus uachstehender Darstellung hervor: Die Zahl der eigenen Schulen der Juden beträgt 10. Diese wurden im Jochre 1899 von 7909 Kindern besucht, von denen 1874 nicht in England geboren waren, 5508 in England geboren von auswärtigen Eltern, 1830 von eingeborenen Eltern abstammten, 11.224 jüdische Kinder besuchen die staatlichen öffentlichen Schulen, davon sind 3329 auswärts geborene, 5553 in England geborene von fremden Eltern, 2035 von einheimischen Eltern. Von der Gesammtzahl von 19.133 schulbesuchenden Kindern sind eigentlich nur 3865 völlig Eingeborene. Außer diesen öffentlichen Schulen bestehen aber noch Chedurim und mehrere Talmud-Thoraschulen, dann große jüdisch-theologische Lehranstalten. Es soll bei dieser Gelegenheit auch erwähnt werden, daß 1447 jüdische Schulknaben aus den verschiedenen Lehranstalten eine vollkommen organisirte Jugendwehrbrigade bilden, deren Commandant Oberst Goldsmith ist. Neben dem Schulunterricht für die Jugend wird auch die religiöse Fortbildung für Erwachsene gepflegt, und wir führen diesbezüglich die diversen „Beth hamidrasch", die Abendcurse, die jüdische historische Gesellschaft, das Board für die religiöse Erziehung der Juden und die literarischen Gesellschaften an. Wie kräftig der Gemeinsinn unter den Londoner Juden ist, beweist die Anglo jewish association, die sich den Schutz der verfolgten Juden zur Aufgabe gemacht hat und ebenso das Londoner Deputirten-Comite der englischen Juden, dessen Bestimmung ist, allen Erscheinungen des öffentlichen Lebens, wäche auf die Wohlfahrt der englischen Juden als einer Religionsgenossenschaft Bezug Hecken, sein Augenmerk zuzuwenden. Welche Bedeutung die I. C. A., d. h. Jewish eolonisatioii association für die Judenschaft im Allgemeinen hat, wird bei anderer Gelegenheit Gegenstand besonderer Mittheilung sein. Es mag endlich auch erwähnt werden, daß die Londoner Juden den Ceremonialgesetzen ihre Achtung nicht entziehen, wie daraus ersichtlich ist, daß seit 1804 ein Schechitaboard besteht, der alle die rituelle Schlachtung berührenden Angelegenheiten betreut. Parlamentsmitglied Sir Samuel Montagu ist Präsident dieses Board, welches Amt ausweist, daß im Jahre 1898 35.207 Rinder, 6061 Kälber, 36.526 Schafe und 451.000 Stück Geflügel koscher geschlachtet wurden. Wir würden nur einen ganz unvollkommenen Abriß des jüdischen Gemeindelebens in London bieten, wenn wir nicht erwähnten, wie eifrig und treu sich die Juden auch an der Laudesvertheidigung betheiligen; in der Marine dienen 40, im stehenden Heere 200, in der Miliz 60, bei den Freiwilligen 500 Juden. In der Marinehaben 7 Officiersgrade erlangt, in dem stehenden Heere 27, unter diesen sind 1 Oberst, 1 Oberstlieutenant, 4 Majore, 7 Hauptleute, 1 Ober-Ingenieur; in der Miliz sind 5 Officiere Juden, unter den Freiwilligen 58. Von der literarischen Thätigkeit unter den Londoner Juden sprechen wir ein andermal. Unsere Leser werden aus dieser Darstellung wohl entnehmen können, daß das jüdische Gemeindelebeu in London ein hoch entwickeltes ist und wahrlich, wenn man damit zusammenhält, welche angesehene Stellung sich die Juden in London errungen haben, so wird mau wohl geneigt sein, anzuerkennen, daß die Bethätigung echter Glaubens- und Volkstreue und wahrhafter Menschenliebe sicherlich viel dazu beigetragen haben, den Juden in London die Achtung ihrer Mitbürger zu verschaffen. j. L. Zur Wertheimer-Feier. Geehrter Herr Redacteur! Aus Anlaß der Wertheimer-Feier, welche der Wiener israelitische Cultusvorstand am 18. d. M. veranstaltete, gestatten Sie mir nachstehende Thatsachen in der Erinnerung der Zeitgenossen wieder aufzufrischen. Bekanntlich ist die Begründung der Kinderbewahranstalten, der Mutter aller nachfolgenden humanen Institutionen für arme Kinder, heißen sie wie sie wollen, eine der größten Schöpfungen Wertheimer's gewesen. Eine Schöpfung, die ihm, ohne die mächtigste Hilfe der Kaiserin Karolina Augusta, unmöglich gewesen wäre. Diese Hilfe ihm vermittelt zu haben, ist die That seines Glaubensgenossen, des Münchner Hofoptiker Jacob Waldstein. Man glaubte 1843 in Wien, die Kaiserin Karolina Augusta, frühere Prinzessin von Bayern, Schwester der Erzherzogin Sofie, bereits für blind, als ihr Leibarzt Dr. Auer, Geheimrath,"und Kammeroptiker Waldstein nach Wien berufen wurden, und durch Fertigstellung eigener Brillengläser — zu welchem Behufe Waldstein in der Hofburg eine Werkstätte eingeräumt wurde — ihr nur abnormales, kurzsichtiges, mit außerordentlicher Sorgfalt gepflegtes Auge nach und nach gebessert wurde und sich zu einem gewöhnlichen, kurzsichtigen Auge gestaltete. Dies veranlagte die Kaiserin Karolina Augusta an Hofoptiker Waldstein mit dem Ersuchen heranzutreten, er möge sich in Wien für immer niederlassen und sein Gewerbe hier betreiben, einem Wunsche, welchem Waldstein mit Hinweis auf das optische Institut Waldstein in München und der so hochansehnlichen Stellung, welcher er sich dort erfreute, nur schweren Herzens Folge gab. Bei der Uebersiedlung von München nach Wien starb die Gattin des Optikers, geborene Guttmann aus Stuttgart, während der Donaufahrt von Linz nach Wien. Als die Kaiserin davon erfuhr, befahl sie Optiker Waldstein zur Audienz und drückte ihm persönlich ihr Beileid aus. Dem Begräbnisse am israelitischen Währinger Friedhofe wohnt der gesammte Hofstaat der Kaiserin Karolina Augusta bei. Der gesammte Allerhöchste Hof, der Adel, die Diplomatie zählten zu den Kunden des Optikers Jacob Waldstein, welcher besonders bei der Kaiserin Karolina Augusta in großen Gnaden stand. Dies wußte auch sein Freund und Glaubensgenosse Josef Wertheimer, der Waldstein ersuchte, ihm behufs Uebernahme des Protectorats und Förderung der zu gründenden Kinderbewahranstalt, durch Ihre Majestät Allerhöchst derselben vorzustellen, oder durch den Obersthofmeister FML. Grafen Franz Bellegarde vorstellen zu lassen, welch letzterer es ausnahmsweise dem Optiker Waldstein gestattete, die Vorstellung selbst vorzunehmen. Die Annahme des Protectorats und die Zusage der eifrigsten Unterstützung seitens Ihrer Majestät für die isr. Kinderbewahranstalt, war die Folge dieser denkwürdigen Audienz. Zweimal jährlich fuhr die Kaiserin Karolina Augusta in ihrem mit sechs Schimmeln bespannten Hofwagen und zwei Postillonen bei der israelitischen Kinderbewahranstalt vor, besichtigte die Anstalt bis ins kleinste Detail, besprach sich mit den Vorstand sdamen und den Lehrerinnen und verabreichte den Kindern persönlich Geschenke, die der Obersthofmeister und die dienstthuende Hofdame früher überbrachten und dann beim Allerhöchsten Besuch Assistenz leisteten. Aber nicht Josef Wertheimer allein ist es, welcher dem verstorbenen Hofoptiker Jacob Waldstein, durch dessen Einfluß bei Hofe, das Erreichen ihrer Bestrebungen verdankt. Stammväter vieler angesehenen reichen und mächtigen Familien der Wiener israelitischen Cultusgemeinde verdanken nicht wenig ebenfalls dem Fürworte des genannten einfachen Gewerbemannes. A. B. C. Zum Lurins-Iour. Sehr geehrter Herr Redacteur! Seit Wochen konnte man fast täglich in den Zeitungen Berichte über die Jnscenirung eines originellen Wohlthätigkeitsfestes lesen, dessen Reinerträgniß für arme Wöchnerinnen ohne Unterschied der Confession bestimmt sein sollte. Es wurde selten soviel Reclame für ein Fest gemacht, wie für diesen Damenjour und vielleicht dadurch gereizt, gewiß aber doch des wohlthätigen Zweckes halber haben auch viele unserer Glaubensgenossinnen Zeit, Geld und Mühe diesem Unternehmen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.