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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-30 · 13 (30.3.1900) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Seite 259 Dr. Blvch's WochenMrriN Politik geleistet. Die Rabbiner, selbst diejenigen, welche diese unwürdigen Zustände^ aufrichtig beklagen, haben keinen Muth, sich diesem Willkürregiment zu widersetzen und sie können auch nichts ausrichten, zumal sie stets untereinander verfeindet sind. Neid und Mißgunst führen da das große Wort. Dieser Krebsschaden, an dem die preußische Judenheit leidet, durch welchen die Fortexistenz des Judenthums bedroht ist. kann nur durch eine staatlich anerkannte Organisation der Gemeinden beseitigt werden. Mindestens müßte man dahin streben, daß die preußischen Gemeinden eine ähnliche Verfassung erhalten, wie die in Baiern, Württemberg und in Baden. Wenn der Rabbiner abhängig sein muß, so ist in allen Fällen die Abhängigkeit von der Regierung der vom Laienvorstand oder gär vom Schreiber vorzuziehen. Dahin mnß der deutsche Rabbinerverband streben. Dr. S. Bernfeld. Die Londoner Iudengemeinde. Sowie bei uns liegt der Verfassung der Londoner Iudengemeinde ein Gesetz zu Grunde, und zwar ein Parlamentsbeschluß vom Jahre 1870, die Corporation der „vereinigten Synagoge" betreffend. Will man aber richtig abschätzen, was in London auf dem Gebiete der Bethätigung der Zugehörigkeit zur Judenschaft geleistet wird, so muß man einerseits die statistischen, anderseits die internationalen Verhältnisse ins Auge fassen. Wir stellen die Statistik voran, weil wir gleich damit beginnen wollen hervorzuhebcn, daß es gar keine officielle Religionsstatistik gibt. Es ist in England Niemand gezwungen, seine Religion vor einem statistischen Bureau anzugeben und es ist somit freier Wille, religiöse Ueberzeugung, echte Gesinnung, wenn sich die Juden in England zu ihrer religiösen oder nationalen Gemeinschaft bekennen. Da nun keine Zählung nach Religionsbekenntniß stattfindet, ist man auf Schätzung angewiesen und es ist interessant, den Schlüssel zu beobachten, dessen man sich in England selbst bedient: Heiraten, respective Todesfälle. Die Familien, die sich als jüdische nicht verleugnen, haben allerdings bei diesen Lebensfunctionen die Gelegenheit darzuthun, zu welcher Religion sie zählen und mit diesem Maßstabe ist man in der Lage eine annähernd richtige Zählung vorzunehmen. Auf dieser Grundlage wurde nun ermittelt, daß in England und Wales 97.350, in Schottland 2060, in Irland 1779 Juden leben. In London schätzt man ihre Zahl aus 65.000. Diese Ziffer muß also als Grundlage in der Beurtheilung der Leistungen der Londoner Juden festgehalten werden. Wenn wir von internationalen Verhältnissen, die auf die Anzahl der Juden Einstuß üben, gesprochen haben, so sind darunter vorzüglich die Einwanderungen ans den Ländern der Verfolgung gemeint, aus welchen jährlich circa 5000 Personen in London Zuflucht suchen, während durchschnittlich 1000 durch Emigration oder Repatriirung wieder abgehen. Von den 4000 verbleibenden Zuwachsenden nehmen allerdings nicht gerade alle die Hilfe ihrer Londoner Brüder in Anspruch, allein es ist doch immer eine große Zahl von Armen die alljährlich zuwächst, während die Zahl der Reichen eine relativ viel geringere ist. Die Leistungen der Londoner Juden kommen aber nicht blos in der „United synagogue“, sondern auch in anderen selbstständigen Synagogen und Synagogenvereinigungen, dann aber vornehmlich im „Board of guardians for the relief of the jewishpoors“, dem jüdischen Armenrathe, und in den zahlreichen Wohlthätigkeitsvereinen aller Art zum Ausdruck. Als das Centrum der Judenschaft muß aber die „United synagogue" angesehen werden und wir stellen deshalb ihr Budget ausführlich dar. Die Einnahmen der vereinigten vierzehn Synagogen sind dergestalt zusammengesetzt, daß die Miethe für Tempelsitze den Hauptbestandtheil bildet, indem hiedurch 15.049 Pfund Sterling, sonach beiläufig 180.000 fl. der Synagoge zufließen. Wir dürfen wohl sagen, daß sich hierin die religiöse Gesinnung ganz entschieden kundgibt: Die Tempelspenden liefern 6965 Pfund Sterling, also beiläufig 80.000 fl. Hochzeitsgebühren 681 Pfund Sterling. Verschiedene Einnahmen 179 Pfund Sterling und — Steuern 5752 Pfund Sterling. Die Steuern resp. Gebühren bilden sonach einen relativ sehr geringen Theil der Einnahmen der Gemeinde. Die Centralorganisation dieser Synagogen bezog überdies aus Legaten. 790 Pfd. St. Zinsen. 1036 „ vom Schechita-Amt. 825 „ „ Hochzeitstaxen. 639 „ Oberrabbinerfond.610 „ „ aus Verschiedenem .23 „ „ so daß sich eine Gesammteinnahme von rund 31.000 Pf. St. ergab, die mit 360.000 fl. berechnet werden kann. Hievon wurden folgende Ausgaben bestritten und zwar die jeder der einzelnen Synagogen für Gehalte 10.853 Pf. St; andere Auslagen 7024 Pf. St. 2. Für die Centrale zu Wohlthätigkeitszwecken "2881 Pf. St.. Gehalte 3302 Pf St., Pension-n 685 Pf. St. Widmungen 1451 Pf. St., für den jüdischen Schulrath 650 Pf. St., für Zuweisungen an verschiedene Fonde rund 5000 Pf. St. Bemerkenswerth erscheinen die relativ geringen Ausgaben für Wohlthätigkeitszwecke mit ca. 36.000 fl. und für Unterrichtszwecke mit ca. 7000 fl. Die Erklärung hiefür liegt darin, daß für diese Zwecke anderweitig gesorgt wird, wie wir später noch darthun werden. Die Leitung der United synagogue liegt in den Händen eines Councils, das aus lebenslänglichen Mitgliedern, aus bestimmten Functionären, den Vertretern der einzelnen Synagogen und gewählten Vertretern, deren Zahl sich nach der Zahl der Mitglieder jeder Synagoge richtet, zusammengesetzt ist. Lebenslängliche Mitglieder sind solche, die vor der Vereinigung schon als lebenslängliche Vorsteher der einzelnen Synagogen gewählt waren, dann diejenigen, die nach der Vereinigung Präsidenten, Viceprüsidenten, Schatzmeister oder Armeninspectoren des Rathes der vereinigten Synagogen waren, endlich die auf Grund der Parlamentsacte als solche gewählt wurden. Es dürfte unsere Leser auch interessiren zu hören, daß Lord Rothschlld jetzt Präsident dieses Council ist und daß der ehem. Lordmayor von London, Sir Feudel Phillips als. lebenslängliches Mitglied gewählt ist. (Eine Parallele zu Wien soll hiemit nicht gezogen sein.) Nebst dieser United synagogue bestehen selbstständig noch die Spanische und Portugiesische jüdische Congregation, sechs Synagogen, die keinem Verbände angehören, die Synagogen der Reformirten und der „Synagogenbund", in welchem 25 kleinere Synagogen unter der Präsidentschaft des Parlamentsmitgliedes Sir Samuel Montagu vereinigt sind. Wir führen diese Daten an, damit aus denselben erkannt werde, daß die Londoner Synagogalverfaffung gerade keine demokratische ist. Aus der gesammten Zusammenstellung ist wohl ersichtlich, daß das synagogale Bedürfniß in London eine sehr große Befriedigung findet und daß der enormen Ausdehnung der Stadt entsprechend, die Zahl der Synagogen eine sehr große sein muß, wenn sie den zerstreut lebenden Juden genügende religiöse Vereinigungspunke bieten soll. Dieser Synagogeuzahl (48) muß man die relativ kleine Zahl von 65.00) Juden entgegenhalten, um richtig zu würdigen, wie sehr es sich die Londoner Inden angelegen sein lassen, den jüdischen Gottesdienst zu pflegen. Daß aber die Bethätigung jüdischen Glaubens nicht blos in Religionsübung, sondern ebenso im Gemiluth chasadim besteht, beweisen die ungemein zahlreichen Wohlthätigkeitsinstitute und die großen Summen, die auf dem Altäre der Nächstenliebe niedergelegt werden. Wir werden von diesen Institutionen bei anderer Gelegenheit berichten, hier führen wir nur an, daß, soweit die Berichte vorliegen, für die

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