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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-23 · 12 (23.3.1900) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
12 (23.3.1900)
Date
1900-03-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 230 Or. Bloches Wochenschrift^ Nr. iS Posewitz zu fahren, um dort die zu einem so glänzenden Bankette nothwendigen Vorkehrungen zu treffen. Die Anderen sollten, wie Prinz Lichtenstein meinte, „zu Wagen, zu Pferd, zu Fuß, oder per Montgolfiers *) hinkommen, auf welche Weise sie kämen, wäre ihm tout egale, wenn sich nur alle lieben Freunde, zu denen er alle Waffengefährten im Regiments zähle, einfänden." Der Oberst ertheilte die Bewilligung zu dem Feste, aber er forderte, daß der Officier du jour pünktlich zur Visitirstunde eintreffe, was Lieutenant Baron Hornek, den heute die Reihe traf, mit seinem Ehrenworte versprach. * * * Samstag Abend gleich nach dem Maariwgebete hatte Reb Aron Brack Hawdolo **) verrichtet, Sara hatte sich zur Fahrt nach Neuhof bereit gemacht, und sie und Michael erwarteten die Ankunft des alten Nikolauer mit seinem Einspänner, allein statt deffen kam Frau Brigitte Nikolauer, um ihren Gatten, der, wie sie hoch und theuer schwur, sicher um 9 Uhr eintreffen werde, wegen seines unpünktlichen Erscheinens zu entschuldigen, und Gründe, die sie für diese Verspätung anführte, hätten auch vor der strengsten Kritik zu bestehen vermocht: Der reiche Prinz Lichtenstein gäbe heute Abend auf seinem zwei Stunden von W. gelegenen Schlosse Posewitz dem Osficierscorps ein Fest und da viele der Herren Officiere den Weg zu Wagen machen wollten, wären alle Fuhrwerke der Stadt vergriffen worden. Ihr Mann müsse um 5 Uhr Abend den Lieutenant Baron Hornek, den leiblichen Sohn des gestrengen Herrn Bürgermeisters hinausfahren. Frau Brigitte versicherte mit den heiligsten Eiden, daß sich ihr Mann trotz des ihm von Lieutenant angebotenen höheren Anbotes nicht zu einem Wortbruche bätte verleiten lassen, aber der „gnädige Herr Lieutenant" wäre, als ihr Mann ihm gesagt, daß er sich schon früher verpflichtet habe, zu dieser Zeit die Jungfer Sara Brack mit ihrem Verlobten nach Neuhof zu fahren, „fuchsteufelswild" und „sackgrob" geworden, und hätte gewettert und geflucht, daß ihr schier Hören und Sehen vergangen und batte die ihrem Gatten höchst bemerkenswerth erscheinende Erklärung abegeben; daß, wenn er sich unterfangen sollte, statt ihn nach Posewitz, die „schöne Sara" nach Neuhof zu führen, er seinen Wagen zerschlagen, ihm selbst Arme und Beine entzweischlagen und ihn überdies durch seines Vaters Einfluß aus acht Wochen bei Wasser und Brod in's Loch stecken lassen würde. Da der junge Baron der Mann sei, seine Drohungen wahr zu machen, mußte sich ihr Mann entschließen, ihn nach Posewitz hinauszufahren, sich aber aus- und nachdrücklich bedungen, sofort zurückzufahren, um die Jungfer Sara um 9 Uhr Abends nach Neuhof zu fahren, was Lieutenant Baron Hornek zugestand, da er, wie er sagte, von Posewitz nach W. zurückreiten werde und seinen Diener beauftragt habe, mit den Pferden nachzukommen. Brack war verstimmt darüber, daß Lorenz Hornek-Golzinger durch einen Zufall erfahren, daß Sara abzureisen und über Nacht in Neuhof zu bleiben gedenke; aber er tröstete sich damit, daß ihr Aufenthalt dort nur wenige Stunden dauern und sie schon am nächsten Morgen nach Boskowitz fahren würde. Man mußte sich entschließen, das verspätete Ankommen Nikolauer's abzuwarten. Es war heute in W. — auch um den höchsten Preis nicht — ein anderes Fuhrwerk aufzutreiben. Sie warteten vergeblich. Als es 10 Uhr schlug, mußte ein entscheidender Entschluß gefaßt werden. Entweder mußte das Project, Sara nach Boskowitz zu senden, vorläufig aufgegeben werden oder Sara mußte, von ihrem Verlobten begleitet, den Weg nach Neuhof zu Fuß zurücklegen, wo sie erst um Mitternacht anlangen konnten. Allein, das was die Kntscherssrau von Lorenz erzählte, war nur geeignet, Brack in seinen Besorgnissen zu bestärken, er wußte, er konnte seine Tochter seinem Pflegesohn unbedenklich anvertrauen, und so traten endlich Sara und Michael, nachdem jene vom Vater herzlichst Abschied genommen und er sie gesegnet, den Weg nach, Neuhof an. Michael trug an seinem derben Knotenstock ein Päckchen, welches das Allernothwendigste, dessen Sara in den nächsten Tagen bedürfen konnte, enthielt. Der große Koffer mit Kleidern und Wäsche sollte mit der nächsten Waarensendung, die im Laufe der Woche nach Boskowitz an Reb Koppel Zallstein gehen sollte, nachgesandt werden. - (Fortsetzung folgt). *) So wurden die erste Zeit die 1783 erfundenen Luftballons nach dem Erfinder genannt. **) Eine Benediction beim Scheiden des Sabbats über Wein, eine geflochtene Wachskerze und Gewürze Briefkasten. N. W—g. Jofef W e r t h e i m e r hat auch mehrere Theaterstücke aus fremden Sprachen übersetzt, von denen, wenn wir nicht irren, auch einige im Burgtheater aufgeführt wurden. H. A—g. Nach der alten jüdischen Schrifterklärung ist der Verstand jener Engel, dem die Vermittlerrolle zwischen Gott und dem Menschen zu Theil geworden. A. H. Die berühmten von einen unendlichen Pessimismus durchwehten Verse B y r o n's lauten: „Die Taube hat ihr Nest, der Fuchs die Kluft, Der Mensch die Heimat, Juda — nur die Gruft. H. W. In der vortrefflichen Uebersetzung von Sachs' laute die Stelle aus den Sprüchen der Väter: „Mein ganzes Leben bin ich aufgewachsen unter Weisen, Und Hab' nichts Bess'res für den Mund gefunden als das — Schweigen. Die Hauptfach' ist die That, und nicht das Lernen, Lehren, Deuten; Wer Worte häuft, kann Anlaß zur Versündigung nicht meiden." Lector. Die Erklärer des Korans sind so zahlreich, daß ein Verzeichniß ihrer Namen allein Bände füllen würde. Die Bibliothek zu Tripolis allein enthält nicht weniger als 20.000 Commentare des Korans. Arthur A. V e r g a n i soll sich die Haare gerauft haben, als er erfuhr, daß Paul H e y s e, den er in seinem Blatte verherrlichen ließ, der Sohn einer Jüdin sei. Das kommt davon, wenn man auf dem Standpunkte B i e l o h l a w e k's steht und Bücher liest. Justus. Wir haben schon bei einer anderen Gelegenheit, mit Rücksicht auf gewisse Antisemiten, an das Wort des alten Cato erinnert: „Es ist seltsam, bar? Derjenige, der seinen Nachbar bestiehlt, in den Kerker geworfen wird, während Derjenige, der die Gemeinde betrügt, in Ehren und Würden umherschreitet." Max W. Diese clerical angehauchten Antisemiten sagen sich offenbar, warum soll ein Erzbischof jüdischer Abstammung besser behandelt werden als die Apostel und Propheten Nemo. Stöcker ist längst nicht mehr Hofprediger. Ihm hat der Titel „Meineid-Pfaffe" keineswegs genützt. Anderwärts soll es vorgekommen sein, daß einer, der sich öffentlich „Meineid-Eanonicus" nennen ließ, in seiner Karriere darum nicht im Geringsten gehindert wird. nn. Da sind Sie in einem gründlichen Jrrthum befangen. Die alten römischen Schriftsteller kümmerten sich fast gar nicht um den Geist des Judenthums, sondern bezeichneten gewöhnlich als dessen Hauptpunkte: die Beschneidung, den Sabbath und das Verbot des Schweinefleisches. A. H. Es war ein jüdischer Philosoph, dem wir den Spruch verdanken: „Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, das Gute wollen, das Beste thun, ist die Bestimmung des Menschen." W. Z. Der Theaterreferent des „Vaterland" findet es auch zeitgemäß, Witz und Geist durch antisemitische Anspielungen zu ersetzen. L. Für einen jüdischen Fleischer ist in einer deutschen Stadt Böhmens Gelegenheit, sich eine Existenz zu gründen. Jedoch müßte derselbe über ein gewisses Baarvermögen verfügen, um das Geschäft anfangen zu können, anstellig und intelligent sein, um mit einer gebildeten Kundschaft höflich zu verkehren. Auskunft bei der Redaction dieses Blattes. Alter Abonnent: Herr A> F r i e d m a n n, Wien, IX., Pramergasse 10, ist bereit, die Sommerparteien von Lainz, Speising, Mauer u s. w. mit Koscherfleisch zu versehen, wenn er genügend Unterstützung bei den Parteien fände. Demselben stehen hinsichtlich seiner Vertrauenswürdigkeit die besten Referenzen zu Gebote. Eduard Pollitzer, Ottakring. Die Berichtigung ist denn doch von nebensächlicher Bedeutung. B. in I. Die antisemitische „Deutsche Zeitung" versendet bereits Schnorrbriefe, dürfte bald verenden. U. W-z. Euripides sagte schon: „Wer weiß, ob .nicht das Leben nur ein Sterben ist, das Sterben aber Leben?" Dr. Berthold W. Wir finden es ganz logisch, daß sich Vergant auf wahnsinnige Juden, die im Irrenhaus internirt sind, beruft, wann er Gewährsmänner für den Ritnalmord braucht. Historicus. Glauben Sie nur nicht, daß die Juden das nicht wüßten. Aber Sie können sich da auch auf das Zeugniß von Nichtjuden, zu welchen man wohl Montesquieu zählen darf, berufen. In seinen persischen Briefen heißt es: „Die jüdische Religion ist ein alter Stamm und die beiden Zweige, die er getrieben, den Muhamedanismus und das Christenthum, erstrecken sich über die ganze Erde. Oder sie ist vielmehr die Mutter, welche zwei Töchter geboren, die ihr tausend Wunden geschlagen haben; denn die nächstverwandten Religionen sind die bittersten Feindinnen. Aber wie übel sie auch von ihnen behandelt worden, wird sie doch nicht müde, sich zu rühmen, daß sie sie zur Welt gebracht hat. Sie bedient sich der einen wie der anderen, um die ganze Welt zu umfassen, während andererseits ihr ehrwürdiges- Alter alle Zeiten umfaßt."

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