Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 12 (23.3.1900)
- Date
- 1900-03-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 12 Dr» Blach's WochrnschrM» Seile 339 Radnitz. Herr Salamon Treulich, Chef der Firma Brüder Treulich in Nadnitz, Haus- und Realitätenbesitzer/ gew. Cultusvorsteher, durch mehr als 30 Jahre Mitglied des Gemeinderathes und des Cultusvorstaudes, feierte am 15 d. M. sein 70. Wiegenfest. Aus diesem Anlasse war er Gegenstand allgemeiner Verehrung. Seine zahlreiche Familie, die sich in angesehenen socialen Stellungen befindet, hatte sich vollzählig eingefuuden, um dem geliebten Familienoberhaupte ihre Glückwünsche darzubringen. Aber auch aus Nah und Fern kamen briefliche und telegraphische Grüße für ihn. Auch der Rabbiner der hies Cultusgemeiude A. Stein erschien bei demselben, ihm in wohlgesetzter Rede die Glückwünsche auszusprechen. Göding. Der wohlverdiente Vicepräsöent unserer Cultusgemeinde, der mähr.-schles. Landesadvocat Dr. Ludwig Körner wurde an Stelle des Herrn Kuffner in Lundenburg, der wegen seines hohen Alters auf eine Wiederwahl verzichte, zum Mitglieds des Bezirksschulrathes für den Cultusgemeindensprengel Göding, Kostet, Lundenburg, Straßnitz u. z. einstimmig gewählt. Der Vertreter der isral. Religionsgenossenschaft im hiesigen Ortsschulrath ist unser Rabbiner, Herr Dr. L. Lazarus. Teplih. (Verlobung.) Herr MUDr. Siegfried Freund in Reichenberg hat sich mit Fräulein Clara Lederer, Tochter des Schirmfabrikanten Herrn Moritz Lederer in Teplitz, verlobt. Budapest. Professor Dr. Ignaz G o l d z i e h e r, der gelehrte Secretär der Pester israelitischen Gemeinde, wird an Stelle Dr. K a u f m a n n's, sel. And. am Rabbinerseminar Religionsphilosophie vortragen und wurde ihm aus diesem Anlasse seitens der Hörer eine Ovation dargebracht. Falkenan a. E. Das anläßlich des Purimfestes am 14. d. M« stattgefundene Amüsement hatte den brillantesten Erfolg. Die aimabeln jungen Damen und Herren haben durch die perfect gegebenen Vorstellungen reichen Beifall geerntet. Von Nummer zu Nummer des geschmackvoll zusammengestellten und reichhaltigen Programmes steigerten sich die Beifallsrufe. Die Herren: O Pick, A. Hermann, H und R. Zentner und T. Steiniger, welche schon zum Oeftern Proben ihres scenischen Könnens gegeben, haben auch diesmal mit Perfection ihrer dilettantischen Aufgabe sich entledigt. Effectvoll waren die von dem Geschwisterpaare Frl. R. und H Heller aus Kaaden mit vorzüglicher Suade gegebenen Piäcen, doch den größten Heiterkeitserfolg erzielte das Gesammtspiel: „Die Musikalische Kochschule", aufgeführt von den Frl. H. See, F. Pollak, A. Adler (Wien) O. Schulz (Graslitz), F. Steiniger, O. K o h n und I. L ö w u s. Nicht ohne Wirkung auf das Zwerchfell war der Zungenvortrag des Herrn N. B l e i e r aus Karlsbad. Nach Schluß der Vorstellung dankte Herr Cultusvorsteher L. Mayr im Namen aller Gäste in einer kurzen von ursprünglichem Witz gewürzten Ansprache dem Herrn Vorsteher K. Pollak, dem Herrn k. k. Bezirksarzt Dr. K o h n und ihren liebenswürdigen Gemalinnen für die Mühe um das wohlgelungene Arrangement und den Damen und Herren für ihre liebenswürdige Mitwirkung, durch welche sie uns einen genußreichen Abend geboten und uns köstlich dilettirten. Nach Mitternacht wurde auch Terpsichore in ihr Recht eingesetzt und in den graziösesten Bewegungen huldigten ihr Alle bis zum Morgengrauen. Prerau. (Der Chevratag). Der Buß-,Fast- und Festtag der Chevra Kadischa, die seit mehreren hundert Jahren hier eines hohen Ansehens sich allgemein erfreut, hat einen ernsten zugleich aber einen solennen Charakter. D e Chevra-Mitglieder, zu denen fast die ganze Gemeinde zählt, be,uchen den Morgengottesdienst, und gehen dann vom Chevra-Vorsteher geführt auf den Friedhof, üm daselbst die Verstorbenen ehrende Gebete zu verrichten. 10 Mitglieder der Chevra werden zum Fasten ausgeloost. Jedes Kind erhält Vormittags von der Chevra ein Barches nebst macipän (Lebkuchen). Um 8/412 Uhr gehen die Chevra-Mitglieder ins Gotteshaus, wo der Herr Rabbiner eine äsraseba hält. Diesmal fniipfte Herr Dr. Tauber an die „goldene Bundeslade" an und entwickelte auf talmudischer Basis: Wie die Träger und Wahrer der Bahre des Judenthums zu sein haben. Als leuchtende Beispiele wurden zwei in diesem Jahre verschiedene Mitglieder der Chevra vorgeführt. Der durch Wissen, Humanität und Liebe zum Judeuthum ausgezeichnete Stadtphysicus, Dr. Marcus Rokotnitz, der durch 63 Jahre unentgeltlich der Arzt der Chevra und ein wahrer Vater der Armen war und der durch Ehrenhaftigkeit und Tugenden des jüdischen Herzens ausgezeichnete leutselige Herr Bernard Pollak. Se. Ehrwürden weihete einen tiefempfundenen Nachruf seinem allzufrüh verklärten Freunde dem berühmten Gelehrten Professor Dr. David Kaufmann. Auf die erbauliche Rede folgte das Jom- Kippur-kuton-Gebet. Am Abende versammeln sich die Chevra-Mitglieder zum Brudermahle. Im geräumigen neu adaptirten, elektrisch beleuchteten Festsaale des strengreligiösen Restaurateurs Moritz Haas vereinte sich die Bruderschaft zu einem vorzüglichen Mahle. Die Kosten desselben werden durch die Spenden bestritten, die gelegentlich der Mi scheberech und El mole rachamim, der Chevra und anderen Wohlthätigkeitszwecken gemacht werden. Die Begrüßungsrede des 1. Vorstehers der Chevra des Herrn Körner und die tiefempfundenen Tischreden der Herren: Rabbiner Dr. Tauber, Bürgermeister H. Tauber, Cultusvorsteher Dr. Seidl und Oberofficial John trugen den Zeitverhältnissen entsprechend einen ernsten tiefinnigen Tenor zur Stärkung und Erhöhung des brüderlichen Geistes und des Gefühles der jüdischen Zusammengehörigkeit, deren Ausdruck die Chevra und ihre Institutionen bildet. Die Gleichberechtigkeit, die voll und ganz in der Chevra-Kadische herrscht, ist ein lebendiger Protest gegen die mangelnde Brüderlichkeit, Intoleranz und Unmoral, die sich in feindseliger Weise selbst aus Kreisen von denen man dies am wenigsten erwartet hätte, gegen das Judenthum und seine Bekenner zur Geltung bringt. Jedoch insolange die Israeliten ihre Religion Hochhalten, opferwillig für dieselbe einstehen und den Geist der Brüderlichkeit und der Wohlthätigkeit milde nähren und auch ihren Kindern die Pflege dieses Geistes einschärfen, sind unsere gemüthsrohen, hinterlistigen Haman's wohl sehr unangenehm, aber unschädlich für die Dauer. Nach den die ernste Lage der Juden markirenden sehr beifällig aufgenommenen Worten, kam die freundliche Stimmung der Chevra-Suda bei Alt und Jung (Meladschim) zum Durchbruche. Die hebräischen Gesänge der jungen Leute vereint mit allgemeiner Gemüthlichkeit hielt die Chevraleute bis lange nach Mitternacht herzlich zusammen. Die Chevra-Kadischa ist der blühendste und beliebteste Verein, der mit Recht von den Gemeindemitgliedern gefördert wird. Hamburg. Das Landgericht verurtheilte den antisemitischen Schriftsteller und Redacteur Carl Alexander Wald wegen Betruges, Urkundenfälschung und Wechselfälschung zu einem Jahre und drei Monate Gefängniß und zweijährigem Ehrverlust. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung. Zweiundzwanzigstes Kapitel. Am nächsten Tage, Samstag Vormittag, beim Regimentsbefehl hatte der Oberst mitgetheilt, daß Seine apostolische Majestät der Kaiser allergnädigst geruht habe, de.l Oberlieutenant Grafe« Kurt Altheim zum Rittmeister und den Fähnrich Prinzen Heinrich Kaltern-Meggendorf zum Lieutenant beide im 26. Uhlanenregimente zu ernennen. Der Oberst beglückwünschte Beide, stellte ihnen über ihr Verhalten im Regimente das beste Zeugniß aus, gab dem Bedauern Wort, sie aus dem Regimente scheiden zu sehen und sprach schließlich die Hoffnung aus, die beiden Regimenter, jenes welches sie verließen, und jenes in welches sie eintreten, würden, in mancher Schlacht, vereint gegen die Franzosen kämpfend, — sich neue Lorbeeren erringen. — Da Graf Altheim und Prinz Kalter» jeden Augenblick die Einberufung zu ihrem neuen Regimente erwarteten, hatten die Officiere in einer im Weinhause abgehaltenen Versammlung den Beschluß gefaßt, den scheidenden, allgemein beliebten Kameraden noch heute Abend ein Abschiedsfest zu geben. Das aber bot in W. und in so kurzer Frist keine kleine Schwierigkeiten. Es gab hier keinen Raum, der groß genug und paffend wäre, in ganz W. war kein Koch aufzutteiben, welcher fähig gewesen, ein, für eine solche Gelegenheit würdiges Mahl zu bereiten, und die feinen Weine, in welchen bei solchen Anläffen die Toaste ausgebracht werden, hätten direct aus Wien verschrieben werden müssen, und Koch und Weine konnten nicht rasch hergezaubert werden, was, wie Oberlieutenant Graf Dondern in der Hitze der Debatte bemerkte, „ein großes Elend und rein zum Teufelholen sei!" — Nach diesen Worten, welche wie der witzige und lustige Rittmeister der vierten Escadron, Graf Philipp Pachta behauptete, „vollkommen geeignet waren, der geehrten anwesenden Versammlung die traurige SUuation in chrer vollen Fürchterlichkeit vor die Seele zu führen", war eine längere Pause totaler Rathlofigkeit eingetreten, bis sich der dreiundzwanzigjährige Oberlieutenant der zweiten Escadron Fürst Moritz, Josef von Lichtenstein zu einer „prächtigen Idee" zum Worte meldete und die mit allgemeinem Jubel acclamirte Propofition stellte, das Fest auf einem der W. naheliegenden Schlösser seines Vaters (welcher der größte Grundbesitzer in Mähren war) zu feiern. Dort wären, wie er, ohne Widerspruch zu erfahren, versicherte, große Räume genug, dort im Keller lägen die exquisitesten und ältesten Weine und die Beschließerin, die alte Gundela, könne fast noch bester als der fürstliche Leibkoch in Wien kochen. Der Festgeber, Rittmeister Prinz Lichtenstein erbat sich sofort Urlaub vom Regiments-Commandanten, um unverzüglich nach