Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 12 (23.3.1900)
- Date
- 1900-03-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 12 Dr. ri'ult’ö Wochrnschrrfl. Sette 225 hebräischen Dichterin Sara C o p i a S u l l a als cultur- und sittengeschichtliche Erscheinung besondere Würdigung fand. Als Dr. Funk am Schlüsse seines geist- und lehrreichen, anderthalbstündigen Vortrages dem zumeist aus Damen bestehenden Auditorium für das seit Monaten diesen seinen Vorträgen entgegen^ gebrachte ungeschwächte Interesse dankte und daran die Zusicherung knüpfte, bei gebotener Gelegenheit auch im nächsten Winter einen ähnlichen wissenschaftlichen Vortragscyclus — vielleicht im Rahmen eines zu gründenden jüdischen Lese- und Literatur- Vereines — abhalten zu wollen, wurde dem Redner mit lebhaften Eljenrufen die allseitige Zustimmung der sehr zahlreich erschienenen Zuhörerinnen zum Ausdruck gebracht. — Nun war Dr. S. Funk Gegenstand einer überaus solennen Ovation. Die verdienstvolle Präsidentin des wohlthätigen Fraueuvereines Frau Betty Wellisch, erhob sich, um in warm empfundenen Worten den Dank der Zuhörerschaft für die genuß- und erbauungsreichen Stunden auszudrücken, welche durch diese Vortragsabende geboten wurden und überreichte gleichzeitig dem gefeierten Redner einen prachtvollen silbernen' Chanuka-Leuchter unter dem Beifallsjubel der Versammlung. Dr. Funk war sichtlich aufs Höchste überrascht von dieser großen Auszeichnung und dankte mit einigen tief empfunden Worten. — Wie wir vernehmen, soll die Anregung und Durchführung dieser, die Damen ebenso wie den Vortragenden ehrenden Ovation den Damen Dr. Langfelder und Donat-Grünhut zu danken sein; auch soll ein Tyeil der Vorträge demnächst im Druck erscheinen. — Hofrath Prof. A. Kornhuber zeichnete diesen Vortragsabend mit seinem Besuche aus. Bielitz. Der Bielitzer israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein beging jüngst die Feier seines vierzigjährigen Bestehens. Im Saale des israelitischen Schulhauses hatte sich dazu eine größere Anzahl von Damen unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Fanny Brüll, versammelt. Als Ehrengäste waren Rabbiner Steiner, der Präses-Stellvertreter des Cultusvorstandes T u g e n d h a t, der Vorsteher der Bialaer Cultusgemeinde Dr. S. Reich und Rabbiner Dr. Glaser von Biala erschienen. Rabbiner Dr. Steiner hielt die Festrede, in welcher er das wohlthätige Wirken des Vereines im Verlaufe von 40 Jahr n erörterte. Herr Tugendhat überbrachte den Dank und die Glückwünsche des israelitischen Cultusvorstandes. Dr. S. Reich betonte in seiner Ansprache, daß der Verein zwar nicht osficiell aber äe laeto ein Frauenverein von Bielitz und Biala sei, weil er seine Thätigkeit auch auf die Armen von Biala ausdehnt. Redner beglückwünscht den Verein zu seinem 40. Geburtstage und besonders jene Dame, die ihn gründete und an seiner Wiege stand; er wünscht, daß die Frau Präsidentin dem Vereine noch lange erhalten bleibe. Oberlehrer G o l d b e r g danlte im Namen der armen Kinder, denen die liebreiche Fürsorge des Vereines durch die Spendung von Winterklerdungsstücken den Schulbesuch ermöglichte. Im Namen der Schule und de- Lehrkörpers wünscht der Redner, es möge der Präsidentin beschieden sein, auch den 50. Gründungstag zu erleben. Dr. Markusfeld hatte in einer Druckschrift einen ausführlichen Bericht über die Thätigkeit des Vereines erstattet. Im letzten Jahrzent brachten die Mitglieder auf an Beiträgen 9633 fl., an Spenden 2694 fl.; die Unterstützungen beliefen sich auf 144 fl. 73 kr. Mit einem Kostenaufwande von 1489 fl. ließ der Verein eine große Anzahl von Frauen in verschiedener Weise ausbilden. Zu den obigen Einnahmen kommen noch Legate und die Zinsen des Vereinsvermögens, welches Ende 1899 11.996 fl. betrug. Budapest. (Das Budget der Pester israelitischen Cultusgemeinde.) Die umfassende Wirksamkeit, welche die Pester israelitische Cultusgemeinde auf allen Gebieten der Cultur und der Humanität entfaltet, gelangt in den nachstehend verzeichneten Zahlen ihres Budgets zu deutlichem Ausdruck: Im Jahre 1899 hat die Cultusgemeinde ein Deficit von mehr als 10.000 fl. zu verzeichnen; das Erforderniß belief sich auf 527.465 fl., während die Einnahmen 516.443 fl. betrugen. Das Budget für das Jahr 1900 lautet auf Kronen und sind in demselben für den Gottesdienst 123.359 X. vorgesehen: hievon entfallen auf den Cultustempel in der Tabakgosse 70.856 K., auf die Synagoge in' der Rombachgasse 29.632 K., den Jugendgottesdtenst 6020 X., und auf kleinere Bethäuser 7960 X. Die Ausgaben für Schulen erscheinen mit 228.692 X. präliminirt, davon süc die Knabenschule 68.732 X., für die Mädchenschule 46.545 X., für Religionsunterricht 101,856 X. und für die Talmud-Thora 610 X. Zu Wohlthätigkeitszwecken wurden 383.846 X. präliminirt, und zwar für das israelitische Spital 155.880 X., für das Adele Bcody-Kindecspital 77 640 X., für Armenunterstützung 103.000 X.. für Waisenunterftützung 8700 X., Mädchenausstattung 16.000 X., Bekleidung von Schulkindern 12.000 X., Suppenanstalt 182 X., Stipendien 102.180 X. Die Ausgaben für das Knabenwaisenhaus und das Taubstummeninstitut sind in diese Rubrik nicht ausgenommen. Von diesen Ausgaben sind 156.000 X. bei den Schulkosten und 105.000 X. beim Wohlthätigkeitsbudget unbedeckt, und wird zur Bedeckung dieser Posten die Cultussteuer und andere Cultuseinnahmen in der Gesammthöhe von 550.800 X. verwendet. Für das Rabbinat und das Beamtenpersonal sind ins Budget 90 840 X. und für, Zinsen 128.471 X. ausgenommen worden. Noch ist zu erwähnen daß die Chewra-Kadischa die Spitalssubvention auf 48.000 X. erhöhte und daß der Minister des Innern dem Adele Brodi Kinderspital eine Subvention von 6000 X. bewilligte. Dagegen hat der Cultusminister die aus dem israelitischen Landesfonds zu entrichtende Subvention für die Talmud-Thoraschule in der Höhe von 1600 X. im abgelaufenen Jahre nicht flüsiig gemacht, und konnte dieser Betrag auch in das Präliminare für das Jahr 1900 nicht ausgenommen worden. Budapest, 12. März. Der Erbauer der Akademie der Wissenschaften, August S t ü l e r, ehemaliger geheimer Oberhofbaurath zu Berlin, hatte am 28. Februar seinen hundertsten Geburtstag. S t ü l e r war durch Graf Szechenyi, den weltberühmten Staatsmann und Gründer des Instituts, zum Bau dieses, durch seine stillvolle Einfachheit ausgezeichneten, von edlem Geschmacke zeugenden Gebäudes herberufen. Aus diesem Anlasse legte die Akademie zur Seite des auf dem ersten Absätze der Hauptstiege befindlichen Denkmals einen herrlichen Lorbeerkranz nieder, mit langer Schleife, welche eine Widmung zur Erinnerung an den Verstorbenen trägt. Die andere Seite der auf einer Säule ruhenden Baste schmückt ein Lorbeerkranz, den die jüdische Frau Antonie S e l i g m a n n im Namen der Familie Stüler als Zeichen der Pietät gewidmet hatte. Der jüdische Schriftsteller Josef Spitzer wird binnen Kurzem ein Büchlein herausgeben unter dem Titel: „Das Leben und Wirken August Friedrich Stüler." Frau Baronin Klara Hirsch hat bekanntlich das Hirsch'sche Wohlthätigkeitsbureau aufgelassen und an dessen Stelle einen Wohlthätigkeitsfonds im Betrage von einer Million Gulden gestiftet, dessen Zinserträgniß zur Unterstützung ungarischer Armen bestimmt ist. Den Verfügu'-gen des Stiftungsstatuts entnehmen wir Folgendes: Die Stiftung führt den Titel; „Baronin Klara Hirsch'sche Wohlthätigkeits-Stift u n g für" Ungarn." Zweck der Stiftung ist bte Unterstützung hilfsbedürftiger Israeliten (in Ausnahmsfällen auch Angehöriger anderer Confessionen), denen dazu verholfen werden soll, die Aufrechterhaltung ihrer Existenz durch Gründung oder Fortsetzung eines Handwerks- oder sonstigen Gewerbszweiges zu ermöglichen. In erster Reihe sind Handwerker, Industrielle uud solche Leute zu berücksichtigen, die durch die gebotene Hilfe vor dem materiellen Ruin bewahrt werden können. Weiter sind aus der Stiftung Prämien und Stipendien zu Schulzwecken zu verabreichen, die Hilfeleistung hat in erster Linie durch Gewährung zinsloser Darlehen bis 300, in Ausnahmsfällen bis 500 fl. zu geschehen. Der Fonds wird unter staatlicher Aufsicht von einem Stiftungscomite verwaltet. Das Stiftungsstatut ist auf Grund der durch den König erfolgten Genehmigung vom ungarischen Minister für Cultus und Unterricht bestätigt worden. — Dr. Julius Fayer wurde zum öffentlichen ordentlichen Professor an der hiesigen Universität ernannt. Budapest. Die israel. ungar. Literatur-Gesellschaft schreibt auf eine Geschichte der jüdischen Literatur vom Anfang der griechischen Epoche bis zur Gegenwart einen Preis von 2000 Kronen aus. Die Arbeit ist auf wiffenschaftlicher Basis populär auszuführen und soll sich auf höchstens 30 Druckbogen erst ecken. Emreichn'igsterm'n 31. Mai 1901. Das Eigenihnmsrecht des preisgekrönten Werkes gehört der Gesellschaft. Die mit Mottobrief versehenen, von fremder Hand geschriebenen Arbeiten sind dem Präsidenten der Gesellschaft, VI., Andräffystraße 9, einznsenden. Budapest. Die ungarische israel. literarische Gesellschaft hat ihren jüngsten Vortrags - Abend dem 15. März gewidmet. Zunächst nahm der Reichstagsabgeordnete Joseph B 6 szi das Wort, um in begeisteter Redi den 15. März zu feiern. Er be-