Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 12 (23.3.1900)
- Date
- 1900-03-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 224 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 12 Meisel, zweier Männer, die durch innige Freundschaft bis an den Tod verbunden, den geistigen und materiellen Reichthum, die hohe Weisheit und die tiefe Herzensgüte repräsentirten. Was der „hohe Rabbi" und sein Freund Meisel für die Prager Judenstadt bedeuteten, was sie an Werken der Frömmigkeit und Barmherzigkeit für jene Geschlechter aufgerichtet, wie sie in Noch und Drangsal die. festen Stützen der Gemeinde wurden und auch an den Stufen des Thrones Gehör finden, das fiihrte der Vortragende in feffelnder Darstellung, in liebevoller Hingabe an seinem Stoff den Hörern vor, nm dann bei einer trostvollen Vision des „hohen Rabbi" Löb beim Tode Mardochei Meisel's anknüpfend, mit einem freudigen Ausblicke auf die Zukunft, einer lichtvollen Verheißung für kommende Zeiten zu schließen. Stürmischer, langanhaltender Beifall lohnte die geistvollen Ausführungen des Vortragenden, der sich erneuerte, als der Vorsitzende in seinem Dankesworte darauf hinwies, daß Herr Rabbiner Dr. Kisch schon einmal der Träger froher Kunde von höchster Stelle gewesen. Beim dritten Punkte der Tagesordnung: „Anträge und Interpellationen", besprach Herr T e w e l e s die nachtheiligen Wirkungen der Abänderung des Gewerbe- und Hausiergesetzes auf die Existenz zahlreicher armer Glaubensgenossen. Es entwickelte sich hierüber eine sehr animirte Debatte, an der die Herren Dr. I. K o h n, Commercialrath S t i a ß n y, Dr. Ehrmann, Fleischer, Dr. Zins, Dr. Bloch B i e l i tz und Ritter theilnahmen, Die im Laufe dieser Debatte vorgebrachten Wünsche und Anregungen nahm der Vorsitzende zur Berathung im Vereinsvorstande entgegen. Die Versammlung endete kurz vor Mitternacht. Wie«. (Generalversammlung des Schönlat e r n-B e t h au s-B ere ines.) Sonntag den 18 d. M. fand die außerordentliche Generalversammlung des Schönlatern- Bethaus-Bereines im Vereinslocale I., Schönlaterngasse 6 statt. Der Obmann Herr David Horwitz begrüßte die Versammlung und widmete den Hingeschiedenen Mitgliedern der mit dem Bethause vereinigten Machasika-Thora insbesondere den beiden Begründern des Bethhauses Herrn Anton Bing und Herrn Heinrich Berger einen tiefempfundenen Nachruf. Im Anschlüsse hieran brachte Herr Horwitz das Codicill des sel. Herrn Heinrich Berger zur Verlesung, in welchem derselbe seine Stiftereinlage im Betrage von 10.300 fl. C. M. dem Bethause zur Errichtung einer orthodoxen Synagoge vermachte. Die Versammlung gab durch Erheben von den Sitzen ihrer Theilnahme Ausdruck. lieber Antrag des Vorstandes wurde die Verlegung des Bethauses in ein günstiger situirtes Locale beschlossen und zur Durchführung dieses Beschlusses ein Comite bestehend aus Mitgliedern des Schönlatern-Bethausvereines und des Bethauses Judengasse 12, deren Fusionirung in Aussicht genommen wurde, bestellt. Zu Vorstehern des Schönlatern-Bethausvereines wurden per Acclamation wiedergewählt die Herren: David Horwitz, Emanuel Schreiber, Dr. Alfred Berger, S. L. Back und neu gewählt Herr Leopold Hoffmann. In das Comite wurden außerdem berufen die Herren: Nathan Fried, Carl Frankfurter, L. Hildesheimer, H. Reisner, Josef Osers, B. Hofbauer, Schreyer und Neumann. E. B. Wien. (Todesfall.) Diese Woche wurde ein wackerer Mann zu Grabe getragen. Es ist dies Herr Dr. Adolf Fliegelmann, k. k. Militärarzt des Ruhestandes. Ausgezeichnet durch eine universelle Bildung als Denker und Philosoph, war der Verewigte auch ein guter Jude und Menschenfreund. Die Sympathien, welche der Dahingeschiedene in weiten Kreisen Zeitlebens genoffen hatte, kamen auch bei dem Leichenbegängnisse durch außerordentlich zahlreiche Betheiligung zum Ausdrucke. Dre Erde sei ihm leicht, er ruhe im Frieden. Brün«. (Vom Mährisch-jüdischen Waisenhilfsvereine.) Am 18. d. M. fand die diesjährige Generalversammlung dieses Vereines unter Vorsitz des Vice-Präsidenten Herrn kais. Rath Mandl statt. Wir entnehmen dem zunächst vorgetragenen Rechenschaftsberichte über das Jahr 1899 folgende Stellen: Das abgelaufene Jahr ist das dritte seit der namhaften Vermehrung unseres Vermögens durch das große Legat des Baron Moriz v. Hirsch-Gereuth, das uns in den Stand setzte, unseren Vereinszweck in viel ausgedehnterem Umfange zu erfüllen, als früher. So können wir mit Befriedigung darauf Hinweisen, daß wir im Berichtsjahre unserer Thätigkeit eine größere Ausdehnung verliehen, eine größere Zahl von Waisenkindern in unsere Obsorge ausgenommen und eine höhere Summe für deren Pflege verausgabt haben. In Folge dessen haben wir unsere gesammten Einnahmen bis auf den Betrag von 4^8 fl. 67 kr. verausgabt, während sonst der Gebahrungs-Ueberschuß nie unter 1000 fl. zurllckblieb. Hingegen hat unser Fond durch das Legat des seligen Herrn Bernhard Morgenstern per 5000 fl. und eine Stiftung des seligen Herren Joseph Löw Beer per 500 fl. eine Vermehrung erfahrenwofür wir den Manen der edlen Stifter ein dankbares Andenken bewahren werden. Die Spenden sind Dank der beträchtlichen Spende der Herren Brüder Epstein anläßlich des Hinscheidens ihres Bruders Isidor per 500 fl. gegen das Vorjahr gestiegen, die Jahresbeiträge hingegen per 1002 fl. 34 kr. blieben weit hinter den berechtigten Erwartungen sowohl, als hinter dem Bedürfnisse zurück, weil die an den Verein gestellten Anforderungen nicht durchwegs erfüllt, so manche Hilfesuchenden zurückgewiesen werden müssen, was beim Zuflusse größerer Beiträge und Spenden vermieden werden könnte. Der Vorstand richtet deshalb einen dringlichen Appell an alle Wohlthäter, dem Vereine beizutreten, Andere znm Beitritte zu veranlassen und den Verein mit ergiebigen Spenden zu bedenken. Für die Waisenpflege wurden 11.657 fl. 80 kr. verausgabt, um 560 fl. mehr als im Vorjahre. In der Vereinspflege standen im vorigen Sommercurse 155 Waisen, und zwar 33 in Brünn, 122 auswärts, im Wintercurse sind in Obsorge 150 Waisen: 32 hier und 118 auf dem Lande. Hiezu kommen 3 Pfleglinge, welche die Heinrich Gomperz'schen Stipendien zu 70 fl. genießen. Die Pfleglinge besuchen die Volks-, Bürger-, Mittel- und Fachschulen oder eine Lehre und werden auch über das 14. Lebensjahr hinaus unterstützt. Der Bericht schließt mit einem warmen Danke an die Mitglieder und Gönner des Vereines. Hierauf wurde der Eassebencht von Herrn L. Löw Beer vorgetragen und beschlossen, den Jahresausweis in Druck zu legen und an die hiesigen Gemeindemitglieder mit der Aufforderung zum Beitritte zu übersenden. Nach Genehmigung des Jahresabschlusses und -Berichtes, sowie des Voranschlages pro 1900 wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren D. Mandl und Dr. B. Placzek einstimmig wieder- und zu Revisoren die Herren Ignaz Schulz und Gustav T a n d e r gewählt, worauf die Versammlung geschlossen wurde. Lemberg. (Tempelangelegenheiten.) Das Gitterwerk beim jüdischen Fortschrittstempel ist bereits fertiggestellt und präsentirt sich sehr vortheilhaft. Der freigebliebene Raum wird demnächst bepflanzt werden. Die mit baupolizeilichen und finanziellen Schwierigkeiten verbundene Errichtung des Eisengitters ist vor allem den Bemühungen des verdienstvollen Präses der Tempelverwaltung Herrn Dr. -Jacob Diamond zu verdanken. Im Laufe der nächsten Woche wird die Tempelverwaltung im Einvernehmen mit dem Cultusvorstande die Berathung überfein Organisationsstatüt für den Tempel in Angriff nehmen. Es werden hiebei die auf Rechte und Pflichten der Functionäre bezughabenden Normen festgesetzt werden. Man erwartet, daß bei dieser Gelegenheit auch die Systemisirung des Vicarpostens zur Sprache und Durchführung gelangen werde. Veriias. Preßburg. (Vorträge über das Judenthum und seine Geschichte.) Der abgehaltene Vortrag des Dr. S. Funk (gleichzeitig der letzte des im November v. I. eröffneten Cyclus) hatte zum Thema: „Die jüdische Frau in Literatur und Kunst". Von der Heldin des diese Woche gefeierten Purimfestes, der „immer grünenden" Esther ausgehend, welche auch im königlichen Glanze ihrer am Leben und Glauben bedrohten Brüder, eingedenk war und selbe durch ihre Fürsprache von den bösen Folgen des Hamanismus rettete, ausgehend, zeichnete Redner in kurzen, aber markigen Strichen das Leben vieler bemerkenswerthen Heroinen, Dichter- und Künstlerinnen der nachtalmudischen Zeit bis zur sogenannten Aufklärungsepoche. Die Frauengestalten im Talmud, die weiblichen Märtyrer der syrischen und römischen Judenverfolgungen, die Proselytinnen in Alt-Rom flüchtiger behandelnd, verweilt der Vortragende mit größerer Ausführlichkeit bei den Dichterinnen der spanischholländischen Culturepoche, den Jargon-Dichterinnen des deutschen Mittelalters, sowie bei den von Jüdinnen geleiteten Wiegendruckereien Oberitaliens. Besonders Plastisch zeichnete Redner die auch ob ihres Politischen Einflusses hochberühmte spanisch-venetianische Hofjüdin Donna Grazia, während das ästhetischplatonische Berhältniß des Mönch-Dichters Ansaldo Cela zur