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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-23 · 12 (23.3.1900) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
12 (23.3.1900)
Date
1900-03-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 217 damals wollte es ein besonderes Verhängniß, daß die Regierung in dieser Sache drei rabbinerfeindliche Männer um Roth fragte: Leopold Zunz, Josef Muhr und Dr. Rubo. Zunz und Rilbo waren liberal gesinnte Männer, die in der That keine Rabbiner brauchten. Rubo war sogar ein ausgesprochener Feind des conservativen Judenthums. Josef Muhr hingegen war ein conservativ gesinnter Mann, der sich Jahre lang damit abquälte, Zacharias Frankel als Oberrabbiner nach Berlin zu bringen. Dies mißlang in Folge von Familienintriguen, die damals wie heute in solchen Fällen die größte Rolle spielten. Statt des Dr. Frankel als Oberrabbiner kam bekanntlich Michael Sachs als „dritter Rabbinatsassessor". Seitdem haßte Muhr das moderne Rabbinerthum, wie Zunz und Rubo die alten Rabbiner nicht ausstehen konnten. Das Triumvirat einigte sich daher auf ein Gutachten, indem der Regierung entschieden widerrathen wurde, dem Rabbiner eine einflußreiche Stellung einzuräumen. Man brauche keine Rabbiner, hieß es in jenem Gutachten; Berlin sei seit einem halben Jahrhundert mit Vertretern und Assessoren fertig geworden, und es ginge auch so. Dem Uebel wäre vielleicht durch eine Organisation der Rabbiner zu einem Standesverein abzuhelfen, welcher mit vereinten Kräften der Willkür der Gemeinde entgegentreten könnte. Indessen ist dies nicht sehr leicht. Ein Standesverein der deutschen Rabbiner, in dem sogar Orthodoxe und Liberale friedlich neben einander sitzen, ist ja vorhanden; aber abgesehen davon, daß nicht alle Rabbiner dieser Organisation angehören, ist der Krebsschaden in dem Umstande zu suchen, daß die Gemeinden erstens auch ohne Rabbiner auskommen können (da in Deutschland das Civilstandesregister obligatorisch ist), andererseits können sie auch die erstbesten Lehrer zum Rabbiner ernennen. Bor einiger Zeit hat eine Gemeinde in der Rheinprovinz ihren Rabbiner einfach entlassen; es soll ihm dabei Unrecht zugefügt worden sein, was ich nicht untersuchen will. Der Vorsitzende des Rabbinerverbandes schrieb an den Gemeindevorstand und bot recht höflich seine Vermittelung an, erhielt jedoch keine Antwort. Jetzt veröffentlichte er in den jüdischen Blättern eine Warnung an die Rabbiner, sich um die vacant gewordene Stelle in jener Gemeinde, wo ein College verdrängt worden sei, nicht zu bewerben. Darauf kam der Vorstand mit einer höhnenden Antwort, man werde sich über diesen Boycott zu trösten wissen. Rabbiner seien in Fülle vorhanden, und wenn auch nicht, was schadets? Wir brauchen gar keinen Rabbiner. — Dies eine Pröbchen von Vorsteheranmaßung genügt wohl. Centennar-Feier für Josef Kitter von Werthrimer. Sonntag, den 18. März, 6 Uhr Abends fand die von der israelitischen Cultusgemeinde Wiens veranstaltete Festversammlnng aus Anlaß des hundertjährigen Geburtstages des unvergeßlichen Philantropen Josef Ritter v. Wertheimer statt, unter dem Vorsitz des ersten Vicepräsidenten und Gemeinderathes Herrn Dr. Alfred Stern. Unter den Erschienenen waren zu bemerken: Der sBice- Präsident der Cultusgemeinde Landesschulrath Dr. Gustav Kohn mit den Vorstandsmitgliedern Baurath Theodor R. v. Goldschmidt, Docent Dr. Josef G r ü n f e l d, Emil H o r n e r, k. k. Ober-Ingenieur Arthur Edler von Mises, k. k. Ober-Finanzrath Dr. Benno Rappaport, Dr. Marcus Spitzer und Dr. Maximilian Steiner, Die Bethaus-Borsteher Adolf S t i a ß n y und S. A. W a s s e r v o g e l, Baronin Charlotte von K ö n i g s w a r t e r, die Präsidentin des „F r a u e n h o r t" Frau Rosa Z i f f e r e r, die Präsidentin des „Ferienheim" Frau Softe G r ü n f e l d, Frau Ottilie B o n d y, die Vorstandsmitglieder der „Israel. Allianz" : David Ritter von G u t m a n n, Dr. Arthur K u r a n d a, Dr. Sigmund W a h r m a n n, Sigmund Ritter von Bauer, Emanuel B a u m g a rt e n, Dr. Felix K atz a u und Wilhelm Pappenheim, der Präses des „Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" Gemeinderath Donat Ziffer er, der Präsident des „Jüdischen Museums" Baurath Wilhelm S t i a ß n y, der Präsident der theologischen Lehranstalt Moriz K a r p e l e s, Hofrath M i g e r k a, Regierungsrath K u l k a, die kais. Räthe Lichten st adt und S ch e f t e l, Ober-Baurath Hafenbau-Director Sigmund T a u s s i g, die Schriftsteller Dr. Bloch, Dr. L ö w y und Singer, Operateur Dr. K e p p i ch, die Rabbiner Dr. B a ch, Dr. G e l b h a u s, Dr. Lazarus, Löwy, Dr. T a g l i ch t, Dr. Templer, Religionsschul-Jnspector Prof. Dr. Kanitz. Professor Dr. D. H. Müller, die Obercantoren Bauer und S ch o r r, die Gemeinderäthe Dr. von Dorn und T a g l e i ch t, Bezirks-Ausschuß W al dstei n, die Vorsteher der Armen-Anstalt Josef Jelinek und M. A. Pollak, Director Fischer von der Kinderbewahranstalt, Waisen-Jnspector M a u t h n e r, die Advocaten Dr. Marcell H o f f m a n n und Dr. Heinrich Wechsberg, Dr. Hermann H e r tz k a, Jnspector R. T. Engel, ferner Deputationen der von dem Verstorbenen 'gegründeten Vereine, dann solche vieler humanitärer Anstalten, zahlreiche Religionslehrer rc. Ansprache des Vorsitzenden Gemeinderalh Dr. Alfred Stern. Namens des Vorstandes unserer Gemeinde und insbesondere ihres derzeit fern von Wien weilenden Präsidenten, der in dieser Stunde im Geiste mit allen seinen Sympathien mit Herz und Seele an unserer Feier theilnimmt, sowie namens unserer gemeinnützigen und Humanitären Vereine, deren Repräsentanten an meiner Seite sind, Kinderbewahranstalt, Waisenverein, Handwerkerverein, israelitische Allianz, begrüße ich Sie, verehrte Anwesende, auf das Allerherzlichste. Indem wir vereint den Beschluß faßten, den Tag, an welchem vor 106 Jahren Joseph Wertheimer das Licht der Welt erblickte, zu einem Weihefeste der Erinnerung zu bestimmen, einem Feste, zu welchem wir, wenn es die räumlichen Verhältnisse gestatten würden, gerne alle Mitglieder unserer Gemeinde und noch viele wackere christliche Mitbürger, welche Genossen seiner Zeit und seines Wirkens waren, geladen hätten, glaubten wir eine uns obliegende Pflicht der Pietät, der Dankbarkeit gegenüber einem Manne zu erfüllen, auf den die vollste Anwendung findet das Dichterwort: „Nennst Du die besten Namen, wird auch der seine genannt." Was er seinen Glaubensbrüdern, was er der Menschheit war, wird Ihnen von beredtem Munde verkündet und ins Gedächtniß gerufen, wird Ihnen auch in einem Lebensbilde vorgetragen werden. Mir aber, dem es gegönnt war, jahrelang und bis in seine letzten Lebenstage an seiner Seite zu wirken, mir persönlich wollen Sie — ich bitte Sie darum — ein kurzes Wort der Erinnerung zu Gute halten. Die Stätte unseres gemeinsamen Wirkens war der Verein, der ein Kind seines Alters war, beleck sekunina hu lan, dem seine letzte Liebe galt, die Treue bis in den Tod. Der Verein, dazu geschaffen und bestimmt, um die Kräfte unserer Glaubensbrüderschaft zusammenzufaffen zu dem Zwecke, um den unschuldig Verfolgten, den nur um ihres Glaubens willen Verfolgten, Gequälten, Unterdrückten Trost und Hilfe bietend, zur Seite zu stehen, um aber auch schon im Vorhinein, in Voraussicht bedrohender Uebel, ihnen durch die Schule den Weg zu ihrem Fortkommen offen und überhaupt zu halten. Es war eine traurige Enttäuschung für ihn wie für so Biele unter uns. Unerschütterlich fest lebte in ihm wie vielleicht in uns Allen der Glaube, das Vertrauen, es sei von der Sonne der Aufklärung, der erwachten Vernunft, der Freiheit, das religiöse Borurtheil dahin geschwunden. Und schmerzlich mußte er und wir mit ihm es empfinden, das jenes Vertrauen ein trügerisches gewesen sei. Wieder erstanden wie in vergeffenen Tagen die Verfolgungen um des religiösen Bekenntnisses willen. Wieder gab es da und dort Massen-Austreibungen, Plünderungen und Beraubungen unserer Glaubensbrüder, wenn diese ihre religiöse Ueberzeugung äußerlich zu verleugnen sich nicht herbeiließen. Wieder tauchte auf das unselige, dem finsteren Mittelalter entstammende oder vielmehr in demselben aus dem Schutte der Vergangenheit aus gegrabene Blutmärchen. Wieder vollzog sich der schmachvolle Kinderraub, die allen Cultus und Sitte hohnsprechende Verleugnung des heiligen Elternrechtes, die abscheuliche Seelenfängerei, welches jedes ehrlichen Menschenherz mit Empörung, mit Abscheu erfüllt. Und da ersteht nun vor mir das Bild des edlen, herrlichen Mannes, der im hohen Alter bis in seine letzten Lebenstage nicht müde war, da Hilfe zu spenden, wo und wie weit solche möglich war, dort öffentlich mit Wort und Schrift, Vernunft und Aufklärung predigend, den Kampf führend, gegen Vorurtheil und Lüge und nie verzagend an dem Fortschritte der Menschheit! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) - %■, Nachdem die vereinigten Chöre der beiden Hauptsynagogen unter Leitung des Professor Sulzer eine Cantate stimmungsvoll zum Vortrag brachten, ergriff das Wort

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