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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-16 · 11 (16.3.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
11 (16.3.1900)
Date
1900-03-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 206 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 11 Handelsmann in Bielitz telegraphirte sein Schwiegersohn au- München, daß in seiner Familie ein freudiges Ereigniß einges treten sei und er bitte, ihm aus der Umgebung von Bielitz eine gesunde Amme nach München zu senden. Der glückliche Großvater beeilte sich, den Wunsch seiner Kinder zu erfüllen, aber beinahe wäre er für seinen Eifer als Verbrecher angesehen worden. Das Unglück wollte es, daß er auf der Eisenbahn mit einem Antisemiten zusammenkam. Auf der Station Petrau setzte sich zu ihm der Handelsmann I. Streuzek aus Skotschau und knüpfte mit der Amme sogleich folgendes Gespräch an : Mädel, geh' nicht mit ihm, er wird dich abstechen und Mazzes aus dir machen? Das Mädchen sprang auf den Perron und schrie um Hilfe. Daraufhin gab es einen Zusammenlauf, Geschrei, ein Geheimpolizist erschien und unterzog Herrn Hirsch Schönmaun einem Verhör. Selbstverständlich fuhr ihm der Zug davon und nach München wurde ein Telegramm abgesendet, auf die Amme nicht zu warten. Herr Streuzek aber nahm die Amme mit nach Hause, während Herr Hirsch Schönmann froh war, den Geheimpolizisten davon überzeugen zu können, daß er kein Händler mit MenschenfUisch sei, wofür ihn der Arm der Gerechtigkeit gehalten hatte. Herr Streuzek und dieser Polizist, Namens Mattel, stehen unter Anklage. Der Eine wegen Verbreitung verleumderischer Nachrichten, der Andere wegen Mißbrauches der Amtsgewalt und wegen Ehrenbeleidigung. In seinem Amtseiser schrie nämlich Mattel: „Ihr Menschenhändler, ich werde Euch noch aufhängen!" So geschehen in Oesterreich in Jahre 1900. Pilse«. (Israelitischer Kreuzerverein.) Der Kreuzerverein zur Erziehung armer israelitischer Waisen in Pilsen hielt am 7. d. M. seine diesjährige Vollversammlung ab. Nachdem der Obmann Herr I. U. Dr. Rudolf Duschner die Anwesenden begrüßt hatte, erstattete der Schriftführer Herr Alfred Recht den Rechenschaftsbericht, dem zu entnehmen ist, daß Dank dem Zusammenwirken aller Factoren die Errichtung eines israelitischen Waisenhauses in Pilsen in Aussicht stehe. Das Gesammtvermögen beläuft sich auf 29.720 fl. die Mitgliederzahl beträgt 466. Für die Chanukabescherung hatte der Verein 100 fl. beigeäagen. Vom Cultus-Vorstande wurde der Vorsteher Herr I. U. Dr. Schanzer, von der Chevra Kadischa Herr Simon Semler in den Vorstand des Vereines entsendet. Das Andenken an die verstorbenen Mitglieder: I. N. Gutwillig, M. L. Stowaffer, Simon Weil, D. Kohn, H. Weiß, S. Gutfreund, Marc. Tänzer, Fanny Stein, Maria LaLansky, Th. Löwenstein, Semmler, Anna Hahn, Eugenie Fischel, Anna Liebermann wurde durch Erheben von den Sitzen geehrt. Gewählt wurden zu Vorstandsmitgliedern die Herren: I. U. Dr. Rudolf Duschner, Hermann Strauß, I. U. Dr. Sabat. Alfred Recht, Simon Hofmann, Ferd. Löwy, Hugo Rudinger und Moritz Auer; zu Ersatzmännern die Herren: Zuckermann, Joseph Hofmann und Marc. Schickt. Lemberg. Wenn wir Lemberger von Zeit zu Zeit Berichte über die von der Gesellschaft zur Erhaltung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums in Wien, wie auch von anderen Vereinen veranstalteten Abende, an denen einem auserlesenen jüdischen Publikum Meisterwerke auf dem Gebiete jüdischer Geistesthätigkeit, jüdischer Musikwerke u. drgl. vorgeführt werden, lesen, so können wir uns eines Wehgefühles nicht erwehren. — Hat man hier seit Jahren von einer nennenswerthen jüdischen literarischen Vorlesung vernommen, ist das geringste zur Förderung jüdischen, geistigen Lebens und Regens versucht worden? — Der politische Volksverein in Wien hat im Laufe der letzten Jahre Größen wie Lazarus, Nahida Remi, Karpeles u. A. für den Vorlesetisch gewonnen und Tausende von Glaubensgenossen für mehrere Stunden dem Jndifferentismus entzogen, was geschah bei nns? — Durch ähnliche Bestrebungen würden sich die geistlichen und weltlichen Führer der Gemeinde weit mehr Verdienste um das Judenthum sichern, als durch unwürdige, sie der Verachtung preisgebende Wahlagitationen für unliebsame Regierungscandidaten. Es wäre zunächst Sache der Herren Rabbiner Dr. Caro und Dr. Guttmann in der von uns berührten Angelegenheit die Initiative zu ergreifen. Anfängliche Apathie des Publikums darf nicht abschreckeu. — Freilich müßten demselben gediegene und interessante Leistungen geboten werden. — Gründung eines jüd.-literarischen Vereines, lebhafte Propaganda für denselben eventuell von der Kanzel, Veranstaltung vou Vereinsabenden, Einladung wissenschaftlich hervorragender Personen zur Abhaltung von Vorlesungen wären die Nächstliegenden Mittel. V ..... s. Lemberg. Unter dem Vorsitz des kais. Rathes Herrn Jacob Stroh fand am 28. Februar d. I. die 25. Generalversammlung der I. jüdischen Volksküche statt, welche im Jahre 1875 von den Herren Jacob Stroh, Julius Hochfeld und Leon Rosen selb gegründet wurde. Aus dem von dem Vorsitzenden vertheilten Rechenschaftsbericht ist ersichtlich, daß im verflossenen Jahre (1899) an 28.449 Personen, ohne Unterschied der Confession, und an ebensoviel arme Studirende Speiseportionen ertheill wurden. Das Vermögen des Vereines beträgt derzeit 9608 Kr., wovon 708 in baarem Gelde vorhanden sind, die andere Summe besteht in Pfandbriefen und Losen. An Subventionen erhielt der Verein vom Landesausschuß 300 Kr., vom Gemeinderathe 600 Kr., aus dem Nachlasse der Gräfin Nezebestowski 300 Kr.; den Herren kais. Rath Jacob Stroh, Julius Hochfeld und Leon R o s e n f eld, den Gründern des Vereines, sprach die Generalversammlung herzliche Glückwünsche zu dem 25. Jubiläum ihrer segensreichen Schöpfung aus und dankte den genannten Herren für ihr humanes Wirken. Aus Anlaß des Jubiläums wurden 200 Arme gespeist. Die Wahl ergab folgendes Resultat: Präsident Herr Jacob Stroh, Stellvertreter Herr Salomon Bub er, Schriftführer Herr Julius Hochfeld, Administrator Herr Elias Stroh; zu Ausschußmitgliedern wurden ernannt die Herren: Dr. R. S o k a l, Dr. Wilhelm Holzer, Rabbiner Dr. Iecheskel Caro, S. Bauer, Leon Rosenfeld. Dawid Maschler Moritz Sprecher und Lewi Ludmerer. mit einem Hoch aus Se. Majestät den Kaiser endete die bescheidene Feier. Lemberg. In den weitesten Kreisen der hiesigen jüdischen Bevölkerung herrscht Erbitterung gegen die geistlichen und weltlichen Führer der Gemeinde, weil dieselben trotz der Versicherung, der Cultusvorfland werde auf die Lemberger Landtagswahl keinen Einfluß nehmen, dennoch ihre Namen unter die Wahlaufrufe für den clerical-conservativ-demokratischen Ministercandidaten gesetzt haben. — Diese Erbitterung hat sich sogar in höchst unliebsamen Demonstrationen vor dem jüdischen Gemeinde- Hanse und vor der Wohnung des Gemeindepräses geäußert. — Für die unabhängige jüdische Wählerschaft war es klar, wem dieselbe ihre Stimmen zuwenden sollte. Auf der einen Seite der durch seine Aeußerung in der Klosteraffaire berühmt gewordene Dr. Pientak, ans der andere« der Demokrat Daszynski, we cher in mehreren jüdischen Wählerversammlungen seine echt liberale G sinnung offenbart hatte. — Es gewährt Genugthuung, daß unzählige jüdische Wähler vereint mit den unabhängigen christlichen Wählern ohne Rücksicht auf Gnade oder Ungnade der Großen für Daszynski stimmten. — Derselbe erzielte eine imposante Minorität an Stimmen. — Die Wahl Pientaks ist bei der gewaltigen Agitation der Behörden nicht zu verwundern. B . . . . s Andrychau. Unser sehr geehrtes Gemeinde- und Vorstandsmitglied Herr Joachim Grünspan, hat in der unter seiner Leitung stehenden Anstalt für Handweberei, anläßlich des 50jährigen Regierungs-Jubiläums unseres allergnädigsten Kaisers und Herrn, das Kaiserbild in Seide weben lassen. Die nach allen Regeln der Technik kunstvolle Ausführung des Bildes läßt Niemanden vermuthen, daß es gewebt wäre, man glaubt vielmehr hierin eine äußerst gelungene Kreidezeichnung zu sehen. Herr Grünspan hat ein Bild Se. Majestät zugesendet, welches auch unser allergnädigster Kaiser anzunehmen und der Hausbibliothek einzuverleiben geruht hat. Dieser Tage erhielt Herr Grünspan den allerhöchsten Dank des Kaisers „für das sehr gelungene Bild" zugestellt. Auch das Bild des polnischen Dichterheros Adam M i ck i e w i c z wurde auf dieselbe Weise gewebt und findet dasselbe bei allen Kunstkennern die verdiente Anerkennung. Wir gratuliren Herrn Grünspan zu der ihm gewordenen Auszeichnung anfs herzlichste und wünschen, daß sein humanes Wirken — Herr Grünspan hat nämlich diesen Zweig der Hausindustrie, welcher hier im Orte bereits dem Verfalle nahe war, derart gehoben, daß jetzt bis 180 Arbeiter an Handwebestühlen arbeitend, sich auf redliche und ehrliche Weise ernähren. X. Keszthely. Am 11. März hielt die hiesige Gemeinde die Jahresversammlung der Chewra Kadischa. Von der bisherigen Gepflogenheit, die übliche Eröffnungsrede im Sitzungssaals zu halten, wurde auf Anregung des Herrn Rabbiners Dr. Alexander B ü ch l e r diesmal abgegangen und wurde die Eröffnungsrede, verbunden mit dem „Minchagebete", wobei von Cantor L ö w i n g e r für die S.'elen der Hingeschiedenen das „El mole rachamim" recitirt wurde, im Tempel abgebalten. Die Versammlung begab sich hierauf in gehobener Stimmung in den

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