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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-16 · 11 (16.3.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
11 (16.3.1900)
Date
1900-03-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 205 das universelle Wissen und die treue Freundschaft des Gefeierten hervorhob. Namens des Bethaus-Vorstandes, der durch seinen Obmann, Herrn Landesschulrath Dr.Gustav Kohnund zahlreiche Mitglieder vertreten war, sprach Herr Salomo» Kohnberger, für den Verein der Trebitscher Herr S. Beer. Der Festtafel folgte eine Reihe von musikalischen und declamatorischen Productionen, für welche die Damen Frau Dr. Taussig, Frau Prozessor Kaufmann, Frau Ober-Baurath Taussig, dann Professor Sulz er u. A. mit stürmischem Beifall überhäuft wurden. Erst in später Morgenstunde trennte sich die Gesellschaft, welcher das schöne Fest stets in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Wien. (Gegen die Bedrückung jüdischer Lehrer.) Ein aus Delegirten mehrerer Vereine zusammengesetztes Comitö veranstaltete im Saale der Restauration „zum Widder" eine Protestkundgebung gegen die systematische Präterirung der jüdischen Lehrkräfte. Der Referent Dr. Rappaport schilderte die tristen Verhältnisse in jüdischen Lehrerkreisen und kennzeichnete die Bedrückung der provisorischen Unterlehrer und Unterlehrerinnen, die seit christlich-socialem Regime von jedem Borrückev von der definitiven Anstellung ausgeschlossen worden, als eine schmachvolle, empörende Ungerechtigkeit. Bei dem letzten Lehrer- Avancement seien ganz vorzüglich qualificirte Lehrkräfte, die mehr als zehn Jahre zur vollen Zufriedenheit der Vorgesetzten thütig sind, wieder übergangen worden. Einer Deputation gegenüber habe der Statthalter bemerkt, daß wohl dem Statthalter das Aussichtsrecht über die Gemeinde zustehe, daß jedoch die Frage, wie dieses Aufsichtsrecht auszuüben wäre, nicht zu lösen sei. Der Unterrichtsminister habe erklärt, daß ihm eine Jngerenz nicht zustehe. Der Referent beantragte eine Resolution, in der den christlich-socialen Machthabern das Mißtrauen und die Entrüstung ausgesprochen und das Vorgehen der Christlich-Socialenzin scharfen Worten gebrandmarkt wird. Unterlehrer Aufwerber führte aus, die Christlich-Socialen maßregeln deshalb die jüdischen Lehrer, weil sie freisinnig seien. All diese Bedrückungen würden jedoch eine Knebelung der Lehrer nicht herbeisühren, diese würden im Kampfe gegen die Christlich-Socialen nicht ruhen, und wenn die freisinnigen Elemente ihre Aufgabe erfüllen, dann werde der Kampf von Erfolg begleitet sein. Hofrath Kareis forderte zur regen Agitation auf und sagte den Bestrebungen des Comites seine Unterstützung zu; es sei zu bedauern, daß es Mandatsträger gibt, die das Staatsgrundgesetz beschwören und das Recht mit Füßen treten. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Olmüch. Etwas Unerhörtes geht vor. Die sonst so getreue Cultusgemeinde ist mit der Stadtgemeinde in hartnäckigen Cvnflict gerathen. Die beiderseitigen Friedhöfe, die nun als der Stadterweiterung hinderlich aufgelassen werden müssen, lagen nebeneinander, während Eigenthum und Verwaltung getrennt waren. In gleichem Sinn verstanden und acceptirten die Juden den Vorchlag der Stadt, einen neuen Centralfriedhof zu errichten, doch da sich nun herausstellt, daß die Stadt Eigenthum und Verwaltung auch des Judenfriedhofs beansprucht, wies der erweiterte Anschuß der Cultusgemeinde unter dem Druck der ganzen Judenschast einstimmig alle, beständig modificirten Stadtanträge bedingungslos ab. Da nun auch die Stadt, gestützt auf das Reichssanitätsgesetz vom Jahre 1870 und ihren Einfluß bei allen Behörden von ihrem Recht nicht läßt, wird es wahrscheinlich zu einem Spruch des Verwaltung-Gerichtshofes kommen, der sich in ähnlichen Fällen wiederholt zu Gunsten der Juden entschied. Um die Cultusgemeinde zum Ausharren zu bewegen, berief der Verein „Zion" am 8. d. M. eine Versammlung ein, in der Rabbiner Oppenheim referirte. Es liege den Juden weniger an der materiellen Einbuße, die immerhin 1000 fl. jährlich betrüge, als an der Beeinträchtigung ihrer ihnen durch Statut verbürgten Autonomie. Auch können sie sich die unbehinderte Bethätigung der ihnen stets so theueren Pietät nicht gefährden lassen. Eine dahingehende Resolution wurde gefaßt. Prag. Der Verein zur Errichtung und Erhaltung eines allgemeinen israelitischen Kuabenwaisenhauses in Böhmen, der sich unter der Leitung seines Obmannes, M. Joß in der kurzen Zeit seines Bestandes ein eigenes Heim begründet und in einem erfreulichen Aufstiege begriffen ist, hielt unter Vorsitz des Bicepräsidenten kais. Rath Ph. Falkowicz seine 2. Hauptversammlung ab. Den Jahresbericht erstattete Herr F. C. Schalek. Derselbe constatirte, daß Dank der aufopfernden Betheiligung seitens der Mitglieder das Resultat des abgelaufeneu Jahres als glänzend bezeichnet werden kann. Zu den bisherigen 16 Zöglingen wurden noch 9 im Waisenhause ausgenommen. Das Ideal, welches der Jnstitutsdirector Herr I. Schwager und seine Frau zu erreichen sich zur Aufgabe machen, ist, das Leben der Kinder im Waisenhause wie in einer Familie zu gestalten. Mit der physischen Erziehung ging die sittlich-religiöse und geistige Hand in Hand. Der Verein zählt 2 Stifter und zwar die verstorbene Frau Baronin Clara Hirsch mit 10.000 fl., Herr Marcus und Frau Adele Joß mit 5000 fl., 18 Gründer ä 1000 fl., 229 Gönner mit dem Gesammtbetrage von 28.420 fl. 09 kr. und 3092 Mitglieder, welche einen jährlichen Beitrag von zusammen 12 165 fl. entrichten. An freiwilligen Spenden kamen dem Vereine 4229 fl. zu, die Sammelkörbchen hatten ein Ergebniß von 2515 fl. 41 l A> kr. Die Einnahmen beliefen sich auf 52.447 fl. 53',. kr., denen Ausgaben von 9281 fl. 54 kr. gegenüberstehen. Der Bermögensstand beziffert sich derzeit (mit dem Waisenhaus in den Weinbergen) mit 92.333 fl. 12', 2 kr. Der von S. Waldstein erstattete Cassabericht wurde genehmigt. Dem Schriftführer wie dem Cassier wurden seitens des Vorsitzenden für die gehabte Mühewaltung der Dank ausgesprochen, worauf unter lebhaftem Beifall Herr I. Popper der Direction Dank und Anerkennung votirte. Nach den Wahlen constituirte sich die Direction und zwar wurde zum Präsidenten Herr kais. Rath M. Joß, zu Bicepräsidenten die Herren F. Falkowicz und L. Jerusalem, zum Schriftführer Herr F. C. Malek, zum Cassier Herr S. Waldstein und zum Rechnungsführer Herr I. Lion gewählt. Prag. (B o r t r a g.) Der Rabbiner der Karolinenthaler Gemeinte Herr Phil. Dr. I. Hirsch hielt Donnerstag, am 8. d. M. auf Veranlassung des „Centralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten", im Hotel Roubitschek einen geistvollen, sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über: „Die Stellung der Frau im Judenthume einst und jetzt." Er führte aus, daß die Juden das einzige Volk waren, welche dem Weibe einen ebenbürtigen Platz neben dem Manne eingeräumt haben, während die Griechen, Römer und die anderen alten Völker die Frau als minderwerthig betrachteten. Apostel und Kirchenväter haben die Ehe als nothwendiges Uebel angesehen und Tullian sagte, daß das Weib der Weg zur Hölle sei. Schließlich empfahl der Vortragende die Gründung von israelitischen Mädchenvereinen, in welchen die Jungfrauen zu gottesfürchtigen, frommen Hausfrauen herangezvgen werden. Prag. Die gesellschaftlichen und künstlerischen Kreise von Prag wurden schmerzlich berührt durch den Tod der Frau Josephine Tauber-Möller, ehemals ein geschätztes Mitglied der deutschen Landesbühne und Gattin des beliebten Schauspielers Richard Tauber. Außerordentlich zahlreich war die Betheiligung an dem Leichenbegängniffe. Unter den Trauergästen sah man den Director des deutschen Landestheaters Angelo N e u m a n n mit Gemalin und fast sämmtliche Mitglieder des Theaters, Vertreter der „Coucordia", Abordnungen vieler deutscher Vereine, Großindustrielle, Advocaten und Repräsentanten aller deutschen Gesellschaftskreise. Besonders zahlreich war die Damenwelt vertreten. Nachdem der Chor gesungen hatte, widmete der Advocat Herr Dr. Max Bauer als Freund des Hauses der Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Der Sarg wurde sodann in den Leichenwagen gehoben, worauf sich der Zug in Bewegung setzte. Hinter dem Leichenwagen schritt der Weinberger Rabbiner Herr Stark mit den Obercantor G r u s ch a, ferner der Gatte und der Bruder der Verblichenen. Vor den Stufen zum Neuen deutschen Theater machte der Leichenwagen Halt. In der Einfahrt hatte sich Director Angelo N e u m a n n mit dem gesammten Künstlerpersonale des Theaters, ferner eine Abordnung des Deutschen Theatervereines, Angehörige der Presse und viele Trauergäste eingefunden. Angelo Neumann trat vor und hielt einen kurzen Nachruf, in welchem er in bewegten Worten das frühe Hinscheiden der Künstlerin beklagte, deren Erscheinen auf der Bühne jedesmal wie ein Sonnenstrahl der Freude gewirkt habe. Er könne den Gatten der Verblichenen nur wünschen, daß er für den schweren Verlust, den er erlitten, vollen Trost in der Kunst finden möge. Nachdem Director Neumann geendet, stimmte der Chor Mendelssohn's ergreifendes „Es ist bestimmt in Gottes Rath" an, nach dessen Absingnng Namens des deutschen Theatervereins die Vorstandsmitglieder desselben Herren kais. Rath O st e r m a n n, Director C h a n e r und Dr. Freiherr Wolf-Zdekauer dem Gatten der Verblichenen das Beileid ausdrückten. Prag. Unter dem Schlagworte „Antisemitismus, auf Reisen" erzählt der „Czas", das Organ des Prof. Ma sar yk folgende Geschichte : Dem Herrn Hirsch S ch ö n m a n n,

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