Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 10 (9.3.1900)
- Date
- 1900-03-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 186 Vr. Bloch's Wochenschrift« Nr. 10 die Präterirung der städtischen Lehrer gelangt speciell in einer vom „Jüdischen Volksverein" veranstalteten Versammlung zur Sprache, in welcher die Lehrerin Fräulein Irene U l m a n n und Advocat Dr. S t e g e r als Referenten in Aussicht genommen sind. Die Lehrerschaft hofft auf eine zahlreiche Betheiligunq der mit ihr sympathisirenden Bevölkerungsschichten. Wien. („V erein der Kinderfreunde für den XVI. und XVII. Bezirk, XVI. Hubergasse 8) Dieser Verein unter der bewährten Leitung des Herrn Albert Hohenberg hat im letzten Jahre, dem 18. seines Bestandes, 142 arme Schulkinder mir vollständigen Winterkleidern und Schuhen versorgt. — Derselbe hat mit Genehmigung der hohen k. k. niederöst. Statthalterei seine Statuten dahin abgeändert, daß er jetzt ausschließlich nur arme Schulkinder israelitischer Confession bekleidet. Bei der am 22. Februar d. I. stattgehabten Generalversammlung wurden neuerdings die Herren Albert Hohenberg zum Obmann, Siegmund Weiler zum Obmann - Stellvertreter, Max F e i g l zum Cassier, Alexander G o l d b l a t t und Hermann K o h n zu Schriftführern, Dr. Alfons Cohn und Samuel K o h n zu Revisoren gewählt, weiters in den Ausschuß die Herren Dr. I. D e u t s ch, S. F i s ch e r, Jul. Turgm a n n, D. S p i e l m a n n, Josef Weiß wieder- und Ludwig E ck st e i n neugewählt. Am 8. Februar veranstaltete der Verein ein höchst gelungenes. animirtes Costümkränzchen, welches ein Reinerträgniß von cirka K 1000.— für den Verein ergab. Lemberg. Zeitungsberichten zufolge sind in jüngster Zeit etwa 80 jüdische Schuster und Schneider aus Tlumacz und Tysmieuica nach New-Aork ausgewandert, wo sie ständige Beschäftigung in Aussicht haben. — Die wirthschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung Galiziens gestaltet sich immer bedrohlicher, eine rasche, ausgiebige und zielbewußte Hilfsaction ist dringend geboten, da sonst eine traurige Zukunft bevorsteht. — Weniger Debatten, dagegen mehr praktische, unmittelbare Hilfeleistung thäte unserer armen Bevölkerung Noth. — In einer anläßlich der bevorstehenden Landtagswahl einberufenen jüdischen Wählerversammlung entwickelte Abgeordnete Daszynski in einer zweistündigen, großangelegten, sehr beifällig aufgenommenen Canditatenrede sein politisches Programm, wobei Redner in ausführlicher Weise die trostlose Lage der Juden hierzulande, speciell in den kleineren Ortschaften schilderte und die Versicherung gab, im Falle seiner Wahl mit aller Kraft für die gerechten jüdischen Interessen einzutreten. — Die Candidatur Daszynsü's wird in den Kreisen der unabhängigen^jüdischen Wählerschaft sehr sympatisch ausgenommen. Etwas verspätet berichten wir, daß der hiesige Cultusvorstand dem Rabbiner und Strafhausseelsorger Dr. Samuel Guttmann die Leitung der cvnfessionellen Knabenschule übertragen hat. — Indem die Gemeinde diese wichtige Stelle einem durch Fähigkeiten, ausgezeichnete Studienerfolge und bisheriges Wirken vortheilhaft eingeführten Theologen übertrug, hat dieselbe den eigentlichen Zweck dieser Anstalt als jüdische culturelle Institution im Auge behalten. — Sache des neuen Schulleiters wird es sein, alle nothwendigen Neuerungen in Vorschlag zu bringen respective durchzuführen, die geeignet erscheinen, das moralische Niveau unserer Schule zu heben, derselben zu ihrem ftüheren Ansehen zu verhelfend Der greise Rabbiner Jsak Schmelkes liegt infolge einer Lungenentzündung schwer krank danieder. — In weiten Kreisen unserer Gemeinde gibt sich lebhafte Theilnahme für den ehrwürdigen Seelsorger kund. V.s Rerchenberg, 6. März. Von unserem herrlichen Gotteshause weht die Trauerflagge. — Freitag Mittag durchlief wie ein Lauffeuer die Hiobsbotschaft, daß unser allverehrter Cultusvorsteher Herr Heinrich L a n g st e i n auf seiner Heimreise Ms Meran, wo er Heilung suchte, in Wien plötzlich verschied. — Sofort versammelte sich der Cultusvorstand und Herr S. P o l l a c e ck hielt einen ehrenden Nachruf, welcher stehend angehört wurde. Welch' großer Werthschätzung und Hochachtung sich der Verblichene, welcher auch Mitglied des hiesigen Stadtverordnetencollegiums, des Ortschulrathes rc. war, erfreute, zeigte die riesige Bethei,igung an dessen Begräbniffe. Es waren u. A. erschienen: Bürgermeister Dr. Bayer mit vielen Herren des Collegiums, der k. k. Kreisgerichtspräsident Hoftath Baron von Weiß, der k. k. Oberpostverwalter E b e r l e, Schulinspector Schweriner, Deputationen sämmtlicher Vereine, denen der Verblichene Mgehörte. Groß war die Anzahl der Deputationen israelitischer Cultusgemeinden von Nah und Fern, noch größer aber die telegraphischen und schriftlichen Condolenzen an unsere Gemeinde. In dem hellerleuchteten, schwarz drapirten Tempel wurde der Sarg von den Vorstandsmitgliedern getragen, woselbst unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Emil Hoffman n eine ergreifende Rede hielt, die, vom Herzen kommend, zum Herzen gehend, einen mächtigen Eindruck hinterließ. Der Tempelchor, dessen steter Förderer der Verstorbene war, sang einen Tcauerchor mit Solo und ein geistliches Lied. Am Grabe sprachen Namens der Cultusgemeinde Herr Doctor Schnürmacher in ergreifenden Worten den Dank aus für die jederzeitigen warmen Interessen für die Gemeinde, welche durch den Verstorbenen die jetzige Stellung erlangt hat und mit seinem Namen eng verknüpft ist, Herr Leopold Rosenbaum Namens des israelitischen Humanitätsvereines Benai-Berith. Gemäß dem Beschlüsse des Cultusvorstandes ruht der für uns früh Dahingeschiedene im Ehrengrabe neben dem unseres verstorbenen Ehrenvorstehers Sigmund Libitzky. Möge dem Verstorbenen die Erde leicht sein, die hiesige israelitische Cultusgemeinde wird seiner stets dankbar gedenken. —1—. Prag. Der Kceuzerverein zur Unterstützung armer israelitischer Waisenmädchen im Königreiche Böhmen hielt im Bereinsheim seine 23. Hauptversammlung unter Vorsitz des Obmannes kaiserl. Rath S. H a u r o w i tz ab. Dem vom Obmanne über das abgelaufene 22. Vereinsjahc erstatteten Berichte entnehmen wir: Im Sinne der geänderten Statuten wird nun der Vereinszw.'ck durch Führung und Verwallung des von den Eheleuten kaiserl. Rath Moritz und Frau Ernestine Hayn anläßlich des 50jährigen Kaiserjubiläums gestifteten Waisenhauses in den königl Weinbergen, sowie durch Vertheilung von Jahresstipendien an arme israelitische Waisenmädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren erfüllt. In dem „Waisenheim für Mädchen" sind seit Beginn des letzten Schuljahres 26 Waisenmädchen in Obsorge. Unter Anleitung der bewährten Erzieherin und der Hausmutter werden die Mädchen, welche sämmtlich Schulen besuchen, körperlich und geistig herangebildet, sowie in den Bedürfnissen des Praknschen Lebens unterwiesen. Sowohl der Gesundheitszustand wie der Fortgang der Pfleglinge in den Schulen ist ein durchaus befriedigender. Die Kinder bilden untereinander eine große Familie, sind fröhlich, fleißig und verträglich und genießen unter der Obhut ihrer Leiter dank der unermüdlichen Fürsorge des stifterischen Ehepaares Hahn, sowie der umsichtigen Thäligkeit des Damencomites und der Jnspectoren alle Wohlthaten eines gesicherten Heims, dessen sie ein trauriges Schicksal beraubte. Im Laufe des Jahres wurde das Waisenheim wiederholt von Schulinspectoren, Gönnern und Freunden besucht, und besichtigt, welche nur schmeichelhafte Urtheile über alle Einrichtungen und das Aussehen, sowie das Benehmen der Zöglinge abgaben. Nebst dem Aufwande für die Erhaltung des Waisenheims wurden durch den Verein im verflossenen Jahre 94 Stipendien ä 50 fl. an arme Waisenmädchen vom Lande vertheilt, und auch ein hilfsbedürftiges Waisenkind mit einer besonderen Subvention von 150 fl. bedacht. Die Cassagebahrung im laufenden Jahre weist an Gesammteinnahmen 26.895 fl. 45 kr., an Gesammtausgaben 12.949 fl. 68 kr. aus. Die Beiträge von Mitgliedern aus Prag betrugen im abgelaufenen Jahre 2.785 fl. 48 kr., Beiträge der Mitglieder vom Lande (346 fl. 20 kr. weniger als im Vorjahre) 3.276 fl. 92 kr., als Stipendien wurden 4.475 fl., für das Waisenhaus an Regie und sonstigen Kosten 5.880 fl. 51 kr. verausgabt. Schließlich wird den Rabbinern der israelitischen Cultusgemeinde in königl. Weinberge Dr. David Stark und Dr. Gustav Weiner, den Aerzten Prof. Dr. Epstein, Dr. Alois Pollak, Dr. Bunzl, ferner Dr. Tänzer, der Cultusgemeinde-Repräsentanz in Prag und Weinberge, der Direction der böhmischen Sparkasse, den Comitedamen und Jnspectoren für ihr erfolgreiches Wirken, der gesammten Presse sowie allen Förderen für die dem guten Zwecke gewidmete Mitwirkung der Dank zum Ausdrucke gebracht. Hierauf wurden der Geschäfts- und Cassabericht einstimmig genehmigt. Kaiserl. Rath Falkowicz erstattete hierauf den Bericht der Revisoren, welcher gleichfalls zur Kenntniß genommen wurde. Kaiserl. Rath S. Kann sprach im Namen der Versammlung dem Vorstande für seine Mühewaltung den Dank aus. Zum Schluffe wurden die Wahlen vorgenommen und Philipp Beck, Simon Dewidels, Universitäts-Professor Dr. Alois Epstein, kaiserl Rath Sig. Haurowitz, kaiserl. Rath Benedict Kollinger, A. I. Pollak zu Direktoren und zu Revisoren die Herren kaiserl. Rath Falkowicz, Adolf Hahn, Ludwig Deutsch und Alfred Bony wiedergewählt.