Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 10 (9.3.1900)
- Date
- 1900-03-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 10 Dr. Blvch's Wortlenschrift. Lei!,. 18ö Einstellung der Arbeit, denn strenge Sabbathruhe wird gehalten in dieser Arbeiterstadt und eilenden Schrittes kehrt Jeder zurück — nicht etwa um in-die Schänke zu gehen — sondern heim in den Schoß seiner Familie. In den Fabriken, die auch Nachtbetrieb haben, wird die Arbeit anl Sonnabend Abends wieder ausgenommen. Arbeiter und Arbeiterinnen versammeln sich in der Fabrik, die Feiertagskleider werden in eigens hiefür bestimmten Räumen gegen die Werktagskleider vertauscht, der Werkmeister spricht den Segen, die Dampfmaschine wird in Bewegung gesetzt und die Wochenarbeit beginnt. Da hier alle jüdischen Feiertage berücksichtigt werden, so zählt man im Jahre gewöhnlich 280 Arbeitstage, und bei ununterbrochenem Betriebe wechseln die Tag- und Nachtschichten, die Nachtarbeit wöchentlich ab, weshalb auf jeden Arbeiter jährlich 14-0 Arbeitstage und 140 Arbeitsnächte zu 11 Stunden entfallen. Correspondenzen. Verband zur Unterstützung von Wöchnerinnen und Gründung einer Krankenpflegerinnenschule. Diejenigen, die wie die Unterzeichnete durch eine langjährige Vereinsthätigkeit hindurch das Elend armer jüdischer Wöchnerinnen aus nächster Nähe geschaut, können es vollauf ermessen, welch ein Segen für diese Aermften der Armen die neue Institution sein wird, die jetzt über Initiative der Cultusgemeinde zum Schutze dieser armen Frauen ins Leben gerufen wurde. Wir haben Wöchnerinnen angetroffen, die am dritten Tage nach ihrer Niederkunst beim Waschtrog arbeiteten und solche, die in Folge mangelnder Ernährung und Pflege wochenlang dahinsiechten. Wir haben bei Wöchnerinnen recherchirt, deren furchtbares Verlassensein ins Herz schnitt; arme Frauen, die Niemanden zu ihrer Wartung und Pflege hatten, um die kein Mensch sich kümmerte, und oft habe ich im Bette einer so hilflos Daliegenden neben dem Säugling noch ein zweites krankes Kind angetroffen. Es hat lange gedauert, bis hier Abhilfe geschaffen wurde; umso energischer und ausgiebiger wird sie auch jetzt sein, denn in der Gesundheit der breiteren Volks sch r'chken wurzelt die Kraft der Nation, und indem wir diesen Enterbten des Glückes in der traurigsten Lage ihres Lebens zu Hilfe kommen, indem wir ihnen die Mittel bieten, sich vor Siechthrrm zu bewahren, sichern wir die Gesundheit von Generationen. Dieser Erkenntniß verdanken wir es, daß sich jetzt allerorten das Mitleid für die armen Wöchnerinnen regt und sich in der Gründung von Vereinen zu ihrer Unterstützung und in Errichtung von Reconvaleseentenhäusern documentirt. Ein wichtiger Factor zur Unterstützung der Wöchnerinnen wird die Wochenpflegerin sein, und Hand in Hand mit dem ins Leben getretenen „Verband zur Unterstützung von Wöchnerinnen" sollte auch die Institution der Krankenpflegerinnen in Wirksamkeit treten. Im Sommer 1898 hat die israelitische Cultusgemeinde die Gründung einer jüdischen Krankenpflegerinnenschule beschlossen, eine Gründung, welche seitens unserer Glaubensgenossen mit wärmster Sympathie begrüßt wurde. Die ersten Anzeichen der Aetivirung dieser Institution war eine im Sommer 1899 in den jüdischen Wochenblättern seitens der Cultusgemeinde veröffentlichte Kundmachung, daß im jüdischen Spitale am Währingergürtel Krankenpflegerinnen ausgenommen werden. Dieselbe hatte, wie uns bekannt ist, ein negatives Resultat; es meldete sich nur ein ganz unbrauchbares Material. Wenn diese Institution in Wien Wurzel fassen soll, so wäre es unserer unmaßgeblichen Meinung nach vor Allem nothwendig, daß die Cultusgemeinde in einem warmen Appell an die jüdischen Frauen dieselben über das Wesen und die Bedeutung jüdischer Krankenpflege aufkläre und sie dann zum Beitritte auffordere. Der größere Theil unserer österreichischen jüdischen Frauen und Mädchen weiß wohl noch wenig davon, welch schöne und ehrenvolle Stellung die jüdischen Krankenpflegerinnen sich draußen in Deutschland errungen, und daß dort der Andrang zu diesem Berufe so groß ist, daß viele Bewerberinnen abgewiesen werden. Frauen und Mädchen der besten Stände, Töchter von Rabbinern bieten ihre Dienste als Krankenpflegerinnen an. Die Institutionen von Berlin und Frankfurt sind diesbezüglich mustergiltig. Die Krankenpflegerin par excellence, wie sie in den Musterinstituten in Deutschland zu Hause ist, muß sich durch gesunden Menschenverstand und Herzensgüte auszeichnen. Eine gute Schulbildung muß sie in den Stand setzen, den Anordnungen des Arztes ein leichtes und richtiges Erfassen entgegenzubringen und durch ihr aufmerksames Beobachten und ihre Berichterstattung quasi die Gehilfin des Arztes zu sein. Sie muß als Armeupflegerin nicht nur der Pflege der ihr anvertrauten Personen treu obliegen, sie muß auch mit Hintansetzung ihrer Persönlichkeit den Haushalt der armen Kranken überwachen; sie darf vor den niedrigsten Diensten nicht zurückschrecken, sie muß die Stube reinigen, kleine Kinder waschen, nähren und beaufsichtigen. sie muß, kurz gesagt, Kindern die Mutter ersetzen, wenn diese krank ist. Sie muß ferner auch mit Opfermuth bereit sein, Personen zu pflegen, die mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind. Ein junges, intelligentes Mädchen aus meinem Bekanntenkreise hatte den Beruf der Krankenpflegerin ergriffen, dem sie sich bald mit großer Liebe und Hingebung widmete. 'Als ich sie eines Tages fragte, was ihr eigentlich so viel Begeisterung für den schweren Berus verleihe, antwortete sie ganz glücklich: „es ist die Liebe und Dankbarkeit, die mir meine armen Patienten entgegenbringen; Sie ahnen nicht, wie das erhebt und wohlthut!" Eine Berufs-Collegin dieses wackeren Mädchens, war die Tochter eines angesehenen Wiener Arztes. Es gehört wahrlich ein großer Edelmuth, ein großer Heroismus dazu, den Beruf einer Krankenpflegerin zu ergreifen, und deshalb bedarf es auch eines mächtigen Appells an die jüdischen Frauen und Mädchen. Wenn ferner auch den Eltern oder der Familie von vornherein die Beruhigung geboten wird, daß das den schweren und aufopferungsvollen Beruf der Krankenpflegerin ergreifende Familienmitglied gegen tückische Zufälle, die mit diesem Berufe zusamuenhäugen, für den Fall der Invalidität und des Alters sichergestellt ist, dann wird sich jenes edle und bessere Menschenmaterial melden, dessen eine solche Institution bedarf. Die Sicherstellung ihrer Zukunft wird der Krankenpflegerin jene Ruhe und jenes Gleichgewicht der Seele geben, die zu diesem Berufe unumgänglich nothwendig sind. Die Gründung von jüdischen Krankenpflegerinnenschulen ist jetzt zum unausweichlichen Bedürfnis geworden. Wir haben in jüngster Zeit von der Constituirung solcher Schulen in Prag, Budapest, Preßburg, Rußland und Rumänien gelesen. Hoffentlich erhalten wir auch bald eine solche in Wien. Ursprünglich hatte bie Cultusgemeinde die Aetivirung dieser Gründung einem Damencomitö übergeben, welches schon mit Eifer und Energie und auch theilweise mit pecuniärem Erfolg die einleitenden Schritte unternommen hatte. Bon dieser Mittelsperson aber scheint die Cultusgemeinde Umgang genommen zu haben. Im Interesse der Institution aber wäre es zu wünschen, daß Frauen dieselbe wieder in die Hand nehmen würden, denn ihnen ist der richtige Blick und die Geschicklichkeit im Organisiren nicht abzusprechen. Gerade bei dieser Institution ist das Verständniß der Frau in der Auswahl der Pflegerinnen nicht zu unterschätzen. Die großen mannigfaltigen Agenden, welche der Wirkungskreis der Wiener israelitischen Cultusgemeinde umfaßt und zu welcher sich in den letzten Jahren noch die Abwehrthätigkeit gesellt hat, lasten es naturgemäß nicht zu, die große Arbeitslast, die auf ihr ruht, durch Institutionen, die eigentlich in das Bereich der Privatwohlthätigkeit fallen, noch zu vermehren. Deshalb wäre es gut, wenn die aus der Initiative der Cultusgemeinde hervorgegangene Gründung einer Krankenpflegerinnenschule zum endgiltigen Ansbaue einem Damencomite übergeben würde, dem die Cultusgemeinde ihre moralische und materielle Unterstützung zutheil werden läßt. Und so wie unter ihrer Aegide der „Verband zur Unterstützung von Wöchnerinnen" mit Hilfe der verschiedenen Frauenvereine zu stände gekommen ist, so soll auch jetzt mit ihrer Hilfe die so nothwendige Institution der Krankenpflegerinnen bei uns recht bald ins Leben gerufen werden, damit diese beiden Vereine Hand in Hand ihre segenspendende Thätigkeit beginnen können. Rosa Feige u bäum. Wien. (Die Präterirung freisinniger Lehrer.) Um zu den letzten Lehrer-Ernennungen Stellung zu nehmen, beabsichtigt die freisinnige Lehrerschaft, in Gemeinschaft^ mit anderen Kreisen der freisinnigen Bevölkerung in der nächsten Zeit drei große Versammlungen abzuhalten. Die erste Versammlung geht vom Centralverein der Wiener Lehrerschaft aus, und es werden die Lehrer Seitz und Katschinka als Referenten den Standpunkt der Lehrerschaft darlegen; in der vom Lehrerverein im II. Bezirk veranstalteten Versammlung spricht Lehrer Friedrich Aufwerber;