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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-09 · 10 (9.3.1900) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
10 (9.3.1900)
Date
1900-03-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Dloch's Wochrnschrsfr. Seite 181 flüchteten, das schädliche Gift der Assimilation auch nach Zion verpflanzen würden. Traurig, aber wahr. — In Palästina und in Syrien lebt derzeit außer den jüdischen Colonisten und Arbeitern auch eine Anzahl wohlhabender Juden. Abgesehen davon, daß sich der eine immer höher als der andere wähnt, daß sie Jeden, der sich aufs Pcotzenthum nicht gar so gut versteht, immer nur über die Schulter sehen, suchen sie ihren Verkehr nur an jene Gesellschaften anzuknüpfen, die ihnen, wenn auch nicht immer mit Verachtung, so doch stets mit einer gewissen Zurückhaltung und Kälte begegnen. So oft irgend einer dieser assimilirten Leuchten des Judenthums gelegentlich einer Geschäfts- oder Vergnügungsreise auch unsere Stadt, Beyrouth, mit seinem hohen Besuche erfreut, so findet er es für seine Ehre als unwürdig, in einem jüdischen Hotel Logis zu nehmen, vermeidet es sogar, jenes christliche Hotel aufzusuchen, wo er Gefahr laufen könnte, hie und da auch einem jüdischen Gaste zu begegnen und von diesen triftigen Beweggründen geleitet, frequentirt der palästinensische Jude nur judenreine, antisemitische Hotels! Einige dieser Assimilanten mußte so jüngst zu ihrem bittersten Schmerze erleben, daß die Christen die Tafel verließen, als sie unter den arischen Mittagsgästen gar unerwarteterweise auch — Juden bemerkten!! Willig oder unwillig mußten unsere Assimilanten dann in ihren Zellen, einzeln, gleich den Arrestanten^speisen; und es geschieht ihnen vollkommen recht. Es erfüllt mich mit unsäglichem Schmerze, an dieser Stelle öffentlich die Sünde unseres Volkes zu beleuchten; ich hoffe indeß, daß meine vorliegenden Zeilen ihren Zweck nicht verfehlen und vielleicht doch manche eines Besseren belehren und sie zur Einsicht kommen lassen werden. In der durchgehends sephardischen Judengemeinde von Beyrouth leben auch ca. 30 aus Europa eingewanderte „aschkenasische" Familien. Die Eintracht, die unter den sephardischen Familien überall in Syrien herrscht, ist auch hier anzutreffen; dieselbe ist wirklich mustergiltig und es leben alle, mit ihrem Schicksal stets zufrieden. Hingegen hört man unter den Aschkenasim nur ewigen Hader, Zank und Streit. So hatte unter ihnen ein aus Rußland eingewanderter Colonist auch ein Restaurant inne, von dem er mit seiner Familie sein Dasein fristete. Doch mehrere (?) seiner treuen Glaubensbrüder aus Nordrußland hatten nichts eiligeres zu thun. als dem Hauseigenthümer, einem Araber, das Doppelte der Miethe anzub eten und gehen nun daran, den armen Restaurateur, der sich jetzt in der Noth keinen Rath zu schaffen weiß, vor die Thür zu setzen. Die Beyrouther israelitische Jugend, die der besseren Classe frequentirt keine andere als die Missionsschule . . . und der Zweck dieser Schule ist bald erreicht. Ich hatte selbst Gelegenheit, von Frequentantinnen dieser Schule Ansichten über die mosaische wie über die christliche Religion zu hören, die mich nicht wenig in Staunen setzten. — Hingegen läßt sich kaum das Gefühl schildern, das Unsereinem überkommt, der die Schülerinnen der Schulanstalten der „Alliance Jsraelite" in Palästina und Syrien in unserer Muttersprache, der hebräischen, verkehren und sie nationale Lieder vortragen hört. In der hiesigen oberwähnten Missionsschule müssen auch die jüdischen Mädchen das neue T e st a m e u t perfect kennen. Als dies jüngst in einer hiesigen Gesellschaft zn Gespräch kam, da meinte ein Jerusalemer Mädchen. Frequentant!» der Schule der „Alliance Jsraelite": „Wenn Palästina uns gehören wird, dann werden auch die Beyrouther Mädchen unsere Bibel lesen". Das in Oesterreich übliche Eintauschen der Chanukalichter gegen ein kleinwinziges „Christbäumchen" ist auch hier nicht fremd geblieben; die Beyrouther Assimilanten stehen in dieser Hinsicht den Czernowitzern nicht zurück. In Jerusalem ist jüngst von bisher unbekannt gebliebenen Mördern an einer jüdischen Familie ein Raubmord verübt worden. Als dieses Verbrechen in einem hiesigen Hotel zu Gespräch kam, da konnte ein hiesiger arisch-antisemitischer Commis, sionär Namens K . . s nicht umhin, einem Mischen Reisenden gegenüber, der ihm vor wenigen Minuten erst die Vertretung mehrerer jüdischen Fabriken übertrug, zu äußern: „Man hat Juden ermordet, doch bleiben ihrer noch immer genug übrig"; und auf diese flegelhafte Aeußerung des antisemitischen Commissionärs wußte der noch flegelhaftere jüdische Reisende gar keine Antwort. Die europäischen jüdische» Fabrikanten, die nicht selten just nur arische Vertreter suchen, können sich aber denken, mit welchem Eifer diese ihre auserwählten nichtjüdischen Vertreter und Commisiionärs im Oriente ihre Interessen wahren und sich ihrer Geschäfte annehmen, wenn sie keine Gelegenheit unbenützt lassen, um über das Judenthum im Allgemeinen und über einzelne Juden im Besonderen wie Bluthunde herzufallen. Hingegen hatte ich oft genug Gelegenheit mich zu überzeugen, daß die jüdischen Commiflionshäuser: Philippe Türke! u. Cie., Beyrouth, Wilhelm Groß, Jaffa, Theodor Weiß, Jnformationsbureau, Jaffa, den durch sie vertretenen christlichen Firmen stets das denkbarst größte Jntereffe entgegenbringen und ihnen im Oriente die weitgehendsten Vortheile bieten. Freilich kann kein Jude so niedrig denken um demjenigen, dem er gewissermaßen zu Dank verpflichtet ist, mit Undank zu lohnen. Die „Oesterreichische Wochenschrift" gibt uns in ihrer Nr. 2, 1900 die absurde Aeußerung eines frischgebackenen Czernowitzer Doctorchens, benannt Mück, wieder: er habe sich einzig und allein aus dem Grunde taufen laffen, weil ihm dies „Nutzen" bringen wird. — Der Hang des Juden zum Handel hat sich also auch bei unserem armen Doctorlein nicht verläugnet und schon während seiner „Bettelstudentenjahre" war er beständig vom süßen Gedanken beseelt, unmittelbar nach dem Aufsetzen des Doctorhütleins „a Geschäftche" zu machen, und so nimmt es uns nicht im Geringsten Wunder, wenn das Mücklein auf „Nutzen" losgeht. — Doch wenn wir erfahren, daß auch ein jüdischer Commissionär in Palästina, Namens A. S. sich taufen ließ, so kann uns gar kein einziger Beweggrund recht einleuchten. Sollte Herr A. S. „auf dem GebieteZseiner praktischen Thätigkeit" etwa zur Ueberzeugung gelaugt sein, daß ihm die Jerusalemer jüdischen Kunden oder die „Depots-Genareaux" der prlästinaer jüdischen Colonien dann mehr Zutrauen schenken würden? Letztere wissen Bescheid hierüber. Im kleinasiatischen Srädchen Mersina kam jüngst ein griechischer Antisemit sehr schlecht davon. Als er nämlich iu ironischer Weise fragte, woher die Mersinaer Juden ihren Bedarf an „Osterblut"! decken, gab ihm Herr Hermann Lescz. Kapellmeister aus Czernowitz, schlagfertig zur Antwort: „Wir schlachten einen so großen Ochsen wie du einer bist, dann haben alle Mersinaer Juden genug". Auch unser hiesiger Capellmeister, Herr W. Kohn aus Wien, nimmt sich nie ein Blatt vor den Mund, wenn das Krakehlen irgend eines Antisemiten zu seinen Ohren dringt. B. Katz. Arischer Wucher in judenreinen Zeiten. Bon einem Christen. Die gehässige Darstellung des Pfarrers Deckert von dem angeblichen jüdischen Wucher veranlassen den Schreiber dieser Zeilen, ob er auch gleich Christ ist, im Jntereffe Ser geschichtlichen Wahrheit dem geehrten Herrn Pfarrer nachstehende Daten aus der von dem zum Priester geweihten katholischen Geschichts- Professor Jannsen verfaßten „Geschichte des Cultuszustandes des Deutschen Volkes seit dem Abgänge des Mittelalters" vor die Augen zu Mren. Es war die Zeit der unumschränkten Kirchenherrschaft und vor der Macht der Päpste erzitterten Könige und Fürsten. Und trotzdem, und trotz des so strengen Verbotes von Wucherei wurde allgemein über den Wucher der — Christen geklagt. So z. B. predigte der Jesuit Scherer von der Kanzel herab: „Wie eine Sündfluth habe der Wucher schier die ganze Welt überschwemmt nnd ausgetränket. Wir reißen nnd beißen, schinden und schaben, drücken und pressen einander, daß es ein ewiger Spott lind Schande ist. Es fällt Einer den Anderen mit dem Wucher an» wie die Jagdhunde ein Wild anfallen, und sind dieJuden gegeneinander viel b a r ni h e r z i g e r und mitleidiger, als w i r C h r i st e n, d i e w i r u n s der T a u f e r ü h m e n. Durch den verdammten Wucher bringen wir unsere Nächsten um Haus und Hof und um Alles was er hat, wie dann die Wucherer fein abgerichtet sein. Ich weiß einen Wucherer, der nimmt wöchentlich von Einem Gulden 5 Pfennige zu Wucher, das macht in einem Jahr von 100 nicht mehr als 105; Pfui der Schande! Mancher leiht einem 1000 Gulden, gibt aber nur 500 an b a a r e m G e l d, u n d dazu in einem solchen Geld, daran der Entlehner v c r l i e r e n m u ß, die a n d e r e n 500 gibt er in verdorbenen W a a r e it, a u f das T h e n e r st e geschätzt, in verlegenen! Tuch, i n u n g e w i s s e n Schuldbriefen, in zähen W e-i n, hinkenden R o s s e n nnd so weiter; an 7 diesem Allem macht er die Hanptsnmme völlig und schlagt noch daran-

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