Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 9 (2.3.1900)
- Date
- 1900-03-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021331-3021341--09688-3034129- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 172 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 9 II. Cultusvorsteher; Hermann Katz, Cassier; Markus K o h n sen., Rechnungsführer; Leopold Weiner, Tempelvorsteher und Hausverwalter. Croatftch-Kreutz. Der Schriftsteller und Bezirksrabbiner in Croatisch-Kreutz Herr Dr M. Engel, hat jüngst ein in wissenschaftlichen Kreisen vielbemerktes Werk nach einer arabischen-assyrischen Handschrift herausgegeben und ein Exemplar desselben dem König Oskar II. von Schweden und Norwegen, der als ein hervorragender Orientalist bekannt ist, übermittelt. Darauf kam Herrn Dr. Engel von dem königlichen Secretariate folgendes schmeichelhaftes Antwortschreiben zu: „Hochgeehrter Herr Doctor" Se. Majestät der König von Schweden und Norwegen haben mir den Befehl zu geben geruht, Sr. Majestät allergnädigsten Dank auszusprechen für die mit dem geehrten Schreiben vom 26. Jänner übersandte Arbeit. Mit vorzüglicher Hochachtung v. Celaing. Wall.-Mcseritsch. (Todesfall) Jäh' und unerwartet entriß uns der Tod am 7. d. M. unsere allseits verehrte Präsidentin des israelitischen Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines Frau Karoline Sommer. Die Verblichene war durch ihre Herzensgüte und weiblichen Tugenden die Zierde unserer Gemeinde. Welch' großer Beliebheit und Werthschätzung sich die leider nur allzufrüh Dahingeschiedene bei unserer Bevölkerung erfreute, gab die zahlreiche Betheiligung am Begräbnißtage ein beredtes Zeugniß. Allgemein war die Trauer um die Verblichene sowohl bei den jüdischen, wie auch bei den christlichen Mitbürgern. Ergreifend war die Grabrede des Rabbiners Sr. Ehrwürden Dr. Rabiuowicz, der die edlen Vorzüge der Verblichenen sowohl als Gattin, wie als Mutter schilderte. Kein Auge blieb thränenleer, als Se Ehrwürden die aufopfernde Hingebung für das Wohl ihrer Familie, sowie ihre religiösen Tugenden schilderte. Wie ihr im Tode schon vorangegangener Gatte, hatte auch sie sich die Herzen Aller zu erwerben gewußt, die mit ihr in Berührung kamen und die Sympathien übertragen sich auf die Hinterbliebenen im vollsten Sinne des Wortes. Möge der Dahingeschiedenen die Erde leicht werden. Amen! Jglau. (Trauung). Sonntag, den 18. Februar 3 Uhr Nachmittags fand im hiesigen israelitischen Tempel die Trauung des Herrn Ludwig R o t t e r aus Wien mit Fräulein Marie T a u ß i k, Tochter des Herrn Ignaz Taußik aus Chotebor in Böhmen statt. Unter den vielen Gästen sah man den Herrn kais. Rath Wilhelm Pollak aus Wien. Jglau. (Unterhaltungsab end des Gesangvereines „Schir Zion.") Unser seit vierzehn Jahren bestehender Gesangverein hat durch seinen Gründer, den Herrn Stadtverordneten Gustav Hellmann und Adalbert Pokorny, sowie durch andere Gönner und Förderer desselben einen nie geahnten Auftchwnng erfahren; denn es ist der Vereinsleitung stets gelungen, tüchtige und erprobte Chormeister, unter denen es sogar vortreffliche Interpreten des liturgischen Gesanges gegeben hat, zu gewinnen, welche den Anforderungen nach jeder Richtung bin gerecht wurden, so daß unser Verein über fünfzig Mitglieder (Herren und Damen) zählend, jederzeit zur Hebung des Gottesdienstes vielfach beigetragen hatte. Nebst diesem hat der Verein zur Förderung des geselligen Lebens durch die Pflege des „weltlichen Liedes" sein Scherflein beigetragen, was ihm jedesmal zur Ebre gereichte Am 17 Februar Abends veranstaltete der Verein im Christ'schen Mariensaal einen „Unterhaltungsabend" für die ausübenden Mitglieder nnd deren nächsten Angehörigen, welcher nach dem Ausspruche aller Betheiligten als sehr gelungen zu bezeichnen ist Da gegenwärtig die Chormeisterstelle vacant ist, unterzog sich unser allverehrter Herr Obmann Gustav Hellmann, der in der Musik und dem Gesänge wohlbewandert ist, der mühevollen Aufgabe des Eknstudierens der Chöre und des Dirigirens an diesem Abende, was demselben die Anerkennung der Zuhörerschaft eingetragen hatte; denn die aufgeführten Solovorträge und^ die Chöre haben eine beifällige Aufnahme gefunden. . Nach dem Absingen des Wahlspruches wurde die Unterhaltung durch den Chor: „Heidenröschen" von Kißling eingeleitet, der die erwartete Wirkung nicht verfehlte Besonderes Lob erntete unsere bestbewährte Prima-Säugerin Frau Rosa Epstein, welche nicht nur die Damenchöre exact einstudirte, sondern auch, weil dieselbe eine Meisterin des Clavierspieles ist, die Damenchöre und die Singspiele in gelungener Weise begleitet hatte. Genannte Dame hat auch Brahms „Wiegenlied" und das „Trompeterlied" von Riedel mit gewohnter Gediegenheit zur Gettung gebracht, was einen Beifallsjubel hervorrief. Eine Glanznummer der Vorstellung bildeten zwei von Herrn Obercantor D. Weiß vorgetragenen Lieder von Schubert, der nicht nur durch seine sympatische Stimme als Sänger im Tempel, sondern auch als Concertsänger die Zuhörerschaft zu fesseln verstand. Zwei Violinsolo: Beriot's Adagio, IX. Concert und Scene de Ballet, gespielt von Herrn Richard Lederer haben den Beweis geliefert, welches schöne Talent und welche Strebsamkett diesem jugendlichen Spieler innewohnt. Demselben und Herrn Obercantor D. Weiß für seine Gesangsleistung wurde volles Lob gespendet. Zur Würze der Unterhaltung gehörte unstreitig'die Aufführung zweier Spiele, welche auf die Lachlust der Gäste anregend einwirkten und die Gesänge in wohlthuender Weise unterbrachen. Das einactige Lustspiel: „Die stenographirte Liebeserklärung" von N Schickenberg, aufgeführt von den Mitgliedern: Herren Beran, Götz, Frl. Anna Hellmann, Frl. Olga Kohn, Herrn Prager, Frl. Elsa Weiner, haben durch ihr prächtiges Zusammenspiel sowie durch die natürliche Darstellung des Gebotenen einen bedeutenden Heiterkeitsersolg erzielt, der sich durch lauten Beifall äußerte. Als eine recht heitere Abwechslung des Gebotenen erwies sich das komische Terzett von Heinzl: „Die fidele Gerichtssitzung", welches durch seine drollige Gestaltung das Publicum in fröhlichste Stimmung versetzt An dem Spiele betheiligten sich Herr Engel, Fritz Kohn und Weiner, welche sich ihrer Rollen mit berufsmäßiger Gewandtheit entledigten und zur Heiterkeit sehr anregten. Herr Fritz Kohn insbesonders verdient den Dank für seine Mühewaltung bei der Durchführung der Lustspiele. Nachdem noch der melodiöse Singwalzer: „Blätter und Blüthen" von Schaumann, „ S Deandl am Apfelbaum" von Hyby und der reizende Chor „Schneeglöckchen" von Abt tadellos gesungen wurden, luden die fröhlichen Walzerklänge zum Tanze ein, dem sich die Jugend mit Leidenschaft ergab. Wie man erfuhr, soll dies lange gedauert haben; nur ungerne schied Jeder aus diesem Kreise, wo die heitere Muse ihr Zelt aufgeschlagen hatte. Es wäre zu wünschen, daß eine solche fröhliche Unterhaltung sich bald wiederholen möchte! Einstweilen statten wir den Veranstaltern dieser Unterhaltung den geziemenden Dank ab. A. B. Hamburg. (Trauung). Sonntag den 11. März findet im israel. Tempel die Trauung von Frl. Flora Leimdörfer, Tochter des Herrn Rabbiner Dr. D. Leimdörfer, mit Herrn Dr. Emil Proßnitz, Rabbiner in Mähr.-Aussee statt. Feuilleton. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) „Das geht nicht!" erwiderte Golzinger. „Ich selbst habe noch eine alte Rechnung mit seinem Pflegevater, Aron Brack, abzuschließen, und es könnte ihm nichts Weheres geschehen, als wenn ich ihn seines Pflegesohnes, seiner Stütze beraubte; — aber es geht eben nicht! — Es ist merkwürdig, ich kann den Beiden nicht beikommen. Gleich als Brack den fünfjährigen Michael Klein, dessen Mutter hier auf ) er Durchreise starb, in sein Haus aufnahm, wollte ich den Knaben aus W. ausweisen, aber Brack drohte, diese Grausamkeit, wie er die pünktliche Erfüllung des Gesetzes in diesem Falle bezeichnete, direct zur Kenntniß des Kaiser Josef zu bringen, der damals eben den Thron bestiegen hatte und namentlich die erste Zeit nach seinen» Regierungsantritte der Schrecken aller jener Beamten war, welche als gewissenhafte Familienväter im Interesse der Ihrigen ihre Stellung zur Erlangung von Nebeneinkünften benützten. Ich war damals gezwungen, nachzugeben. Als Kaiser Josef starb und ich wieder gegen Michael Klein mit größerer Strenge hätte Vorgehen können, war dieser ein halberwachsener, ungewöhnlich kräftiger Bursche geworden, der sich mehrmals ausgezeichnet hatte. Er ist ein guter Naturschwimmer und hat zweimal mit Gefahr seines eigenen Lebens Ertrinkende gerettet. Diese heldenmüthigen Thaten gelangten beidemal durch den Uebereifer seines Protectors, des Pfarrers Willibald zur Kenntniß des Kreisamtes und Michael Klein wurde von diesem jedesmal eine Belobung und die ihm gesetzlich zustehende Taglia ertheilt. Klein hatte sie das Erstemal den Stadtarmen, das Zweitemal dem Geretteten, ein^m verzweifelnden Familienvater, der den Tod in den Wellen gesucht, geschenkt. Es erschien vollkommen unangänglich, Michael Klein zur Belohnung für seine Gemeinnützigkeit auszuweisen und hätten dies die Oberbehörden auch nicht gestattet. Als er sechszehn Jahre alt war, ging Michael Klein nach Nikolsburg an das Lyceum und kam erst als neunzehnjähriger Jüngling zurück. Mittlerweile aber hatte der kluge Brack die Stellung des fremden, heimatslosen jungen Menschen zu befestigen gewußt. Kurz bevor dieser aus Nikolsburg heimkehrte, war jenem ein schwerer Unfall zugestoßen. Bei einer plötzlich eingetretenen Ueberschwemmung war die Hanna mit reißender Schnelligkeit in die niedrig gelegene Judenstadt eingedrungen. Brack wollte die Thorarollen aus der Synagoge retten, glitt auf den schlüpfrigen Stufen derselben aus und brach einen Fuß. Dieser mußte amputirt werden und Brack geht jetzt auf einem Stelzfüße. Ec erklärte