Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 9 (2.3.1900)
- Date
- 1900-03-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 9 Vr. Bloch's Woche^fchrrfk. Sette 171 Mutter, der tiefgebeugte Gatte eine unvergleichliche Lebensgefährtin; wie das wackere Weib des Spruchbuches widmete sie sich rastlos unverdrossen der Verwaltung ihres Hauses und der Erziehung ihrer Kinder, die treueste und beste Beratherin und Helferin ihres Gatten. Ihr Andenken lebt fort in Ehren. — Für die Beliebtheit, deren verdienstvolle Juden sich hier erfreuen, bot sich jüngst bei ähnlicher Gelegenheit ein sprechender Beweis. Als ein Bruder des Stadtrathes Professors Franchetti starb, ließ sich der Bürgermeister vom Stadtparlament ermächtigen, dem trauernden Collegen im Namen der Stadtverwaltung sein Beileid auszusprechen, um, wie er sagte, dem verdienstvollen Bürger bei dieser Gelegenheit ausdrücken zu können, welche Beliebtheit und welche Anerkennung er in maßgebenden Kreisen genießt. Schöne Beweise von Toleranz die dadurch um so erfreulicher wirken, als sie nicht als etwas Besonderes, Außergewöhnliches aufgefaßt werden. Brüssel. Der Korrespondent der „Fcankfurter-Zeitung" hat in einer Unterredung mit Dr. Leyds, dem Gesandten der Transvaal-Republik, auch Aulaß genommen, einige Fragen über die staatsrechtliche Stellung der Katholiken und der Juden in Transvaal zu stellen. Der Gesandte erklärte, daß ein Gesetz, welches Nichtprotestanten von allen Aemtern ausschließe, nur im Jahre 1858 bestanden habe und noch in demselben Jahre wieder aufgehoben worden sei. Gegenwärtig könnten Andersgläubige das Bürgerrecht erwerben, nur seien sie vom passiven Wahlrecht und von den hohen Beamtenposten ausgeschlossen; auch die höchsten militärischen Grade seien ihnen nicht zugänglich. Wohl aber gebe es z. B. in Transvaal jüdische Friedensrichter. Einen Antisemitismus kenne man nicht; das Verhältniß der Afrikander zu ihren jüdischen Mitbürgern sei ein gutes; weit eher könne man eine gewisse Abneigung gegen die Katholiken constatiren. Wien. (Verlobung.) Herr Siegfried Lengsfelder, Gesellschafter der Firma G. Lengsfelder u. Sohn in Wien, verlobte sich mit Fräulein Hermine Bell, Tochter des verstorbenen Kleiderconfectionärs S. Bell in Wien. Der Bräutigam ist ein Enkel des verstorbenen Agramer Rabbiners Lengsfelder. Wien. In dem in der vorigen Nummer enthaltenen Berichte über die Plenarsitzung des Cultusvorstandes hat sich ein Druckfehler eingeschlichen. Die von Herrn Moriz Edlen von Kuffner und Frau Katharina O pp e n h e i m, geb. Edlen von Kuffner begründeten Stiftungen betragen zusammen nicht wie irrthümlich angegeben Kr. 3600, sondern Kr. 36.000. Wien. (Trauun g). Sonntag den 11. März, 3 Uhr Nachmittag findet im israel. Tempel der Leopoldstadt die Trauung von Frl. Riki Friedländer, Tochter des Schriftstellers Dr. M. Friedländer mit Herrn Dr. Moriz Ascher statt. Wien. Bei der Anfangs Februar d. I. stattgehabten Generalversammlung des Bethausvereines „Beth Hachneteth" III. Untere Viaductgasse 13, in welchem als Delegirter der Cultusgemeinde Herr Dr. Alfred Berger erschienen ist, wurde der vorgelegte Rechenschaftsbericht des Vorstandes einstimmig genehmigt und dem Vorstände der Dank der Versammlung für die getroffene Wahl des Herrn Dr. Armin Abeles zum Vereinsrabbiner ausgesprochen. In der hierauf stattgefundenen Constituirung des Vorstandes wurden gewählt die Herren: Dr. Ludwig Straßer zum Obmann, zu dessen Stellvertreter Markus Slattky, zum Schriftführer Max Wolfs, zum Cassier Philipp Schön, zu Controloren Philipp Lang, Samuel Spitzer; zu Verwaltern Salomon Nenfeld, Süßkind Krieß, Nachman Spiegel; zu Beisitzern Salonwn Grünhut, Sigmund Ochs. Wien. („Marpe Lanefesch".) Am 11. v. M. wurde in Fischer's „Cafe Adria" die vierte Generalversammlung des humanitären Vereines „Marpe Lanefesch" abgehalten. Nachdem der Obmann Herr Jacob Stern den Vertreter der Cultusgemeinde und die Anwesenden herzlichst begrüßte, verlas der Schriftführer Herr Wilhelm Morgenstern den Rechenschaftsbericht pro 1899. Aus den Ziffern dasselben trat das eminent wohlthätige Wirken dieses humnnitären Vereines deutlich zn Tage. Herr Dr. Berger nahm auch gerne Veranlassung sich oder die Thätigkeit desselben in höchst lobender Weise zu äußern und hob das gute Einvernehmen, welches zwischen diesem Vereine einerseits und der Cultusgemeinde anderseits besteht, hervor. Es wurde dann zur Neuwahl von 15 Vorstandsmitgliedern geschritten. Als gewählt erscheinen folgende Herren: Ferdinand Kohn, Wilhelm Morgenstern, Salomon Steiner, Eduard Herman, Jacob Stern, Leopold Piowaty, I. L. Zollschan, Josef Schiller, B. Groß, Meier Katzburg, Adolf Lettner, Jsac Rosner, S. Frischmann. Zu Tempelvorstehern wurden die Herren M. Zollschan, M. Reich und H. Fleischmann gewählt. — Der von der Polnaer Affaire bekannte Salomon Wassermann, ist gegenwärtig bei dem humanitären Vereine „Marpe Lanefesch" thätig und verdient sich seinen Unterhalt auf redliche Weife. Wien. Der allgemeine Kranken- und Unterstützungs-Verein „Montefiore" Hält Donnerstag, den 8. März in seinem Bethause II. Taborstraße 38 ein feierliches Requiem mit Predigt für seine verstorbenen Mitglieder ab. Beginn halb 6 Abends. Wien. (Kundmachung). Freitag den 2. März a. c. Abends und Samstag den 3. März a. e. Früh wird Herr I. R e n d y, Obercantor in Agram im Leopold städter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 6 Uhr, Samstag Früh um 8 Uhr. E. B. Wien. Der Verein „Jugendsch utz" arrangirt am 4. März, 8 Uhr Abends im Restaurant Lehninger, I. Johannesgaffe, eine von der Präsidentin Frau Julie Z e r n e r angeregte gesellige Zusammenkunft, um den Mitgliedern, deren Zahl schon weit über hundert beträgt, Gelegenheit zu bieten, sich zu nähern. Auch Gäste sind willkommen. Im Hinblick aus die humanitäre Tendenz des „Jugeudschutz" ist ein voller Erfolg aller seiner Actionen zu wünschen. Wien. (K u nd m a ch u n g). Die Generalversammlung des Wiener Bet-ha-Midrasch-Brreines findet Sonntag den 4. März 1900, 11 Uhr Vormittags im Betsaale des Bet-Ha- Midrasch II. Tempelgasse 3 statt. Wien. Der kaufmännische Unterstützungsverein „Osten" hält am 8. März, 8 Uhr Abends, im Restaurationslocale des Herrn Guth, II., Hammerpurgstallgasse 1, 1. Stock, seine XXIII. ordentliche Generalversammlung ab. — Tagesordnung: 1. Erstattung des Berwaltungs- und Rechenschaftsberichtes für das Jahr 1899 und des Berichtes der Revisoren. 2. Ertheilung des Absolutoriums an das Comite. 3. Wahl des Präsidenten und des aus 15 Mitgliedern bestehenden Comites, ferner 3 Caffarevisoren und 3 Schiedsrichter. (§ 15). 4. Eventuelle Anträge (§ 13). Für das Comite des kaufmännischen Unterstützungsvereines „Osten" in Wien: Kais. Rath I. Flu ß, Präsident, Jul. B. Weiß, Leon W i d r i ch, Schriftführer Wien. Der „Bethausverein Brigittenau" veranstaltet Donnerstag, den 15. März 1900 im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, zu Gunsten des Tempelbaufondes einen Purim-Ball. Ballmusik k. u. k. Regimentscapelle Freiherr von Pürcker Nr. 25. Tanzarrangement Herr Julius Singer. Eröffnung 9 Uhr. Soiree-Toilette. Geldsendungen an den Bereinsobmann Hermann E l t b o g e n, II., Rasaelgasse 12. Der Vereinsvorstand: Hermann E l t b o g e n, Obmann; Dr. Ernst R o s e n t h a l, Obmann - Stellvertreter; Heinrich Weiner, Cassier: Dr. Max W e i ß e n st e i n, David P o l l a t s ch e k, Schriftführer; Dr. Hermann Deutsch, Jakob G o l d n e r, Adolf Schreiber, Adolf Feuer, Jakob Kohn, David Spitz, Josef Wünsch, Ausschüsse. Wien. Herr Chordirigent Julius H e i m a n n hat anläßlich seiner 40-jährigen Dienstzeit bei der israelitischen Cultusgemeinde von Sr. Majestät die Ehrenmedaille erhalten. Wien. (Eine neue Selchwaarenfabr i k.) Herr Leopold Ehrlich hat in Wien XV. Herklotzgasse 17 eine Selchwaarenfabrik errichtet, welche alle Wurst- und Fleischwaarensorten streng rituell sabricirt. Krakau, 21. Febr. Hier wurde in zahlreichen Exemplaren eine in den heftigsten Ausdrücken abgefaßte antisemitische Proclamation ausgestreut, welche die Universitätshörer aufsordert, einem akademischen Antisemitenvereine beizutreten. Die Unterschriften auf der Proclamation erwiesen sich als gefälscht. Die Proclamation beginnt mit den Worten: „Fort mit den Juden" und schließt mit dem Ausrufe: „Tod den Juden". Die Staatsanwaltschaft hat eine strafgerichtliche Untersuchung eingeleitet. Horazdiowitz. Bei der erfolgten Constituirung des neugewählten Cultusgemeinde-Borstandes wurden gewählt die Herren: JUDr. David Popper, I. Cultusvorsteher; Gottlieb Kohn,