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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-02 · 9 (2.3.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
9 (2.3.1900)
Date
1900-03-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 166 Dr. Blvch's Wochenschrift!»r. 9 ihm das Judenthum und seine Geschichte ans Herz gewachsen ist. Bor allem verdient der Präsident Banrath Stiaßny das wärmste, Lob. Daß das Präsidium den Wünschen der Gesellschaft entsprochen hat, konnte es auch aus den Ansuchen um Zulaß zur Borlesung entnehmen, lieber drei Tausend Anmeldungen waren eingelaufen. In Wien ist kein Saal vorhanden, der diese Zuhörerschaft zu fassen vermöchte und wäre er vorhanden, so könnte doch kein Vorleser ihn beherrschen, namentlich dann nicht, wenn es sich um eine Dichtung handelt, die so fein nuancirt werden muß, damit kein Detail verloren gehe. Aber wir wollen Denen, die diesmal keine Karten bekamen, ein Mittel verrathen, durch welches sie unfehlbar ihr Ziel erreichen müffen. Sie sollen sich nur als Mitglieder in den genannten Verein aufnehmen lassen, dann haben sie das Vorzugsrecht auf Karten und sie erringen auch noch das lohnende Bewußtsein, ein Werk zu fördern, das nicht blos dem Sammeleifer dient, sondern den hohen Zweck verfolgt, in authentischer Weise zu erhärten, welch umfassendes Wirken auf allen Gebieten menschlichen Wissens und menschlicher Kunst, auf allen Gebieten des Gewerbesteißes und des nützlichen Schaffens die Juden in Oesterreich bethätigt haben. Von den Erschienenen, deren vollständige Liste anzuführen in Folge des coloffalen Besuches unmöglich ist, bemerkten wir die Reichsrathsabgeordneten Rudolf Auspitz und Hofrath Kar eis, die Vicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern und Gustav K o h n mit den Vorstandsmitgliedern Dr. Alfred Berger, Dr. Josef Grünfeld, Emanuel H o f f m a n n, Arthur von Mises, Dr. B. R a p p ap o r t und Director Simon, das Präsidium der türkisch-israelitischen Gemeinde M. R u s s o und L. A d u t t, das Curatorium der Gesellschaft Baurath Stiaßny, Prof. Politzer, Ignatz Brüll, A. E p st e i n, Max Fleischer, Baurath v. G o l d s ch m i d t, Ober-Rabbiner Dr. G ü d e m a n n, Leop. H o r o w i tz, Isidor Kaufmann. Prof. Dr. D. H. Müller, Dr, Ad. S l e i n, Ober-Baurath T a u s s i g. die Regierungsräthe Frankl und K u l k a, die kacs. Räthe Fluß, Doctor Lichten st adt und Dr. Lieben, die Gemeinderäthe C. H e l b i g, I. M. Mayer und I. C. Müller, die Rabbiner Dr. A b e l e §, Dr. Bach, Dr. Brüll, Dr. G e l b h a n s, D. L ö w y, Dr. T e m p l e r und Dr. T a g l i ch t, die Obercantoren S inger, Bauer, Kläger, Schorr. erster Cantor Blatt, Frau Regine Kur and a. Herr und Frau Maximilian Paul-Schiff, Hofrath S m o l a n, Emanuel B a u nigarten. Rector Dr. A. Schwarz, Prof. Dr. B ü ch l e r, die Directoren Brunner und Heller, Professor Dr. B enedikt, Docent Dr. Ehr mann, die Operateure Dr. Herzfeld, Dr. K e p p i ch, Religions-Schulinspector Professor Dr. K a n i tz, die Schriftsteller Dr. Bloch, Dr. W. G o l d b a u m, und Dr. L ö w y, Director der Unionbank W e i s h u t, Bezirksauschuß Langer, Commercialrath E i s e n b e r g e r, k. Bergrath Silberstein u. v. A. m. Besonderes Aufsehen erregte ein hier auf der Durchreise weilender persischer Arzt, der in orientalischer Tracht erschien und mit großer Aufmerksamkeit dem Vortrage Sonneuthals folgte. Unter den Begrüßungen, welche der Gesellschaft anläßlich der Heine-Feier zugekommen sind, möge ein Schreiben des Neffen des Dichters Baron E m b d e n in Hamburg hervorgehoben werden. I. L. Von einer vergessenen Judengemeinde in Süd- Frankreich.' Wie wir die Kunde von der ganz verschollenen Judengemeinde im Hierapolis, von der ich vor einiger Zeit (27. October v. I.) in diesen Blättern berichtete, den zu archäologischen Zwecken unternommenen Ausgrabungen deutscher Forscher zu verdanken haben, so liefert uns ein französischer Philolog einige Nachrichten über eine südfranzösische Judengemeinde, von der man fast gar nichts wußte. Bei Forschungen zu anderen Zwecken fand er zwanzig Blätter, welche statt Pappendeckel zum Einband der Protokolle des Gemeinderathes des Städtchens Forcalquier benutzt worden waren. Und diese Blätter waren in provenzalischer (südfranzösischer), lateinischer und hebräischer Sprache beschrieben. Sie bildeten ungefähr die Hälfte (die größere Hälfte fehlt) des Geschäftsbuches des Notars Hugo Teralh in Forcalquier. Aber ihr Inhalt hat mit Notariatsacten nichts zu schaffen, denn dieser Notar war nebenbei Kaufmann, handelte mit Tuch und anderen Bekleidungsstoffen und die gefundenen Blätter sind Theile seines Hauptbuches aus den Jahren 1330 bis 1332. Aus der Publication des Finders, Professor Paul Mey:r,*) will ich hier das für Juden Interessanteste mittheilen. Forcalquier ist ein kleines, jetzt kaum 3000 Einwohner zählendes Städtchen, im jetzigen Departenient der Niederalpen, halbwegs zwischen Avignon und Nizza. Dort finden wir also am Anfänge des XIV. Jahrhunderts eine verhältnißmäßig ansehnliche Judengemeinde mit einem Rabbiner namens Perez. Im Geschäftsbuche Teralh's kommen die Namen von ungefähr zwanzig Juden — Nehemja, Jechiel, Jacob, Salomon, Samson, Leon, Creyson (Bruder Leons) Astruc Bongodas, Comprat ("V3») Tanigran (?) Bendit n. s. w. — vor. und es ist nicht anzunehmen, daß sämmtliche Juden Forcalquiers ihre Einkäufe bei Teralh machten. Das Merkwürdigste ist aber, daß dort der Kaufmann ein Christ war und die Juden bei ihm den Stoff zu Kleidungsstücken im Detail kauften. Was war also ihr eigentlicher Erwerb? Auch einen Ueberfiuß an Baargeld scheinen sie nicht besessen zu haben, denn sie kauften bei Teralh, sowie seine christlichen Kunden, gewöhnlich auf Borg. Der Notar und Tuchhändler nahm in solchen Fällen keinen Schuldschein, sondern schrieb das Geschäft in sein Buch ein oder ließ es der größeren Sicherheit wegen vom Käufer eigenhändig einschreiben. Die geschehene Zahlung trug er dann selbst ein und durchstrich den Posten. Studirte Leute schrieben sich auf lateinisch ein, andere provenzalisch, die Juden gewöhnlich hebräisch. So lautet z. B. eine Eintragung: „Ich, Nechemja, schulde dem Ugo Teral (b'nta) für eine halbe Elle blaues (Techeleth) Tuch und für weiße Camelottbeinkleider (Bute schukim) 30 Sous und 13 Deniers, davon schuldet unser Herr Rabbi Perez 7 Deniers; gezahlt;" oder: „Ich, Jechiel, Sohn des Rabbi Ahrvn, schulde dem Ugo Teral 7Va Sous für 3 Palm (ll'n-rv ’:), Scharlach." „Ich, Jacob, schulde dem Ugo Teral 15 Sous für eine halbe Elle grünen und eine drittel Elle weißen Stoff und davon schuldet mein Schwiegersohn Salomon fünf Sous." Astruc aus Digna zahlt für zwei Ellen „Mesclatt" die Hälfte, 13 Sous baar und verspricht die andere Hälfte „L'sman Schkim" zu zahlen. Das wird mtt „ä l’epoque des saints“ übersetzt, es soll aber wohl zur Zeit des Jahrmarkts heißen, wie ja auch in anderen Eintragungen „ä la fiera“ als Zahlungstermin vorkommt. Vielleicht fand dort der Jahrmarkt zu Allerheiligen statt, was der Jude nicht schreiben wollte. Uebrigens ist, wie Meyer dankend bemerkt, das Copiren und Uebersetzen der hebräischen Aufzeichnungen von dem Rabbiner und Professor Israel Levi besorgt worden. Im Ganzen enthalten die noch vorhandenen Blätter von Teralh's Geschäftsbuch acht hebräische Eintragungen, von denen Meyer einige in Facsimile wiedergibt, so daß seine Schrift auch einigen Werth für die hebräische Paläographie hat. Was sie noch für die Geschichte von Handel und Industrie Südfrankreichs bietet, ist sehr interessant, gehört aber nicht in den Rahmen dieser Blätter. L. Correspondenzen. Wien. (Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerin ne n.) Am 21. Februar 1900 vollzog fick im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde die Constituirung des Central-Comites für gemeinsame Unter st ützung armer israelitischer Wöchnerinnen. Durch diese seit einiger Zeit von der Wohlthätigkeits- Section des Cultusvorstandes vorbereitete Gründung sollen in der Wiener israelitischen Cultusgemeinde die Principien der modernen Armenpflege — die centralisirte und cooperative Wirksamkeit der auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit maßgebenden Factoren und das präventive Eingreifen zur Linderung der Noch — zunächst in dem Zweige der Wöchnerinnen-Unterstützung zur Bethätigung gelangen. — Vorsitzender Präsident kaiserlicher Rath K l i n g e r eröffnete die Sitzung mit einer warm empfundenen Begrüßungsansprache an die erschienenen Vorstandsdamen der israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereine. Vertreten waren der israelitische Wohlthätigkeitsverein im I. Bezirke durch die Präsidentin Fcau Charlotte Baronin von *) Le livre-journal de maitre Ugo Teralh, uotaire et drapier ä Forcalquier (1330—1332) par Paul Meyer. Tire des uotices et extraits des mauuscrits de la Bibliotheque nationale et autres bibliotheques Tome XXXVI Paris, Librairie C. Klincksieck 1898.

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