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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-02 · 9 (2.3.1900) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
9 (2.3.1900)
Date
1900-03-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. S Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 161 Godinez, hat trotz des Titels — „Aman y Mardochco“ (Madrid 1653) auch Esther eine sehr bedeutende Rolle. Er hat sie, fünf Jahrhunderte vor Christus, beinahe zur Christin gemacht, läßt sie und Mardochai die Prophezeihung Daniels als sich auf das Christenthum beziehend auslegen. Beide Spanier folgten im Allgemeinen der Bibel, gaben manche Stellen wörtlich wieder, fügten aber auch einige Episoden hinzu und führten, wie es bei spanischen Dichtern gebräuchlich war, komische Personen ein — kommt doch auch im jüdischen Purimspiel eine komische Person vor. Godinez beginnt sein Stück nach der Verjagung Waschti's und läßt die Mädchenversammlnng behufs der Brautwahl für den König nicht zur Ausführung kommen, obwohl dieser Egeo ('rt der Bibel) bereits den Auftrag dazu ertheilt hat. i* sehnt sich noch immer nach Waschti und möchte sie zurückrufen. Als er aber Esther erblickt, wird er von ihrer Schönheit und Anmuth *) ganz bezaubert, verliebt sich in sie und macht sie zur Königin. Godinez ließ die Feindschaft zwischen Haman und Mardochai zum Theil durch die Abstammung des Ersteren von Amalek erklären.**) Dies hat er nicht ans der Bibel genommen, sondern aus der Archäologie des Josephus (XI. 6). Und auch Grillparzer hat für seine Esther den Josephus gelesen. Wenn er aber die Jntriguen der Höflinge weiter aus spinnt als Lope de Bega, so scheint er hierin mehr Godinez gefolgt zu sein, bei dem sie viel Raum einnehmen. Aman will, bei Godinez, die Rückkehr Waschti's verhindern und läßt daher dem Könige durch seinen Anhänger Egeo rathen, die schönsten Jungfrauen den Reiches zu versammeln, um aus ihnen eine andere Königin zu wählen. Wahrscheinlich rechnet er darauf, diese beherrschen zu können. Aber die schnelle, unerwartete Erklärung des Königs für Esther macht einen Strich durch seine Rechnung, denn er haßt den Mardochai schon von früher, weither vor ihm nicht knien wollte. Um die ihm von dieser Seite drohende Gefahr abzuwenden, beredet er den König, alle Inden tobten zu lassen, die er für Wucherer und Feinde des Königs, als Anhänger einer der seinigen entgegengesetzten Religion ausgibt: „Schon Pharao wollte die Juden durch Tödtung aller männlichen Neugeborenen ansrotten, aber es gelang ihm nicht, seinen löblichen Vorsatz anszuführen, dies bleibt einem größeren Monarchen Vorbehalten, deshalb möge König Ahasverus den Befehl ertheilen, alle Inden an einem Tage zu tödten." Schon früher hatten Cambises und Dario, Verwandte Waschti's und Gegner Haman's, sich verabredet, ihn und den König durch die Thürhüter Tares und Bagatan ermorden zu lassen, und als durch die Vermälung des Königs mit Esther jede Hoffnung auf die Wiedereinsetzung Waschti's als Königin geschwunden ist, gehen sie eilig an die Ausführung ihres Vorhabens. Mardochai hat unabsichtlich eine Unterredung zwischen Tares und Bagatan behorcht und den Mordplan erfahren. Er schickt einen Zettel mit der Nachricht an Esther, damit sie den König warne. Sie kommt gerade zum König, als dieser mit Aman beschließt, die Juden am 13. (Adar) tödten zu lassen, und er gibt hierauf diesem und Egeo den Befehl, auf Grund von Mardochai's Anz ige, die Untersuchung wegen des Mordanschlages zu führen. Aman beschließt, daß Mardochai jedenfalls für die Anzeige nicht belohnt werden soll und erwirkt, um jede weitere unerwünschte Intervention Esther's zu verhindern, vom Könige das Gesetz, daß Jeder, der ungerusen vor ihm erscheine, mit dem Tode bestraft werden soll. Nun folgen zwei interessante, wirksame Scenen. In der einen beantwortet Zares, die Frau Aman's, in beleidigender Weise das herablassende freundliche Entgegenkommen Esther's: „Wer bist Du denn, welcher Krone, welchen Lorbeers oder Wappens rühmt sich Dein Geschlecht?" ruft sie ihr zu. Da kehrt die sanfte, bescheidene Esther die Königin hervor: „Nur der Wahnsinn kann Dir solche freche Reden eingeben, aber als Gattin *) „Sie vereinigt Bescheidenheit mit Schönheit, Demuth mit Weisheit," sagt der König von ihr. **) „Saul, König der Juden, tödtete den König Agag, von diesem, heißt es, stammt Amar ab und wegen dieses Todes und dieser Feindschaft kann er die Juden nicht leiden, und deshalb wohnt Mardochai nicht in der Residenzstadt Susan", berichtet eine der Nebenpersonen. „Bist Du nicht von jenem elenden Stamm, von jenem infamen Geschlecht, welches den großen König Agag von Ainalek, von dem ich abftamme, grausam tödtete," sagt Haman zu Mardochai. des Königs darf ich solche Worte nicht ungestraft lassen!" sagt sie und zwingt Zares vor ihr zu knien. Dann hebt sie sie auf, umarmt sie und und erklärt, daß sie ihr verzeihe. Aber Zares beklagt sich bei dem gerade eintretenden Aman und dieser verspricht sie zu rächen, wird auch in der Folge von Zares immer mehr gegen Esther gehetzt. Diese aber erkennt nun in Aman und dessen Frau ihre gefährlichsten Feinde. Es ist auch bemerkenswerth, daß auch Grillparzer im Plane hatte, der Zares eine bedeutendere Rolle zu geben, als sie in der biblischen Erzählung hat.*) In der nächsten Scene verweigert Mardochai vor Aman zu knien, da man nur vor Gott knien dürfe. Aman wirft ihn zu Boden und setzt den Fuß auf seinen Nacken; dann sucht er ihm mit Citaten aus dem Propheten Jeremias den bevorstehenden Untergang der Juden zu beweisen. Mardochai weist ihm nach, daß er die Prophezeiung nicht verstanden und citirt die Worte Daniel's, denen er aber eine christianisirende Auslegung gibt. Das war der spanische Dramatiker seinem Publikum schuldig. Dann erscheint das Edict des Königs wegen Abschlachtung der Juden, das aber einen sonderbaren Zusatz hat: „Innerhalb 30 Tagen sollen alle Juden bei Todesstrafe ein Verzeichniß ihrer Besitztümer und Angehörigen einreichen, und damit sie nicht entfliehen können, sollen die Thore aller Städte und Dörfer geschlossen bleiben." Aman ist stolz auf seine Erfolge, kann es aber noch immer nicht verschmerzen, daß Mardochai vor ihm nicht knien will. Cambises und Dario, welche die Aussagen der verhafteten Thürhüter fürchtend, sich eng an Aman angeschlossen haben, rathen ihm, den Mardochai aufhängen zu lassen, worauf er den 50 Ellen hohen Galgen aufrichten läßt. Nun folgt, ungefähr wie in der Bibel, die Verhandlung zwischen Mardoc \i und Esther, wegen ihrer Verwendung bei dem Könige; a>. ch die Einladung des Königs und Aman's zum Speisen bei de. Königin, entspricht der biblischen Erzählung. Neu ist aber, daß Aman das Schwert zieht, um die ungerufen vor dem König erscheinende Esther, dem neuen Gesetze gemäß, zu tödten. Da fällt ihm der König mit den Worten: „Wenn Du sie tödtest, tödtest Du auch mich", in den Arm. „Nie habe ich sie so schön gesehen, ihr gehöre ich ganz an", setzt er hinzu. Am Beginne des dritten Actes finden wir den schlaflosen Ahasverus, der sich von Egeo aus der Chronik vorlesen läßt. Wir erfahren daraus nicht blos von der unbelohnt gebliebenen Anzeige Mardochai's, sondern auch, daß die zwei Thürhüter Tares und Bagatan im Gefängniß gestorben sind, nach Egeo's Andeutungen an ihnen gereichtem Gift. Was sonst aus dieser Hofchronik vorgelesen wird, scheint Beziehung auf Vorgänge in Madrid zu haben und hängt mit der biblischen Erzählung nicht zusammen. An diese schließt sich wieder die Verfügung wegen der Ehrung Mardochai's und die damit verbundene Demüthigung Aman's genau an. Nur glaubt Mardochai als er zum Triumphritt abgeholt wird, man wolle ihn zum Galgen führen und Esther eilt zum Könige, um ihn zu retten. Bei dem zweiten Gastmahl bittet sie in ungeheuer langer Rede um Gnade für ihr Volk und klagt Aman an. Auf ihr Bekenntniß, daß sie Jüdin sei, antwortet der König: „Ich wußte dies schon und auch, daß Du die Nichte Mardochai's bist." Als Aman dann Esther um ihre Verwendung beim Könige bittet und ihr ungebührlich nahekommt, sagt Ahasverus, fast ganz wie in der Bibel: „Was ist das? Vor meinen Augen vergreift er sich an der Königin!" Dann wird Aman abgeführt, um an dem für Mardochai bestimmten Galgen gehängt zu werden, und dieser bekommt das Jenem abgenommene königliche Siegel, um die Edicte gegen die Juden zu widerrufen. Mit einem Appell an die Nachsicht des Publikums schließt das Drama. Wie wir gesehen, spielt die Religion, die jüdische sowohl als die christliche, ihre Rolle im Drama des Spaniers. Auch in dem Grillparzer's sollte nach seiner Absicht die Religion und nicht die Liebe den Inhalt ausmachen, aber er wollte „das Grausame in der heiligen Schrift" mildern. Statt der beabsichtigten Vertilgung der Juden sollte die Auslieferung ihrer heiligen Bücher an die Perser und die Unterdrückung ihres Cultus verordnet werden. „Und wie sie nun um ihres Glaubens willen *) Littrow-Bischoff, S. 164.

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