Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 8 (23.2.1900)
- Date
- 1900-02-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 150 Dr. Bloch's Wochenschrist. Nr. 8 Bei Gelegenheit der Thronbesteigung der Königin Wilhelmine wurde Rabbi Chumaceiro zum Ritter des Oranien-Naffau-Ordens ernannt. Die Beerdigung fand nach dem letzten Willen des Verstorbenen ohne jeden Prunk statt; die gesammte jüdische Bevölkerung Amsterdams, besonders die Gemeinde, in der Chumaceiro als Rabbiner gewirkt, hat durch seinen Tod einen großen Verlust erlitten. Paris. (Tod Adolphs von Rothschild.) Eines der populärsten Mitglieder der Familie Rothschild, Baron Adolph von Rothschild, ist dieser Tage im Alter von siebenundsiebzig Jahren in Paris an Lungenentzündung im Gefolge der Influenza verstorben. Er war der Chef des Neapeler Zweiges der Rothschilds gewesen und als solcher der Bankier und Freund der Könige Ferdinand II. und Franz 1L Nach der Entthronug dieser Monarchen und der Annexion des Königreichs beider Sicilien durch Italien ließ sich Baron Adolph in Paris nieder. Dort baute er sich im Jahre 1868 in der Rue de Monceau ein Palais und brachte in ihm seine Kunstschätze unter. Der Verstorbene war wegen seiner Wohlthätigkeit, die er ohne Rücksichtnahme auf den Glauben ausübte, bekannt, es galt bei ihm als Grundsatz, den er oft betonte, daß die Reichen nur der Armen wegen auf der Welt seien. Ihm gewährte es das größte Vergnügen, die Freude derer, denen er aus der Noth geholfen, mitanzusehen. Er gab niemals weniger als einen Louisd'or. Natürlich wurde er in Folge seiner Hilfsbereitschaft viel von Unwürdigen ausgebeutet, so daß die Polizei schließlich für ihn eine Art von Leibgarde im Bois de Boulogne aufstellen mußte, um ihn vor den professionellen Bettlern, die ihn bei seinen Spaziergängen umdrängten, zu schützen. In seinem Palais vertheilte er täglich 1500 Francs an Almosenempfänger und Nothleidende. Aber seine Mildthätigkeit war nicht auf Paris beschränkt. Auch in Neapel und in der Schweiz, wo er Besitzungen hatte, theilte er mit offenen Händen aus. Er war leidenschaftlicher „Jachtsmann" und pflegte diesen Sport besonders auf dem Genfer See; dort unternahm er von seiner Villa, dem entzückenden „Pavillon de Pregny" aus lange Kreuzfahrten auf seiner Jacht „La Gitana". Er ist kinderlos. Das Vermögen von etwa 200 Millionen Francs geht an seine Witwe. London. (Die jüdischen Soldaten.) In den englischen Regimentern, die jetzt in Südafrika kämpfen, befindet sich auch eine große Anzahl von Soldaten jüdischen Glaubens. Es sind etwa drechundert Juden, zum bedeutendsten Theil orthodoxe Juden, die im Felde auch nicht versäumen, den Vorschriften der Religion nach Möglichkeit nachzukommen. Sir Samuel Montagu, der bekannte englische Philanthrop, hat es übernommen, seine Glaubensgenossen vor dem Feind mit ungesäuertem Brot zum Paffahfest zu versorgen. Der bei Spionskop gefallene Lieutenant Raphael vom Süd-Lancashire-Regiment war Jude. London. Am 4. Februar hielt die „Anglo Jewish Association“ ihre Monatsversammlung ab. Den Schulen wurden folgende Bewilligungen gemacht: Brussa 800 Mark, Chio 400 Mark, Crajowo 400 Mark, Philippopel 800 Mark. In Crajowo wird der Zuschuß der „Anglo Jewish Association“ dazu verwendet, die Abtheilung für Handel im Gang zu erhalten, die sonst aus Mangel an Mitteln hätte eingehen müssen. Alsdann erstattete H. A. F r a n k l i n den Bericht der Commission, die zur Prüfung der österreichischen Angelegenheiten eingesetzt war. Dieselbe ist zu dem Schluffe gekommen, daß mit Rücksicht auf die eigenarttgen Verhältnisse in dem Kaiserstaate an der Donau eine Einmischung der englischen Juden unthunlich ist. Ueber diesen Bericht entspann sich eine längere Discussion, indem Stimmen laut wurden, die es für eine Pflicht der englischen Judenheit erklärten, den Brüdern in Oesterreich zu helfen. Schließlich wurde indessen der Bericht doch mit großer Stimmenmehrheit zur Kenntniß genommen, das heißt gebilligt. Zum Schluß erstattete Miß Olga d'A v i g d o r einen sehr interessanten Bericht über die Eindrücke, welche sie von ihrem jüngsten Besuche im heiligen Lande mitgebracht hat. Speciell beschäftigt sie sich mit der Evelina Rothschild-Schule. Es sei doch merkwürdig, daß bei einer jüdischen Bevölkerung von 45.000 Seelen nur 370 Mädchen die Schule besuchten, obwohl für reichlich 500 Platz in der Schule ist. Dabei existirt keine andere jüdische Schule und viele jüdische Kinder gingen sogar in die Missionsschulen. Freilich sei es schwer, die großen Differenzen zu überbrücken, die dadurch entstehen, daß sich in der heiligen Stadt die Juden nach Landsmarmschaften organisiren. Einzig und allein die hebräische Sprache bilde ein gemeinsames Verständigungsmittel und habe für Jerusalem die allergrößte Bedeutung. Wolle man den Besuch der Schule heben, so müsse man vor allem für gute Lehrer in der hebräischen Sprache sorgen, die viel wichtiger sei, als der Unterricht in der englischen Sprache. Erfreulich, daß auch bei den englischen Juden die Erkenntniß der Bedeutung der hebräischen Sprache Platz greift. Rom. (Tod des Senators Jsacco Artom.) Einer der hervorragendsten Juden Italiens, der Senator Jsacco Artom, ist nach längerer Krankheit gestorben. Ec war in Asti geboren, hatte in Pisa und Turin Jurisprudenz studiert und trat zwei Jahre nach Erlangung der Doctorwürde, im Jahre 1855, als Beamter in das Auswärtige Amt. Der berühmte Staatsmann Graf Cavour erkannte bald die hervorragende Begabung des jungen Juristen und nahm ihn 1858 als Secretär in sein Privatcabinet. Später war Artom Legationsseeretär in Paris, Gesandter in Kopenhagen und Chef des Privatcabinets des Ministers des Auswärtigen, Grafen Pasolini. Im Jahre 1865 wurde Artom als italienischer Bevollmächtigter zur Münzconferenz nach Paris und im Jahre 1866 mit dem General Menabrea zur Leitung der Friedensverhandlungen nach Wien delegirt, 1870 mit Marco Minghetti, als es galt, für die sich vorb-reitende Occupation Roms durch die Italiener das Wiener Cabinet, soweit dies angesichts der feindlichen Haltung unseres Clerus überhaupt möglich war, freundlich zu stimmen. Der Minister des Auswärtigen Visconti Venosta wählte Artom im Jahre 1870 zum Generalsecretär des Auswärtigen Amtes, welchen Posten er bis zu seiner 1876 erfolgten Ernennung zum Senator bekleidete. Sein Nachfolger in diesem Amt war ebenfalls ein Jude Giovanni Malvano. Artom war ein ebenso gewandter Diplomat wie ausgezeichneter Finanzpolitiker; in wichtigen Finanzfragen ist sein Urtheil stets maßgebend gewesen. Die Beerdigung des Staatsmannes fand in seiner Vaterstadt Asti unter lebhafter Betheiligung aller Bevölkerungsclassen statt. Die Minister Visconti Venosta und Saarcco befanden sich unter dem Trauergefolge. König Humbert hat dem Sohne des Verstorbenen ein sehr huldvolles Beileidstelegramm geschickt. Unter den verschiedenen Trauerreden erwähnen wir nur die des Rabbiners von Asti, Dr. Foa. Jsacco Artom hat stets seinem Vaterland und dem Glauben seiner Väter die gleiche Treue bewahrt. Vermischtes. Wien. (Säcularfeier für Josef Ritter von Wertheimer,) Der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat in der Plenarsitzung am 20. Februar 1900 e i nst i m m i g beschlossen, anläßlich der hundertstenWiederkehr des Geburtstages Josef Ritter 'von W e r t h e i m e r s s. A. in Gemeinschaft mit Vereinen, die ihre Gründung dem Verewigten allein oder seiner hervorragenden Mitwirkung zu danken haben, eine Säcularfeier im Monate März abzuhalten. Wien. Der Präsident der israelittschen Cultusgemeinde Herr kais. Rath Heinrich Klinge r hat aus Gesundheitsrücksichten einen Urlaub von mehreren Wochen genommen und wird denselben im Süden verbringen. Wien. (Kundmachung.) Freitag den 23. Februar a. c. Abends und Samstag den 24. Februar a. c. Früh wird Herr Bela Guttmann, Obercantor-Stellvertreter in Budapest im Leopoldstädter-Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 5 Uhr 45 Minuten, Samstag Früh um 8 Uhr. Wien. (Jüdisches Museum.) Die Karten zur Sonnenthal-Vorlesung waren bereits in den ersten Tagen nach Bekanntgabe des Programmes vollständig vergriffen, so daß spätere Bewerbungen mit Bedauern nicht berücksichtigt werden konnten. — Von Samstag, den 24. d. M. angefangen, sind im Museum 8 Aquarelle „Das hohe Lied", von Professor Leopold Schauer, sowie die neuesten Erwerbungen zur allgemeinen Besichtigung ausgestellt. Wien. Vom Secretariate der Cultus gemeinde werden wir um Aufnahme nachstehender Zeilen ersucht: Laut anher gelangter Mittheilung sammelt ein Mann, der sich Sieger nennt, angeblich für einen in Wien wohnhaften Religionslehrer auf Grund eines Sammelbogens Unterstützungsgelder und beruft sich