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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-23 · 8 (23.2.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
8 (23.2.1900)
Date
1900-02-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr 8 Vr. Bloch's Wochr.zschrifl. Seite 149 baufondes veranstaltete, nahm einen glänzenden Verlauf. Jeder war gern bereit sein Scherflein zur Realisirung des von der hiesigen österr.-ungar.-israelitischen Cultusgemeinde schon seit Jahren angestrebten Wunsches, des Baues eines Tempels, beizutragen. Schon lange vor Beginn des Festes füllte ein außerordentlich dinstinguirtes Publikum, in dem alle Gesellschaftsclassen vertreten waren, den Saal; es waren erschienen die Generalmajore von Trappe! und Schemua, Hofrath Hörmann, zahlreiche hohe Officiere und Beamte, die Vicebürgermeister Petar T. Petrovic und Dr. Niec und viele Gemeinderäthe. Um halb 9 Uhr Abends traf Landeschef G. d. C. Baron Appel ein. Seine Excellenz wurde im Foyer von dem Obmann des Comites Herrn Serelmann mit einer Ansprache begrüßt und auf die prächtig decorirte Honoratioren- Estrade geleitet, wo der Obmann der Cultusgemeinde, Dr. Rothkopf, Seiner Excellenz im Namen des Vorstandes der Gemeinde für das Erscheinen auf dem Feste dankte. Der Landeschef erwiderte, er sei gern zu dem Feste gekommen und es freue ihn, daß dasselbe so vollständig gelungen sei, besonders da mit demselben ja ein so edler Zweck verfolgt werde. Der Ball wurde durch eine Polonaise eröffnet; als erste Paare schritten die Protectorinnen des Balles Frau Floretta Jsachar D a n o n mit Herrn Serelmann und Frau Dr. M. R o t h k o p f mit Herrn Jsachar Z. D a n o n. Frau Danon, deren Patronanz über das Fest einen Beweis dafür ablegte, wie sehr sich auch die spaniolische Bevölkerung für die Veranstaltung interessirte, war in dem landesüblichen Costüm der vornehmen Spaniolinnen erschienen. Die Dame trug eine weite faltige „Dolama" aus dunkelrothem Sammt, die mit, ein Vermögen repräsentirenden Goldstickereien übersäet war. Um die Taille wurde das Gewand durch einen breiten Perlengürtel zusammengehalten; Hals und Arme zierte reicher Ducatenschmuck. Frau Dr. Rothkopf war in einer prächtigen Toilette aus weißem Crepe de chine mit Tüllstickerei erschienen. Mit Unermüdlichkeit und Ausdauer wurde zu den Klängen der Musikkapelle der Sechsundachtziger bis zum frühen Morgen getanzt. Ein besonderes Lob verdienen die Herren, die den Saal schön und geschmackvoll decorirt haben, vor Allem Bankbeamter Ernst L ö w y. Die Firma Elias K a b i l j o hatte zu Decorationszwecken wieder eine große Anzahl schöner Teppiche und werthvoller Stickereien zur Verfügung gestellt. Die Damenspende bildete ein reizendes kleines Album. Berlin, 18. Februar. (Der Sonntags-Gotte sd i e n st.) Auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Repräsentanten-Collegiums stand die Berarhung über die bekannte Petition der „Sonntagsjäger" auf Einführung eines festtäglichen Gottesdienstes am Sonntage in mehreren Synagogen. Diese Petition ist vor einigen Jahren bereits vom Vorstand und dem Repräsentanten-Collegium abgelehnt worden; da aber mittlerweile ein Theil der Repräsentanten neugewählt wurde und diese Wahl in liberal-radikalem Sinn ausgefallen ist, so hielt sich Herr- Gustav L e w i n st e i n, der Vorkämpfer dieser Idee, für berechtigt, nochmals mit seiner Bitte an die Gemeindebehörde heranzutreten. Herr Commerzienrath F r i e d l ä n d e r. der auf das Programm des Sonntags-Gottesdienstes gewählt worden war, stellte heute den Antrag, diese Petition einem Ausschuß zu überweisen. Die Conservativen beantragten Uebergang zur Tagesordnung. Die Debatte, die sich an diesen Antrag knüpfte, zeugte von rührender Hilfslosigkeit auf beiden Seiten. Es war recht unheimlich, zu beobachten, mit wie wenig Witz für und gegen den Sonntags-Gottesdienst gekämpft worden ist. Kein Wunder auch, da in diesem Collegium Fachkenntniß nicht gesucht werden darf. Prof. Geiger sprach es mit anerkennenswerther Offenheit aus, daß unter einem sonntäglichen Gottesdienst keineswegs der gewöhnliche wochentägliche gemeint sein könne; ein solcher werde Niemanden befriedigen, der Gottesdienst müsst festtäglich gehalten und mit einer Predigt verbunden sein. Eine Nachahmung des Christenthums sei damit nicht beabsichtigt. Geheimrath Prof. Senator meinte, er wäre im Princip nicht gegen den Sonntags-Gottesdienst, aber er glaube, daß die Gemeinde sich deshalb nicht anzustrengen brauche. Im Reformtempel, wo nur Sonntags - Gottesdienst abgehalten werde, sei ja noch Platz genug vorhanden, da in der Regel dort kaum ein halbes Hundert Beter zu finden sei. Der Gemeinde-Präsident, Justizrath Meyer, sprach sich gegen den Antrag aus; er meinte, nachdem die erste Begeisterung vorüber sein werde, werde auch der Synagogenbesuch aufhören, man werde auch für den Gottesdienst am Sonntag „Minjanleute" miethen und bezahlen müssen. (Stürmische Heiterkeit.) Der Antrag auf Zuweisung der Petition an eine Commiffion wurde mit einer kleinen Mehrheit angenommen. die Liberalen haben somit einen Sieg erfochten. Es verlautet, die Conservativen wollen sich nun ebenfalls mit dem Gedanken eines sonntäglichen Gottesdienstes befreunden, daran aber die Bedingung knüpfen, daß die männlichen Beter „Tefillin legen sollen, um somit den wochentäglichen Charakter des Gottesdienstes zu wahren. Nicht übel! Die Galerien waren heute dicht besetzt, man hoffte auf einen Scandal, wie er vor vierzehn Tagen in diesen Räumen sich abgespielt hatte. Enttäuscht zogen aber dann die Leute von dannen und auf ihren Gesichtern war die Entrüstung zu lesen: „Pfui, wie anständig!" Ualiban. Straßburg. Sonntag den 18. Februar fand hier die feierliche Einführung des O b e r r a b b i n e r s U r y in die Consistorial-Synagoge statt, in Anwesenheit der Oberbehörden des Consistoriums, der Mitglieder der „Verwaltung", der Bezirksrabbiner und geladener Gäste. Nach dem Chorgesange „Ma tauwuh" verlas der Präsident des Consistoriums Dr. Gustav Levy die landesherrliche Verordnung und bot dem neuen Oberrabbiner in einer warmen und innigen Ansprache herzlichen Willkommengruß. Hierauf hielt der Oberrabbiner Ury seine Antritts- Predigt. Nach einigen einleitenden Worten, in denen er Gott seinen Dank für seine bisherige gütige Führung und Leitung gezollt, sowie seines Amtsvorgängers des seligen Oberrabbiners Weill gedacht, zeigte er vom Capitel 21. 8. Jesajas ausgehend, erstens auf welcher Warte der Prophet im jüdischen Alterthume stand und zweitens, welchen Standpunkt der jetzige Priester, der doch immer noch der Abglanz des früheren Prophetenthums sein soll, einnehmen muß. Im dritten Theile hob er hervor, daß wie der Prophet nur dann segensreich für das Volk wirken konnte, wenn er im Volke gelebt habe, auch er m i t der Gemeinde und i n der Gemeinde leben wolle, um sie den Zielen zuzuführen, die einer modernen Großgemeinde würdig seien. Die Predigt, die sich durch ihren Gedankenreichthum und die schwungvolle Form auszeichnete, machte sichtlich einen gewaltigen Eindruck auf alle Gutgesinnten. Man glaubte nämlich, daß der Oberrabbiner durch die nicht sehr würdigen Angriffe, die nach seiner Wahl bis zur Bestätigung durch die Regierung erfolgt waren, gebrochen und mürbe, gnadesuchend und mitleidheischend Hieherkommen würde. Statt Dessen zeigte seine Predigt, mir welcher Energie er seine Aufgabe zu lösen bereit sei. Wie der Prophet ohne Furcht und Zagen vor den Großen und Reichen der höchsten Wahrheit dienen will, so wolle auch er ohne Rücksicht auf irgend eine Partei an seiner durch wissenschaftliches Studium erlangten Ueberzeugung sesthalten und dieselbe gegen Frömmelei und Heuchelei, sowie gegen Gleichgiltigkeit und Freigeisterei mannhaft vertheidigen. Besonders angenehm berührten Herrn Oberrabbiner Ury's Worte, als er vom Religionsunterrichte sprach, um den es hier leider sehr arg bestellt ist. Der religiösen Jugenderziehung wolle er vor Allem seine Kraft widmen. Obwohl der Oberrabbiner Elsässer und in französischer Schule ausgebildet, scheint er doch dem französischen Grundsätze: „laisser fahre — leisser aller“, der hier zu Lande leider schon so viel Unheil angerichtet hat, nicht huldigen zu wollen. Vielmehr gedenkt er mit Ernst und Strenge, die eines deutschen Staatsbeamten würdig ist, sein priesterliches Amt zu versehen. Möge es ihm im Verein mit der Gemeinde gelingen, die von ihm erstrebten Ziele zu erreichen, möge auch sein Beispiel befeuernd und belebend aus seine Amtscollegen im Elsaß wirken. Thora-Ausheben und Kaisergebet beschloßen die würdige Feier, zu deren Hebung die vom vortrefflichen Dirigenten des Synagogenchores Herrn Concertsänger Stanislaus Schlesinger geleiteten Chorgesänge wesentlich beitrugen. Amsterdam. (Plötzlicher Tod.) Der Rabbiner der hiesigen alten portugiesischen Gemeinde, Jacob Aron Mendes Chumaceiro, ist am 13. Februar Abends im Beth Hamidrasch plötzlich gestorben. Ein Herzschlag traf den frommen Mann, als er eben eine Wohlthätigkeitsangelegenheit erledigte. Rabbi I. A. M. Chumaceiro war im März 1833 in Amsterdam als Sohn eines Rabbiners geboren und hat seine Ausbildung ausschließlich in Holland genossen. Seine hebräischen Studien hat er in dem portugiesisch-jüdischen Seminar in Amsterdam absolvirt, aus dem er im Jahre 1862 das Rabbinerdiplom erwarb. Rabbi Chumaceiro war mehrere Jahre Lehrer und Schulvorsteher, später Rabbiner der portugiesischen Gemeinde im Haag. Er war Vorsteher oder Vorstandsmitglied fast aller Wohlfahrtsvereine und fleißiger Mitarbeiter des „Nieuw Israelitisch Weekblad".

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