Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 8 (23.2.1900)
- Date
- 1900-02-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 8 Dr. Blnch's Wochenfchrrfl. Veite 147 Zum Schlüsse wurden drei ehemaligen Vereinszöglingen aus der Herrmann Todesko-Stiftung Darlehen behufs Etablirung behändigt. Vorsitzender Zifferer hielt hiebei an die Betreffenden eine längere Ansprache, in welcher er die symbolische moralische und materielle Bedeutung des Actes in kernigen, markigen Worten auseinandersetzte und die betreffende Mahnung richtete, stets eingedenk zu sein dessen, was sie dem Vereine zu danken haben und demselben als selbstständige Gewerbetreibende nach jeder Richtung hin zur Ehre zu gereichen. Der würdige Verlauf der Generalversammlung, die weihevolle Stimmung, welche durch die einleitenden Reden des Vorsitzenden, Gemeinderathes Zifferer, des Schriftführers Dr. Reis und des Oberrabbiners Dr. G ü d e m a n sich jedes Einzelnen bemächtigte, wird bei allen Teilnehmern die Wirkung nicht verfehlen und es darf wohl der Erwartung Raum gegeben werden, daß der warme und eindringliche Appell betreffs Förderung der Vereinszwecke nicht wirkungslos verhallen, sondern fruchtbaren Boden gefunden haben wird. Allseits festigte sich auch die Ueberzeugung, daß es nur dem unermüdlichen Eifer, des Vorstandes zu verdanken ist, wenn dem Vereine so bedeutende Erfolge zur Seite stehen, wenn er trotz der knapp zugemessenen Mittel dennoch überraschend günstige Resultate aufzuweisen vermag. Möge der Vorstand, respective seine illustren Mitglieder für ihr selbstloses Wirken im Dienste wahrster Nächstenliebe Befriedigung finden in dem Bewußtsein, ihr Bestes eingesetzt zu haben für Pas Heil der ihrer Obhut und Betreuung anvertrauten Zöglinge und zur Ehr des Judenthums. Eduard Beer. (Korrespondenzen. Aus der Plenar-Sitzung des Cultusvorstandes vom 20. Februar 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Heinrich Klinger. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Moritz Engel de Janosi aus Anlaß des 80. Geburtstages des Herrn Adolf Engel de Janosi für das Siechenhaus Kronen 500.— Von Herrn Wilhelm Steiner aus Anlaß tes Ablebens seiner Tochter Gertrude für Arme Kronen 200.— Von Herrn Dr. Josef Neugröschl für den Waisenverein Kronen 50.— Von Herrn Dr. Leopold Kohn für einen Stiftungsbewerber als Gratiale Kronen 40.— Von Herrn Dr. Alfred Stern für die Spitals-Aushilfscasse Kronen 20.— Von Frau Fanny Bauer für das Siechenhaus Kronen 20.— Von Frau Nina Leon für den Frauenverein Kronen 20.— Von Frau Regina Arnstein für das Waisenhaus Kronen 10.— Von Lisa von C. für arme Juden Kronen 10.— Von I. S. für Arme Kronen 10.— Herr Moriz Edler von Kuffner und Frau Katharina Oppenheim geb. Edle von Kuffner errichten zum Andenken an ihre selige Mutter Frau Rosalie Edle von Kuffner mit dem Betrage von Kronen 3600.— zwei Stiftungsplätze in dem zu errichtenden Siechenhause und ein Stiftungsbett im neuen Pavillon des Spitals der israelitischen Cultusgemeinde. Im Einlaufe befindet sich eine Zuschrift des Herrn Moriz Ritter v. Borkenau, mit welcher derselbe erklärt, für das Siechenhaus einen jährlichen Beitrag von Kronen 100.— zu leisten. Den Spendern wird der Dank votirt. Bei Anwesenheit der laut § 16 des Statutes vorgeschriebenen Anzahl von Vorstandsmitgliedern, referirt namens der I. und IV. Section Herr Oberingenieur v. Mises über die Herstellung eines den Verhältnissen vollkommen entsprechenden rituellen Bades auf einem hiezu bereits in Aussicht genommenen passenden Grunde und werden die Sectionsanträge nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder betheiligt, zum Beschlüsse erhoben. Zur Verleihung gelange» nach dem Referate des Herrn Dr. Steiner ein Platz der Dr. Ignaz Lemberger'schen Heiratsausstattungsstiftung per Kronen 278.— Weiters die David Neumann'sche Berwandten-Stistung im Gesammtbetrage von Kronen 416.— an 27 Parteien. Ferner gelangen zur Verleihung nach dem Referate des Herrn Ober-Ingenieur v. Mises: Die Josef Spitzer'sche Stiftung für des Ernährers beraubte jüdische Familien im Gesammtbetrage von Kronen 252.— an vier Petentinnen. Die Ignaz Baum'sche Armenstiftung im Betrage von Kronen 440.— an zehn Petenten, endlich die Dr. Max Friedländer'sche Ausstattungsstiftung im Betrage von Kronen 120. - an ein armes Mädchen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 9 Uhr Abends geschloffen. Wien. (Ein bestätigtes Urt heil.) Am 11. Sept. 1899 wurde der Verantwortliche Redacteur des „Deutschen Volksblattes" August Schreiber, von einem Erkenntnißsenat unter Vorsitz des Hofrathes R. v. H o l zi n ge r wegen Veröffentlichung von unrichtigen Thatsachen und von Zeugenaussagen aus der Untersuchung im Polnaer Mordproceß zu einem Monat Arrests verurtheüt. Der Oberste Gerichtshof hat nunmehr die vom Bertheidiger angemeldete Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung z u r ü ck g e w i e s e n, womit das Urtheil der ersten Instanz in Rechtskraft erwachsen ist. Prag. (Die „A n t w o r t d e s D r. B a x a.) Als Antwort auf die Broschüre des Professors M a s a r y k, der für eine Revision des Polnaer Processes eintrat, erschien eine Broschüre des Abg. Dr. Carl B a x a, die ebenfalls confiscirt wurde. Da Doctor Baxa als Landtagsabg-ordneter Immunität besaß, wurde der Redacteur Ladislaus S o k o l, der die „Antwort" Baxa's in den „Radicalni listy" zum Abdruck gebracht hatte, gestern vor Gericht gestellt. Der Staatsanwalt bezeichnet die „Antwort" Baxa's als ein Plaidoyer für den Ritualmord, daß geeignet war, die Oeffentlichkeit zu beeinflussen. Dr. Baxa trat als Bertheidiger des Angeklagten auf. Der Senat verurtheilte Sokol im Hinblick auf seine mehrfachen Vorstrafen wegen Verbreitung einer conffscirten Druckschrift zu zehn Tagen Arrest, sprach ihn jedoch von der Anklage wegen Beeinflussung des Gerichtsverfahrens frei. Prag (V o r t r a g.) Am 15. d. hielt hier im Verein „Afike Jehuda" Herr Dr. Julius R e a ch, Rabbiner in Raudnitz, einen gehaltvollen, sehr beifällig aufgenommenen Bortrag über: „Die Massoreten, Israels Fahnenwacht", in welchem ausgeführt wurde, daß der Bibeltext der 24 Bücher nicht in abweichenden Recensionen, sondern einheitlich auf die Gegenwart gelangte. Segensreich war die Thätigkeit der ersten Epoche (der Sopherim) für die Sicherung des Textes — von Esra bis zur Synodalversammlung zu Jamnia. — Die zweite Epoche der Massoreten setzte der Vortragende bis auf Aron ben Ascher an, einen Zeitgenossen Saadias, dem Verfertiger der Musterthorarolle, nach welcher Maimonides die seinige geschrieben hatte. Den Eifer der „Wächter des Gesetzes" schützte das Bibelwort vor Interpolationen. In der dritten Epoche (der Makdanim) von Ben Ascher bis zur Drucklegung der Libiia rabbinica 1], Venediger Ausgabe, erfolgte die Sicherung des Textes in der in letztgenannter Ausgabe vorliegenden Gestalt. Mit einen kurzem Ueberblick über die massoretische Literatur bis auf die Gegenwart schloß der Vortragende seine Ausführungen mit der Erwägung, daß, wenn auch der Zaun, der die Bibel eingehegt hat, die Massorah, heute noch ungesichtet ist, der von diesem gehegte Text unberührt geblieben ist. K. M.-T. Lemberg. In wenigen Tagen wird die hiesige Bürgerschaft an die Wahlurne treten, um einen neuen Landtagsabgeordneten an die Stelle des unvergeßlichen Dr. Smolka zu wählen. Bisher sind blos 2 Candidaturen bekannt. Dem einen derselben, dem Minister für Galizien Dr. Leonhard Pientak steht der Socialdemokrat Daszynski gegenüber. Das mündliche Wahlverfahren läßt den Sieg Daszynski's zweifelhaft erscheinen, obwohl die Candidatur eines Ministers in den demokratisch und liberal gesinnten Kreisen der Bevölkerung sehr mißliebig ausgenommen wird. Denjenigen unserer Glaubensgenossen, die aus beliebigen Gründen nicht für den socialdemokratischen Candidaten stimmen wollen, wäre sehr zu empfehlen, dem Wahlacte fern zu bleiben. Ein Candidat, mag er auch Minister sein, für den „die Autorität der staatlichen Behörden an der Klosterpforte auf hört," und der auch in seiner localpolitischen Vergangenheit nie aus seiner clericalen Gesinnung Hehl gemacht hat, darf auf die Unterstützung der nichtcorrumpirten jüdischen Wählerschaft verzichten. Dies hätte auch der Herr Gemeindepräses bedenken sollen, ehe er es für gut fand, in einer öffentlichen Wählerversammlung nach zaghaftem Bor-